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Zahl der rechtsextremistischen Websites angestiegen

Andreas Wilkens

1000 rechtsrextremistische Internetseiten zÀhlte der Verfassungsschutz im vergangenen Jahr. Das sind 50 mehr als im Jahr 2004.

Der Verfassungsschutz hat im vergangenen Jahr insgesamt 1000 von Deutschen betriebene rechtsextremistische InternetprĂ€senzen gezĂ€hlt. Das sind laut dem nun von Bundesinnenminister Wolfgang SchĂ€uble vorgelegten [1] Bericht [2] (PDF-Datei, 332 Seiten) 50 mehr als im Jahr 2004 [3]. Diese Zahl signalisiere im Vergleich zu den Vorjahren zwar eine "gewisse Konstanz", doch sei sie hinsichtlich der Entwicklung rechtsextremistischer Seiten nur bedingt aussagefĂ€hig, heißt es weiter in dem Bericht. So seien insgesamt 290 neue rechtsextremistische InternetprĂ€senzen gezĂ€hlt worden, eine annĂ€hernd gleich große Anzahl sei offline gegangen.

Die privatwirtschaftliche "Initiative no abuse in internet" (naiin [4]), die kĂŒrzlich eine mangelnde BekĂ€mpfung im Internet beklagte [5], sieht sich durch den Bericht bestĂ€tigt. "Diese Zahlen belegen, dass die Bedeutung des Mediums Internet in den vergangenen Jahren nicht nur in der Gesellschaft an sich, sondern auch in der organisierten, rechtsextremistischen Szene gestiegen ist", meint naiin-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Dennis Grabowski in einer Mitteilung. Rechtsextremisten nutzten das Medium als Plattform zur Agitation, Organisation, Kommunikation und zur Rekrutierung neuer AnhĂ€nger.

SchĂ€uble sagte heute, der internationale Terrorismus stelle "die grĂ¶ĂŸte Herausforderung fĂŒr die Sicherheitspolitik in unserer Zeit" dar. "Dass Deutschland bis zum heutigen Tag von terroristischen AnschlĂ€gen verschont geblieben ist, ist vor allem der professionellen und umsichtigen Arbeit der deutschen Sicherheitsbehörden zu verdanken." Der Bundesinnenminister kĂŒndigte an, die gesetzlichen Voraussetzungen zur TerrorismusbekĂ€mpfung und die Befugnisse des Bundeskriminalamtes zu optimieren. Zur kommenden Fußballweltmeisterschaft seien die Sicherheitsbehörden auf die damit verbundenen Herausforderungen "umfassend eingestellt".

Ein Trend des Rechtsextremismus im Internet sind laut Verfassungsschutzbericht die zunehmenden anlassbezogenen "Kampagnen-" oder "Mobilisierungsseiten". Diese Veranstaltungshomepages enthielten Kontakt-Telefonnummern, ĂŒber die Einzelheiten zu geplanten Aktionen zu erfahren seien, Anfahrtsskizzen und Hinweise auf Mitfahrgelegenheiten. Per SMS werde in der rechtsradikalen Szene insbesondere fĂŒr Skinhead-Konzerte geworben. Das Verteilen der SMS geschehe bundesweit ĂŒber das Internet und ohne Hinweis auf den Absender.

Internetseiten mit strafbaren Inhalten wie NS-Symbolik und MusikstĂŒcken mit volksverhetzenden Texten werden laut Verfassungsschutz nach wie vor anonym ĂŒber das Ausland ins Netz gestellt, vorwiegend in den USA. Trotz der dort geltenden Rechtslage, die die Verbreitung derartiger Inhalte weitgehend zulasse, sei der Anteil solcher Homepages insgesamt leicht rĂŒcklĂ€ufig.

Die steigende Anzahl der registrierten Mitglieder und die Menge der DiskussionsbeitrĂ€ge seien Belege dafĂŒr, dass sich Diskussionforen fĂŒr Rechtsextremisten zu einem wichtigen Kommunikationselement entwickelt hĂ€tten, heißt es weiter. Dabei zeichne sich der Trend ab, Foren ganz oder teilweise mit einem Zugangsschutz zu versehen. Zudem beteiligten sich Rechtsextremisten zunehmend an nichtextremistischen Diskussionsplattformen und versuchten, diese mit provozierenden Texten zu stören und zu dominieren.

Siehe dazu in Telepolis: (anw [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-126584

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.bmi.bund.de/cln_028/nn_122688/Internet/Content/Nachrichten/Pressemitteilungen/2006/05/Verfassungsschutzbericht__2005.html
[2] http://www.bmi.bund.de/Internet/Content/Common/Anlagen/Broschueren/2006/Verfassungsschutzbericht__2005__de,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Verfassungsschutzbericht_2005_de.pdf
[3] https://www.heise.de/news/Verfassungsschutz-Rechtsextreme-bauen-ihre-Online-Praesenz-weiter-aus-161190.html
[4] http://www.naiin.org/de/
[5] https://www.heise.de/news/Wirtschaftsinitiative-beklagt-mangelnde-Bekaempfung-von-Rechtsextremismus-im-Internet-120798.html
[6] mailto:anw@heise.de
[7] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22724/1.html