Abwehrmaßnahmen gegen PIN-Knacker
GrayKey, ein Gerät, das per Lightning-Anschluss an iOS-Geräte andockt, kann deren standardmäßig vorgesehenen sechsstelligen PIN-Code in durchschnittlich elf Stunden knacken. Das berichtet der Sicherheitsforscher Matthew Green von der John Hopkins University. Vierstellige Codes sind sogar in spätestens 13 Minuten geknackt. Hingegen dauert die Brute-Force-Attacke bei 8 Stellen durchschnittlich 46 Tage und bei 10 Stellen im Mittel 4629 Tage. Apple arbeitete aber offenbar schon an Abwehrmaßnahmen.
Laut dem Sicherheitsunternehmen Malwarebytes lädt GrayKey Code auf das iOS-Gerät hoch. Anschließend verhindert es das Löschen des iOS-Speichers nach Überschreiten der maximalen Anzahl falscher PIN-Eingaben. Auf dem bearbeiteten Gerät blendet es Hinweise zum Bruteforce-Fortschritt ein. Möglicherweise gelingt GrayKey also zumindest teilweise ein Jailbreak.
Strafverfolger können GrayKey von der Firma GrayShift zu Preisen ab 15.000 US-Dollar erwerben. Die Box scheint Fehler in iOS-Versionen bis mindestens iOS 11.2.5 auszunutzen.
Sicherheitsforscher wie Green empfehlen nun längere PIN-Codes oder alphanumerische Passwörter. Harlo Holmes, Sicherheitstrainer der Freedom of the Press Foundation, hält Passwörter mit 9 bis 12 Zeichen Länge für sinnvoll, am besten als Kombination aus Zeichen und Buchstaben. Ryan Duff von Point3 Security spricht sich für mindestens 7 Zeichen aus, Sonderzeichen und Symbole inklusive. Den Bedienkomfort von aktuellen iOS-Geräten schränkt das nur wenig ein, da sie sich auch per Gesichtserkennung (Face ID) oder Fingerabdruck (Touch ID) entsperren lassen. Den PIN-Code kann man in den Systemeinstellungen im Bereich „Sicherheit” ändern.
Zumindest vorübergehend hat Apple an einer anderen Abwehrmaßnahme gearbeitet: Beta-Versionen des inzwischen veröffentlichten iOS 11.3 blockierten die Kommunikation des Lightning-Ports automatisch, wenn ein Gerät sieben Tage lang nicht entsperrt worden war. Es ließ sich dann über den Port nur laden. Die Datenkommunikation aktivierte iOS erst nach erneuter Authentifizierung wieder. Warum diese als „USB Restricted Mode“ bezeichnete Funktion im finalen iOS 11.3 fehlt, erklärte Apple nicht. Auch iOS 11.4 Beta enthält sie bisher nicht. (dz@ct.de)