Wenn sonst nichts mehr geht
Probleme lösen mit dem Mini-Betriebssystem Windows PE
Wenn kein Rettungsmedium wie das c’t-Notfall-Windows zur Hand ist, tut es auch das Mini-Betriebssystem „Windows PE“. Das ist zwar weniger komfortabel, aber durchaus mächtig und vor allem fast überall verfügbar.
Komfortable Hilfsmittel zum Lösen von Windows-Problemen gibt es einige, beispielsweise unser c’t-Notfall-Windows oder die bei Windows ohnehin vorhandene Wiederherstellungsumgebung Windows RE. Mit denen reparieren Sie den Bootloader, setzen das Windows-Anmeldepasswort zurück, reparieren Systemdateien, retten Daten und vieles mehr [1, 2,3]. Doch wie es Murphys Gesetz halt so will, hat man diese Hilfsmittel nicht immer zur Hand. Dann schlägt die Stunde von Windows PE: Damit können Sie die wichtigsten Handgriffe ebenfalls ausführen, wenn auch mit weniger Komfort. Dafür kommen Sie aber auch dann an PE, wenn alles andere außer Reichweite ist. Denn es steckt in überraschend vielen bootfähigen Datenträgern.
Bei Windows PE handelt es sich um eine Art Mini-Windows, welches ohne Installation auskommt. Es wurde von Microsoft vor allem als Basis-Betriebssystem entwickelt, unter dem die eigentliche Windows-Installation abläuft – daher auch die Bezeichnung PE, die für „Preinstallation Environment“ steht. Um einen dauerhaften Einsatz zu verhindern, startet PE alle 72 Stunden neu. Es kommt zudem ohne die sonst Windows-typische Bedienoberfläche daher: Explorer, Desktop, Taskleiste und Startmenü fehlen allesamt. Auch die PowerShell und das .NET-Framework sind nicht dabei. Stattdessen steht lediglich eine Eingabeaufforderung zur Verfügung, und die ist meist auch noch versteckt. Doch sobald man sie gefunden hat, steht der Reparatur kaum noch was im Weg.
Woher nehmen?
Das Beschaffen eines Mediums, von dem Windows PE bootet, ist ein meist überraschend leicht lösbares Problem. Denn in vielen Fällen braucht man das gar nicht, weil schon eines vor Ort ist. Das gilt sogar für die spontane Rettungsaktion beim Familientreffen bei Oma („ach, wo du schon mal da bist“), selbst wenn sie davon gar nichts weiß.
Falls ein als „Wiederherstellungslaufwerk“ eingerichteter Stick vorhanden ist, haben Sie nicht nur PE, sondern sogar die Windows-eigene Wiederherstellungsumgebung Windows RE zur Verfügung [3]. Sollte neben dem defekten noch ein funktionierender Windows-PC stehen, können Sie das Wiederherstellungslaufwerk rasch selbst erstellen, den Job erledigt der gleichnamige Assistent.
Falls das scheitert, etwa weil der PC-Hersteller etwas falsch konfiguriert hat [4], ist trotzdem nicht alles verloren, denn Windows PE ist auf allen Windows-Installationsmedien enthalten, egal, ob Stick oder DVD. Die Kunst besteht dann letztlich nur darin, die Eingabeaufforderung zu finden. Dazu brauchen Sie nur den PC von diesem Medium zu booten. Sobald „Jetzt installieren“ erscheint, drücken Sie die Tastenkombination Umschalt+F10 und schon öffnet sich die Eingabeaufforderung – merken Sie sich diese Tastenkombination, sie funktioniert unter fast allen PE-Varianten.
Sofern es Recovery-Medien gibt, die der PC-Hersteller mitgeliefert hat oder die der Nutzer bei der Einrichtung des neuen Geräts selbst erstellt hat, lohnt auch davon ein Bootversuch: Oft startet davon ebenfalls Windows PE und Sie gelangen mit Umschalt+F10 zur Eingabeaufforderung.
Liegt in der Nähe ein von einem Virenscanner oder Backup-Programm [5] erzeugtes Recovery-Medium herum? Auch davon bootet oft ein PE. Zwar startet dann üblicherweise nach dem Booten zuerst ein spezielles Programm des Herstellers, doch in den Menüs ist oft irgendwo eine Verknüpfung zur Kommandozeile zu finden. Beim Rettungsmedium von Acronis True Image 2018 läuft im Hintergrund bereits eine Eingabeaufforderung, die aber wegen der Ausführung des Acronis-Programms blockiert ist, und auch Umschalt+F10 funktioniert nicht, solange True Image läuft. Zum Freigeben beenden Sie das Acronis-Programm einfach, danach können Sie die Eingabeaufforderung nutzen und auch die Tastenkombination geht wieder.
Noch ein Weg zu PE: Sofern noch ein Windows-PC zur Verfügung steht, können Sie alles kostenlos herunterladen, was zum Befüllen eines bootfähigen Installationsmediums nötig ist, und zwar sehr bequem. Laden Sie von der Website https://www.microsoft.com/software-download/windows10 das kostenlose „Media Creation Tool“ (MCT) herunter, dazu auf der Website auf „Tool jetzt herunterladen“ klicken. Das MCT lädt die Windows-Setup-Dateien herunter und kopiert sie wahlweise auf einen USB-Stick oder in eine ISO-Datei, die man auf DVD brennen kann. Das Programm bietet an, sowohl 32- als auch 64-Bit-Installationsdateien herunterzuladen, was Sie annehmen sollten, denn dann landen auf dem Installationsmedium beide Varianten von Windows PE, was Bootprobleme vermeiden kann (dazu später mehr). Sofern es nur ums Reparieren geht, sind die Installationsdateien zwar allesamt überflüssig, abwählen lassen sie sich aber nicht.
Kommt vor Ort unser Sicherungsskript c’t-WIMage zum Einsatz (siehe ct.de/wimage) und die Sicherung liegt wie empfohlen auf einer USB-Platte? Auch davon bootet Windows PE, bei dem Sie mit Umschalt+F10 zur Eingabeaufforderung gelangen.
Falls es zufällig ohnehin vorhanden ist: Windows PE steckt auch im Assessment and Deployment Kit (ADK), Microsofts Werkzeugsammlung zum Erzeugen und automatisierten Verteilen angepasster Windows-Installationspakete. Das ADK ist der Nachfolger des Windows Automated Installation Kit (WAIK).
Unser c’t-Notfall-Windows basiert im Übrigen ebenfalls auf Windows PE, doch falls Ihnen das zur Verfügung steht, können Sie Probleme ohnehin weit bequemer lösen als hier beschrieben und den PC damit auch auf Schädlinge untersuchen [6].
Die richtige Auswahl
Wenn mehrere PE-Medien zur Wahl stehen, sollten Sie zum neuesten greifen, denn es gibt PE in verschiedenen Versionen: Die bei Vista enthaltene trug die Versionsnummer 2, weiter ging es mit 3 (Windows 7), 4 (Windows 8) und 5 (8.1). Aktuell trägt PE die gleiche Versionsnummer wie Windows selbst, also die 10 (genauer 10.0), weshalb nun auch die Build-Nummer eine Rolle spielt: Seit dem Fall Creators Update, welches Windows 10 auf Version 1709 hievte, hat PE die Build-Nummer 10.0.16299. Microsoft sichert zu, dass jede Version nicht nur die dazugehörige, sondern auch die Vorgängerversionen bis zurück zu Vista unterstützt.
Welche Version Sie vor sich haben, verrät PE selbst in der Eingabeaufforderung als Erstes, indem es sich direkt damit meldet: „Microsoft Windows [Version 10.0.16299.xxx]“. Statt „xxx“ steht bei Ihnen eine Zahl, die das Patch-Level nennt. Sie brauchen sich die ganzen Zahlen aber letztlich nicht zu merken, zumal sie sich bei Updates sowieso wieder ändern – verwenden Sie wie erwähnt einfach die PE-Version mit der höchsten Versionsnummer.
Booten
Um vom Installationsmedium zu booten, müssen Sie je nach Mainboard direkt nach dem Einschalten des Rechners eine Taste oder Tastenkombination drücken, häufig Esc, F2, F8, F12 oder Entf. Achten Sie auf Meldungen direkt nach dem Einschalten, die auf Tastenkürzel für ein Boot-Menü oder für die BIOS-/UEFI-Einstellungen hinweisen.
Während von DVD der Start meist zuverlässig klappt, sofern sie in einem internen optischen Laufwerk eingelegt ist, kann es bei USB-Laufwerken Hardware-seitige Probleme geben. Probieren Sie dann die anderen USB-Anschlüsse durch oder wechseln Sie, sofern möglich, das USB-Laufwerk. Stöpseln Sie das Laufwerk möglichst direkt am PC an statt an einen USB-Hub. Falls eine USB-Festplatte zum Einsatz kommt, kann das Tauschen von Kabel oder Gehäuse helfen. Letztlich hilft stets nur ausprobieren, da sich selbst scheinbar baugleiche Geräte beispielsweise durch unterschiedliche verbaute Chips oder Firmwareversionen unter der Haube unterscheiden können.
Eine Besonderheit gibt es bezüglich UEFI zu beachten. Zwar bootet PE an sich problemlos, wenn die Mainboard-Firmware den PC im UEFI-Modus startet, doch existiert hier eine Abhängigkeit der Architektur. Es gibt nämlich nicht nur Windows PE in der 32- und der 64 Bit-Variante, sondern auch die UEFI-Firmware, und es bootet stets nur die zur UEFI-Architektur passende PE-Variante. In den meisten Fällen ist das die in 64 Bit, die jeweils andere PE-Variante scheitert dann beim Start unter Hinweis auf Probleme mit der Datei Winload.efi oder kryptischen Fehlercodes wie „0xc0000359“. Dann müssen Sie zu einem PE der passenden Architektur zu greifen. Oder Sie stellen im BIOS-Setup auf das „Compatiblity Support Module“ (CSM) um, sodass der PC im BIOS-Modus startet. In diesem spielt die Architektur von PE keine Rolle, es starten beide Varianten.
Übersicht verschaffen
Beachten Sie, dass Windows PE im laufenden Betrieb Daten lediglich auf einer RAM-Disk speichert. Nach einem Neustart sind also alle Änderungen wieder verschwunden. Die Festplatte fasst Windows PE von sich aus nicht an. Nur wenn Sie selbst Daten auf Ihrer Festplatte unter PE bearbeiten, sind diese Änderungen dauerhaft. So lange Sie das lassen, können Sie PE also gefahrlos ausprobieren. Und das ist auch empfehlenswert, denn wenn man erst mal in Ruhe einige Erfahrungen damit gesammelt hat, erinnert man sich im Ernstfall leichter an die wesentlichen Handgriffe.
Nach dem erfolgreichen Start und dem Öffnen der Eingabeaufforderung mit Umschalt+F10 sehen Sie sich etwas gegenüber, was ungefähr so viel Charme versprüht wie damals der C64: Es blinkt ein Cursor und das wars. Einen Überblick über die von PE erkannten Laufwerke könnten Sie sich zwar auch mit Kommandozeilenbefehlen verschaffen, bequemer geht das aber, wenn Sie stattdessen notepad eintippen. Das startet den bordeigenen Editor. Drücken Sie Strg+O, was den Öffnen-Dialog aufruft. Klicken Sie darin auf „Dieser PC“, woraufhin Sie alle mit einem Buchstaben versehenen Laufwerke zu sehen bekommen.
Das sind mehr, als sonst auf diesem PC gewohnt. Erstens taucht zusätzlich das PE-Medium auf, zweitens erscheint ein Laufwerk namens „Boot“ mit dem Buchstaben x:. Dabei handelt es sich um die RAM-Disk, die PE verwendet. Wenn Windows auf einer mit dem MBR-Schema partitionierten Platte liegt, erscheint in der Laufwerksübersicht zudem die Bootpartition, zu erkennen an der geringen Größe (nur einige Hundert MByte) und üblicherweise dem Namen „System-reserviert“. Auf GPT-partitionierten Platten erscheint weder die Boot- noch die Wiederherstellungspartition. Auf PCs, auf denen Windows vom Hersteller vorinstalliert wurde, können weitere Partitionen zu sehen sein. Details zu den unzähligen Variationen der Partitionierung heutiger Windows-PCs standen in c’t 5/2018 [7].
Anhand der Ordnerstruktur von Laufwerk x: können Sie übrigens auch erkennen, ob ein 32- oder 64-Bit-PE läuft: Wenn ein Ordner namens „Program Files (x86)“ existiert, ist es ein 64-Bit-PE, sonst ein 32er.
Falls Ihnen der Öffnen-Dialog zu klein ist, können Sie ihn mit einem Doppelklick auf die Titelleiste maximieren.
Kopieren mit der Maus
Der Öffnen-Dialog von Notepad taugt auch dazu, Dateien und Ordner hin und her zu kopieren, etwa um sie auf ein anderes Laufwerk zu retten. Standardmäßig sehen Sie darin außer Ordnern und Laufwerken allerdings nur Text-Dateien. Um das zu ändern, stellen Sie die Anzeige des Dialogs um: Ändern Sie unten hinter „Dateityp“ die Anzeige vom derzeitigen „Textdateien (*.txt)“ auf „Alle Dateien“. Merken Sie sich diesen Handgriff, er ist bei jedem Öffnen-Dialog erforderlich, weil man diese Umstellung nicht speichern kann.
Das Kopieren und Einfügen erledigen Sie wie gewohnt über die entsprechenden Befehle im Kontextmenü. Die Tastenkombinationen Strg+C und Strg+V funktionieren ebenfalls. Zwei Haken hat die Sache aber: Erstens sehen Sie eingefügte Dateien und Ordner erst, wenn Sie die Ansicht durch Drücken der Taste F5 aktualisieren (das gilt auch für Operationen wie umbenennen oder neu erstellen). Und zweitens können Sie im Öffnen-Dialog immer nur eine Datei oder einen Ordner markieren, nicht mehrere. Um mehrere Ordner wegzusichern, müssen Sie also jeden einzeln kopieren. Was die Sache aber etwas erleichtern kann: Falls PE von einem USB-Laufwerk gebootet wurde, erscheint dieses standardmäßig im Kontextmenü als Ziel des „Senden an“-Menüs, was das ständige Hin- und Herhangeln zwischen Quell- und Zielverzeichnis ersparen kann.
Eine weitere Erleichterung können Sie erreichen, weil unter PE die Tastenkombinationen Alt+Tab zum Wechseln zwischen Fenstern sowie Windows+Pfeil zum Anordnen der Fenster funktionieren. Verkleinern Sie zuerst das Notepad-Fenster so, dass es kleiner als die linke Bildschirmhälfte ist. Bewegen Sie dazu die Maus auf die rechte untere Ecke des Fensters, bis der Mauszeiger zu einem Doppelpfeil wird. Danach schieben Sie das Notepad-Fenster ganz nach links und drücken Strg+O. Den Öffnen-Dialog ordnen Sie mit Windows+Links auf der linken Bildschirmhälfte an. Wechseln Sie mit Alt+Tab zurück zur Eingabeaufforderung und starten Sie durch erneutes Eintippen von notepad eine weitere Instanz des Programms (es spart Tipparbeit, stattdessen nur die Pfeil-hoch-Taste zu drücken, was den zuvor eingegebenen Befehl zurückholt). Das Fenster verkleinern Sie ebenfalls und schieben es ganz nach rechts. Nun wieder Strg+O drücken und den Öffnen-Dialog mit Windows+Rechts anordnen. Mit Alt+Tab holen Sie nun noch den Öffnen-Dialog des ersten Notepads nach vorn, und schon haben Sie eine Art skurrilen, aber mit Einschränkungen durchaus funktionstüchtigen Zwei-Fenster-Dateimanager vor sich.
Wenn Sie mit Dateien hantieren, ist es übrigens wichtig, wirklich den Öffnen-Dialog zu nutzen und nicht den eigentlich genauso funktionierenden Speichern-Dialog. Denn wenn Sie sich im Öffnen-Dialog verklicken oder vertippen, wird einfach nur eine Datei eingelesen, was keinen Schaden verursacht. Wenn Sie hingegen in einem Speichern-Dialog was falsch machen und dann in der Hektik noch die „Wollen Sie wirklich ersetzen“-Nachfrage falsch beantworten, haben Sie womöglich wichtige Dateien durch nutzlosen Quatsch ersetzt, sprich Daten verloren.
Um es allerdings auch noch mal deutlich zu sagen: Der Öffnen-Dialog ist das Entscheidende, nicht etwa Notepad. Sie können also auch den Öffnen-Dialog eines anderen Programms verwenden, selbst der Dialog „Struktur laden“ von Regedit tuts. Bei Recovery-Medien von Backup-Software eignet sich auch der Dialog zur Auswahl des zurückzuspielenden Backups, sofern er „Alle Dateien“ anzeigen kann.
Für komplexere Kopieraktionen stehen zusätzlich die üblichen Komandozeilenprogramme copy, xcopy und robocopy zur Verfügung. Falls Sie sich darin allerdings erst einarbeiten müssten, geht das Kopieren per Maus meist doch schneller.
Programme starten
Sie können unter PE nicht nur die mitgelieferten Programme starten, sondern auch andere, wenn auch keine beliebigen. Denn ein 32-Bit-PE vermag nur 32-Bit-Programme auszuführen und 64-Bit-PE nur 64-Bit-Programme. Problemlos funktionieren viele portable Anwendungen, die ohne Installation direkt beispielsweise von einem USB-Stick starten. Dazu gehören auch die wichtigsten in den Notfall-Windows-Artikeln genannten wie Autoruns zum Konfigurieren, was die Windows-Installation auf der Platte beim Hochfahren automatisch mitstartet, und Ntpwedit zum Ändern des Windows-Anmeldepassworts.
Um so ein Programm nutzen zu können, kopieren Sie die passende Variante auf einen USB-Stick. Das darf auch der sein, von dem Sie gerade PE gebootet haben – einfach abziehen, Programm an einem anderen PC daraufkopieren und wieder an den ersten PC stecken. Wichtig ist nur, dass Sie zwischen Abziehen und Wiederanstecken nichts mit dem laufenden PE machen. Das Smartphone kann unter PE übrigens mangels passender Treiber nicht als Stick-Ersatz herhalten.
Das Starten des Programms können Sie in der Eingabeaufforderung erledigen, bequemer ist aber wieder der Öffnen-Dialog. Stellen Sie dessen Ansicht wieder auf „Alle Dateien“ um und klicken Sie sich zum Speicherort der Anwendung durch. Widerstehen Sie aber dem Drang zum Doppelklick darauf! Denn das würde die Anwendung bloß wie eine Textdatei in Notepad öffnen, was nichts nutzen würde. Klicken Sie stattdessen mit rechts auf die Datei und wählen Sie im Kontextmenü „öffnen“ aus. Das öffnet die Anwendung.
Sie brauchen das Programm übrigens nicht über den hier ebenfalls verfügbaren Menüpunkt „Als Administrator ausführen“ zu starten, denn unter PE besitzen Sie ohnehin nicht nur Administrator-, sondern sogar System-Rechte, die darüber noch hinausgehen. Nachprüfen können Sie das im Taskmanager, den Sie starten, indem Sie taskmgr in die Eingabeaufforderung eintippen. Im Reiter „Process“ sehen Sie, welche Prozesse als „System“ laufen.
Werkzeugkasten
Windows PE bringt einiges an Programmen bereits mit, Sie finden sie im Ordner x:\windows\system32. Hangeln Sie sich im Öffnen-Dialog dorthin durch und sortieren Sie die Ansicht durch Klicken auf den Spaltenkopf „Typ“. So finden Sie viele der üblichen Kommandozeilen-Werkzeuge, etwa den Partitionierer Diskpart [8], bcdedit zum Bearbeiten des BCD-Stores des Bootmanagers, bcdboot zum Erzeugen eines neuen Bootloaders, takeown und icacls zum Konfigurieren von NTFS-Zugriffsrechten und vieles mehr. Eine Beschreibung der Programme blendet der Öffnen-Dialog ein, wenn Sie als zusätzliche Spalte „Dateibeschreibung“ auswählen.
Wenn auf dem internen Laufwerk eine Windows-Installation vorhanden ist, können Sie versuchen, von dort Programme zu starten: Falls osk.exe da ist, können Sie so auf Touch-fähigen Geräten sogar eine Bildschirmtastatur einblenden. Rechnen Sie aber damit, dass vieles kommentarlos nicht startet oder aber nach dem Start nichts Sinnvolles macht. Die Datenträgerbereinigung Cleanmgr.exe beispielsweise startet zwar, vermag auf dem internen Laufwerk aber lediglich den Papierkorb zu leeren. Ein Wort der Warnung auch zu Microsofts Malicious Software Removal Tool MRT.exe: Es startet zwar und über eine „vollständige Überprüfbarkeit“ lassen sich alle Laufwerke untersuchen, doch wenn der Verdacht auf Schädlingsbefall besteht, sind auf dem internen Laufwerk installierte Scanner grundsätzlich nicht mehr vertrauenswürdig, weil viele Schädlinge diese zuerst angreifen.
Netzwerkverbindung herstellen
Sie können mit Windows PE eine Netzwerkverbindung herstellen, um zum Beispiel Daten auf ein NAS zu kopieren. Voraussetzung ist allerdings, dass eine Netzwerkverbindung per Kabel vorhanden ist – WLAN wird nicht unterstützt. Zum Herstellen der Verbindung reicht ein einziger Befehl:
wpeutil initializenetwork
Der Befehl meldet anschließend nur kurz „Der Befehl wurde erfolgreich ausgeführt“. Welche IP-Adresse der PC vom Router zugewiesen wurde, können Sie mit ipconfig abfragen. Auf einen anderen PC zugreifen können Sie wie üblich per UNC-Pfad-Angabe: \\server\freigabe. Alternativ können Sie auch die IP-Adresse verwenden.
Standardmäßig ist auch die Firewall aktiviert, weshalb zum Beispiel PE nicht auf Ping-Anfragen von anderen Rechnern antwortet. Falls die Firewall aus irgendwelchen Gründen stört, können Sie sie mit wpeutil disablefirewall deaktivieren, danach antwortet PE auch auf Ping-Anfragen. Zum Reaktivieren der Firewall dient der Befehl wpeutil enablefirewall.
Netzlaufwerk verbinden
Ein weiterer Befehl verbindet eine Freigabe auf einem Server oder NAS so, dass sie anschließend als Laufwerk mit eigenem Laufwerksbuchstaben eingebunden ist:
net use s: \\server\freigabe
Das verbindet den Ordner „freigabe“ vom Rechner „server“ (oder einer IP-Adresse) mit dem Laufwerksbuchstaben „s“ unter PE – passen Sie alles an Ihre Umgebung an. Sie können auch die Admin-Freigaben des anderen Rechners nutzen (siehe Seite 156). Wenn für die Verbindung Nutzername und Passwort erforderlich sind, werden Sie danach gefragt. Obacht: Wenn Sie das Passwort eintippen, erscheint keinerlei Ausgabe, nicht mal Sternchen. Das ist normal. Tippen Sie also einfach das Passwort ein und bestätigen Sie mit Enter, danach geht es weiter.
Treiber nachinstallieren
Wenn die Netzwerkkarte mangels Treiber nicht funktioniert, können Sie den nachinstallieren. Voraussetzung ist allerdings, dass ein Installationspaket vorhanden oder irgendwie herunterladbar ist, in dem eine Datei mit der Endung .inf steckt. Ob der Treiber vom Hersteller des PCs oder von dem der Netzwerkkarte kommt, ist ausnahmsweise erst mal egal: Wenn der Treiber wider Erwarten nicht funktionieren sollte, reicht ja ein simpler Neustart, um alle Änderungen zu verwerfen und PE wieder in den Ursprungszustand zu versetzen.
Sofern der Treiber als Zip-Archiv zur Verfügung steht, stehen die Chancen gut: Entpacken Sie es auf einem funktionierenden Rechner und kopieren Sie es auf einen USB-Stick. Suchen Sie im entpackten Archiv nach der inf-Datei und merken Sie sich den Pfad. Stöpseln Sie den Stick an PE und suchen Sie mit dem Öffnen-Dialog von Notepad den Laufwerksbuchstaben heraus. Nun geht es in der Eingabeaufforderung weiter, passen Sie den Pfad an. Er muss konkret angegeben sein, Platzhalter sind nicht erlaubt:
drvload e:\Treiber\Treiber.inf
Falls der Hersteller nur eine ausführbare Datei zum Download bereitstellt, können Sie versuchen, ob diese sich mit 7-Zip entpacken lässt (https://7-zip.org).
Bitlocker aufschließen
Wenn Festplatte oder SSD mit der Windows-eigenen Laufwerksverschlüsselung Bitlocker geschützt sind, muss man sie erst entsperren, bevor man auf sie zugreifen kann. Auch das gelingt mit einem Kommandozeilenbefehl. Identifizieren Sie aber zuerst wie oben beschrieben mit dem Öffnen-Dialog von Notepad das geschützte Laufwerk und merken Sie sich den Laufwerksbuchstaben. Dann geht es in der Eingabeaufforderung weiter:
manage-bde -unlock c: -pw
Ersetzen Sie c: durch den Laufwerksbuchstaben des Bitlocker-geschützten Laufwerks. Lassen Sie sich nicht davon irritieren, dass beim Eingeben des Kennworts weder Buchstaben noch Sternchen noch sonstwas angezeigt werden. Bestätigen Sie das Kennwort mit Enter. Alternative Mechanismen für das Entsperren liefert bei Bedarf der Aufruf manage-bde -unlock c: -? .
BIOS oder UEFI?
Wer mit PE beispielsweise die Festplatte neu partitionierten will, muss dafür mitunter wissen, ob der PC im BIOS- oder UEFI-Modus gestartet wurde, weil davon abhängt, ob das Laufwerk das MBR- oder das GPT-Partitionierungsschema braucht. Auch diese Information lässt sich unter Windows PE herausfinden. Sofern sich auf der Festplatte oder SSD eine Windows-Installation befindet, geht das sogar recht komfortabel. Öffnen Sie einfach wie oben beschrieben per Rechtsklick/Öffnen die Datei „msinfo32.exe“, die sie auf dem Laufwerk mit der Installation im Ordner Windows\System32 finden. Es öffnet sich das Programm „Systeminformation“, in dem Sie die gesuchte Info auf der rechten Seite in der Zeile „BIOS-Modus“ finden. Entweder steht dort „UEFI“ oder aber „Vorgängerversion“, womit der BIOS-Modus gemeint ist.
Sie kommen an diese Information aber auch, wenn die Festplatte keine Installation enthält. Tippen Sie dazu nacheinander folgende zwei Befehle in die Eingabeaufforderung:
wpeutil updatebootinfo
regedit
Der erste Befehl veranlasst PE, einige Informationen über den Bootvorgang in die PE-eigene Registry zu schreiben, der zweite öffnet den Registry-Editor. Hangeln Sie sich darin zum Schlüssel HKEY_LOCAL_MACHINE\System\CurrentControlSet\Control durch. Wenn der Wert des Eintrags „PEFirmwareType“ auf „1“ steht, wurde im BIOS- beziehungsweise CSM-, bei einer „2“ hingegen im UEFI-Modus gebootet.
Merkliste
Einer der unbestreitbaren Nachteile von PE ist, dass es so überhaupt nicht selbsterklärend ist. Und wer will sich die ganzen Befehle, Parameter und Optionen schon alle merken? Brauchen Sie auch nicht, denn wenn Sie sich einmal mit dem Bedienkonzept von PE vertraut gemacht haben, reicht es letztlich aus, sich nur ganz wenig zu merken. Zuerst mal als Suchbegriff für die Suchmaschine den Namen Media Creation Tool, damit Sie bei Bedarf das Microsoft-Programm zum Erzeugen eines aktuellen PE-Stick oder einer -DVD finden. Dann die Tastenkombination Umschalt+F10 zum Aufrufen von Eingabeaufforderungen. Des Weiteren der Öffnen-Dialog, der als Explorer-Ersatz dient, wenn Sie die Anzeige auf Alle Dateitypen umstellen.
Das letzte, was Sie sich zudem noch merken müssen, ist der Ordner x:\windows\system32, denn darin finden Sie die Programme, und zwar auch die, die hinter den hier genannten Befehlen wie wpeutil, ipconfig, manage-bde und so weiter stecken. Wenn Sie etwa die genaue Schreibweise des Befehls wpeutil vergessen haben, schauen Sie einfach die Anwendungen im Öffnen-Dialog durch. Die Dateibeschreibung, hier „WinPE Utilities (Consol)“, hilft zusätzlich beim Identifizieren.
Erst recht nicht merken müssen Sie sich die Optionen und Parameter der Programme und Befehle, denn die können Sie unter PE einfach nachlesen. Dazu tippen Sie in der Eingabeaufforderung den Befehl gefolgt von /? ein. Dann erscheint die Hilfe, die nicht nur alle Optionen und Parameter erklärt, sondern oft auch mit Beispielen aufwarten kann. (axv@ct.de)