c't 10/2018
S. 134
Kinderleicht
Outdoor-Apps
Aufmacherbild
Illustration: Rudolf A. Blaha

Ab vor die Tür!

Spieleklassiker digital und draußen

Sobald das Wetter besser wird, sehen Eltern den Nachwuchs gerne draußen herumtoben. Der jedoch klebt wetterunabhängig am liebsten vor Rechner oder Smartphone. Die Lösung? Die Sprösslinge samt Freunden mit der passenden App vor die Tür scheuchen.

Zum Kasten: Der c’t-Tipp für Kinder und Eltern

Blinde Kuh und Topfschlagen sind Klassiker auf jedem Kindergeburtstag, aber nichts übertrifft eine anständige Schatzsuche. Mussten Eltern früher noch mit Zettel und Stift losziehen, um die beste Route auszutüfteln, erledigen sie das ab sofort per App. Der Vorteil: Eine App-gestützte Schnitzeljagd bietet viel mehr Möglichkeiten und zur allergrößten Not lässt sich die Strecke kurz vor knapp noch verändern – falls zum Beispiel die Wiese nach dem Sommergewitter zum See geworden ist. Ein weiterer Vorteil: Niemand muss mehr mit Straßenkreide auf dem Boden herumkrabbeln, um Pfeile und Anweisungen auf den Asphalt zu kritzeln. Die hier vorgestellten Draußen-Spiele per App eignen sich für jeden sonnigen Tag, auch ganz ohne Geburtstag.

Ein netter Nebeneffekt: Die Sprösslinge und ihre Freunde üben spielerisch den Umgang mit Smartphone oder Tablet. Und das, indem sie sich gemeinsam mit anderen Kindern an der frischen Luft bewegen. Insbesondere kleinere Kinder sollten begleitet werden. Dann können die Erwachsenen unterwegs Fragen klären und vermeiden, dass Frust aufkommt. Außerdem haben sie im Straßenverkehr ein Auge auf die Kids. Sehr schnell sind die nämlich so ins Spiel vertieft, dass sie – den Blick aufs Mobilgerät geheftet – dabei andere Verkehrsteilnehmer übersehen.

Das Smartphone funktioniert mit den Apps wie ein Kompass und führt die Teilnehmer an die unterschiedlichen Punkte der Schnitzeljagd. Sie suchen nach Koordinaten oder Hinweisen, die den weiteren Weg verraten. Kleine Aufgaben unterhalten den Nachwuchs und bringen Abwechslung in den App-geleiteten Spaziergang. Je nach App sind solche Aufgaben beispielhaft vorgegeben, alternativ erstellt man sie selbst. Die Spanne reicht von „Mache ein Foto von xy“ bis zu Quizfragen mit Antwortmöglichkeiten. Am Ende wartet auf die kleinen Schatzsucher die Belohnung und diese darf ruhig ganz analog ausfallen, zusätzlich zu einer potenziellen Gewinner-Kür in der App. Je nach Alter der Kinder führt die Schnitzeljagd beispielsweise zur Grillhütte und als Belohnung gibt es das Schokoeis bereits vor dem Abendessen.

Unsere bunte App-Tüte bietet für jeden etwas: Troovie richtet sich mit seinen putzigen Animationen an besonders junge Spieler, während sich Actionbound eher an ältere Kinder und Erwachsene wendet. Agent-X rückt gemeinsame Bewegung in den Mittelpunkt. Alle Spiele setzen aktiviertes GPS voraus, manche benötigen zudem eine Internetverbindung – und einen ausreichenden Datentarif. Falls Sie eine längere Route planen, schadet ein Akku-Pack nicht, damit dem Knobelspaß nicht vorzeitig der Saft ausgeht.

Schatzsuche mit Troovie

Die Schatzsuchen-App Troovie, die ohne Registrierung auskommt, eignet sich für Kinder im Grundschulalter. Die App stammt aus den Niederlanden, ist allerdings beinahe fehlerfrei ins Deutsche übersetzt. Einzig bei nicht aktiviertem GPS ploppt eine niederländische Meldung auf, die den Nutzer auf Android-Geräten direkt zu den Standorteinstellungen bringt, um den Modus anzupassen. Vorgefertigte Touren, in der App als „Super Troovies“ bezeichnet, gibt es nur für die Niederlande.

In der kostenfreien Version dauert die Troovie-Suche rund 30 Minuten.

In der kostenfreien Version lassen sich nur Mini-Schatzsuchen planen: Sie dürfen bis zu 750 Meter lang sein und maximal vier zu lösende Aufgaben enthalten, zum Beispiel „zehn Mal auf einem Bein zu hüpfen“. Zu jedem Aufgabentyp liefert die App eine Beispielaufgabe mit. Die kostenpflichtige Variante kommt ohne Streckenbegrenzung aus und bringt zwölf Beispielaufgaben mit. Eine einzelne Mega-Schatzsuche kostet 5 Euro, drei gibt es für 8 Euro und zehn für 10 Euro. Die Routen lassen sich beliebig oft spielen.

Vier Aufgabentypen stehen zur Wahl, die man frei gestaltet.

Um eine der kostenfreien Strecken zu absolvieren, benötigen kleine Kinder um die 30 Minuten – was fürs Erste ausreicht. Falls Sie unsicher sind, ob diese Zeit genügt, um die Lütten auszulasten, fügen Sie in der kostenlosen Version einfach eine zweite Route mit neuen Aufgaben hinzu und lassen die zweite Schnitzeljagd am Endpunkt der ersten beginnen.

Troovie bettet Schatzsuchen in Geschichten ein. Für die Mini-Variante stehen drei zur Wahl, beispielsweise ein Monster-Abenteuer, in dem die Kinder einem Professor helfen, vier aus dem Labor entkommene Monster wieder einzufangen. Im Piraten-Abenteuer begibt sich der Nachwuchs gemeinsam mit Kapitän Jack auf die Suche nach den Schlüsseln zum magischen Schatz. Hilfe leisten Papagei Piko und Oktopus Otto.

Die App zeigt mit niedlicher Grafik kindgerecht an, wo es langgeht.

Die App blendet putzige Videos ein, in denen die Geschichte erzählt wird, deshalb sollte der Lautsprecher immer eingeschaltet sein. Falls Ihnen die Geschichten nicht zusagen, wählen Sie das Basis-Abenteuer, in dem Sie nur Strecke und Aufgaben vorgeben, ohne dass diese in eine Geschichte eingebettet werden.

Kurze Audio-Sequenzen erklären kindgerecht, wie die Schnitzeljagd funktioniert. Nachdem Sie Strecke und Aufgaben eingetragen haben, wählen Sie noch den Preis aus, den die Kinder nach erfolgreicher Schatzsuche in der App sehen sollen. Troovie bringt fertige Pokal-Bilder mit, alternativ knipsen Sie das Schokoeis, das schon in der Kühlbox wartet. Übrigens lässt sich Troovie auch mit mehreren Geräten spielen, indem man die Schatzsuche übers Teilen-Menü des Mobilgeräts verschickt, beispielsweise per WhatsApp oder per E-Mail. Das ist außerdem praktisch, um mehrere Gruppen aus unterschiedlichen Richtungen starten zu lassen: Erstellen Sie verschiedene Routen, teilen Sie diese mit anderen Eltern, sodass sich am Ende alle zur Grillparty im Park treffen.

Fangt Agent-X

Anders als bei einer Schnitzeljagd benötigt Agent-X kaum Zeit für die Vorbereitung, dafür aber mindestens zwei Spieler und zwei Mobilgeräte. Auf der Website des Anbieters kann man seine bisherigen Spiele, Auszeichnungen, Gadgets und Statistiken anschauen – sofern man sich registriert. Wer auf die Historie verzichten kann, spielt ohne Registrierung.

Die Agent-X-Website zeigt Statistiken rund um die absolvierten Spiele.

Die App eignet sich für etwas größere Kinder, die sich sicher und selbstständig in ihrem Viertel bewegen. Die kostenlose Variante blendet am oberen Bildschirmrand eine schmale Werbeleiste ein. Schon nach kurzer Zeit nimmt man sie kaum noch wahr, da sich der Blick auf die Landkarte fokussiert. Die Spielzeit ist auf 13 Minuten beschränkt und auch die Spielfeldgröße ist limitiert. Für 3 Euro gibt es die Pro-Version ohne diese Beschränkungen und ohne Werbung.

Beim Spielstart zeigt die App an, ob man derzeit Spion oder Detektiv ist.

Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Ein Spieler ist Agent-X und auf der Flucht, die restlichen Mitspieler sind Detektive auf der Jagd nach ihm. Damit es nicht zu einfach gerät, bekommt der Spion 90 Sekunden Vorsprung. Alle Mitspieler sehen farbige Positionsmarker auf der digitalen Landkarte. Während Agent-X die Bewegungen seiner Kontrahenten permanent auf dem Display verfolgt, bekommen die Detektive nur alle 90 Sekunden den aktuellen Standpunkt des Flüchtigen zu sehen. Der Name des Spiels erinnert nicht nur zufällig an das Spiel Mister-X von Ravensburger, das wiederum der Nachfolger von Scotland Yard ist.

Agent-X schult strategisches Denken und das Navigieren auf einer Karte.

Sowohl Detektive als auch Agent-X können der anderen Partei das Leben schwerer machen, indem sie Gadgets einsetzen. Sie sind vergleichbar mit Aktionskarten bei einem Brettspiel. Die Tarnkappe zum Beispiel lässt den Positionsmarker für 30 Sekunden von der Karte verschwinden – perfekt, um schnell vor den Ermittlern zu fliehen beziehungsweise um sich unbemerkt an den Spion heranzuschleichen.

Gadgets machen den Kontrahenten das Leben schwer.

Agent-X gewinnt das Spiel, wenn er sich in der vorgegebenen Zeit nicht von den Detektiven fangen lässt. Damit die Ermittler gewinnen, muss Agent-X auf das weiße Fähnchen am unteren Bildschirmrand tippen und aktiv aufgeben. Das ist sinnvoll, denn gälte das Spiel als verloren, nur weil das GPS die Positionsmarker am selben Ort anzeigt, wäre das nicht in jedem Fall korrekt. Der Spion könnte zum Beispiel auf einer Brücke und damit außer Sichtweite sein.

Bei diesem Spiel sind die Kids sehr viel unterwegs und legen den ein oder anderen Kilometer zurück. Gleichzeitig üben sie sich im taktischen Spiel und im Kartenlesen.

Actionbound: Schnitzeljagd pro

Mit Actionbound erstellt man eigene Rallyes mit unterschiedlicher Ausrichtung: Von der kurzen Schatzsuche im Viertel bis zur themengebundenen Stadtführung ist alles denkbar. Das Spiel bietet mit Abstand die umfangreichsten Spielmöglichkeiten unter den vorgestellten Apps, bedarf allerdings auch deutlich mehr eigener Vorbereitung.

Bounds erstellt und bearbeitet man in der Web-Oberfläche – am besten am Rechner, denn die Ansicht im mobilen Browser ist arg fummelig.
Mit der App Actionbound spielt man unterschiedliche Bounds.

Privatanwender nutzen die App kostenfrei. Allerdings sind alle Strecken, sogenannte Bounds, öffentlich einsehbar, sobald man sie online stellt. Ein geheimer Bound kostet 7 Euro. Kinder können mit Actionbound spannende Rallyes für ihre Freunde erstellen. Wie wäre es mit einer Route entlang der tollsten Eisdielen und schönsten Spielplätze? Sofern man kein Geld ausgeben möchte, sondern die kostenlose Version der App nutzt, sind alle Bounds grundsätzlich für alle Nutzer spielbar. Daher sollte die Strecke an öffentlichen Orten verlaufen und nicht gerade vor der eigenen Haustür starten und enden. Anweisungen wie „Als nächstes gehst Du bei Deinem Schulkameraden XY vorbei“ zusammen mit einer Ortsangabe haben in einem kostenlosen Bound ebenfalls nichts verloren. Damit unterwegs geknipste Fotos und andere Ergebnisse nicht für fremde Menschen einsehbar sind, sollten Sie in jedem Bound die Option „Ergebnisse nicht anzeigen“ wählen. Ein Tipp: Sie müssen für jeden Bound die Option „online“ aktivieren, erst dann können Sie ihn spielen. Wenn Sie ihn nur für die Spielzeit online stellen, schaffen Sie zumindest eine rudimentäre Privatsphäre.

Öffentliche Bounds zeigt die App auf einer Landkarte an.

Je nach Wohnort gibt es für den eigenen Standort bereits fertige Bounds, mit denen Sie sofort loslegen können. Wollen Sie sich lieber selbst an der Routenplanung versuchen, steht ein Wechsel vom Smartphone zum Rechner an: In der Web-Oberfläche fügt man bequem Inhalte zum Bound hinzu. Jedes Element platziert Actionbound auf einer Art Karteikarte, deren Position Sie bei Bedarf per Drag & Drop jederzeit verändern. Einzelne Stationen können Sound-, Bild- und Video-Files enthalten. Das ist besonders schön für kleinere Kinder, die noch nicht lesesicher sind.

Die App zeigt Richtung und Entfernung des nächsten Ziels.

Sie können Spieler nicht nur per Koordinatenangabe an einen Ort schicken, sondern auch durch ein Informationselement: „Gehe 30 Schritte geradeaus, drehe Dich nach links“. Wie es sich für eine ordentliche Schnitzeljagd gehört, müssen die Spieler Aufgaben lösen und ein Quiz bestehen. Eine besonders schöne Möglichkeit besteht darin, einen QR-Code zu generieren und diesen unterwegs zu verstecken. Weiter im Spiel kommt nur, wer den Code findet und scannt. Das bietet Raum, um Verwirrung zu stiften: Mehrere QR-Codes ausdrucken und rund um den Stationspunkt befestigen – nur einer allerdings funktioniert. (apoi@ct.de)