Preiswert multiroomen: AirPlay 1 statt teurer Musikverteilsysteme
iOS 11 beherrscht das neue AirPlay 2. Doch das setzt moderne iPhones und iPads sowie kompatible AudiogerÀte voraus. Wir zeigen, wie Sie mit iTunes vom Mac aus die ganze Wohnung per AirPlay 1 mit derselben Musik versorgen.
Wer bereits Aktivboxen oder Stereoanlagen in der Wohnung stehen hat, muss sie nicht gleich durch ein kostspieliges Multiroom-System wie Sonos, Raumfeld und Co. ersetzen. Im Prinzip klinkt man die vorhandene Hardware mit geeigneten Audio-Receivern ins heimische Netzwerk ein und schon lassen sich einzelne oder mehrere RĂ€ume gleichzeitig von einem zentralen Mac aus beschallen.
AirPlay 1 statt AirPlay 2
Mit AirPlay 1 (vormals AirTunes) hat Apple ein Protokoll geschaffen, das Musik in guter QualitĂ€t an kompatible EmpfangsgerĂ€te verteilt. Es funktioniert sowohl per Ethernet als auch via WLAN und ist dabei wesentlich unempfindlicher gegen Aussetzer als Bluetooth. Das hat nĂ€mlich eine deutlich geringere Reichweite und geht oft nicht mal durch WĂ€nde. In iOS 11 [1] unterstĂŒtzt Apple auch die neue AirPlay-Variante 2 [2], die standardmĂ€Ăig mit Multi-Room-Support kommt. Allerdings bedingt diese ein Firmware-Update fĂŒr das EmpfangsgerĂ€t.
(Bild:Â Apple)
Apple erlaubt grundsĂ€tzlich nur iTunes am Mac oder PC, mehrere AirPlay-Abspieler gleichzeitig anzusteuern und so mehrere RĂ€ume zu beschallen. Ăndert man die Audio-Ausgabe des gesamten Macs ĂŒber das Lautsprecher-Symbol in der MenĂŒleiste (Alt+Klick) oder in der Systemeinstellung "Ton", ist keine Mehrfachauswahl möglich. Somit ertönt zum Beispiel ein Youtube-Video nur auf einem EmpfĂ€nger. Auch unter iOS lĂ€sst sich im von unten hereingewischten Kontrollzentrum immer nur ein einzelner AirPlay-Abspieler auswĂ€hlen.
Wer Ton aus jeder beliebigen Anwendung oder vom gesamten System auf mehreren Lautsprechern ausgeben möchte, muss zu dem Tool Airfoil greifen, das fĂŒr 30 US-Dollar bei Rogue Amoeba [3] erhĂ€ltlich ist.
Den richtigen AirPlay-EmpfÀnger auswÀhlen
Haben Sie sich fĂŒr AirPlay entschieden, benötigen Sie fĂŒr jeden zu beschallenden Raum ein kompatibles EmpfangsgerĂ€t. Apples AirPort Express [4] ist natĂŒrlich eine gute Wahl, um eine Stereoanlage per Funk anzusteuern. FĂŒr den recht hohen Preis von 110 Euro erhĂ€lt man einen ordentlich klingenden Digital-Analog-Wandler und einen optischen Digitalausgang. Die Leistungsaufnahme zwischen 2 und 2,2 Watt ist zudem vergleichsweise niedrig. Gelegentlich findet man auch generalĂŒberholte GerĂ€te samt Garantie fĂŒr rund 80 Euro in Apples Online-Shop.
(Bild:Â Apple)
Gleiches gilt fĂŒr das AirPlay-taugliche Apple TV, das in der dritten Generation noch einen optischen Audioausgang besitzt und derzeit generalĂŒberholt 70 Euro kostet. FĂŒr die vierte Generation [5] (160 Euro) benötigt man einen HDMI-Splitter oder einen HDMI-tauglichen VerstĂ€rker, um dem GerĂ€t Audiosignale entlocken zu können. Gleiches gilt fĂŒr das neue Apple TV 4K [6], das es ab 200 Euro gibt.
AirPlay mit gĂŒnstiger Apple-Hardware
Eine AirPort-Express-Basistation (2008) der ersten Generation, die sich direkt in eine Steckdose steckt lĂ€sst, findet man vereinzelt gĂŒnstig auf dem Gebrauchtmarkt. Sie hat eine nahezu doppelt so hohe Leistungsaufnahme und beherrscht kein Dualband-WLAN (2,4 GHz und 5 GHz gleichzeitig). Das ist aber nur relevant, wenn man das GerĂ€t auch als WLAN-Router nutzen möchte.
Eine etwas gĂŒnstigere und voll kompatible Alternative wĂ€re der AirLino von LinTech fĂŒr rund 80 Euro. Das GerĂ€t ist mit der UnterstĂŒtzung von DLNA, UPnP und autarker Radiowiedergabe zudem etwas vielseitiger als Apples Produkt und hat eine Leistungsaufnahme zwischen 1,9 und 2,2 Watt. Es beherrscht aber nur das 2,4-GHz-Frequenzband. Bei diversen Online-HĂ€ndlern findet man auch deutlich gĂŒnstigere EmpfĂ€nger, die nur bedingt Multiroom-tauglich sind.
Wie hoch ist die maximale Anzahl der EmpfÀnger?
Nach Angaben von Apple lassen sich ĂŒber AirPlay bis zu sechs EmpfĂ€nger ansprechen. Entscheidend sind dabei vor allem die NetzqualitĂ€t, der mögliche Datendurchsatz und welche Daten sonst noch ĂŒbertragen werden. Bei unserem Versuch unter optimalen Bedingungen geriet die Ăbertragung erst bei neun EmpfĂ€ngern gelegentlich aus dem Tritt. Die Ursache ist allerdings nicht ganz klar. Denn ein einzelner AirPlay-Stream beansprucht im ungĂŒnstigsten Fall circa 1,41 MBit/s â typisch sind eher 0,7 MBit/s. Sechs parallel bespielte EmpfĂ€nger schlagen also mit maximal 8,5 MBit/s zu Buche. Ein Brot-und-Butter-Router mit 802.11n und einer BruttokapazitĂ€t von 300 MBit/s kann diese Audio-Datenrate im Umkreis von fĂŒnf bis zehn Metern also locker ĂŒbertragen â da sind netto ohne Weiteres 100 MBit/s möglich. Selbst fĂŒr einen zusĂ€tzlichen Download per DSL 50 mit bis zu 50 MBit/s wĂ€re noch genug Luft.
(Bild:Â Lintech)
Um AirPlay nutzen zu können, mĂŒssen Sie zunĂ€chst alle AirPlay-EmpfĂ€nger in Ihr Netzwerk einbinden. Sollte es möglich sein, empfiehlt es sich, einzelne GerĂ€te per LAN-Kabel anzuschlieĂen und den Funkempfang abzuschalten. Das erhöht die ZuverlĂ€ssigkeit und sorgt fĂŒr weniger Funkverkehr in der Wohnung. Geben Sie Ihren GerĂ€ten aussagekrĂ€ftige Namen wie "AirPlay KĂŒche" oder "AirPlay WC", damit man sie spĂ€ter leichter zuordnen kann.
Wie man AirPort Express ins Netz einbindet
Apples AirPort Express konfigurieren Sie ĂŒber das AirPort-Dienstprogramm von OS X (es gibt auch eine iOS-Version). Fehlt das GerĂ€te-Icon in der grafischen NetzwerkĂŒbersicht, setzen Sie die Express mit einer BĂŒroklammer ĂŒber den kleinen Resetschalter an der GerĂ€terĂŒckseite zurĂŒck. Halten Sie diesen dazu so lange gedrĂŒckt, bis die Statuslampe hektisch orange blinkt. ZurĂŒckgesetzte GerĂ€te erscheinen nach circa einer Minute zunĂ€chst nur im MenĂŒ der SchaltflĂ€che "Andere WLAN-GerĂ€te" oben links. Gegebenenfalls hilft es, die Ansicht mit Cmd+R zu aktualisieren.
Eine frische Station trĂ€gt den Namen "AirPort Express", gefolgt von einer sechsstelligen Zufallszahl. Wenn Sie es auswĂ€hlen, erscheint ein Assistent, den Sie durch Klick auf "Weitere Optionen" jedoch ĂŒberspringen. Der Button wird erst aktiv, nachdem das Dienstprogramm das Netz gescannt hat. WĂ€hlen Sie als NĂ€chstes "Zu einem vorhandenen Netzwerk hinzufĂŒgen" und nach der BestĂ€tigung auf der nĂ€chsten Seite das WLAN Ihres Routers aus. AbschlieĂend vergeben Sie ein Passwort, damit niemand auĂer Ihnen die AirPort Express konfigurieren kann. Nutzen Sie eine Time Capsule oder eine AirPort Extreme als WLAN-Router, verkĂŒrzt sich unter UmstĂ€nden die Einrichtung.
Repeater-Funktion senkt Datenrate
Die AirPort Express wird automatisch als Repeater eingestellt. Das erhöht zwar unter UmstĂ€nden die Reichweite des WLAN, halbiert aber auch die Datenrate. Sollte dies nicht gewĂŒnscht oder nötig sein, öffnen Sie per Doppelklick die Einstellungen. Dort wechseln Sie in den Reiter "Drahtlos" und stellen den Netzwerkmodus "Mit drahtlosem Netzwerk verbinden" ein, auch Client Mode genannt. In diesem Fall verhĂ€lt sich die AirPort Express wie ein Computer, den Sie regulĂ€r mit dem WLAN verbunden haben.
(Bild:Â Apple)
Um eine AirPort Express ausschlieĂlich per Ethernet-Kabel nutzen zu können, muss man sie zunĂ€chst regulĂ€r zu einem Funknetz hinzufĂŒgen. Erst dann kann man wie bereits beschrieben den Netzwerkmodus im Reiter "Drahtlos" konfigurieren und dort das WLAN-Modul ausschalten.
Apple TV wird zur Musikstation
Auch Apples Set-Top-Box taugt als AirPlay-EmpfÀnger. Die Netzwerk-Einrichtung ist in der Regel selbsterklÀrend und beim Apple TV 4 holt es sich auf Wunsch sogar die Einstellungen ohne viel Klickerei von einem iOS-GerÀt.
Schalten Sie gegebenenfalls in den Einstellungen unter "Airplay" die gleichnamige Option ein, damit das Apple TV als EmpfÀnger sichtbar ist. Vergeben Sie zur besseren Unterscheidung einen anderen Namen, falls Sie mehrere TV-Boxen besitzen. Sollte die Signalverarbeitung Ihres Audio-VerstÀrkers die Musik hörbar verzögern, also nicht synchron zu anderen AirPlay-GerÀten spielen, können Sie das am Mac nur mit der App Airfoil ausgleichen.
Andere AirPlay-EmpfÀnger und -Boxen verbinden
GerĂ€te von Drittherstellern oder Lautsprecher mit integriertem AirPlay werden oft ĂŒber eine eigenstĂ€ndige App oder per Browser eingerichtet. Dazu kann es hilfreich sein, vorĂŒbergehend eine Kabelverbindung mit dem Router herzustellen.
Besitzt Ihr EmpfĂ€nger einen Einrichtungsknopf, spannt er möglicherweise ein eigenes WLAN auf, mit dem Sie sich fĂŒr die Konfiguration temporĂ€r verbinden können. Weitere Details entnehmen Sie bitte der Dokumentation des Herstellers.
Der Mac als Drahtlos-Jukebox
Wenn Sie nur iTunes nutzen möchten, kann Ihr Mac bereits von Haus aus mehrere AirPlay-Boxen zugleich ansteuern. Klicken Sie dazu einfach auf die SchaltflĂ€che rechts neben dem LautstĂ€rke-Schieberegler. Wechseln Sie in dem Ausklappfenster auf den Reiter "Mehrere", um ĂŒber die Checkboxen gezielt Lautsprecher hinzuzuschalten. Falls alle GerĂ€te die Laufzeitkompensation unterstĂŒtzen, lĂ€uft die Musik synchron ab. In seltenen FĂ€llen klappt das nicht perfekt. Dann hilft es, die Wiedergabe kurz zu pausieren und wieder fortzusetzen.
(Bild:Â Rogue Amoeba)
Kommen nicht vollstĂ€ndig kompatible GerĂ€te von Drittherstellern ins Spiel, driftet die Wiedergabe unweigerlich auseinander. Solange Sie nicht den Ton der anderen Lautsprecher in der Wohnung hören, ist das aber nicht weiter tragisch. Möchten Sie jedoch diesen Versatz und den daraus resultierenden Echoeffekt beheben, fĂŒhrt kein Weg an Airfoil vorbei. (wre [7])
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[1] https://www.heise.de/mac-and-i/meldung/iOS-11-steht-zum-Download-bereit-iPhone-und-iPad-werden-produktiver-3835797.html
[2] https://developer.apple.com/videos/play/wwdc2017/509/
[3] https://rogueamoeba.com/airfoil/
[4] https://www.apple.com/de/shop/product/MC414Z/A/airport-express
[5] https://www.apple.com/de/shop/buy-tv/apple-tv
[6] https://www.apple.com/de/shop/buy-tv/apple-tv-4k
[7] mailto:wre@heise.de
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