zurück zum Artikel

Von Bosch bis Infineon: SĂ€chsische Chip-Industrie stockt Jobs auf

Global Foundries

(Bild: dpa, Arno Burgi)

Gesucht sind Fertigungstechniker genauso wie Software-Programmierer: Viele der großen Chip-Produzenten in Sachsen schaffen neue ArbeitsplĂ€tze und suchen nach FachkrĂ€ften. Fast zehn Jahre nach der Pleite von Qimonda ist die Branche wieder im Aufwind.

Egal ob Smartphone oder Auto: Ohne Mikro-Chips geht heute bei vielen Produkten nichts mehr. Sachsen ist einer der grĂ¶ĂŸten Mikroelektronik-Standorte Europas. Und die Branche schafft Jobs fĂŒr immer mehr Menschen. "Seit 2012 ist die Zahl der ArbeitsplĂ€tze kontinuierlich gestiegen", sagt Robert Weichert vom Branchenverband Silicon Saxony. Nach den aktuellsten Zahlen von 2016 arbeiteten laut Weichert rund 26.000 BeschĂ€ftigte in der Halbleiter-Industrie – 2012 waren es rund 21.000. In der gesamten Informations-und Kommunikationstechnologie (ITK)-Branche sind es 96.000 BeschĂ€ftigte.

Grund fĂŒr die derzeit gute Lage in "Silicon Saxony" sind laut dem Branchenverband neben einem weltweiten Boom der Chip-Industrie die guten Standortenbedingungen. Der Freistaat verfĂŒge ĂŒber eine starke Forschungslandschaft, meint Weichtert. Gleichzeitig gebe es ein gutes "Ökosystem" – die vielen Ansiedlungen im Halbleiterbereich profitierten voneinander.

In ferner Vergangenheit liegt fĂŒr viele mittlerweile die Qimonda-Pleite von 2009 [1]. Damals hatte das Unternehmen mit Sitz in MĂŒnchen Insolvenz angemeldet. Hauptproduktionsstandort war damals Dresden. Trotz seit 2012 vereinzelt angekĂŒndigtem Stellenabbau wie beim Chiphersteller Globalfoundries im Oktober 2015 habe es unter dem Strich in der Halbleiter-Industrie ein kontinuierliches, leichtes Wachstum gegeben, so Weichert weiter. Doch wo kommen die Stellen her? Ein Überblick ĂŒber einige der grĂ¶ĂŸten Unternehmen in der sĂ€chsischen Halbleiter-Industrie:

Die Bosch-Gruppe will in Dresden eine neue Chip-Fabrik bauen [2] und hat Ende April mit den Arbeiten am Rohbau begonnen. Der Konzern steckt nach eigenen Angaben mit rund einer Milliarde Euro die grĂ¶ĂŸte Einzelinvestition in seiner Firmengeschichte in die neue Fabrik. Dort sollen Halbleiter fĂŒr E-MobilitĂ€t und das Internet der Dinge entstehen. Beim Internet der Dinge können Produkte und GegenstĂ€nde sich miteinander austauschen. Das verĂ€ndert zunehmend die industrielle Produktion. Rund 700 ArbeitsplĂ€tze will das Unternehmen schaffen.

Man wolle 125 Mitarbeiter bis Ende 2018 einstellen, betont Unternehmenssprecher Sven Kahn. Doppelt so viele sollen es dann bis Ende 2019 sein. Gesucht wĂŒrden derzeit vor allem Prozessingenieure. Das Interesse an den Jobausschreibungen sei groß, erklĂ€rt der Sprecher. Mit FachkrĂ€ftemangel habe man bislang wenig zu tun.

Der Chip-Produzent Infineon Technologies AG will noch in diesem Jahr ein neues Entwicklungszentrum fĂŒr Automobilelektronik und KĂŒnstliche Intelligenz in Dresden einrichten. In den nĂ€chsten zweieinhalb Jahren sollen zunĂ€chst 100 neue Mitarbeiter eingestellt werden. In weiteren zweieinhalb Jahren sollen dann noch einmal 150 folgen. ZusĂ€tzlich sollen im Fertigungsbereich in Dresden in den kommenden drei Jahren 300 zusĂ€tzliche Stellen entstehen.

FachkrÀftemangel sei bislang kein gravierendes Thema, sagt Sprecher Christoph Schumacher. Infineon bekomme das Personal, das es brauche. Die Suche sei allerdings auch kein SelbstlÀufer. In Dresden betreibt der Halbleiterhersteller eine Chipfabrik mit rund 2200 Mitarbeitern. Weltweit beschÀftigt der Konzern nach eigenen Angaben 37 500 Menschen.

Der Chiphersteller X-Fab ist laut Personalleiter Henryk Schoder kontinuierlich gewachsen und will das in den kommenden Jahren auch weiter tun. Derzeit beschĂ€ftige man in Dresden etwas weniger als 500 Mitarbeiter, sagt Schoder. X-Fab fertigt nach eigenen Angaben Chips fĂŒr die analoge Welt. Das Unternehmen produziert etwa Sensoren, mit denen bei Autoreifen der Luftdruck gemessen wird.

Der Chiphersteller Globalfoundries beschĂ€ftigt eigenen Angaben nach rund 3500 Mitarbeiter am Standort Dresden. "Im Ausbildungsjahr 2019 werden wir noch einmal unsere AusbildungskapazitĂ€ten erweitern", sagt Sprecherin Karin Raths der Deutschen Presse-Agentur. 2018 bietet das Unternehmen rund 20 AusbildungsplĂ€tze fĂŒr Mechatroniker und Mikrotechnologen an. GF kĂŒndigte im April an, seine Produktpalette auszubauen und kĂŒnftig neben Chips etwa fĂŒr Smartphones und Computer auch solche fĂŒr die Automobilindustrie zu produzieren. (mho [3])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4059970

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Ein-schwerer-letzter-Tag-bei-Qimonda-in-Dresden-210621.html
[2] https://www.heise.de/news/Halbleiter-sind-die-Zukunft-Baubeginn-fuer-Boschs-neuer-Chip-Fabrik-4032694.html
[3] mailto:mho@heise.de