BodenstÀndig
Auch ohne GPS lĂ€sst sich in StĂ€dten die Position eines mobilen GerĂ€tes genau genug bestimmen, um den Besitzer zum nĂ€chsten Kino, Supermarkt oder Rendezvous zu fĂŒhren - ganz ohne spezielle Hardware.
Auch ohne GPS lĂ€sst sich in StĂ€dten die Position eines mobilen GerĂ€tes genau genug bestimmen, um den Besitzer zum nĂ€chsten Kino, Supermarkt oder Rendezvous zu fĂŒhren â ganz ohne spezielle Hardware.
LĂ€sst man ein Notebook in einer stĂ€dtischen Umgebung nach WLAN-Stationen suchen, so findet es in kĂŒrzester Zeit eine ganze Reihe von Netzwerken. Die Informationen ĂŒber SignalstĂ€rken und Kennungen der fremden Funknetze darf man völlig legal benutzen, um die eigene Position auf ein paar Meter genau zu bestimmen. Dazu genĂŒgt das pure Vorhandensein von ein paar Access Points und eine Datenbank, die Daten ĂŒber deren Standorte beherbergt.
Aber auch in InnenrĂ€umen hat die Lokalisierung per WLAN einigen Charme, etwa auf einer Messe. AuĂer der Messegesellschaft betreiben viele Aussteller WLANs an ihren StĂ€nden und sorgen so fĂŒr eine Vielzahl an Access Points in den Hallen. Vor Messebeginn schreitet man zum Einmessen einmal die Hallen ab und sammelt dabei Referenzdaten. Anhand dieser Datenbasis können die Besucher mit Hilfe ihrer eigenen PDAs ihre Position auf dem GelĂ€nde bestimmen. Eine Routenplaner-Software fĂŒhrt sie auf dem kĂŒrzesten Weg zum gewĂŒnschten Stand.
In BĂŒrogebĂ€uden, auf WerksgelĂ€nden und in Fertigungshallen kann das Wissen ĂŒber den Aufenthaltsort mobiler GerĂ€te beispielsweise helfen, BetriebsablĂ€ufe zu verbessern und damit Kosten zu sparen. Im Unterschied zu fremden WLANs in der Ăffentlichkeit erlaubt das drahtlose Firmennetz darĂŒber hinaus die kostengĂŒnstige Kommunikation mit einem zentralen Server. Das macht die Integration in die Unternehmenssoftware vergleichsweise einfach.
Obwohl es mit GPS ein öffentlich verfĂŒgbares und gebĂŒhrenfreies Ortungssystem gibt, spricht einiges fĂŒr die Positionsbestimmung per WLAN: Sie funktioniert nicht nur wie GPS bei freier Sicht zum Himmel, sondern auch in GebĂ€uden oder StraĂenschluchten. AuĂerdem sind WLAN und GSM in stĂ€dtischen Umgebungen nahezu ĂŒberall prĂ€sent. Bahnhöfe, Hotels, CafĂ©s und BĂŒros bieten öffentliche WLAN-Zugangspunkte und Internet-Provider haben in den vergangenen Jahren WLAN-Router fĂŒr DSL-AnschlĂŒsse zu Niedrigstpreisen verkauft. Zu guter Letzt setzen viele Firmen ebenfalls auf WLAN. Mancherorts befinden sich zehn und mehr Stationen in Reichweite. In der NĂŒrnberger Innenstadt beispielsweise funken auf einer FlĂ€che von drei Quadratkilometern ĂŒber 7000 Stationen.
Ausgangspunkt
In jedem Netz, das aus relativ kleinen, stationÀren Zellen besteht, lÀsst sich die Position der Teilnehmer mit einfachen Mitteln grob bestimmen. Als erste NÀherung dient der Standpunkt der Zelle oder das Kreissegment, das die jeweilige Zelle abdeckt. Dies nennt man "Cell of Origin"-Verfahren. Alternativ zur aktuell verwendeten Basisstation lÀsst sich auch die Station mit der höchsten SignalstÀrke (Received Signal Strength) verwenden. Ist zur Stationskennung ein Standort hinterlegt, nimmt das EndgerÀt diesen als aktuelle Position an. Die erreichbare Genauigkeit ist höchst unterschiedlich und hÀngt stark von der Sendeleistung und Richtcharakteristik des Senders ab.
In GSM-Netzen kennt zumindest der Dienstanbieter den exakten Ort sowie Abstrahlwinkel jeder Funkzelle. Damit lÀsst sich die Position weiter eingrenzen. Allerdings haben GSM- oder UMTS-Zellen nicht selten einen Radius von ein bis zwei Kilometern und liefern so nur eine recht geringe Genauigkeit.
Anders als bei Mobilfunknetzen gibt es keinen Anbieter, der deutschlandweit ein flĂ€chendeckendes WLAN betreibt und daher die Aufstellungsorte ausreichend vieler Access Points kennt. FĂŒr die Ortung per WLAN braucht man daher gesondert ermittelte Referenzdaten. Diese können lokal im EndgerĂ€t oder auf einem zentralen Server liegen. Typischerweise liegt die Reichweite eines Access Point zwischen 15 und 100 Metern. Befindet er sich in einem GebĂ€ude, sinkt sie auf 10 bis 30 Meter. In stĂ€dtischen StraĂenzĂŒgen mit hohen GebĂ€uden sind durch die Richtwirkung der Bauten Reichweiten von bis zu 300 Metern nicht selten. Die Genauigkeit der WLAN-Lokalisierung nach dem "Cell of Origin"-Verfahren ist dadurch stark von der Umgebung abhĂ€ngig.
Schwankungen
Um die Genauigkeit zu erhöhen, kann man auch die SignalstĂ€rke auswerten. Sie erlaubt eine SchĂ€tzung der minimal und maximal möglichen Entfernung zur aktuellen Basisstation. Der wahrscheinliche Aufenthaltsort liegt somit zwischen zwei konzentrischen Kreisen mit dem Standort der Basisstation als Zentrum. Die Schwierigkeit dieses Verfahrens liegt darin, dass der Zusammenhang zwischen dem SignalstĂ€rkeabfall und der Distanz zum Sender nur fĂŒr ungehinderte Ausbreitung bekannt ist.
Im realen Umfeld schwÀchen etwa WÀnde oder Decken das Signal je nach Material deutlich ab. Streuungen und Reflexionen bewirken eine stark inhomogene Ausbreitung. Die SignalstÀrke kann bereits innerhalb weniger Zentimeter um den Faktor zwei schwanken.
Einfache mathematische Modelle können die KomplexitĂ€t der realen Umgebung nur ungenau abbilden. Ein theoretischer Ansatz, um diesen Effekt bei WLAN zumindest in GebĂ€uden nĂ€herungsweise mathematisch zu erfassen, fĂŒhrt einen materialabhĂ€ngigen WanddĂ€mpfungsfaktor ein. Dazu sind allerdings detaillierte UmgebungsplĂ€ne mit Materialeigenschaften nötig, die in der Regel nicht vorliegen. Wegen dieser Fehler lohnt eine DistanzschĂ€tzung im Innenbereich meist nicht.
Nimm zwei â und mehr
Im AuĂenbereich sind die Fehler bei freier Sicht geringer und es bietet sich an, das Vorgehen um mehrere Basisstationen zu erweitern. Je mehr Basisstationen empfangbar sind, desto genauer kennt man den Aufenthaltsort des mobilen EndgerĂ€ts. Dieses als Multilateration bekannte Verfahren kommt beispielsweise im von Intel unterstĂŒtzten Placelab-Projekt zur WLAN-Lokalisierung zum Einsatz. Placelab realisiert eine Lokalisierung WLAN-fĂ€higer EndgerĂ€te in StĂ€dten, wobei eine zentrale Datenbank Auskunft ĂŒber die Standorte der Access Points gibt.
Mit Multilateration sind in InnenstĂ€dten unter gĂŒnstigen Bedingungen fĂŒr WLAN Genauigkeiten von 20 bis 40 Metern erreichbar. Jedoch mĂŒssen die exakten Standorte der WLAN-Stationen bekannt sein, was im öffentlichen Bereich mit einer Vielzahl fremder Stationen selten gegeben ist. In GSM-Netzen lĂ€sst sich so eine Genauigkeit von 70 bis 100 Metern erreichen.
FingerabdrĂŒcke
Genauer ist das sogenannte Referenzpunkt- oder Fingerprinting-Verfahren. Die Grundidee: An jedem Ort lassen sich Signale mehrerer WLAN-Basisstationen mit unterschiedlicher SignalstĂ€rke messen. EmpfĂ€ngt man mindestens die Signale von vier bis fĂŒnf Access Points, so kennzeichnen die Messwerte den Ort eindeutig. Dieser elektronische Fingerabdruck besteht aus einer Liste von fĂŒr jedes WLAN-GerĂ€t eindeutigen MAC-Adressen und den zugehörigen SignalstĂ€rken. Wo die Basisstationen stehen, spielt keine Rolle.
Existiert eine Datenbank, die FingerabdrĂŒcken eine Postion zuordnet, so besteht die Lokalisierung aus zwei Schritten: dem Suchen nach passenden FingerabdrĂŒcken in der Datenbank sowie dem Gewichten und Kombinieren der Kandidatenpositionen zu einer PositionsschĂ€tzung.
In der Abgleichsphase berechnet das Programm fĂŒr jeden in der Datenbank gespeicherten Fingerabdruck die Differenzen aus den hinterlegten SignalstĂ€rken und den fĂŒr den jeweiligen Access Point aktuell gemessenen. FingerabdrĂŒcke mit geringen Unterschieden passen gut zu den aktuellen Messwerten und sind somit sehr wahrscheinlich. Die besten Kandidaten kommen fĂŒr die Positionsberechnungsphase in die engere Wahl.
In groĂen Arealen nimmt die Distanzberechnung zu allen FingerabdrĂŒcken viel Zeit in Anspruch. Eine Vorauswahl ist daher wichtig, damit der Abgleich möglichst performant ablĂ€uft. Die letzte berechnete Position des EndgerĂ€ts gibt bereits einen Anhaltspunkt, digitale Umgebungskarten können die Zahl der Kandidaten weiter einschrĂ€nken. Eine solche BereichseinschrĂ€nkung birgt jedoch auch Gefahren. Liegt die geschĂ€tzte Position grob daneben, kann sich die Positionierung nicht mehr erholen und bleibt an der "besten falschen" Position hĂ€ngen. Daher gilt es immer, auch die absolute QualitĂ€t der Kandidatenpositionen zu prĂŒfen. Ist die QualitĂ€t des besten Kandidaten zu schlecht, beginnt die Abgleichsphase ohne BereichseinschrĂ€nkung von vorne. An ihrem Ende erhĂ€lt man eine kleine Anzahl wahrscheinlicher Aufenthaltsorte (Kandidatenpositionen).
Positionsberechnung
In der Positionsberechnungsphase berechnet man aus den Kandidatenpositionen die Position des EndgerĂ€ts. Im einfachen Fall ergibt sie sich aus dem gewichteten Mittelwert der Kandidatenpositionen. Je geringer der Unterschied zur aktuellen Messung, umso höher das Gewicht des Kandidaten fĂŒr die Mitteilung. Die mittleren Positionierungsfehler liegen bei nur wenigen Metern.
Komplexere Methoden bedienen sich statistischer Verfahren. Die Grundidee dabei ist, Fehler in den einzelnen PositionsschĂ€tzungen auszugleichen, indem man den bisher zurĂŒckgelegten Weg im Nachhinein betrachtet, etwa mit BewegungsschĂ€tzungen mit Hilfe des KĂĄlmĂĄn-Filters. Er prognostiziert auf der Basis der letzten Positionen die Bewegungsrichtung, Geschwindigkeit und Beschleunigung. Der Abgleich zwischen Prognose und berechneter Position kann unplausible Bewegungen und SprĂŒnge erkennen und korrigieren.
Digitale Karten
Die Berechnung des wahrscheinlichsten Wegs kann auch Zusatzinformationen wie Umgebungskarten einbeziehen. Die Genauigkeit der Lokalisierung erhöht sich dadurch signifikant.
Digitale Karten können entweder aus möglichen Laufwegen bestehen (Positivkarten), nur nicht betretbare Bereiche enthalten (Negativkarten) oder die baulichen Bedingungen wie Stockwerke, WĂ€nde oder TĂŒren reprĂ€sentieren (Realkarten). Bei der Fahrzeugnavigation ist es ĂŒblich, Positivkarten einzusetzen. Diese enthalten StraĂen und Wege sowie wichtige Metadaten wie die Fahrrichtung in EinbahnstraĂen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen. Positivkarten sind hier sinnvoll, da die befahrbaren StraĂen und Wege nur einen Bruchteil der FlĂ€che eines Landes einnehmen.
In GebĂ€uden, Hallen oder auf WerksgelĂ€nden sind Laufwege dagegen nur durch wenige Hindernisse begrenzt. Hier bieten sich Negativ- oder Realkarten an. WĂ€hrend Positivkarten fĂŒr die Fahrzeugnavigation in mehreren Standardformaten kommerziell erhĂ€ltlich sind, hat sich fĂŒr Karten in und um GebĂ€ude bisher kein Standard entwickelt.
Ăbung macht den Meister
Die StĂ€rke des Fingerprintings liegt in der BerĂŒcksichtigung umgebungsspezifischer Eigenschaften. Mehr noch: Das Fingerprinting-Verfahren profitiert nachgerade von einer inhomogenen Signalausbreitung, bedingt durch HĂ€user, WĂ€nde, DurchgĂ€nge und andere Hindernisse. In einem Gang von einem Meter Breite beispielsweise macht sich die Positionierungsungenauigkeit vorwiegend entlang der Laufrichtung bemerkbar, nicht jedoch in der Breite. Ein Innenbereich ist daher am besten mit zwei bis vier Meter Genauigkeit im Mittel beschrieben, jedoch mindestens raumgenau. Die Lokalisierung ist auch in mehrstöckigen GebĂ€uden problemlos möglich und die Unterscheidung von Ebenen durch die meist sehr massive Bauweise der Stockwerksdecken sehr sicher, sofern auf jeder Etage genug Access Points senden.
Viel hilft aber nicht viel: Es genĂŒgt, in jedem Raum einen Fingerabdruck zu ermitteln und keine LĂŒcken von mehr als fĂŒnf bis zehn Metern (innen) beziehungsweise 15 bis 25 Metern (auĂen oder in Hallen) zu lassen. In der Praxis zeigt sich, dass dichtere Referenzpunktwolken das Ergebnis nicht merklich verbessern, aber den Rechenaufwand beim Lokalisieren deutlich erhöhen.
Das manuelle Sammeln von FingerabdrĂŒcken ist jedoch nur in begrenzten Arealen praktikabel. Das Fraunhofer IIS (Institut fĂŒr Integrierte Schaltungen) setzt in InnenstĂ€dten fĂŒr diesen Zweck auf sogenannte Einmessboxen. Sie besitzen eine GPS-Einheit in Kombination mit prĂ€zisen Inertialsensoren (zum Beispiel Beschleunigungssensoren und elektronische Kompasse). Diese Einmessboxen können ohne manuellen Eingriff FingerabdrĂŒcke sammeln, wenn man sie durch die Stadt bewegt.
Die Lokalisierung ĂŒber Differential GPS erlaubt auch in StĂ€dten eine Positionsbestimmung mit einer mittleren Genauigkeit von wenigen Dezimetern, die dank der Inertialsensorik auch bei Ausfall des GPS-Signals noch bis zu 10 Minuten weiter besteht. Ăberdachte Passagen beispielsweise stellen damit fĂŒr die Einmessbox kein Problem dar. In der NĂŒrnberger Innenstadt haben die Boxen beispielsweise bei Messfahrten fast 40.000 FingerabdrĂŒcke gesammelt. Aktuell wird die Innenstadt auf einer FlĂ€che von 25 Quadratkilometern vermessen.
Die Umgebung Àndert sich
Selbst bei unverĂ€nderter Infrastruktur können sich die Ausbreitungsbedingungen verĂ€ndern. Beispielsweise kommen durch das Ein- und Auslagern von GĂŒtern in einer Lagerhalle Hindernisse hinzu oder verschwinden. Bereits nach kurzer Zeit spiegeln daher die trainierten Referenzdaten die aktuellen VerhĂ€ltnisse nur noch grob wider â die Genauigkeit sinkt.
Einen Weg, mit dieser Dynamik umzugehen, hat das Fraunhofer IIS zusammen mit der Firma SEP Logistik AG realisiert. SEP nutzt die WLAN-Lokalisierung zur Positionsbestimmung von Gabelstaplern in Warenlagern. Das System berechnet den optimalen Weg eines anstehenden Fahrauftrags fĂŒr einen Palettentransport und teilt den Transportauftrag einem Gabelstapler zu. FĂŒr die Lokalisierung des Gabelstaplers kommt ein Fingerprinting-System zum Einsatz. Da der aktuelle Standort jeder Palette in allen drei Dimensionen bekannt ist, können bei jedem Aufladen aktuelle Referenzdaten fĂŒr den Standort aufgezeichnet werden. So bleibt die Fingerabdruckdatenbank aktuell.
Kommen und Gehen
Im öffentlichen Bereich unterliegt die WLAN-Infrastruktur noch hĂ€ufigeren Ănderungen: Anwohner stellen neue Access Points auf oder ziehen mit ihren GerĂ€ten um. Manche WLANs werden per Zeitschalter nur zu bestimmten Tageszeiten aktiviert oder fĂŒr die Dauer eines Urlaubs abgeschaltet. Bauliche VerĂ€nderungen beeinflussen die Signalausbreitung.
Ein Algorithmus mit erweiterter Abgleichsphase löst auch dieses Problem. Er erkennt gegenĂŒber den Referenzdaten hinzugekommene oder fehlende Stationen. Diese Daten kann der Nutzer als AktualisierungsvorschlĂ€ge an einen Dienst ĂŒbermitteln und bekommt im Gegenzug aktuelle Referenzdaten fĂŒr die Lokalisierung. Die AktualisierungsvorschlĂ€ge werden zentral bewertet, mit den RĂŒckmeldungen anderer Nutzer verglichen und zur Pflege der Referenzdatenbank verwendet. Das Verfahren erfasst die Dynamik in der dezentralen innenstĂ€dtischen WLAN-Infrastruktur und minimiert den Aufwand zur Pflege der Referenzdatenbasis.
In der Praxis
Prominentes Beispiel ist derzeit Apples iPhone, das zur Ortung unter anderem auf den Dienstanbieter Skyhook setzt. DemgegenĂŒber steht das Fraunhofer IIS, das Mitte Januar in NĂŒrnberg ein stadtweites Testsystem gestartet hat, um im öffentlichen Raum neue Anwendungen auf der Grundlage der Ortung per WLAN zu erproben. Dabei werden in erster Linie Anbieter von Location Based Services, Hersteller von EndgerĂ€ten, Kartenlieferanten und Netzbetreiber ihre Komponenten und Dienste im Realbetrieb testen.
Das Tochterunternehmen IT2media von MĂŒller Medien und Map and Route realisieren zum Beispiel ortsabhĂ€ngige Dienste wie Taxiruf, RestaurantfĂŒhrer, Apotheken-, Hotel- und Parkplatzsuche. Die T-Systems plant auf Basis der autarken WLAN-Lokalisierung, ihren GeschĂ€fts- und Industriekunden neue Dienste wie eine FahrzeugfĂŒhrung auf BetriebsgelĂ€nden anzubieten. Die Cruso AG und Gaschba arbeiten an Lokalisierungs- und Hilfsdiensten fĂŒr touristische FĂŒhrungssysteme und Rollatoren, die VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft NĂŒrnberg an einer spurgenauen Lokalisierung von Bussen zur verbesserten Einsatzplanung in Betriebshöfen.
Endanwender können ĂŒber die angebotenen Location Based Services die WLAN-Lokalisierung nutzen. Die vom Fraunhofer IIS entwickelte Software sichert dabei dem Nutzer eine autarke Lokalisierung auf seinem mobilen EndgerĂ€t zu. Auch kann er â wie von GPS gewohnt â eine kontinuierliche Lokalisierung nutzen, allerdings mit dem Bonus, dass auch in GebĂ€uden eine metergenaue Ortung funktioniert.
Die Testumgebung ist offen fĂŒr weitere Partner. Nach einer ersten Betriebsphase werden diese und weitere Dienste auf andere deutsche und europĂ€ische StĂ€dte ausgedehnt. Die Ergebnisse des groĂflĂ€chigen Tests sollen auch als Grundlage fĂŒr eine international angestrebte Standardisierung der Schnittstellen fĂŒr ortsabhĂ€ngige Dienste dienen.
Die Firma Skyhook verrĂ€t die Details ihres Verfahrens nicht, gibt aber an, auf Fingerprinting zu setzen. Hierzu fĂŒhrt die Firma regelmĂ€Ăig Messfahrten mit speziellen Messfahrzeugen durch, die einmal pro Sekunde die empfangenen SignalstĂ€rken zusammen mit den MAC-Adressen, einem Zeitstempel und dem Ort erfassen. Die Datenbasis umfasst derzeit rund 23 Millionen Access Points und ihre Standorte in insgesamt 2800 StĂ€dten. Bislang hat Skyhook vor allem StĂ€dte in den USA erfasst.
In Deutschland gibt es den Skyhook-Dienst bislang nur in einigen GroĂstĂ€dte wie Berlin, Hamburg, Frankfurt und Hannover, wobei er lediglich in Berlin einigermaĂen flĂ€chendeckend ist. Skyhook verspricht eine Genauigkeit von bis zu 20 Metern. Es kommt derzeit unter anderem fĂŒr die Lokalisierungsdienste von Apples iPhone und des iPod touch zum Einsatz. Das Skyhook-System kann wie die Lösung des Fraunhofer IIS einen GPS-EmpfĂ€nger simulieren und so auch mit handelsĂŒbliche Navigationsanwendungen kooperieren.
Datenbanken wie mobileaccess.de oder wigle.net sammeln seit Jahren weltweit die Positionen von Access Points. Die wigle.net-Community hat beispielsweise durch Wardriving-Fahrten und andere Messungen mittlerweile ĂŒber elf Millionen WLANs eingetragen. Die Datenbank ist frei zugĂ€nglich und könnte prinzipiell auch als Basis fĂŒr ein Multilaterionsverfahren zur Positionsbestimmung genutzt werden. In deutschen StĂ€dten reicht die Datendichte jedoch oftmals nicht fĂŒr eine akzeptable Genauigkeit aus. (bbe/ola)
Literatur
| [1] Jean-Marie Zogg, Dusan Zivadinovic, GPS im Haus, Ortung per Handy: Funktion und Verfeinerung, c't 20/04, S. 222 |
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