zurück zum Artikel

US-PrÀsident Obama will bessere Patente

Christian Kirsch

In Zukunft soll Schwarmintelligenz dabei helfen, den Stand der Technik zu ermitteln, bevor Schutzrechte erteilt werden. Außerdem will das US-Patentamt seine PrĂŒfer besser schulen.

Um "Prior Art", also den Stand der Technik, in AntrĂ€gen zu erkennen, soll das US-Patentamt (USPTO) in Zukunft auf Crowdsourcing zurĂŒckgreifen. Das ist eine von drei Anordnungen [1], die PrĂ€sident Barack Obama am Dienstag zur Verbesserung des Patentwesens verkĂŒndete. Im Wesentlichen soll das USPTO Firmen, Experten und der Öffentlichkeit neue Möglichkeiten eröffnen, auf bereits Bekanntes hinzuweisen. Solche Informationen erleichterten es den PatentprĂŒfern, den Neuigkeitsgehalt eines Antrags zu entscheiden.

In einem Blog-Beitrag [2] weist der Patentantwalt Denis Crouch darauf hin, dass Dritte das USPTO schon seit September 2012 auf Prior Art hinweisen könnten. Allerdings stĂŒnden den rund 500.000 offenen PatentantrĂ€gen lediglich rund 1200 Mitteilungen dieser Art gegenĂŒber. "[...]Die Nutzer des Patentsystems sind einfach nicht interessiert und nutzen die vorhandenen Möglichkeiten nicht", meint er.

Zweiter Schritt zu einer höheren PatentqualitĂ€t soll eine bessere Schulung der PrĂŒfer sein. Sie mĂŒssten "mit sich schnell Ă€ndernden Technikfeldern" zurechtkommen, meint Obama. Die US-Regierung fordert deshalb Erfinder auf, Zeit und Kenntnisse zur Weiterbildung der PrĂŒfer beizusteuern.

Schließlich soll das USPTO Erfindern ohne rechtlichen Beistand dabei helfen, kostenlos Beistand zu bekommen. Dieses "Pro-Bono"-Programm existiert bereits und soll auf alle 50 Bundesstaaten ausgedehnt werden. Außerdem Ă€ußerte sich Obama auch zu Ă€lteren Verfahren, etwa fĂŒr eine konsequente Veröffentlichung der EigentĂŒmerschaft eines Patents und zum Schutz von Endanwendern vor Patentklagen.

Begleitet werden diese rein administrativen Schritte von Diskussionen in Kongress und ReprĂ€sentantenhaus ĂŒber GesetzesĂ€nderungen [3]. Dabei ist unter anderem geplant, den unterlegenen KlĂ€ger in einem Patentprozess die Kosten des Gegners tragen zu lassen. Das soll erpresserischen Missbrauch von Patentverletzungsklagen eindĂ€mmen: Viele Beklagte akzeptieren lieber einen außergerichtlichen Vergleich, weil sie die hohen Verfahrenskosten scheuen, die sie sogar bei einem Sieg zu tragen hĂ€tten. (ck [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-2120449

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.whitehouse.gov/the-press-office/2014/02/20/fact-sheet-executive-actions-answering-president-s-call-strengthen-our-p
[2] http://www.ipwatchdog.com/2014/02/20/white-house-announces-patent-related-executive-action/id=48223/
[3] https://www.heise.de/news/US-Abgeordnete-schlagen-Gesetz-gegen-Patenttrolle-vor-1985631.html
[4] mailto:ck@ix.de