heise online: Welten - eine Leseprobe aus "Hell Fever. Höllische Spiele" von Peter Schattschneider
Ein Blick in die Zukunft mit "heise online: Welten". Peter Schattschneider erzÀhlt von ungeahnten Perfektionierungen der virtuellen RealitÀt.
Mit der SF-Buchreihe heise online: Welten wollen wir nicht nur die aktuellen Entwicklungen in Technik und Forschung beschreiben, sondern sie auch kritisch hinterfragen und den Lesern begreiflich machen. Dabei verfallen wir weder in apokalyptische Technik-Kritik noch in blinde Technik-Euphorie; wir wollen keinesfalls, dass die Chancen, die Neuerungen in Technik und Wissenschaft bieten, fĂŒr die Gesellschaft und den einzelnen Anwender ungenutzt bleiben.
Die Reihe heise online: Welten [6] setzen wir nach "Die letzte Crew des Wandersterns [7]" von Hans-Arthur Marsiske mit "Hell Fever. Höllische Spiele" von Peter Schattschneider fort. Er wird langjĂ€hrigen SF-Fans durch seine bei Suhrkamp veröffentlichten Kurzgeschichten-BĂ€nde und ebenfalls durch seine c't-Stories ein Begriff sein. AuĂerdem erschien "Apokalypose Pallantau [8]" von Arno Endler.
Band 3: Hell Fever. Höllische Spiele
Schattschneider begibt sich in "Hell Fever. Höllische Spiele" in die AbgrĂŒnde der virtuellen RealitĂ€t, scheinbar ganz spielerisch: "Es war ganz verblĂŒffend, wie echt sich die virtuelle RealitĂ€t der Hölle anfĂŒhlte." Hagen Goldberg findet seinen Freund, einen IT-Spezialisten, ermordet auf. ZufĂ€llig kommt er dabei in den Besitz eines Spiels namens "Hell Fever". Als er den Code geknackt hat, stellt er schnell fest: Es handelt sich um eine revolutionĂ€re Erfindung.
"Hell Fever" ermöglicht eine ungeahnte Perfektionierung der virtuellen RealitĂ€t. Aber wer steckt hinter dieser Entwicklung? Wieso sterben oder verschwinden die Mitglieder des Entwicklerteams unter ungeklĂ€rten UmstĂ€nden? Welche Rolle spielt der Vater von Goldbergs NachhilfeschĂŒlerin, deren Verhalten auf ein Stockholm-Syndrom hinweist? Und warum begehen SchĂŒler in einer Klosterschule Selbstmord? Bei seinen Recherchen wird Goldberg immer tiefer in die dunklen Bereiche der virtuellen RealitĂ€t hineingezogen.
Der Roman ist im heise Shop [9], beim Hinstorff-Verlag [10], in stationÀren BuchlÀden und in Online-BuchlÀden wie Amazon [11] sowohl als gedrucktes Buch als auch als eBook erhÀltlich.
- Leseprobe aus "Hell Fever. Höllische Spiele"
[...]
1. Kapitel: Worin eine Leiche gefunden wird
Tageslicht brach durch ein schmales Fenster in das DunÂkel des Landeskriminalamts. Ich saĂ dem Kommissar geÂgenĂŒber, der aussah wie ein Kommissar. Ein spartanischer Schreibtisch â Handy, ein Ordner, drei Kugelschreiber, ein rotes, aufgeschlagenes Notizbuch. Hinter einem zweiÂten Schreibtisch unter dem Fenster in die Freiheit saĂ Jane Rizzoli. Jedenfalls sah sie so aus wie die TVÂPolizistin aus meinen Jugendtagen.
Kommissar Skorzil leitete die Untersuchung. Und KonÂtrollinspektorin Rizzoli hieĂ im wirklichen Leben Saskia Helfgott oder so Ă€hnlich.
Wann war der Anruf? Was haben Sie dann gemacht? KönÂnen Sie das prĂ€zisieren? Wann haben Sie die Leiche gefunÂden? Beschreiben Sie den Fundort. Ist Ihnen etwas verdĂ€chtig vorgekommen? Und so weiter. Ich wurde langsam mĂŒde. Der Kommissar prĂŒfte wieder sein Notizbuch. âSie sind
Gymnasiallehrer, ist das richtig?â Als wĂŒsste er es nicht.
âPhysik und Matheâ, prĂ€zisierte ich. Er starrte weiter in sein Buch.
âHatten Sie jemals Probleme an der Schule?â
âProbleme kann man nicht sagen. Es gab dumme GerĂŒchte, darum habe ich vor zwei Jahren die Schule gewechselt.â
âKönnen Sie das erlĂ€utern?â
âHerr Kommissar, wir mĂŒssen nicht KatzÂundÂMaus spielen, Sie haben das sicher schon recherchiert. Es gab eine Anzeige wegen Missbrauchs von Schutzbefohlenen. Ich wurde freigesprochen. Es war ein Racheakt wegen schlechÂter Noten.â
Rizzoli blickte mich skeptisch an. Ich kannte diesen Blick. Du bist ein widerlicher Sexstrolch, sagte dieser Blick. Egal, was du uns erzĂ€hlst âŠ
âNimmst du das auf, bitte?â Dies zu Rizzoli, die sich sowieso stĂ€ndig Notizen machte. Ăbereifrig kam sie mir vor.
âKommen wir zur Sache: Wann hat Wunderer Sie angerufen?â Das hatte er mich schon gefragt; er wollte mich testen, der Schlaumeier. Ich spielte mit, ĂŒberlegte erneut ernsthaft, bevor ich bestĂ€tigte, dass es so gegen 19 Uhr gewesen sein musste. NatĂŒrlich wusste ich, dass Walters Anruf um 19:07 Uhr auf mein Handy gekommen war, aber ich hielt es nicht fĂŒr erforderlich, ihm das auf die Nase zu binden. Zweifellos konnte die Polizei das unschwer mit einer Rufdatenabfrage herausfinden. Und eigentlich sollte er wissen, dass ich das wusste.
âKönnen Sie das GesprĂ€ch wiedergeben?â
âEr bat mich, rasch zu kommen, er werde verfolgt. Er sagte mir nicht, worum es ging. Das wollte er mir persönlich erklĂ€Âren. Und es sei eilig.â
âEine Andeutung, was ihm Angst machte?â
âEs schien sich um seine Arbeit zu handeln. Er verwendete den Begriff unsicherer Datenkanal. Er ist â ich meine: er war IVRÂExperte.â Ich wartete auf ErklĂ€rungsbedarf seitens des Kommissars, der vermutlich nicht wusste, was IVR war, aber der nickte nur und schien sich Notizen zu machen.
âUnd Sie sind gleich zu ihm?â
Ich nickte. Jetzt schwieg er, aber ich konnte auch wortkarg sein.
âWann sind Sie bei ihm angekommen?â
âIch habe nicht auf die Uhr geschaut. Die Situation war nicht danach. â Ich habe die SÂBahn und den Bus zum InsÂ
titut genommen, ich denke, ich war so um 20:30 Uhr dort. Plusminus 5 Minuten.â
Der Kommissar nickte verstehend. âPlusminus, sosoâ, murmelte er.
Du bist ein arrogantes Arschloch, dachte ich.
âWas war dann?â
âIch bin rein und habe ihn gefunden. Er lag auf dem Boden. Ăberall war Blut.â
Er blickte ganz ruhig zur Decke, als gĂ€bâs dort was zu sehen.
âWieso wussten Sie, dass er tot ist?â
âIch habâ ihn angesprochen, ihn geschĂŒttelt, mich dann zu ihm runtergebeugt und gehorcht, ob er atmet. Und â er hatte keinen Puls.â
âWo haben Sie den Puls gefĂŒhlt?â
âAm Handgelenk.â
âNormalerweise macht man das am Hals.â
âDas wĂ€re schwer gewesen. Der war ja durchtrennt.â Ich schluckte, als mich das Bild ĂŒberfiel.
âErzĂ€hlen Sie weiter.â
âDas warâs eigentlich schon. Ich habe sofort die Polizei angerufen. Die ist schnell da gewesen.â
âUm 20:46 Uhr. Sie haben um 20:40 Uhr angerufen. Was haben Sie in der Zwischenzeit gemacht?â
âWas meinen Sie mit gemacht? Ich war ziemlich fertig. Ich glaube, ich habe mich auf einen der LaborstĂŒhle gesetzt.â
âHaben Sie irgendetwas berĂŒhrt?â
âSicher nicht. Grober Fehler. Das weiĂ ich aus dem Fernsehen.â
Wenn er mich fĂŒr einen solchen hielt, konnte ich den Idioten spielen.
âUnd die Leiche?â
âDie habâ ich schon âââ Ich will sagen, als ich ihm den Puls ââââ Ich schluckte, legte mir die Hand vor die Augen, so als ob mich die Emotion plötzlich ĂŒberkĂ€me. Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass ich tatsĂ€chlich den TrĂ€nen nahe war. Eine schreckliche ScheiĂe. Walter, wo bist du da hineingeraten? Warum hast du mir das angetan?
âSie haben auch den Computer nicht angerĂŒhrt.â Das klang eher nach einer Drohung als nach einer Frage. Ich schĂŒttelte nur den Kopf.
Er seufzte, schob seinen Block zur Seite. âFĂŒrs Erste wĂ€râs das, Doktor Goldberg. Meine Kollegin wird das Protokoll verfassen, Sie können es in den nĂ€chsten Tagen unterschreibenâ, sagte er im Aufstehen.
âHaben Sie schon einen Verdacht, warum âŠ?â
Er hob die Schultern. âWir wissen nur, dass er neben seiner universitĂ€ren Forschung fĂŒr eine Firma gearbeitet hat, die IVRÂSoftware vertreibt.â
Er wusste tatsÀchlich, was Immersive Virtuelle RealitÀt bedeutete. Er war doch nicht so bescheuert, wie ich gedacht hatte.
Was ich ihm erzÀhlt hatte, war fast wahr, wenn ich die aristotelische Logik ein wenig interpretieren darf. Walter hatte mich am Vorabend angerufen, hörbar verstört.
âHast du Zeit?â, hatte er ohne Einleitung gefragt.
âJa, was ist?â
âIch möchte dir noch ein paar Dateien zur Aufbewahrung anvertrauen.â
âHat das mit dem Koffer zu tun?â
âDas sag ich dir, wenn du da bist. Der Datenkanal ist mir zu unsicher. Kannst du gleich kommen?â
âHmm, ich bin grad beim Schreiben. Gehtâs morgen Abend?â
âMorgen ist vielleicht zu spĂ€t. Ich wĂ€râ dir wirklich wahnsinnig dankbar, wenn du jetzt âŠâ
Als ich nichts sagte, fĂŒgte er hinzu: âIch werde verfolgt.â Ich zögerte kurz, bevor ich zustimmte: âIch bin in einer
Stunde bei dir.â
âSuper. Bis gleich! â Sag, hast du den Koffer auch gut versteckt?â
âJa, sicher, er ist in ââââ
âSag nichts!â, fiel er mir ins Wort. âKomm einfach!â
Von daher wehte der Wind also. Ich hatte schon eine Woche zuvor sehr unwillig einen Koffer angenommen, als er mich gebeten hatte, etwas fĂŒr ihn sicher aufzubewahren. VorĂŒbergehend. Walter war ganz gegen sein sonstiges Verhalten sehr fordernd gewesen. Als ich zögerte, hatte er fast beleidigt reagiert, als wĂ€re es selbstverstĂ€ndlich, dass ich meinem besten Freund bei dubiosen Machenschaften half. Seither lagerte der kleine Alukoffer in einem SchlieĂfach am Wiener Hauptbahnhof.
Seit einigen Monaten war Walter verĂ€ndert. Seine freundliche Art war einer nervösen Ungeduld gewichen; es kam vor, dass er, wenn wir bei einem Bier saĂen und ich eine scherzhaft abfĂ€llige Bemerkung ĂŒber IVR machte, mich mit Hinweis auf meine Inkompetenz zurechtwies. Dabei schien das Feuermal auf seiner linken Wange vor Empörung aufzuleuchten. Gleich tat es ihm dann leid, er ĂŒberspielte den Ausbruch ebenfalls mit einem Scherz, zu dem er keckernd lachte auf seine unnachahmliche Art, und wir waren uns wieder einig in der zynischen Betrachtung des Universums. Aber ohne Zweifel hatte er sich verĂ€ndert, war unduldsam
und aggressiv geworden. Vermutlich wegen seiner Arbeit an diesem Geheimprojekt.
Es ging um eine Erfindung, welche das unĂŒberschaubare Universum der Computerspiele revolutionieren wĂŒrde. Augmented, Immersive und Virtual Reality waren die Stichwörter. Das Problem der Verwertung von Forschungsergebnissen. Um wissenschaftlich weiterzukommen, muss man publizieren, aber dann ist die Katze aus dem Sack, und jeder kann die Erkenntnisse nutzen, der Erfinder schaut durch die Finger. Patentieren? Danach kann man zwar publizieren, aber das interessiert dann kein Schwein mehr. Patentschutz? Geschenkt. GroĂe Konzerne kaufen die Lizenz und lassen die PlĂ€ne in der Schublade verschwinden, um ihre eigenen Produkte nicht zu konkurrenzieren, oder sie bauen das Ding einfach. Klagen des Erfinders sitzen die aus. Daher weder publizieren noch patentieren, sondern alles geheim halten und diskret einen Sponsor suchen. Die Unsicherheit, der Stress der Geheimhaltung, das Misstrauen, stĂ€ndige Wachsamkeit â da konnte einer leicht aggressiv werden. Um 20:25 Uhr war ich da. Die Security der Technischen UniversitĂ€t filzte mich nur flĂŒchtig, da ich keinen Halbmond am Revers trug. Ein IrisÂScan, und ich war drin. Die TĂŒr zum Labor stand offen. Drinnen brannte Licht. Ich klopfte und trat
gleich ein.
âWalter?â Ich hatte ein eigenartiges GefĂŒhl des Schwebens. Leises Summen war zu hören, ich vermeinte auch einen schwachen ungewohnten Geruch wahrzunehmen, aber mein olfaktorischer Sinn ist einseitig auf Weinaromen fokussiert.
Das terroir des Labors war anders. Das unbestimmte GefĂŒhl des Schwebens schon im Flur, das Summen, die AnÂ
deutung einer fremden âNaseâ ⊠Das Summen kam vom Computer. Ein riesiger Display auf einem groĂen Schreibtisch, der im rechten Winkel zur Wand stand. Rundherum Stapel von Zeitschriften und lose BlĂ€tter mit Walters Gekritzel. Auf der Ablage ĂŒber dem Schreibtisch ein Chaos aus Visitenkarten, USBÂSticks, badges von Konferenzbesuchen, Minikameras, Elektronikbauteilen. An der schmucklosen Wand zwei historische Fotos von Alan Turing und John von Neumann.
Der fensterlose Raum â ĂŒberhoch, um groĂe Maschinen unterbringen zu können â befand sich im Kernbereich des TUÂGebĂ€udes. Das Labor war vollgerĂ€umt mit Technik. 3DKameras, Roboterarme, Scheinwerfer, 90 ZollÂBildschirme, Mikros hingen von der Decke, dicke KabelbĂ€ume schlĂ€ngelten sich ĂŒber den Boden. Links von der EingangstĂŒr ein ausgeleuchteter Bereich von etwa 3 mal 3 Metern, eine weiĂe Studiowand war zylindrisch als Hintergrund raumhoch aufgespannt. Ein Beamer warf ein pastorales Bild an die Leinwand â eine Kirche inmitten eines GebĂ€udekomplexes, umgeben von sommergrĂŒnen Wiesen und WĂ€ldern. Die Kirche hatte einen Turm mit dunkelgrĂŒnem Zwiebeldach, und auf einer Anhöhe hinter dem Kloster lugte idyllisch ein weiterer Turm aus dichtem Wald hervor wie ein WĂ€chter fĂŒr die Ewigkeit.
Auf einem Tisch daneben Datenhandschuhe, VRÂBrillen
in verschiedenen Formen, eine Minidrohne mit Kamera neben dem Modell einer Stadt, es war verrutscht, einige HĂ€user lagen am Boden, als hĂ€tte sich jemand daran festgeklammert und sie in die Unterwelt geschleudert. Der BĂŒrosessel war umgekippt. Walter lag daneben auf einem ovalen Teppich und blickte nachdenklich an die Decke. Ein HerzinÂ
farkt, dachte ich. Seit wann hat er einen Teppich am Arbeitsplatz?, dachte ich. In Rot obendrein.
Es war kein Teppich. Ich brauchte einige Zeit, bevor ich begriff, dass das Blut war. Walters Blut. An seiner Kehle klaffte ein breiter Spalt.
Ich kniete mich neben ihn, schĂŒttelte ihn, horchte vergeblich auf seinen Atem, fand keinen Puls. Er war tot.
Ich setzte mich in einen der Laborsessel und dachte nach. Ich musste die Polizei verstĂ€ndigen. Nur â was sollte ich wegen des Koffers sagen? Ich hatte ihm versprochen zu schweigen. Und nun hatte ihn jemand daran gehindert, mir noch etwas zur Aufbewahrung zu geben. Dokumente, die Rohfassung eines Artikels, was sonst? Alles war im Computer â ĂŒblicherweise. Es sei denn, er hatte es vorsorglich gelöscht und die Files woanders gelagert. Ich ging in die KĂŒche, suchte, die HĂ€nde mit einem Tuch schĂŒtzend, nach Einweghandschuhen, die unter der SpĂŒle lagen. Zog sie an und kramte auf dem Schreibtisch zwischen den Zetteln. KryptologieÂZeitschriften, ein Buch ĂŒber Virtual Reality, Artikel ĂŒber Alan Turing und das Halteproblem, Fuzzy Logic ⊠massenhaft Handschriftliches. Keine Chance, das durchzusehen. Ich musste die Polizei verstĂ€ndigen. Bald, spĂ€testens in fĂŒnf Minuten. Was kann ich in fĂŒnf Minuten tun?
FĂŒnf Minuten sind lang. Lang genug fĂŒr den sprichÂ
wörtlichen Lebensfilm. War der abgelaufen, als man Walters Carotiden durchtrennt hatte? Kaum, denn man ver lor wohl innerhalb von Sekunden das Bewusstsein. Aber vielleicht beschleunigte der schwindende Geist das Geschehen. Kalorienverbrauch, Schlafdauer, Lebensdauer, Herzfrequenz, Reaktionszeit â die Kleiberâschen Gleichungen beschreiben das von der Fliege bis zum Wal. Und hier
lag Walter, der Wal. Seine Reaktionszeit war unendlich lang geworden.
Am Bildschirm ein geöffneter Browser, die Homepage einer Firma âRealGamesâ war zu sehen, und im nĂ€chsten Tab ein Computerspiel. Ich klickte es an, eine Szenerie wie aus einem Fantasyspiel öffnete sich, der Blick ging von einer Anhöhe in ein grĂŒnes, friedliches Tal, Vögel kreisten, Blumen blĂŒhten, am Talgrund konnte man sonnenbeschienene winzige Gestalten erkennen, die ihren TĂ€tigkeiten nachgingen. Im blauen Sommerhimmel schwebte der Titel des Spiels:
Hell Fever
©RealGames Inc.
Ein Datenbus verband den Rechner mit einem Minicluster neben dem riesigen Display. Inmitten von Kabelgewirr vier Stereolautsprecher, ein toter Bildschirm, und unter der Tischplatte eine kleine externe Festplatte an einem USBÂKabel, so versteckt, dass sie ein eiliger Eindringling vielleicht ĂŒbersehen hatte.
Vermutlich enthielt sie nichts Geheimes mehr, aber einen Versuch war es wert. Ich öffnete den Taskmanager, sah, dass die letzte AktivitĂ€t Walters SkypeÂAnruf bei mir vor mehr als einer Stunde war, setzte die interne PCÂUhr um eine Stunde zurĂŒck, kopierte alle Ordner, die in den letzten zwei Wochen aktiv gewesen waren, auf die externe Festplatte, entfernte sie, setzte die Uhr wieder eine Stunde vor und rief die Polizei an. Es war 20:40 Uhr. Ich steckte die Festplatte und die Handschuhe in meine Brusttasche und wartete.
Das war alles reflexartig abgelaufen, ich hatte mir die Konsequenzen nicht ĂŒberlegt. Erst nach dem ErmittlungsÂ
gesprĂ€ch im Kommissariat nahm mein Frontallappen seine Funktion wieder auf. Walter war verfolgt worden, und es ging um viel, so weit hatte ich schon gedacht. Was hatte der Mörder gesucht? Auch das war nicht schwer zu erraten: etwas, das Walter fĂŒr so wertvoll und gefĂ€hrdet hielt, dass er es mir heimlich zur Aufbewahrung ĂŒbergeben hatte. Und der Mörder suchte weiter, wĂŒrde wieder vor nichts zurĂŒckschrecken, um es zu bekommen ⊠wusste vermutlich schon, dass ich es hatte.
Ich musste verschwinden. Bevor ich beseitigt wurde, sollte ich das lieber selbst tun.
[...] (jk [12])
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