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WIPO-Chef fordert Schutz des geistigen Eigentum "auf allen Frequenzen"

| Monika Ermert

Francis Gurry, Generaldirektor der fĂŒr geistiges Eigentum zustĂ€ndigen Organisation, forderte auf der WIPO-Generalversammlung vereinte Anstrengungen, um Lösungen fĂŒr Probleme zu finden, die durch die Digitalisierung fĂŒr das Urheberrecht entstehen.

In Genf endete diese Woche die zweiwöchige Generalversammlung [1] der fĂŒr geistiges Eigentum zustĂ€ndigen World Intellectual Property Organization (WIPO). Dort unterstrich [2] Generaldirektor Francis Gurry die Notwendigkeit, das Thema Urheberrecht in der digitalen Welt in einer globalen Konsultation anzugehen. Lösungen fĂŒr die Probleme, die durch den Systemwandel verursacht werden, wĂŒrden wegen der KomplexitĂ€t des Themas wohl nicht in einem der WIPO-AusschĂŒsse gefunden. Die WIPO mĂŒsse geistiges Eigentum "auf allen Frequenzen" schĂŒtzen, sagte Gurry mit einem Hinweis darauf, dass es im Bereich Musik eine Piraterierate von 95 Prozent gebe.

Trotz der Mahnung ihres Generaldirektors, dass die Organisation mit ihrer normativen Arbeit hinter den technischen Fortschritt zurĂŒckfalle, konnten sich die WIPO-MitgliedslĂ€nder nicht auf handfeste ZeitplĂ€ne zur Abfassung neuer internationaler VertrĂ€ge einigen. Der Organisation ist es seit Jahren nicht mehr gelungen, neue Abkommen unter Dach und Fach zu bringen, weil sich Beteiligte immer wieder blockierten. Im Fall des Broadcasting Treaty [3] waren es beispielsweise die USA und die EU.

Die Mitgliedsstaaten weichen daher auf bilaterale oder multilaterale Verhandlungen aus, wie etwa beim Anti-Piraterieabkommen (ACTA [4]). Oder sie versuchen, beispielsweise das Thema genetische Ressourcen bei der Welthandelsorganisation (WTO) auf die Tagesordnung zu setzen. Vor diesem Hintergrund könne die WIPO an den Rand gedrĂ€ngt werden, mahnten Regierungsvertreter des SĂŒdens laut einem Bericht [5] des Fachblattes Intellectual Property Watch.

In Genf war umstritten, was fĂŒr einen besseren Schutz von genetischen Ressourcen, traditionellem Wissen und von Folklore getan werde mĂŒsse. Die IndustrielĂ€nder kamen nach anfĂ€nglichem Widerstand ihren Kollegen aus den EntwicklungslĂ€ndern damit entgegen, dass sie der Diskussion "konkreter TextentwĂŒrfe" zustimmen. Der fĂŒr die Themen zustĂ€ndige Ausschuss wird seine Arbeit fortsetzen. Allerdings soll erst die Generalversammlung 2011 ĂŒber eine mögliche Vertragskonferenz entscheiden. Ein Vertreter aus Burundi sprach von mangelnder Fairness: WĂ€hrend die EntwicklungslĂ€nder westlichen KĂŒnstlern ihre Rechte zuerkannt hĂ€tten, fehle es weiter an einem Instrument, das Raubbau an traditionellem Wissen verhindere.

FĂŒr dieses Jahr hat sich die WIPO noch eine weitere Debatte ĂŒber einen Vertrag zum besseren Wissenszugang fĂŒr Sehbehinderte vorgenommen. Dazu liegt ein Vertragsvorschlag von Brasilien, Paraguay und Ecuador vor, den die Weltblindenunion (WBU) ausdrĂŒcklich begrĂŒĂŸte. Die meisten IndustrielĂ€nder lehnen einen solchen eigenen Vertrag jedoch derzeit ab. Eine Beobachterin des Third World Network berichtete [6] aus Genf, die schwedische EU-PrĂ€sidentschaft befĂŒrworte stattdessen weitere Diskussionen im Rahmen einer von der WIPO zum Thema Schrankenregelungen eingerichteten "Plattform", an der die verschiedenen Interessengruppen teilnehmen können.

Das Budget der WIPO fĂŒr die kommenden zwei Jahre, das in Genf verabschiedet wurde, umfasst 618 Millionen Schweizer Franken, das sind 1,6 Prozent weniger als im laufenden Haushalt verplant wurden. Die WIPO muss in diesem Jahr geringere Einnahmen aus ihrer TĂ€tigkeit als internationale Patentbehörde im Rahmen des Patent Cooperation Treaty (PCT) verkraften. Bis 2011 mĂŒssten die 2008 um rund 5 Prozent gesunkenen Anmeldezahlen aber wieder einen positiven Trend aufweisen, rechnete Gurry vor. Rund ein FĂŒnftel des Haushalts fließe in Ausbildungsprogramme und entwicklungspolitische AktivitĂ€ten, berichtet die WIPO. ZusĂ€tzlich werden 4,5 Millionen Schweizer Franken fĂŒr die sogenannte entwicklungspolitische Agenda bereitgestellt. (anw [7])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-807744

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.wipo.int/pressroom/en/articles/2009/article_0043.html
[2] http://www.wipo.int/meetings/en/2009/a_47/a47_dg_speech.html
[3] https://www.heise.de/news/WIPO-Verhandlungen-ueber-Schutzrechte-fuer-Rundfunk-abgebrochen-142844.html
[4] https://www.heise.de/news/ACTA-US-Regierung-kuendigt-Entwurf-fuer-Pirateriebekaempfung-im-Internet-an-6793.html
[5] http://www.ip-watch.org/weblog/2009/09/30/role-of-wipo-in-question/
[6] http://www.twnside.org.sg/title2/wto.info/2009/twninfo20090924.htm
[7] mailto:anw@heise.de