Vor 30 Jahren: Zum Tode von Heinz Nixdorf auf der CeBIT
Heinz Nixdorf an seinem Arbeitsplatz im Rheinisch WestfÀlischen ElektrizitÀtswerk in Essen, 1952.
(Bild: Heinz Nixdorf MuseumsForum, durch Norbert Ryska, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Heinz Nixdorf MuseumsForum, CC BY-SA 3.0 de)
Vor 30 Jahren starb Heinz Nixdorf auf der CeBIT. Aus diesem Anlass ist ein Buch ĂŒber den westfĂ€lischen Unternehmer erschienen, das neue Akzente setzt.
Es war die erste eigenstĂ€ndige CeBIT. Der Fortschrittsgeist der Halle 1 [1] hatte gesiegt, die Datenverarbeitung triumphierte ĂŒber BaukrĂ€ne und den Anlagenbau â und die Nixdorf Computer AG befand sich auf dem Höhepunkt ihrer GeschĂ€ftslaufbahn: 23.300 Mitarbeiter in 44 LĂ€ndern, 4 Milliarden DM Umsatz im Jahr, das Pader Valley zeigte es allen.
Am Abend des 17. MĂ€rz gab es einen groĂen Empfang, auf dem Heinz Nixdorf kurz vor seinem 61. Geburtstag einen Herzinfarkt erlitt und starb. Peter Dietz, ein anderer Computer-Pionier erinnerte sich: "Am nĂ€chsten Tag ordnet die Messeleitung fĂŒr 12 Uhr eine Schweigeminute an. Das sonst so geschwĂ€tzige, pietĂ€tlose Volk auf den MessestĂ€nden hĂ€lt sie ein. Allen ist bewuĂt, daĂ die deutsche Computerindustrie ihre markanteste Persönlichkeit verloren hat."
Die "UnfÀhigkeit der Amerikaner"
Wie kein anderer hatte Nixdorf die Bestrebungen der Messeleitung unterstĂŒtzt, seiner Branche Raum zu geben gegenĂŒber den anderen Industriesparten, die auf der Hannover Messe deutsche Wertarbeit zeigen sollten. Made in Germany gilt auch fĂŒr die EDV! Als klar war, dass die CeBIT, das "Centrum der BĂŒro- und Informationstechnik", eine eigenstĂ€ndige Messe werden wĂŒrde, lĂ€sterte Nixdorf auf der Hannover Messe 1985 ĂŒber IBM & Co: "Das wichtigste, was mir im Jahr 1984/85 klar geworden ist, ist die UnfĂ€higkeit der Amerikaner, im ComputergeschĂ€ft fĂŒr QualitĂ€t zu sorgen. Wir sind es leid, in Amerika PeripheriegerĂ€te zu kaufen, die in der QualitĂ€t miserabel sind. Darum haben wir in der Firma in Automaten investiert, die uns helfen, QualitĂ€t zu erstellen. Ich bin mir ganz sicher, dass wir das, was wir uns an QualitĂ€tswissen erarbeiten, teilen werden mit amerikanischen Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten, dass wir es denen geben, dass wir sie zuschauen lassen, wie man QualitĂ€t macht."
Dieses ĂŒberaus selbstbewusste Statement findet sich in einer nun erschienenen neuen Biographie [2], die auf der Basis einer Dissertation ĂŒber Heinz Nixdorf entstanden ist. Sie rĂŒckt einige Dinge klar, die auch in dieser Skizze zum Tode von Nixdorf [3] tradierte Mythen geworden sind. So begann das Heinz Nixdorf Labor fĂŒr Impulstechnik [4] durchaus nicht in Ă€rmlichen VerhĂ€ltnissen, sondern in gut ausgestatteten RĂ€umlichkeiten des Stromkonzerns RWE. FĂŒr den bald nach Nixdorfs Tod einsetzenden raschen Verfall des Paderborner Unternehmens ist nach EinschĂ€tzung des Autors Christian Berg nicht die bekannte Aversion Nixdorfs gegen den Personal Computer verantwortlich, den er wahlweise als "Goggomobil" oder "Moped" verspottete, beides Hilfsfahrzeuge der Nachkriegszeit.
Drei Faktoren fĂŒr den Verfall
Vielmehr schaffte es das Unternehmen nicht, seine fĂŒr Kunden entwickelten Programme der mittleren Datentechnik [5] auf die strategisch als Nachfolger positionierten Targon-Computer zu portieren, die unter Unix liefen. Ăberaus fatal wirkte sich auch der Gewerkschafts-Streik im Kampf um die 35-Stunden-Woche in der Metallindustrie im Jahre 1984 aus: Nixdorf stellte von einer heute sehr modernen Just-in-Time-Lieferung auf einen Lagerpuffer um, bei dem alle Bauteile ĂŒber ein Jahr lang ausreichen sollten.
Den dritten wichtigen Faktor verursachte Nixdorfs Nachfolger Klaus Luft mit seiner Entscheidung, das Vertriebspersonal (zur ErklĂ€rung der Targon-Familie) in den Jahren 1987/88 massiv aufzustocken und 5500 Mitarbeiter einzustellen, als die IT-Branche lĂ€ngst dazu ĂŒbergegangen war, Mitarbeiter im groĂen Stil zu entlassen. Die Ăbernahme des stolzen deutschen Start-Ups durch Siemens war dann nur noch ein weiteres MissverstĂ€ndnis. (kbe [6])
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[1] https://www.heise.de/news/Vor-45-Jahren-Das-CeBIT-oeffnet-in-Halle-1-2621161.html
[2] https://www.schoeningh.de/katalog/titel/978-3-506-78227-4.html
[3] https://www.heise.de/news/Vor-25-Jahren-Heinz-Nixdorf-stirbt-auf-der-ersten-CeBIT-1209616.html
[4] https://www.heise.de/news/Impuls-aus-Essen-67549.html
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Mittlere_Datentechnik
[6] mailto:kbe@heise.de
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