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.amazon: LĂ€nder wollen Domain-Vergabe an Amazon noch stoppen

Monika Ermert
Alexa

Amazon greift nach der .amazon-Domain, die Anrainerstaaten des Amazonas sind dagegen.

(Bild: dpa, Elaine Thompson/AP)

Eine Altlast auf dem 65. ICANN-Treffen: Seit Jahren streiten die Anrainerstaaten des Amazonas gegen die Vergabe der Domain an den US-Handelsriesen.

Anrainerstaaten des Amazonas haben sich bei der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) geschlossen gegen die Vergabe der Top-Level-Domain ".amazon" an den US-Handelsriesen ausgesprochen. Die Regierungen der Anrainerstaaten haben schriftlich bei der ICANN interveniert. Im Rahmen des derzeit in Marrakesch laufenden ICANN-Treffens warnten Brasilien, Kolumbien und Peru ĂŒberdies vor einer erheblichen BeschĂ€digung der Internet-Selbstregulierung, sollte die Entscheidung gegen ihren Willen durchgesetzt werden.

Seit 2012 streitet sich Amazon mit den in der Amazon Cooperation Treaty Organisation (ACTO [1]) vertretenen Anrainerstaaten des Amazonas um die Top-Level-Domain (TLD). Die .amazon-Bewerbung ist eine der letzten aus der TLD-Vergaberunde aus dem Jahr 2012, die die private Netzverwaltung noch nicht vom Tisch hat. Weil nÀchste Runde langsam Gestalt annimmt, möchte die ICANN gerne die "AltfÀlle" erledigen.

Der Regierungsbeirat der ICANN hatte die ICANN zunĂ€chst aufgefordert, die TLD nicht zu vergeben, sich spĂ€ter aber bereit erklĂ€rt, eine "fĂŒr beide Seiten akzeptable Lösung" mittragen zu wollen. Doch die Verhandlungen zwischen den ACTO-Staaten und der fĂŒr die Bewerbung verantwortlichen Amazon-Tochter in Luxemburg blieben ohne Ergebnis. Ein außergerichtliches Schiedssystem fĂŒr Namenskonflikte und eine Art Beirat der Amazon-Anrainer wollte der US-Handelsriese nicht akzeptieren.

Ein Versuch, den fĂŒr seine diplomatischen FĂ€higkeiten nicht unbedingt bekannten ICANN-CEO Göran Marby als Vermittler einzuschalten, misslang gewaltig. Im Mai hatte dann der ICANN-Vorstand entschieden, den Vergabeprozess auch gegen den Willen der ACTO-Staaten zu Ende zu bringen [2]. Beim Treffen in Marrakesch kritisierten die Anrainerstaaten nun, dass eine Vergabe gegen ihren Willen das Modell der Internetregulierung mit vielen Akteuren nachhaltig schĂ€dige.

Kolumbien hat ĂŒberdies eine ÜberprĂŒfung des Vorstandsbeschlusses beantragt und kritisiert, dass es die vollstĂ€ndige Bewerbung des Unternehmens gar nicht prĂŒfen kann. "Wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass die geheim ist", hieß es von Seiten der Kolumbianer im ICANN-Regierungsgremium Governmental Advisory Committee (GAC). Nach dem Verfahren zur internen ÜberprĂŒfung können die ACTO-Staaten auch noch einen unabhĂ€ngigen Schiedsspruch erzwingen. Genau auf diese Weise hatte Amazon zuvor die ICANN gezwungen, ĂŒber ihre Bewerbung zu entscheiden.

UnterstĂŒtzt werden die ACTO-LĂ€nder in ihrem Anliegen von ihren lateinamerikanischen Nachbarn. Auch Portugal mahnte, dass die Regierungen bei geographischen Domainnamen nicht ĂŒbergangen werden dĂŒrften. EU-Vertreter unterstrichen zwar, dass eine Lösung im beiderseitigen Interesse richtig wĂ€re, verwiesen aber auch auf den Zeitverzug. Eine Lösung mĂŒsse innerhalb einer ĂŒberschaubaren Zeitspanne gefunden werden. Auch die USA rĂ€umte vorsichtig ein, es sehe tatsĂ€chlich so aus, als habe der Vorstand der ICANN mit seinem Beschluss die Empfehlungen des Regierungsbeirates ĂŒbergangen. Allerdings könne man aktuell keinem Beschluss der Regierungen zustimmen, die die Causa Amazon noch weiter verzögerten. (vbr [3])


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https://www.heise.de/-4455109

Links in diesem Artikel:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/OTCA
[2] https://www.heise.de/news/Streit-um-amazon-Domain-Amazon-fast-am-Ziel-mit-eigener-TLD-4427879.html
[3] mailto:vbr@heise.de