4K im Doppelpack
Mini-PC Intel NUC7CJYH mit zwei HDMI-2.0-Ports
Der 120-Euro-Barebone Intel NUC7CJYH kann zwei 4K-Displays gleichzeitig ansteuern, schluckt nicht viel Strom und läuft leise. HDR-Kontraste bekommt man jedoch nicht zu sehen und der Prozessor rechnet gemächlich.
Selbst in den sparsamsten x86-Prozessoren stecken mittlerweile Grafikprozessoren, die zwei Displays mit 4K- beziehungsweise Ultra-HD-Auflösung ansteuern können. Damit das auch mit der ergonomischen Bildwiederholrate von 60 Hertz klappt, sind HDMI 2.0 oder auch DisplayPort ab 1.2 nötig – und nur wenige Mini-PCs und noch weniger Desktop-PC-Mainboards haben gleich zwei solcher Ports. Nun bringt Intel einen bezahlbaren, sparsamen und leisen Barebone mit 2 × HDMI 2.0, den NUC7CJYH.
Herzstück dieses neuen NUC – die Abkürzung steht für Next Unit of Computing – ist der Celeron J4005 aus der aktuellen Serie Gemini Lake. Sein Stromdurst ist bescheiden. Die eingebaute Lüftersteuerung lässt deshalb den Ventilator oft ruhen, dann arbeitet die kleine Box geräuschlos. Wir konnten auch kein Zirpen oder Fiepen hören, das bei manchen anderen „Fanless“-PCs stört. Steigt die Rechenlast, dreht der Lüfter allmählich hoch, erst nach länger anhaltender Volllast rauscht er vernehmlich.
Die Sparsamkeit des Prozessors hat eine Kehrseite, nämlich niedrige Rechenleistung. Immerhin haben die „Goldmont Plus“-Rechenwerke der Gemini-Lake-Celerons im Vergleich zu ihren Vorgängern deutlich zugelegt. Ein einzelner Kern des Celeron J4005 im NUC7CJYH kommt im Cinebench R15 auf 76 Punkte, fast 60 Prozent mehr als der Celeron N3450 im NUC-Vorgänger NUC6CAYH (Arches Canyon, siehe c’t 13/2017, S. 124). Letzterer hat allerdings vier Kerne und ist deshalb bei Multithreading etwas stärker: 173 statt 145 Cinebench-Punkte.
Beide „Atom-Celerons“ rechnen deutlich langsamer als Kaby- oder Coffee-Lake-Celerons (G3950/G4900), vor allem bei Singlethreading. Das spürt man bei Software wie LibreOffice, die selten mehr als einen Kern nutzt. Der Pentium Silver J5005 mit vier Kernen, der etwa in der teureren Version NUC7PJYH der „June Canyon“-NUCs steckt, dürfte diese Core-i-Celerons bei Multithreading aber knapp übertrumpfen. Moderne Web-Browser nutzen Multi-Cores gut aus.
Bei ruhendem Windows-Desktop begnügt sich der NUC7CJYH mit 4,7 bis 6 Watt – sehr gut! Der Rechenzwerg funktioniert auch unter Linux und schluckt dabei nicht nennenswert mehr Strom. Das mitgelieferte 65-Watt-Netzteil ist überdimensioniert, auch mechanisch: Es handelt sich um ein fliegendes Netzteil und nicht mehr um das kompakte Steckernetzteil des Vorgängers. Wie bei Mini-PCs üblich, sind auch die Erweiterungsmöglichkeiten des NUC7CJYH bescheiden. Im Wesentlichen bestehen sie in vier USB-3.0-Ports, einem SD-Kartenleser, einem internen Einbauplatz für eine SSD oder Festplatte sowie zwei SO-DIMM-Fassungen für bis zu 8 GByte DDR4-SDRAM. Intel nennt wie bei den Vorgängern im Datenblatt maximal 8 GByte, obwohl der NUC auch 16 GByte in Form von zwei 8-GByte-DIMMs nutzt.
Der WLAN-Adapter arbeitet nur mit einem Stream und verwendet den im Celeron J4005 eingebauten CNVi-Controller; der HF-Adapter ist fest aufgelötet.
Der Buchstabe „H“ in der Typenbezeichnung NUC7CJYH steht für das höhere NUC-Gehäuse, in das eine 2,5-Zoll-SSD passt. Von teureren NUCs gibt es auch flachere Varianten, die nur eine M.2-SSD aufnehmen – das gibts bei den „June Canyons“ leider nicht. Einer der Gründe dafür ist, dass die Atom-Celerons keine PCIe-3.0-Lanes für NVMe-SSDs haben, aber eine M.2-SATA-SSD würde den Winzling noch etwas niedlicher machen. Außer der erwähnten Barebone-Variante mit Pentium Silver gibt es auch noch den NUC7CJYS für rund 200 Euro als Komplett-PC inklusive Windows 10. Darin stecken der Celeron J4005, 4 GByte RAM und leider nur ein knapp bemessener MMC-Flash-Baustein mit 32 GByte Kapazität.
Im Vergleich zum Vorgänger NUC6CAYH gibt es noch einige kleinere Verbesserungen, etwa einen Audio-DSP im Celeron. Der wertet im Standby-Modus Sprachbefehle aus, damit sich der NUC mit „Hey, Cortana“ wecken lässt. Das funktionierte im Test aber nicht, denn dazu wäre wohl auch der Schlafmodus S0ix alias Modern Standby nötig, den der NUC7CJYH bisher nicht kennt. Ist der Audio-DSP im BIOS-Setup aktiviert, muss man eine Spezialversion des Realtek-Soundtreibers installieren.
HDR Fehlanzeige
Leider konnten wir dem Gemini-Lake-NUC keine HDR-Videos mit hohen Kontrasten entlocken, das verweigert Intel den Billigheimern; HDR klappt nur bei teureren Kaby-Lake-NUCs. Netflix wollte dem NUC7CJYH auch kein Ultra-HD-Material schicken, bei Full HD war Schluss.
Von Festplatte oder von YouTube spielt der NUC7CJYH hingegen auch 4K-Videos flüssig ab, auch VP9-kodierte. Nur am Anfang, während der Puffer gefüllt wird, ruckelt es leicht. Mit dem Versuch, gleich zwei Videos parallel auf zwei Monitoren abzuspielen, griffen wir aber zu hoch: Dann ruckelts kräftig.
Fazit
Intel hat mittlerweile fünf Jahre NUC-Erfahrung und gestaltet viele Details überzeugend. Das macht sich auch beim NUC7CJYH bemerkbar. Wer mit der niedrigen Rechenleistung auskommt, baut sich damit für rund 200 Euro – 120 Euro fürs Barebone plus je 40 Euro für 4 GByte RAM und eine 120-GByte-SSD – einen leisen und sparsamen Mini-PC, der bei Bedarf gleich zwei 4K-Displays ansteuert. Das ist viel Performance fürs Geld. (ciw@ct.de)