Verleger warnen vor ePrivacy-Verordnung
GebĂ€ude des Europaparlaments in StraĂburg.
(Bild: europarl.europa.eu)
Die EU-Kommission will Cookie-Warnungen in den Browser verlagern. Eine europĂ€ische Verleger-Allianz befĂŒrchtet, dass sie damit keinen Zugriff auf Nutzerdaten hĂ€tte.
Insgesamt 33 Verlage haben sich in einem offenen Brief gegen die geplanten ePrivacy-Verordnung ausgesprochen, die 2018 in Kraft treten soll [1]. In einem offenen Brief [2] an das EuropĂ€ische Parlament argumentieren die Unternehmen, dass die vorgeschlagenen Regeln groĂe Internetkonzerne begĂŒnstigen wĂŒrden. Zu den Absendern des offenen Briefs gehören die Frankfurter Allgemeine, Gruner+Jahr, Die Zeit und die SĂŒddeutsche Zeitung.
Cookie-Banner in Browser verlagert
Die neue ePrivacy-Verordnung [3] soll die bereits beschlossene EU-Datenschutzgrundverordnung ergĂ€nzen und 2018 in Kraft treten. Ein Kernpunkt der neuen Regeln: Statt jede Website mit Cookies dazu zu zwingen, die von vielen Nutzern als lĂ€stig wahrgenommenen Warn-Banner einzublenden, soll der Ansatz "Privacy by Design" verfolgt werden: Browser-Hersteller sollen verpflichtet werden, alle Voreinstellungen PrivatsphĂ€re-freundlich zu gestalten. Damit könnten die Nutzer zentral ihre Einwilligung erklĂ€ren, Daten weiterzugeben â oder diese Zustimmung verweigern.
"Wir unterstĂŒtzen das Ziel der Kommission, die digitale Wirtschaft zu bereinigen und das Vertrauen in die online genutzten Daten wiederherzustellen", heiĂt es in dem Schreiben der Verleger. Allerdings seien die vorgeschlagenen Regeln eine Gefahr fĂŒr das digitale GeschĂ€ft mit Nachrichten. Die Unternehmen befĂŒrchten, dies könne in der Praxis dazu fĂŒhren, dass kaum noch Nutzer dem Datentransfer zustimmen.
Machtkampf mit Digitalkonzernen
Die Verleger stellen das Dilemma als Machtkampf europĂ€ischer Marktteilnehmer mit US-Konzernen dar. So beherrschten Google, Apple, Microsoft and Mozilla zu ĂŒber 90 Prozent den europĂ€ischen Browsermarkt. Diese Unternehmen hĂ€tten somit eine groĂe Macht darĂŒber, ob und wie Nutzer den Verlagen Zugriff auf Daten gewĂ€hrten. Die Verfasser des offenen Briefs warnen davor, dass Plattformen wie Facebook, Google News, Amazon Alexa und Apple News bereits jetzt immer gröĂeren Einfluss nĂ€hmen, wie Verbraucher Nachrichten konsumieren. Dieser Trend werde durch die geplante ePrivacy-Regulierung in der derzeitigen Form sogar verstĂ€rkt.
"Die VorschlĂ€ge der Kommission zur ePrivacy-Regulierung wĂŒrden es in der Praxis schwerer machen, dem Nutzer Transparenz und Kontrolle ĂŒber seine Daten zu geben, und die Unterscheidung zwischen Publishern aufheben, die einen hohen Wert auf das Vertrauen ihrer Nutzer legen â und solchen, die dies nicht tun", heiĂt es in dem Brief. Wenn den Verlagen dadurch der Zugriff auf Third-Party-Cookies verwehrt werde, wĂŒrde ihre FĂ€higkeit eingeschrĂ€nkt, den Nutzern relevante Inhalte und Werbung anzuzeigen. Die Einblendung personalisierter Werbung sei heute Industriestandard. Ein erzwungener Verzicht schrĂ€nke das Finanzierungsmodell von Nachrichtenangeboten ein. Die europĂ€ischen Verleger hĂ€tten dann weniger Möglichkeiten, hochqualitativen Journalismus anzubieten.
Regelung hat wenige Freunde
Die Verleger sind nicht die ersten, die die allgemeinen Cookie-Vorschriften im Browser ablehnen: So warnte der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) kurz nach der Vorstellung [4] des Entwurfs der Verordnung vor "einer fundamentalen GefĂ€hrdung der heutigen Informationsgesellschaft". Im April haben die in der Artikel-29-Gruppe organisierten EU-DatenschĂŒtzer den Entwurf ebenfalls kritisiert [5], da er einer informierten Zustimmung der Nutzer entgegenlaufe. Die DatenschĂŒtzer fordern im Gegensatz zu den Verlegern aber keine vereinfachte Freigabe, sondern wollen sogar verschiedene Tracking-Ziele gesondert freischalten lassen, also zum Beispiel Daten fĂŒr die verbesserte Navigation auf Websites von den fĂŒr Werbung genutzten Daten trennen. (anw [6])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-3727272
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Privacy-Verordnung-EU-Kommission-will-Cookie-Regeln-vereinfachen-3592856.html
[2] http://www.faz.net/aktuell/eprivacy-verordnung-offener-brief-an-die-eu-15037279.html
[3] https://www.heise.de/news/Analyse-EU-Kommission-verschlimmbessert-Entwurf-zur-E-Privacy-Verordnung-3594716.html
[4] https://www.heise.de/news/Privacy-Verordnung-EU-Kommission-will-Cookie-Regeln-vereinfachen-3592856.html
[5] https://www.heise.de/news/Tracking-und-Cookies-EU-Datenschuetzern-geht-geplante-E-Privacy-Verordnung-nicht-weit-genug-3683298.html
[6] mailto:anw@heise.de
Copyright © 2017 Heise Medien