Wie gefÀhrlich ist 3D?
KrĂ€mpfe, Ăbelkeit, Bewusstseinsstörungen: Laut Samsung kann es beim 3D-Fernsehen zu drastischen Nebenwirkungen kommen. Die groĂe Frage: Sind die Warnungen realistisch oder wollen sich die Hersteller nur juristisch absichern?
Der 3D-Zug ist gerade erst angerollt, da droht ihm schon ein abrupter Halt: Der koreanische Unterhaltungselektronikriese Samsung [1] warnt vor seinen eigenen 3D-TVs. Auf der australischen Samsung-Website findet sich eine Liste [2] mit drastischen 3D-Fernseh-Nebenwirkungen â neben Sehstörungen ist dort von Muskelzuckungen, KrĂ€mpfen, Ăbelkeit und Bewusstseinsstörungen die Rede. Ganz allgemein empfiehlt der Hersteller Menschen in "schlechter körperlicher Verfassung", auf 3D zu verzichten. Wer zu wenig geschlafen oder Alkohol getrunken hat, solle sich ebenfalls lieber auf flache Bilder beschrĂ€nken.
Noch kurioser mutet der Hinweis an, den 3D-Fernseher nicht in der NĂ€he von offenen TreppenhĂ€usern oder Balkons aufzustellen â das könne bei 3D-bedingter Orientierungslosigkeit zu Verletzungen fĂŒhren. Gaga-Verhaltensregeln wie diese legen nahe, dass Samsung sich vor allem juristisch absichern will. Besonders in den USA prangen schon seit Jahren bizarre Warnhinweise ("Die Kleidung nicht wĂ€hrend des Tragens bĂŒgeln") auf vielen Produkten. Auf der anderen Seite gibt es aber auch plausible Untersuchungen, warum 3D eben doch nicht immer harmlos ist.
Der Mensch verwendet zur Raumwahrnehmung nicht nur die zwei unterschiedlichen von den Augen wahrgenommenen Bilder (binokulare DisparitĂ€t), sondern noch diverse andere "Tiefenhinweise". Bei 3D-Filmen passen einige der Hinweise nicht zusammen. So mĂŒssen beispielsweise die Augen beim Betrachten eines 3D-Displays auf die SchirmoberflĂ€che fokussieren, obwohl der eigentliche Fokuspunkt des dreidimensionalen Bildes hinter dem Schirm (in der Tiefe des 3D-Bildes) liegt. Dieser Konflikt kann ebenso zu Irritationen fĂŒhren wie die SchĂ€rfe innerhalb des 3D-Bildes: Sie stimmt nicht mit der SchĂ€rfewahrnehmung innerhalb einer realen 3D-Szene ĂŒberein â insbesondere wenn der Betrachter mit den Augen ĂŒber die 3D-Szene wandert. Dann Ă€ndert sich die SchĂ€rfe nicht wie im realen Bild ĂŒblich mit der Augenbewegung respektive Akkomodation, der normale Zusammenhang zwischen DetailschĂ€rfe und Objektentfernung trifft hier also nicht mehr zu. Diesen Konflikt muss der Betrachter auflösen, indem er Akkomodation und Augenbewegung (Vergenz) entkoppelt â dies kann Unbehagen und MĂŒdigkeit hervorrufen.
(Bild:Â Journal of Vision)
Beginnt das Gehirn irgendwann, die Entkopplung von SchĂ€rfe und Akkomodation sowie die unterschiedlichen Fokusebenen zu verfestigen, fehlen dem Betrachter die im realen Leben notwendigen Hinweise zum rĂ€umlichen Sehen. Normalerweise legt sich diese "binokulare Dysphorie" nach einigen Minuten â Verfechter einer Theorie [3] schlieĂen aber nicht aus, dass gerade bei Kindern das Risiko einer permanten rĂ€umlichen Fehlwahrnehmung besteht. In der Folge könne es nach hĂ€ufigem 3D-Genuss beispielsweise zu einem Verlust des rĂ€umlichen Sehvermögens kommen.
Solche Probleme mit 3D-Displays werden von den Herstellern durchaus diskutiert, auch auf internationaler Ebene forschen viele groĂe Institute in Asien, Europa und den USA daran. Eine Arbeitsgruppe der internationalen Standardorganisation ISO [4] beschĂ€ftigt sich im Bereich "Image Safety" ebenfalls mit den potentiellen Gefahren beim Betrachten von 3D-Displays. Konkrete Ergebnisse ĂŒber mögliche Langzeitfolgen beim Betrachten von 3D wurden hier aber noch nicht benannt.
Samsung ist der erste Hersteller, der hierzulande bereits 3D-Fernseher verkauft, Panasonic und Sony folgen im Mai. GerÀte von allen drei Herstellern wurden von c't bereits vorab getestet [5]. Toshiba und Sharp wollen im SpÀtsommer in Europa 3D-TVs auf den Markt bringen. (jkj [6])
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[1] http://www.samsung.de
[2] http://www.samsung.com/au/tv/warning.html
[3] http://www.abc.net.au/unleashed/stories/s2813511.htm
[4] http://www.iso.org/iso/home.html
[5] https://www.heise.de/news/3D-TVs-im-Test-Flimmerfrei-aber-mit-Geisterbildern-965114.html
[6] mailto:jkj@ct.de
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