Weniger Datenklau am Geldautomaten: "Skimming nicht mehr interessant"
(Bild: Robert Kneschke/Shutterstock.com)
Kriminelle können mit per Skimming erbeuteten Daten von Bankkunden immer weniger anfangen. Weitaus gröĂere SchĂ€den richten inzwischen andere Methoden an.
Weniger FĂ€lle, weniger Schaden: Der Datenklau an Geldautomaten in Deutschland wird immer mehr zum Auslaufmodell. Von Januar bis einschlieĂlich November des laufenden Jahres summierte sich der Bruttoschaden infolge des AusspĂ€hens von Kartendaten und Geheimnummer (PIN) auf gerade noch 330.000 Euro, wie die Frankfurter Einrichtung Euro Kartensysteme auf Anfrage mitteilte.
In den ersten elf Monaten 2020 [1] hatte der Schaden infolge solcher "Skimming"-FÀlle bei etwas mehr als einer Million Euro gelegen, im Gesamtjahr 2020 waren es rund 1,06 Millionen Euro. Und die Schadenssumme sinkt seit Jahren: 2019 hatten sich die SchÀden infolge des AusspÀhens von Daten von Bankkunden in Deutschland noch auf etwas mehr als 1,4 Millionen Euro belaufen. Im Jahr 2013 waren es 11,3 Millionen Euro, 2012 und 2011 sogar jeweils 34 Millionen Euro.
Massiv in Sicherheit investiert
Den rĂŒcklĂ€ufigen Trend erklĂ€rt die Finanzbranche vor allem damit, dass massiv in Sicherheit investiert wurden. So setzt Deutschland seit Jahren auf die EMV-Technik. Dabei sind Bezahlkarten mit einer Art Mini-Computer ausgestattet, die Karte wird bei jedem Gebrauch auf Echtheit geprĂŒft.
Weltweit gibt es nur noch wenige LĂ€nder, in denen Bezahlkarten mit relativ leicht kopierbaren Magnetstreifen ausgerĂŒstet und LesegerĂ€te im Handel auf Magnetstreifen ausgelegt sind. Im Grunde können Kriminelle nur dort gefĂ€lschte Karten auf Basis von in Deutschland geklauten Daten zum Einkaufen nutzen.
FĂŒr BetrĂŒger nicht mehr interessant
"Das GeschĂ€ftsmodell Skimming ist fĂŒr die BetrĂŒger nicht mehr interessant", folgert Margit Schneider von Euro Kartensysteme. "Allzu oft treffen sie nun auch im auĂereuropĂ€ischen Ausland auf EMV-fĂ€hige Geldautomaten und Terminals, an denen KartenfĂ€lschungen ohne EMV-Chip nicht mehr eingesetzt werden können."
Um illegal an Daten von Bankkarten zu kommen, manipulieren Kriminelle zum Beispiel den Schlitz am Geldautomaten â oder sie versuchen, ĂŒber gefĂ€lschte TĂŒröffner an die Daten zu gelangen. Mitunter wird die Eingabe der PIN auch mit Mini-Kameras gefilmt oder ĂŒber einen gefĂ€lschten Tastaturaufsatz gespeichert.
Auf diese Weise manipulierten Kriminelle in Deutschland von Januar bis einschlieĂlich November 2021 nach Angaben von Euro Kartensysteme 116 Mal Geldautomaten. Im Vorjahreszeitraum hatte es bundesweit 134 solcher "Skimming [2]"-FĂ€lle gegeben, im Gesamtjahr 2020 waren es 152. Dabei können einzelne Automaten mehrfach angegriffen worden sein.
Die mit Abstand meisten FĂ€lle wurden im laufenden Jahr in Bayern gezĂ€hlt (55). Eine zweistellige Zahl an Skimming-Angriffen auf Geldautomaten gab es den Angaben nach auĂerdem in Baden-WĂŒrttemberg (26), Niedersachsen (13) und Hessen (11).
Fast alle Schadenssummen zurĂŒckgeholt
Kartendubletten auf Grundlage von hierzulande gestohlenen Daten wurden vor allem in den USA (78 Prozent Schadensanteil) eingesetzt, auĂerdem in Indien (11 Prozent). Dank internationaler Abkommen kann sich die hiesige Kreditwirtschaft inzwischen fast die gesamte Schadenssumme zurĂŒckholen. Denn fĂŒr SchĂ€den aus betrĂŒgerischen GeschĂ€ften mit geklauten Kartendaten mĂŒssen jeweils die LĂ€nder mit den niedrigsten Sicherheitsstandards aufkommen.
Verbraucher in Deutschland, die Opfer von Skimming geworden sind, mĂŒssen normalerweise keinen finanziellen Nachteil fĂŒrchten. In der Regel ersetzen Geldinstitute solche SchĂ€den â vorausgesetzt, die Kunden sind sorgfĂ€ltig mit ihrer Bankkarte und PIN umgegangen.
Automatensprengungen und KartendiebstÀhle nehmen zu
WĂ€hrend der Datenklau an Geldautomaten rĂŒcklĂ€ufig ist, haben Automatensprengungen Hochkonjunktur: Im Jahr 2020 stieg die Zahl solcher Angriffe auf Geldautomaten in Deutschland zum Vorjahr um fast ein FĂŒnftel von 349 auf 414. Dies war nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) der höchste Wert seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 2005. In den meisten FĂ€llen (256) blieb es demnach aber beim Versuch. Insgesamt erbeuteten die TĂ€ter nach BKA-Angaben 17,1 Millionen Euro. Zudem richteten sie mit ihrer rabiaten Methode der illegalen Geldbeschaffung zudem Sachschaden im mittleren zweistelligen Millionenbereich an.
In die Millionen gehen auch die SchĂ€den durch Diebstahl oder Verlust von Zahlungskarten. Hierbei registrierte Euro Kartensysteme von Januar bis einschlieĂlich November des laufenden Jahres eine Steigerung auf 12.505 FĂ€lle (Vorjahreszeitraum: 9682). Der Bruttoschaden durch Verlust und Diebstahl von Karten stieg von rund 14,2 Millionen Euro auf gut 16,4 Millionen Euro. Viele Verbraucher machen es Kriminellen leicht, weil sie trotz aller Warnungen Karte und PIN zusammen im Geldbeutel aufbewahren.
(tiw [4])
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