Neue optische Designs sorgen für nahezu fehlerfreie Abbildungsleistungen, digitale Korrekturen entfernen die noch verbliebenen Fehler. Häufig bekommt man davon als Fotograf gar nichts mit, weil die Kamera oder der Raw-Konverter im Hintergrund werkeln. Fehler bei der Wahl der Objektive, des Raw-Konverters oder bei den Einstellungen können aber dazu führen, dass man die Vorteile der Optimierung nicht nutzt.
Thomas Gade lernte durch eine Schüler AG die Dunkelkammer und Grundlagen der Fotografie kennen. Den Wechsel vom nassen Fotolabor zur digitalen Bildbearbeitung erlebte er in den 1990ern beim Digitalisieren musealer Fotoarchive. Anschließend erfolgte der Umstieg von der analogen zur digitalen Fotografie. Heute erschließt er fotografische Nachlässe und schreibt Artikel über Fotografie.
Manuelle Fehlerkorrektur
Bildbearbeitungsprogramme und Raw-Konverter enthalten Werkzeuge zur Korrektur der Vignettierung, Verzeichnung und Farbsäume. Mithilfe von Schiebereglern wählt man die Stärke der jeweiligen Korrektur. Dunkle Ecken und gekrümmte Linien kann man per Sichtkontrolle am Monitor vergleichsweise leicht korrigieren, chromatische Aberrationen sind jedoch widerspenstiger. In Photoshop setzt man dazu beispielsweise das Werkzeug Farbton/Sättigung ein. Hat ein Farbsaum einen Ton, der sonst nicht im Bild oder in dem betreffenden Teil vorhanden ist, kann man die Sättigung des störenden Farbtons verringern und die Helligkeit der Umgebung anpassen. Komfortabler als das Herantasten an optimale manuelle Einstellungen wäre eine rasche automatische Mängelbeseitigung.
Manuelle Objektivkorrektur in Adobe Photoshop
Manuelle Objektivkorrektur in RawTherapee
Kormorane auf Pollern eines alten Binnenschiffs. Fotografiert mit einem alten 600-Millimeter-Teleobjektiv von Novoflex.
Ausschnitt: Sogar in der Bildmitte erzeugt das einfache Objektiv noch kräftige farbige Säume aus Rot und Magenta.
Durch die Verringerung der Sättigung von Rot/Magenta im Werkzeug Farbton/Sättigung von Adobe Photoshop auf den Wert –99 und durch die Veränderung der Helligkeit des Farbsaums verschwindet er vollständig. Das war in diesem Fall einfach, weil Magenta sonst nicht im Bild vorkam.
Abbildungsfehler
Farbsäume
Ein weißer Lichtstrahl bricht an einem Glasprisma an zwei Flächen (siehe Abbildung). Dabei fächert das Licht regenbogenfarbig auf. Art und Ausmaß dieser sogenannten Dispersion sind abhängig von der Glassorte und dem Winkel zwischen den beiden Glasoberflächen. Je größer der Winkel, desto stärker ist die Auffächerung, während sie zum Beispiel bei einer Fensterscheibe mit zwei parallelen Oberflächen nicht auftritt.
Brechung des Lichts und Dispersion an einem Prisma.
Genauso verhält es sich, wenn Lichtstrahlen von Sammellinsen in Objektiven gebrochen werden. In ihren äußeren Bereichen sind die Winkel zwischen den gegenüberliegenden Glasoberflächen größer als im mittigen Teil. Die Auffächerung der Lichtstrahlen in Farbspektren erzeugt Farbsäume an Kanten und bewirkt Unschärfe. Bei voller Öffnung der Blende treten sie stärker auf als abgeblendet.