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re:publica: Mehr Datenschutz bei Green IT gefordert

Stefan Krempl

Frank Rieger vom Chaos Computer Club hat dafĂŒr plĂ€diert, die Datenhoheit bei intelligenten StromzĂ€hlern in die HĂ€nde der Verbraucher zu legen und auch bei Techniken wie Mautsystemen auf eine Anonymisierung von Nutzerdaten zu setzen.

Frank Rieger vom Chaos Computer Club (CCC [1]) hat dafĂŒr plĂ€diert, Datenschutzdebakel bei "grĂŒnen" IT-Systemen von vornherein im technischen Design zu verhindern. Intelligente StromzĂ€hler etwa seien eine sinnvolle Sache, da sie Spitzenzeiten beim Energieverbrauch durch eine flexible Preisgestaltung abfedern könnten, befand der Hacker am gestrigen Mittwoch auf der Internetkonferenz re:publica [2] in Berlin. Diese könnten derzeit aber auch in fortgeschritteneren Varianten die Nutzung jedes einzelnen HaushaltsgerĂ€ts aufzeichnen. Das sogenannte Smart Grid [3] erkenne so, wann und wie oft jemand dusche, den KĂŒhlschrank aufmache oder koche. Es sei aber fraglich, ob das Netzwerk all dies wissen mĂŒsse. Es reiche aus, wenn der ZĂ€hler selbst die sensiblen Nutzungsinformationen erhalte und einzelne GerĂ€te steuere.

FĂŒr Rieger ist es so unerlĂ€sslich, dass die Verbraucher im Smart Grid selbst die Hoheit ĂŒber die Daten erhalten und diese nicht an die Energiekonzerne wandern. Deren PlĂ€ne, große HĂ€ndler mit personenbezogenen Informationen zu werden, mĂŒssten gestoppt werden. Es sei ein Mythos, wandte sich der Hacker gegen einen seiner Vorredner [4], den Medienexperten Jeff Jarvis, dass die Herausgabe persönlicher Daten nur Vorteile fĂŒr die Konsumenten habe. Der einzige derzeit feststellbare Mehrwert eines solchen Verhaltens liege auf der Seite der Unternehmen, die GeschĂ€fte mit den Informationen ihrer Kunden verstĂ€rken könnten. Die Ziele von Green IT könnten dagegen auch mit anonymisierten Daten erreicht werden, dafĂŒr mĂŒsse kein Personenbezug hergestellt werden.

Dies gilt laut Rieger auch fĂŒr Pkw-Mautsysteme mit GPS-Aufzeichnungen aller Bewegungen eines Fahrzeugs, wie sie in den Niederlanden im Kampf gegen in Stoßzeiten nicht mehr passierbare Straßen installiert werden sollen [5]. Auch hier mĂŒsse der Betreiber fĂŒr die Abrechnung nicht wissen, wann jemand zum Supermarkt oder gar in ein Bordell fahre. Vielmehr reichten aggregierte Daten aus. Generell steigen die Erwartungen an den Datenschutz, je stĂ€rker der physikalische Raum und das Alltagsleben darin berĂŒhrt wird, meint der CCC-Vertreter. Nutzer sozialer Netzwerke hĂ€tten kaum Hemmnisse, intimste Daten ĂŒber sich preiszugeben, wĂ€hrend auf Bewegungsdaten basierende Dienste fĂŒr Mobiltelefone dagegen oft Akzeptanzprobleme hĂ€tten. Wer in diesem Bereich trotzdem Informationen ĂŒber sich abgeben wolle, sollte darauf achten, dass diese nur auf bestimmte Zwecke zugeschnitten und die Einwilligung widerrufbar ist. (anw [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-978199

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.ccc.de/
[2] http://re-publica.de/10/
[3] https://www.heise.de/news/Versorger-fuerchten-Nebenwirkungen-des-Smart-Grid-962676.html
[4] https://www.heise.de/news/re-publica-Nur-nicht-pessimistisch-werden-Netizen-977861.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Der-gruene-Big-Brother-879251.html
[6] mailto:anw@heise.de