Kleine und groĂe Fenster
Microsoft bereichert Windows Mobile 6 um viele lang vermisste Komponenten. Wir stellen das System im Zusammenspiel mit der fast zeitgleich vorgestellten Abgleich-Lösung fĂŒr Windows Vista vor.
Microsoft bereichert Windows Mobile 6 um viele lang vermisste Komponenten. Anhand der ersten damit ausgestatteten GerĂ€te konnten wir diese Extras testen â vor allem auch das Zusammenspiel mit der fast zeitgleich vorgestellten Abgleich-Lösung fĂŒr Windows Vista.
Mit Windows Mobile 6 beschert Microsoft dem Nutzer mehr als nur ein um Kleinigkeiten verbessertes Betriebssystem. Das fĂ€ngt beim Kernel Embedded Windows CE 5.0 an, der viele neue Programmierbibliotheken fĂŒr Grafik, Sound und Kommunikation enthĂ€lt. Erstmals legt Microsoft auch eine Upgrade-Applikation bei, die zukĂŒnftige System-Aktualisierungen einspielt. Bislang waren die zum Teil dringend benötigten System-Upgrades bei Windows Mobile GlĂŒckssache, denn der GerĂ€tehersteller musste mitspielen. Das gilt natĂŒrlich auch fĂŒrs Upgrade von Windows Mobile 5 auf Windows Mobile 6: Updates fĂŒr Windows-Mobile-5-GerĂ€te muss der Hersteller liefern. Allerdings haben allein Palm und O2 bereits Updates auf das neue Mobil-Betriebssystem fĂŒr ihre Smartphones angekĂŒndigt.
Wie bei fast allen Vorversionen benennt der Redmonder Konzern auch bei Windows Mobile 6 die einzelnen Systemvarianten neu. Gab es unter Windows Mobile 5 noch die Bezeichnungen Pocket PC fĂŒr die Touchscreen-Variante und Smartphone fĂŒr GerĂ€te ohne Touchscreen, heiĂen die neuen Systemversionen jetzt Windows Mobile 6 Standard, Classic und Professional: Bei der Standard-Version handelt es sich um die Smartphone-Variante, die Classic-Version lĂ€uft auf Pocket PCs ohne Mobilfunk und Professional bezeichnet das Pocket-PC-System mit Telefoniefunktionen. Die Namen sollte man sich gut merken, denn nach wie vor laufen Programme fĂŒr die Smartphone-Version von Windows nicht auf Pocket PCs und umgekehrt â hier enttĂ€uscht auch das neue System.
Windows Mobile 6 enthÀlt im Vergleich zur Vorversion zusÀtzliche Applikationen und Dienste, die der Nutzer schnell schÀtzen lernt. So ist die Mobil-Version von Microsofts Webdienste-Portal Windows Live nun fester Bestandteil des Systems. In wenigen Schritten personalisiert man hierdurch sein GerÀt mit eigener Webmail-Adresse, einem Chat-Account und persönlichem Suchdienst. Bereits in der Hauptansicht von Windows Mobile sieht der Nutzer Chat-Anfragen und neue E-Mails, die der Handheld auf Wunsch automatisch von Zeit zu Zeit vom Server abholt.
Windows Mobile 6 enthĂ€lt die Webdienste fĂŒr Suche, E-Mail und Chat von Microsofts Portal Windows Live.
Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Chat-Services sind wesentlich billiger als der Dienst SMS, weil nur die Datentarifkosten anfallen. Mit einer Webmail-Adresse inklusive automatischem Nachrichten-Check kommt zudem Pushmail-Feeling wie beim Blackberry auf, ohne dass man gleich den DirectPush-Service in Anspruch nehmen muss. Beim ersten Lesen der Mail ĂŒbertrĂ€gt Windows Mobile 6 zusĂ€tzlich zu den Outlook-Kontakten auĂerdem auf Wunsch alle E-Mail-Kontakte einer Web-Inbox in das lokale Adressbuch. Outlook Mobile zeigt zudem jetzt endlich HTML-Inhalte in E-Mails an.
Wer andere Chat- und Webmail-Dienste wie etwa ICQ oder Yahoo nutzen möchte, muss nachinstallieren. Auch Microsoft lĂ€sst sich schlieĂlich nicht gern die Butter vom Brot nehmen und denkt erst mal an die VergröĂerung der eigenen Nutzergemeinde.
Taschen-BĂŒro
Stattete Microsoft bislang nur Pocket PCs mit einem Mobil-Office aus, legen die Redmonder nun auch der Smartphone-Variante eines bei. Die BĂŒrosoftware besteht aus Word, Excel und PowerPoint Mobile. WĂ€hrend die beiden ersteren Programme auch Dokumente editieren, langt die PowerPoint-Applikation nur zum Anschauen von Dateien. Im Unterschied zu den Vorversionen von Windows Mobile lesen die neuen Mobile-Applikationen nun auch das Docx-Format des aktuellen Office 2007.
Das bislang mitgelieferte Mobil-Office verkrĂŒppelte PC-Office-Dateien beim Ăndern auf dem MobilgerĂ€t, weil sĂ€mtliche ursprĂŒnglichen Formatierungen verloren gingen. Schon im Vorfeld kĂŒndigte Microsoft an, es diesmal besser machen zu wollen.
[3]
Altes Leiden: Beim Bearbeiten und Abspeichern von Office-Dokumenten verschwinden alle nicht unterstĂŒtzten Formatierungen (links: vorher, rechts: nachher). Wenigstens warnt Office Mobile vor dem Speichern und es tastet die ursprĂŒngliche Datei nicht an.
[4]
TatsĂ€chlich beherrschen die neuen Office-Mobile-Programme mehr Stilelemente von Word und Excel als noch in Windows Mobile 5. So kennt Excel Mobile Charts und viele Formeloperationen; Word Mobile zeigt Tabellen mit Rechenoperatoren und Textbausteine, kann jedoch keine Grafiken und Testrahmen darstellen. Alle nicht unterstĂŒtzten Formatierungen gehen beim erneuten Abspeichern verloren. GlĂŒcklicherweise warnen die Office-Mobile-Programme vor dem Sichern noch einmal. Die Originaldatei bleibt in jedem Fall unbeschĂ€digt, weil Office Mobile automatisch einen neuen Namen auswĂ€hlt. Zum Ăndern kleiner Schönheitsfehler in Dokumenten eignet sich Office Mobile dennoch nicht. PDA-Office-Pakete wie DocumentsToGo können das seit Jahren besser und beherrschen das Editieren von Office-Dokumenten, ohne dass die Originalformatierung angetastet wird.
Gut verbunden
Wer sein Windows-Mobile-5-Smartphone als Bluetooth-Funkmodem fĂŒr den PC benutzen wollte, war bislang auf die Gnade des Hardwareherstellers angewiesen. Wenn dieser keine Applikation hierfĂŒr beilegte, musste man sich mit komplizierten Verbindungseinstellungen auf dem Smartphone und PC herumschlagen. Mit der Internet-Verbindungsfreigabe-Applikation ist Schluss damit, denn sie sorgt fĂŒr die GPRS- oder UMTS-Verbindung und etabliert ein Bluetooth-Personal-Area-Network (PAN), in welches sich ein PC einklinken kann, der dann per Mobilfunkleitung surft.
![Bild 5 [180 x 244 Pixel @ 33,1 KB]](https://www.heise.de/altcms_bilder/90120/5_lores.jpg)
Die Internet-Verbindungsfreigabe hilft Nutzern, die Datenleitung des Handys per Bluetooth zu nutzen.
Windows Mobile 6 enthĂ€lt bereits einen SIP-Client und ein Kontrollfeld zum automatischen Wechsel zwischen GSM-Mobilfunk und Telefonie via WLAN. Allerdings hĂ€ngt es ganz vom Hersteller ab, ob dieses Feature auch in seiner Hardware implementiert wird. Einige Mobilfunk-Provider mögen dies zu unterbinden suchen, schlieĂlich haben sie mehr Interesse daran, dass Nutzer ihre Netze verwenden.
Zusammenspiel
Bislang war der Datenabgleich eines Windows-Mobile-GerĂ€tes alles andere als einfach, denn wegen des teilweise instabilen Abgleich-Programms ActiveSync hakte es mitunter. Die etwas unĂŒbersichtliche Bedienung verĂ€rgerte Benutzer zusĂ€tzlich, sodass viele den Lokal-Abgleich einfach links liegen lieĂen.
Windows Mobile 6 vergisst durch seine Flash-Architektur auch ohne Akku-Strom nichts mehr. Trotzdem soll das fĂŒr Windows Vista kostenlos erhĂ€ltliche Windows-Mobile-GerĂ€te-Center (siehe [1]) den Nutzer durch höheren Bedienkomfort und gesteigerte StabilitĂ€t wieder zum Lokal-Abgleich animieren â und offenbar auch zum Kauf von Windows Vista, denn fĂŒr Ă€ltere Windows-Versionen bietet der Redmonder Konzern die Abgleich-Applikation nicht mehr an. Nutzer von XP mĂŒssen sich deshalb weiterhin mit ActiveSync begnĂŒgen; immerhin funktioniert die Synchronisation von Windows Mobile 6 damit.
Das Windows-Mobile-GerĂ€te-Center wurde erst kurz nach der Veröffentlichung von Windows Vista fertiggestellt, sodass es der ersten Version des PC-Betriebssystems nicht beiliegt, sondern per Web-Update aus dem Internet geladen werden muss. KĂŒnftig soll die Applikation fester Bestandteil des Betriebssystems sein.
Babyschritte
Bei der ersten Verbindung des Windows-Mobile-GerÀtes mit dem Windows-Vista-Rechner muss man sich nicht unbedingt mit einer Einrichtung herumschlagen. Will man nur Dateien wie etwa Musik oder Fotos hin- und herschieben, reicht eine Anbindung ohne Festlegen von Synchronisationseinstellungen. Wer allerdings mit Outlook abgleichen möchte, kommt um die Einrichtung einer Partnerschaft nicht herum. Als Verbindung akzeptiert das Windows-Mobile-GerÀte-Center USB, IrDA und Bluetooth.
Ob mit oder ohne Einrichtung: die Verbindungseinstellungen erledigen auch Neulinge mit links. Schritt fĂŒr Schritt leitet das Windows-Mobile-GerĂ€te-Center den Anwender und erfragt die nötigen Abgleich-Einstellungen, wobei das Programm nicht mit unnötigen Details belĂ€stigt.
[5]
Komfortabel und einfach wÀhlt man die abzugleichenden Aufgabenkategorien, Outlook-E-Mail-Ordner und Kalenderrubriken aus. IMAP-Ordner bleiben hiervon allerdings ausgenommen.
[6]
Als Gegenstelle fĂŒr Personal Information Management akzeptieren Windows-Mobile-GerĂ€te auch weiterhin nur Microsoft Outlook. FĂŒr die E-Mail-Synchronisation verwendet das Windows-Mobile-GerĂ€te-Center automatisch das Posteingangsfach des persönlichen Ordners. In diesem landet die Post von POP3- und Exchange-Konten. Wer ein IMAP-Konto mit seinem Windows-Mobile-GerĂ€t abgleichen will, hat schlechte Karten: Zwar lĂ€dt Outlook die Ordner und zeigt die E-Mails an, weil sich der Posteingang des persönlichen Ordners aber nicht mit dem IMAP-Posteingang assoziiert, ignoriert auch das Windows-Mobile-GerĂ€te-Center die IMAP-FĂ€cher. Zwar lassen sich unter den E-Mail-Abgleich-Einstellungen andere PostfĂ€cher als die Standard-Inbox selektieren, aber die IMAP-Ordner bleiben unsichtbar.
Weniger Probleme bereitet der Ableich mit Notizen, Kontakten, Aufgaben und Webfavoriten. Auch die Synchronisation mit mehreren PCs klappt problemlos, wobei der Nutzer festlegen muss, welches GerÀt bei doppelten EintrÀgen den Vorrang hat.
Will man sein Smartphone per Mobilfunk mit einem Konto auf einem Exchange-Server synchronisieren, genĂŒgt ein Eintrag der Serveradresse sowie Benutzername und Kennwort in den erweiterten Einstellungen des MobilgerĂ€ts und dem Windows-Mobile-GerĂ€te-Center. Alle nötigen OptionsĂ€nderungen im MobilgerĂ€t nimmt das Abgleich-Programm daraufhin automatisch vor.
FĂŒr Auge und Ohr
Unter dem MenĂŒpunkt Dateiverwaltung auf dem PC verbirgt sich zwar ein Datei-Browser, mit Hilfe dessen der Nutzer Dateien direkt zum MobilgerĂ€t schiebt, aber bei Bildern, Videos und Musik klappts mit den Multimedia-Abgleich-Funktionen besser. Das Windows-Mobile-GerĂ€te-Center kann Fotos schon vor dem Ăbertragen in die richtige Position drehen. Um nicht den Ăberblick zu verlieren, erstellt das Abgleich-Programm fĂŒr jede Bild- und Videogruppe einen eigenen Ordner, der nach Kriterien wie Zeit der Synchronisation und vom Nutzer festgelegter Beschriftung zusammengesetzt ist. Eine automatische GröĂenanpassung der Fotos an das Display des GerĂ€tes vermisst man allerdings.
[7]
Bilder vom PC fasst das Windows-Mobile-GerĂ€te- Center auf Wunsch unter einer Beschriftung zusammen, die in den Datei-Informationen gespeichert wird. Gleichzeitig dreht es schon vor dem Ăbertragen Bilder oder Ă€ndert Dateinamen.
[8]
Zum Ăberspielen von Musik verwendet das Windows-Mobile-GerĂ€te-Center den Windows Media Player von Vista. Dieser erkennt das Windows-MobilgerĂ€t als Musikspieler und synchronisert sowohl freie als auch DRM-Musik, die auf dem MobilgerĂ€t der Windows Mobile Player abspielt.
Unter dem MenĂŒpunkt "Programme und Dienste" verbirgt sich zunĂ€chst einmal nur ein Link auf Microsofts Windows-Mobile-Webseite. Erst beim Anklicken auf "Weitere", zeigt das Synchronisationsprogramm den MenĂŒpunkt zum Installieren zusĂ€tzlicher Software. Allerdings kann der Nutzer nicht selbst neue Programme hinzufĂŒgen, sondern nur Applikationspakete zum Abgleich und anschlieĂender Installation auf dem GerĂ€t selektieren, die ein Setup-Programm dort hinterlegt hat. Direkt auf dem MobilgerĂ€t ausfĂŒhrbare Windows-Mobile-Programme muss der Nutzer immer noch umstĂ€ndlich selbst in das richtige Verzeichnis kopieren.
Fazit
Ohne Frage sind Windows Mobile 6 und das Windows-Mobile-GerĂ€te-Center fĂŒr Vista ein Schritt in die richtige Richtung und bringen lang vermisste Funktionen, ein besseres Mobil-Office und eine einfachere Bedienung mit. Die Windows-Live-Integration erleichtert die Einrichtung von E-Mail, Chat und Suchdiensten, auch wenn man sich dabei auf das Microsoft-Portal festlegt. Mit der Internet-Verbindungsfreigabe des Windows-Smartphones surft man am PC via Bluetooth schnell im Mobilfunknetz.
Trotz der Neuerungen bleiben Probleme beim IMAP-Abgleich und beim Bearbeiten von Office-Dokumenten bestehen. Auch wĂŒnscht man sich ein besseres Programm-Management auf den MobilgerĂ€ten: Windows-Mobile-Applikationen verschieben sich beim Verlassen meist in den Hintergrund und kosten das System weiterhin kostbare Ressourcen. Der Task-Manager ist nur schwer erreichbar.
Die Abgleich-Software bringt endlich den lang vermissten Bedienkomfort bei der Synchronisation mit dem PC. Dennoch bleibt es unverstÀndlich, warum Microsoft nur Vista-Nutzern die Möglichkeiten der einfachen Abgleich-Lösung des Windows-Mobile-GerÀte-Centers eröffnet. Einige Handy-Hersteller wie Nokia haben mit ihrer Synchronisationssoftware bereits unter Windows XP gezeigt, dass reibungsloser PC-Abgleich per Kabel und Funk keine Profikenntnisse abverlangen muss. (dal)
Literatur
| [1] Download Microsoft Windows Mobile Device Center, www.heise.de/software/default.shtml?prg=43107 |
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1900633
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/altcms_bilder/90120/1_hires.jpg
[2] https://www.heise.de/altcms_bilder/90120/1_hires.jpg
[3] https://www.heise.de/altcms_bilder/90120/6_hires.jpg
[4] https://www.heise.de/altcms_bilder/90120/6_hires.jpg
[5] https://www.heise.de/altcms_bilder/90120/3_hires.jpg
[6] https://www.heise.de/altcms_bilder/90120/3_hires.jpg
[7] https://www.heise.de/altcms_bilder/90120/2_hires.jpg
[8] https://www.heise.de/altcms_bilder/90120/2_hires.jpg
Copyright © 2007 Heise Medien
[1]