US-Regierung sperrt Dutzende Domains iranischer Auslandsmedien
Das US-Justizministerium hat 33 Domains beschlagnahmt, die vom Iran betriebenen Medien gehören. Ihnen wird Desinformation gegen die USA vorgeworfen.
Wenige Tage nach der PrÀsidentschaftswahl im Iran hat die US-Regierung Dutzende Websites konfisziert, die von Medien unter Kontrolle des Regimes in Teheran kontrolliert wurden. Insgesamt seien 33 Internetseiten vom Netz genommen worden, teilte das US-Justizministerium mit.
Dabei habe es sich nur vorgeblich um Nachrichtenangebote oder Medien gehandelt, stattdessen seien darĂŒber die Vereinigten Staaten mit Desinformationskampagnen [1] und "Operationen zur böswilligen Einflussnahme" angegriffen worden. Die betroffenen Seiten sind unter den Domains nicht mehr zu erreichen, stattdessen prangt darauf ein Hinweis auf die Beschlagnahmung in Englisch und Arabisch. Teilweise sind sie aber bereits unter einer anderen Top Level Domains verfĂŒgbar.
Vom Iran betriebene Auslandsmedien
Gesperrt wurde nun unter anderem die .com-Domain des englisch-sprachigen Mediums Press TV, die arabisch- und englischsprachige Seite Almasirah aus dem Jemen, die Domain des arabisch-sprachigen Mediums Al Alam sowie die des an Bahrain gerichteten arabisch-sprachigen Fernsehsenders LuaLua. Betrieben werden die betroffenen Medien von der Iranischen Islamischen Radio und Fernsehunion (IRTVU) beziehungsweise der paramilitĂ€rischen Miliz Kata'ib Hezbollah im Irak, die unter anderem von den USA als terroristische Vereinigung angesehen wird, erklĂ€rt die US-Regierung [2]. Die Beschlagnahmung der Domains wird dabei auĂerdem mit fehlenden Lizenzen begrĂŒndet, ein Argument mit dem Press TV vor Jahren bereits in Deutschland gesperrt worden war [3]. Die Sperrung wirft aber trotzdem noch einige Fragen auf, unter anderem weil der auf den Seiten auftauchende Hinweis in Englisch und Arabisch, nicht aber Persisch verfasst ist.
Die Sperrung der Domains fĂ€llt in eine Zeit besonderer Anspannung zwischen dem Iran und den USA. Am Freitag wurde der 60-jĂ€hrige Ebrahim Raeissi als Spitzenkandidat der Hardliner zum neuen PrĂ€sidenten des Irans gewĂ€hlt worden; nach einer diesmal besonders strengen Auslese durch den sogenannten WĂ€chterrat war er dabei weitestgehend konkurrenzlos. Raeissi steht jedoch auf einer Sanktionsliste der USA, ihm wird vorgeworfen, fĂŒr massenhafte Hinrichtungen von Dissidenten verantwortlich gewesen zu sein. GegenwĂ€rtig verhandelt sein Land unter anderem mit den USA ĂŒber die RĂŒckkehr zum Atomabkommen JCPOA, mit dem unter anderem verhindert werden soll, dass die Islamische Republik an Kernwaffen gelangt.
(mho [5])
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[2] https://www.justice.gov/opa/pr/united-states-seizes-websites-used-iranian-islamic-radio-and-television-union-and-kata-ib
[3] https://www.vgh.bayern.de/media/bayvgh/presse/pm_press_tv.pdf
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