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US-Richter Charles Breyer: Volkswagens Milliarden-Risiko

VW, Passat, Clean Diesel

Bis zum 24. MĂ€rz lĂ€uft sein Ultimatum: Eine Lösung fĂŒr die manipulierten VW-Diesel in den USA soll her. Vor allem der Konzern sollte sich gut ĂŒberlegen, ob er die Geduld von Richter Breyer strapaziert - er ist der wichtigste Mann im US-Prozess gegen VW.

Er wird VW im Abgas-Skandal [1] zur Kasse bitten: US-Richter Charles Breyer [2] ist die zentrale Figur im Mammut-Verfahren gegen Volkswagen in den Vereinigten Staaten. Der braungebrannte Mittsiebziger aus Kalifornien, Markenzeichen akkurater Seitenscheitel und Fliege, wird ganz maßgeblich darĂŒber bestimmen, wie teuer "Dieselgate" den Autobauer zu stehen kommt, der die US-Behörden jahrelang mit manipulierten Abgaswerten an der Nase herumfĂŒhrte. VW hĂ€tte lieber vor einem anderen Gericht verhandelt.

"Ich habe einige ernsthafte Sorgen", sagte Breyer im Februar beim Auftakt des Mega-Verfahrens, fĂŒr das ĂŒber 600 Zivilklagen von US-Dieselbesitzern und AutohĂ€ndlern und unter anderem auch eine Milliardenklage des Justizministeriums gebĂŒndelt wurden. "Fast 600 000 Fahrzeuge sind bis zum heutigen Tag auf den Straßen unterwegs - ohne gĂŒltige Zulassung". Das Problem mĂŒsse dringend gelöst werden.

Breyer setzte den Streitparteien eine Frist: "Es gibt ein Ultimatum – bis zum 24. MĂ€rz fordere ich von VW und der Umweltbehörde EPA eine definitive Antwort, ob es eine Lösung gibt". Und er machte deutlich, dass er dabei vor allem den Konzern in der Verantwortung sieht. Das Top-Management sei spĂ€testens seit September informiert – "sechs Monate sollten reichen, um BeschlĂŒsse zu fassen."

FĂŒr VW geht es um enorm viel Geld. Alleine in der im Januar eingereichten Klage des Ministeriums wegen VerstĂ¶ĂŸen gegen Umweltgesetze werden Strafen von ĂŒber 45 Milliarden Dollar (40 Mrd Euro) gefordert. Dass VW wirklich zur Zahlung einer solchen Summe verdonnert wird, ist zwar unwahrscheinlich. Doch beim Feilschen um einen Vergleich legen die US-Regulierer die Latte damit hoch.

Chronologie des Abgas-Skandals (0 Bilder) [3]

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Bislang ist das Verfahren im vorprozessualen Stadium. In den meisten solcher FĂ€lle kommt es gar nicht zum Prozess, weil vorher ein Vergleich geschlossen wird. Rechtsexperten gehen davon aus, dass sich der VW-Vorprozess ĂŒber Jahre ziehen kann und alleine die Sichtung relevanter Dokumente noch viele Monate dauern wird. Das wĂŒrde allerdings Geduld von Breyer voraussetzen. DafĂŒr muss VW wiederum guten Willen im Sinne einer Einigung zeigen.

Ein Kompromiss mit der EPA wĂ€re ein guter Anfang, um den Richter milde zu stimmen. Doch die Verhandlungen sind festgefahren, nach einer Lösung vor Ablauf der Frist sieht es nicht aus. VW-Chef Matthias MĂŒller sieht den Konzern ohnehin als falschen Adressaten von Breyers Ultimatum: "Das muss er nicht uns sagen, das muss er den Behörden sagen", erklĂ€rte MĂŒller Anfang MĂ€rz. Die EPA wollte sich auf Nachfrage nicht zum Verhandlungsstand Ă€ußern.

Was droht, wenn Breyers Frist nicht eingehalten wird? Unmittelbare Strafen könne der Richter nicht verhĂ€ngen, erklĂ€rt Michael Hausfeld, einer der fĂŒhrenden KlĂ€geranwĂ€lte, im GesprĂ€ch mit dpa. "Er könnte das Verfahren aber beschleunigen und den Druck so erhöhen." Damit wĂŒrden beispielsweise die Fristen fĂŒr den ohnehin schon schwierigen Dokumentenaustausch verkĂŒrzt. Die Zeit, einen Vergleich auszuhandeln, wĂŒrde knapper. "Es könnte dann noch in diesem Jahr zum Prozess kommen", glaubt Hausfeld. "VW muss verstehen, die Bedingungen nicht diktieren zu können."

Nach EinschĂ€tzung von NYU-Rechtsprofessor Harry First könnte Breyer zunĂ€chst versuchen, durch die Bestellung eines Vermittlers Zug ins Verfahren zu bringen. Auf jeden Fall ist der Richter, dessen Entscheidungen VW Milliarden kosten können, fĂŒr resolutes Durchgreifen bekannt. "Ich glaube nicht, dass ich nachsichtig sein sollte", sagte er kĂŒrzlich in einem Verfahren gegen einen ehemaligen kalifornischen Senator. Breyer verurteilte ihn unter anderem wegen Bestechlichkeit zu fĂŒnf Jahren GefĂ€ngnis.

Breyer, der 1941 in San Francisco geboren wurde, ist bereits seit 1997 Bundesrichter. Er stammt aus einer Juristenfamilie, sein großer Bruder Stephen ist ebenfalls Richter und zwar am obersten US-Gerichtshof Supreme Court. Breyer wurde wegen seiner Erfahrung mit komplexen und staatsĂŒbergreifenden Rechtskonflikten mit den VW-FĂ€llen betraut. Die AnwĂ€lte des Konzerns hĂ€tten lieber woanders verhandelt. Sie hatten sich fĂŒr ein Verfahren in Michigans Autometropole Detroit oder nahe des US-Firmensitzes in Virginia ausgesprochen. (jk [5])


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[1] http://www.heise.de/thema/Abgas_Skandal
[2] http://www.cand.uscourts.gov/crb
[3] https://www.heise.de/bilderstrecke/1742089.html?back=3145191;back=3145191
[4] https://www.heise.de/bilderstrecke/1742089.html?back=3145191;back=3145191
[5] mailto:jk@heise.de