"Zensurmaschine": Bitkom warnt vor mehr Providerhaftung
Das Gegenteil von gut ist gut gemeint: Die PlĂ€ne der GroĂen Koalition, das Urheberrecht im Netz zu stĂ€rken und dafĂŒr die Haftungsprivilegien von Sharehostern einzuschrĂ€nken, gehen dem Branchenverband Bitkom zu weit.
Der Branchenverband Bitkom [1] kritisiert die PlĂ€ne von Union und Sozialdemokraten, im Falle einer groĂen Koalition die Haftungsprivilegien von Internet-Providern einzuschrĂ€nken. "Was zunĂ€chst sinnvoll erscheint, kann sich schnell zu einer Zensurmaschine auswachsen", warnte [2] VerbandsprĂ€sident Dieter Kempf am Sonntag in Berlin. Host-Provider, zu denen auch soziale Netzwerke gehören, mĂŒssten sĂ€mtliche auf ihren Servern gespeicherte Daten nach illegalen Inhalten durchsuchen.
Bisher haften Hoster und Zugangsanbieter nicht fĂŒr VerstöĂe ihrer Kunden. Sobald Hosting-Anbieter Kenntnis von VerstöĂen erhalten, mĂŒssen sie allerdings handeln. Im Falle von Sharehostern wie Rapidshare hatte der Bundesgerichtshof zuletzt bestĂ€tigt [3], dass einem Unternehmen, dessen GeschĂ€ftsmodell "strukturell die Gefahr massenhafter Urheberrechtsverletzungen" birgt, erweiterte PrĂŒf- und Handlungspflichten zuzumuten seien.
Die Branche fĂŒrchtet, dass diese Auflagen auch auf andere Hoster oder Zugangsanbieter ausgedehnt werden sollen. DarĂŒber wird in den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD derzeit diskutiert [4]. "Die Provider dĂŒrfen nicht zu Hilfspolizisten der Vollzugsbehörden gemacht werdenâ, mahnte Kempf. Das geltende Recht biete eine ausreichende Handhabe gegen Rechtsverletzungen. Die internationale Zusammenarbeit mĂŒsse aber verbessert und gestĂ€rkt werden, da viele Hoster ihren Sitz im Ausland haben.
GrundsĂ€tzlich begrĂŒĂt der Bitkom die in den Koalitionsverhandlungen bisher vereinbarten netzpolitischen Weichenstellungen. "Zum ersten Mal hat bei der Regierungsbildung eine spezielle Arbeitsgruppe VorschlĂ€ge fĂŒr die digitale Wirtschaft [5] gemacht. Die Ergebnisse können sich sehen lassen", meint Kempf. "In den abschlieĂenden Beratungen sollten die Forderungen der Netzpolitiker in den Koalitionsvertrag ĂŒbernommen und die Finanzierung zentraler Vorhaben gewĂ€hrleistet werden." Dazu zĂ€hlen unter anderem Mittel fĂŒr den Breitbandausbau. (vbr [6])
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[1] http://www.bitkom.org
[2] http://www.bitkom.org/78040_78036.aspx
[3] https://www.heise.de/news/Rapidshare-BGH-bestaetigt-Pruefpflichten-fuer-Sharehoster-1937102.html
[4] https://www.heise.de/news/Urheberrecht-Grosse-Koalition-will-Haftung-von-Sharehostern-verschaerfen-2041659.html
[5] https://www.heise.de/news/Grosse-Koalition-gegen-Internet-Nacktscanner-2049850.html
[6] mailto:vbr@heise.de
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