3D-Druck: Was genau ist DruckqualitÀt?
Ausgiebige Belastungstests und quantitative Methoden sind beim 3D-Druck aussagefĂ€higer als SichtprĂŒfungen.
Wenn es um DruckqualitĂ€t und -PrĂ€zision geht, betonen die Hersteller von Desktop-3D-Druckern gerne die Schichthöhe. WĂ€hrend diese bei der DruckqualitĂ€t durchaus eine Rolle spielt, ist sie nur einer der vielen messbaren Faktoren, die zum QualitĂ€tseindruck beitragen. DruckqualitĂ€t ist eine Kombination aus dem, was man mit dem Auge feststellen kann, und funktionellen Eigenschaften, wie MaĂhaltigkeit, OberflĂ€chengĂŒte, der Möglichkeit, ĂberhĂ€nge zu erstellen, dem Umgang mit Ablagerungen, Antriebsmechanik, Bewegungssteuerung, Materialeigenschaften und Slicing-Algorithmen.
All diese Faktoren hĂ€ngen eng miteinander zusammen. Wenn man einen davon verĂ€ndert, wirkt sich das auf andere aus. Das macht es etwas schwierig, den genauen Einfluss der einzelnen Faktoren auf die GesamtdruckqualitĂ€t festzustellen. Allerdings ist es möglich, Testgeometrien zu erstellen, mit denen bestimmte Aspekte der DruckqualitĂ€t ĂŒberprĂŒft und einzeln bewertet werden, wĂ€hrend die anderen Variablen konstant bleiben. Das erlaubt eher eine quantitative und parametrische Beurteilung der DruckqualitĂ€t, als dies durch den Vergleich einer beliebigen Anzahl traditionellerer Druckmodelle möglich wĂ€re.
3D-Druck-ProbestĂŒcke von Make (0 Bilder) [1]
Warum gerade diese Auswahl an Geometrien?
Jedes dieser Modelle wurde entwickelt, um jeweils einen Aspekt der DruckqualitĂ€t genauestens zu ĂŒberprĂŒfen. Obwohl damit nicht alles getestet werden kann, werden damit die Faktoren ĂŒberprĂŒft, die einen maĂgeblichen Einfluss auf die QualitĂ€tswahrnehmung sowie auf die FunktionalitĂ€t und Leistung haben. Jede Geometrie wurde im Hinblick auf einen minimalen Materialverbrauch und eine kĂŒrzestmögliche Druckzeit optimiert. DarĂŒber hinaus wurden einige der Tests â wie der Test der feinen Strukturen und der Ăberhangtest â entwickelt, um den Drucker in die Knie zu zwingen und Fehler zu provozieren. Dabei ist an Verstopfungen im Extruder oder an Fehler bei der Schichtung zu denken.
Mit Belastungstests, die den Drucker an die Grenze seines Könnens bringen, erhĂ€lt man mehr Informationen als mit anderen Teststrategien. AuĂerdem bilden sie einen quantitativen Rahmen zur Bewertung von Druckergebnissen und ermöglichen die gemeinsame Nutzung von Evaluierungsprotokollen. Statt subjektiv zu beurteilen, wie "kleckerig" das Ergebnis eines Tests der feinen Strukturen ist, lassen sich Strukturen erstellen, die den Extruder wĂ€hrend des Druckvorgangs zuverlĂ€ssig in einen Fehlerzustand versetzen werden. Wenn der Druck fehlschlĂ€gt, lĂ€sst sich die Fehlerquelle durch Messen der Höhe mit einem Tastzirkel quantifizieren.
Warum nicht einfach einen groĂen Testdruck machen?
Es ist oft verlockend, alle Testfunktionen in eine umfassende Geometrie aufzunehmen. WĂ€hrend das in einigen FĂ€llen eine gute Lösung ist, sind kombinierte Geometrie-Testdrucke unvereinbar mit Belastungstests, die bis zum Ausfall gehen. Fehler bei der Geometrie können sich negativ auf die Schichtung anderer Strukturen des Modells auswirken. Dazu kommt, dass sich durch das Kombinieren von Teststrukturen die Bedingungen Ă€ndern, unter denen die Teile gedruckt werden. ĂberhĂ€nge lassen sich zum Beispiel am besten aufeinander schichten, wenn die vorangehende Schicht die Möglichkeit hat, abzukĂŒhlen, bevor die nĂ€chste Schicht aufgetragen wird. In einem kombinierten Testdruck haben ĂberhĂ€nge zwischen den Schichten eventuell eine zusĂ€tzliche AbkĂŒhlzeit. Dadurch kann sich die Leistung des Druckers in dieser Hinsicht verbessern. Werden ĂberhĂ€nge isoliert getestet, hat jede Schicht die gleiche (sehr kurze) Zeit zum AbkĂŒhlen, sodass die Testbedingungen fĂŒr jeden Ăberhangwinkel konsistent sind und den gleichen Schwierigkeitsgrad haben. Schafft das GerĂ€t es, alle Ăberhangwinkel unter diesen anspruchsvollen Bedingungen richtig abzubilden, werden ihm integrative, kombinierte Geometrien keine Probleme bereiten.
Was bedeutet das fĂŒr den Vergleich aktueller 3D-Drucker?
Zum Testen aktueller 3D-Druckermodelle fĂŒr den Desktop haben wir die hier genannten quantitativen Methoden eingesetzt â die ersten Ergebnisse haben wir online in eine Tabelle [5] eingetragen, die wir fortlaufend um weitere getestete 3-Drucker ergĂ€nzen werden. AuĂerdem stellen die Kolleginnen und Kollegen der US-Ausgabe von Make alle ihre Testdrucke und Bewertungsprotokolle [6] bereit, sodass jeder Interessierte die Ergebnisse reproduzieren kann. Die spannende Implikation ist, dass Ănderungen an der Software, der Mechanik oder dem eingesetzten Material nun mit VerĂ€nderungen einer bestimmten, messbaren QualitĂ€tsleistung korreliert werden können. Das bietet einen methodischen, quantitativen Rahmen fĂŒr die Bewertung und Verbesserung der DruckqualitĂ€t.
Die Testobjekte gibt es bei Thingiverse zum Download [7]; wie die Ergebnisse im Detail zu bewerten sind, steht in einem englischen Online-Artikel der US-Ausgabe [8] der Make.
Dieser Artikel stammt aus Nummer 42 der US-Ausgabe der Make.
Ăbersetzung: Alexandra Kleijn
(pek [9])
URL dieses Artikels:
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[2] https://www.heise.de/bilderstrecke/1431584.html?back=2545687;back=2545687
[3] https://www.heise.de/ratgeber/So-arbeiten-3D-Drucker-2545696.html
[4] http://www.heise.de/thema/3D_Drucker
[5] https://www.heise.de/tests/FDM-3D-Drucker-im-Vergleich-2545710.html
[6] http://makezine.com/go/print-quality
[7] https://www.thingiverse.com/MAKE/collections/2015-test-prints-make-annual-guide-to-3d-printing
[8] http://makezine.com/2014/11/07/how-to-evaluate-the-2015-make-3dp-test-probes/
[9] mailto:pek@ct.de
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