PORTFOLIO Werner Pawlok
Kubanische Villen faszinieren bis heute mit ihrem einzigartigen morbiden Charme. Wie kein anderer hat Fotograf Werner Pawlok ein Auge dafür. Auf seinen Streifzügen entdeckte er echte Schmuckstücke, deren Reiz er mit hohem technischen Aufwand in seinen Fotografien verewigt.
Kuba ist im Umbruch, aber an manchen Stellen der Inselrepublik scheint dennoch die Zeit stehengeblieben zu sein. Der Stuttgarter Werner Pawlok reiste immer wieder in die Karibik und suchte nach Architektur mit rauem, morbiden Charakter. An vielen Gebäuden ist über die Jahre nichts mehr passiert. Sie werden von den meisten Kubanern auch nicht als etwas Besonderes empfunden. „Diese stillstehende Zeit war wiederum für mich das Interessante. Es war eine sehr schöne Erfahrung, in diesen Häusern zu fotografieren. Einige davon sind heute längst abgerissen“, erklärt der Profi. Seit 2004 läuft sein Fotoprojekt, das er im Sinne der verfallenen Villen „Cuba Expired“ getauft hat.
Viele seiner Motive produziert er für die Editionsgalerie Lumas als großformatige Prints, zum Beispiel im Format 140 cm × 196 cm. Dementsprechend hoch sind die Anforderungen an die Bildqualität: „Bilder, die eine Größe von rund zwei Metern haben, will man nicht verpixelt an der Wand sehen. Insofern ist eine sehr gute Ausrüstung das A und O. Die Raw-Datei hat eine Größe von 456 Megabyte (16 Bit) und eine Auflösung von 10.327 × 7759 Pixeln bei 300 dpi.“ Seit 2013 entstehen die Aufnahmen mit der Mittelformatkamera Phase One 645, dem digitalen Rückteil IQ180 (80 Megapixel) und Objektiven der Edelschmiede Schneider Kreuznach. In der Nachbearbeitung kommen Capture One und Photoshop zum Einsatz.
Im Oktober wird ein Bildband des Kubaprojektes erscheinen, darin sind rund 180 Fotos zu sehen. Viel Stoff, den Pawlok in über einem Jahrzehnt zusammengetragen hat. Wie gelang es ihm, immer wieder neue Motive zu finden? „Ich hatte eine einheimische Producerin an meiner Seite. Am Anfang meinten die Kubaner, sie müssten mir nur renovierte Gebäude zeigen, weil sie sich für den Zerfall schon etwas schämen. Wir sind dann rumgefahren, ich habe mir die Häuser von außen angeschaut. Wenn ich das Gefühl hatte, hinter der Tür wäre was für mich, haben wir geklingelt und den Bewohnern meine Absicht erklärt.“ Für 2017 ist eine Ausstellung in Havanna geplant: „Ich freue mich sehr, den Kubanern meine Bilder präsentieren zu können.“ (sea)