Private Public Viewing
Sechs lichtstarke Beamer für draußen
Wer die Fußball-WM unter freiem Himmel auf großer Leinwand genießen möchte, braucht einen Projektor. Wir haben sechs helle Beamer auf ihre Eignung fürs Open-Air-Kino getestet.
Lichtstarke Projektoren sind für das anstehende Fußball-Event ebenso interessant wie für die nächste Gartenparty oder den 80sten Geburtstag von Onkel Erwin. Auch Gamer haben Spaß an einer lebensgroßen Darstellung der Akteure und Straßen im Maßstab 1:1. Selbst wenn die Geräte nicht explizit fürs Heimkino gedacht sind, kann man mit ihnen den Lieblingsfilm schauen und besser genießen als am kleinen Fernsehschirm oder gar am Tablet-Display. Und nicht zuletzt empfehlen sich die lichtstarken Beamer für den professionellen Einsatz.
Wir haben uns für diesen Test sechs preiswerte Beamer mit mindestens 3000 Lumen Lichtstärke für 360 bis 620 Euro ins Labor geholt. Fünf der Geräte haben Full-HD-Auflösung mit 1920 × 1080 Pixeln: Acers H6521BD, der BenQ MH550, der EB-U05 von Epson, Optomas HD143X und der PJD7720HD von Viewsonic. Außerdem haben wir mit dem Viewsonic PA503W ein lichtstarkes Gerät mit der geringeren HD-Auflösung (1280 × 800 Pixel) ins Testfeld aufgenommen. Er kostet nur 360 Euro und ist attraktiv für Fußballfans, die sich spontan für den Kauf eines Beamers entscheiden, beispielsweise um die WM mit Freunden in der Gartenlaube zu feiern. Im Grunde ist die geringere HD-Auflösung nicht mehr zeitgemäß und wer aufmerksam hinschaut, bemerkt auch den Unterschied zu Full HD. Für das Fußball-Event ist das aber eher unkritisch. Als wir einige Leute ins Labor baten und zur Bildqualität befragten, beurteilten die meisten vor allem die Farbwiedergabe und den Kontrast – und störten sich nicht an der etwas weniger scharfen Darstellung.
Mehr Licht, mehr Lärm
In unseren Messungen bestätigte sich, was wir befürchtet hatten: Die reale Lichtstärke fiel um bis zu 30 Prozent niedriger aus als von den Herstellern angegeben. Einzig Epson lag mit seinen Angaben unter den tatsächlichen Werten der hellsten Einstellung: statt der spezifizierten 3400 Lumen erreichte der LCD-Projektor in unseren Messungen knapp 3700 Lumen. Damit war er der lichtstärkste Beamer im Test, gefolgt von Viewsonics HD-Beamer PA503W. Dass letzterer ziemlich hell ist, hat er auch seiner geringeren Auflösung zu verdankten: Jedes der eine Millionen Spiegelchen auf dem DLP-Chip hat eine etwas größere Fläche als in den Full-HD-Varianten mit ihren zwei Millionen Spiegelchen. Dadurch können sie mehr Licht der Beamer-Lampe zur Projektionsoptik leiten.
Fürs abgedunkelte Wohnzimmer bringen alle Projektoren ein ausreichend helles Bild zustande. Doch schon im hellen Wohnzimmer sollten mindestens 800, besser 1000 Lumen auf die Leinwand kommen. Wer draußen projizieren will, muss sich ein schattiges Plätzchen suchen und braucht selbst dort mindestens 2500 Lumen.
Mit dem Lichtstrom steigt auch die Lautstärke der Projektoren: Die heiße Lampenluft muss ein Lüfter aus dem kleinen Gehäuse transportieren, damit Lampe und Elektronik keinen Hitzetod sterben. Die Lüfter pusten die Luft lautstark raus, viele erzeugen nebenbei Laufgeräusche in Form von mehr oder weniger nervigem Summen und Pfeifen. Beim bejubelten Fußballevent stört das meist nicht weiter, während eines ruhigen Kinoabends kann das aber nerven. Wer den Beamer auch zum Videoschauen nutzen will, sollte dies berücksichtigen. Wir haben in der Tabelle die gemessene Lautstärke für den hellsten Modus und einen fürs Kino geeigneten lampenschonenden Betrieb angegeben.
Wie laut Zuschauer die Geräuschkulisse wahrnehmen, hängt auch vom Sitzabstand und der Position zum Beamer ab: Alle sechs Kandidaten pusten die heiße Lampenluft nach vorn aus dem Lüftungsgitter, da sitzt man besser hinter dem Gerät.
Regenbogen
Epson nutzt LCD-Technik mit drei Projektionschips für rote, grüne und blaue Teilbilder; in den fünf DLP-Modellen steckt je ein DLP-Chip. Die Farben werden dabei mit einem schnell drehenden Farbrad vor dem Chip erzeugt. Die drei Teilbilder fallen nacheinander auf die Leinwand und nur weil unser Auge so träge ist, nehmen wir sie als ein ganzes Bild wahr. Aus den Augenwinkeln sehen wir allerdings auch sehr schnelle Bewegungen.
Zum Kasten: Tipps für die Outdoor-Projektion
Das hat seinen Ursprung im Fluchtreflex: Um zu überleben, musste der Steinzeitmensch sich nähernde Objekte frühzeitig aus den Augenwinkeln bemerken. Deshalb sehen viele Zuschauer bei DLP-Projektoren den sogenannten Regenbogeneffekt, bei dem die drei Teilbilder in ihre Einzelkomponenten zerfallen und so vor allem an kontrastreichen Objektkanten rote, grüne und blaue Blitzer entstehen. Weil sich die Farbräder in den Geräten inzwischen viel schneller drehen als noch vor einigen Jahren, ist der Effekt nicht mehr ganz so ausgeprägt. In unserem Test fiel er uns etwas stärker bei den Geräten von Acer und BenQ auf.
Aufgestellt
Bei der Aufstellung eines Projektors gibt es einiges zu bedenken. So muss die Optik zum geplanten Betrachtungsabstand passen. Der Abstand zur Leinwand ergibt sich aus der Größe des Projektionschips und dem Objektiv des Beamers: Für kleinere Chips kommen üblicherweise weitwinkligere Objektive zum Einsatz, damit das projizierte Bild aus dem üblichen Abstand von etwa drei Metern ausreichend groß ist. Wir geben in der Tabelle den Mindestabstand für ein zwei Meter breites Bild an. Weil die Bildgröße immer proportional zum Projektionsabstand ist, kann man die genannten Daten leicht auf die eigenen Platzverhältnisse übertragen – für die doppelte Bildbreite braucht man die doppelte Projektionsentfernung (ohne Berücksichtigung des optischen Zoom). Wir haben die Entfernungen selbst gemessen; wenn Sie Werte aus Datenblättern nutzen, verplanen Sie nie die letzten Zentimeter – die tatsächlichen Werte weichen oft um einige Prozent davon ab.
Ein Projektor mit einem großen Zoombereich schafft Bewegungsfreiheit: Man kann ihn vor die Zuschauer stellen – nichts nervt mehr, als wenn ständig Leute durch den Projektionsstrahl laufen. Unsere Testgeräte bieten hier mit 1,1-fach- beziehungsweise 1,2-fach-Zoom beim Epson nur wenig Spielraum.
Wenn der Beamer einen Lensshift mitbringt oder zumindest eine Trapezkorrektur, kann man ihn auch seitlich oder oberhalb der Leinwand platzieren. Mit einem Lensshift lässt sich das Bild auf der Leinwand verschieben, ohne dass man den Beamer bewegen muss, was auch eine seitlich versetzte Platzierung zur Leinwand erlaubt. Solche Komfortfunktionen findet man allerdings erst in höheren Preisklassen – die Geräte dieses Tests haben keinen Lensshift.
Die sogenannte Trapezkorrektur braucht man, wenn das Gerät bei der Projektion leicht nach oben oder unten gekippt wird: Sie korrigiert die trapezförmigen Verzerrungen, die dabei entstehen. Allerdings ist die Korrektur digitaler Natur, verschlechtert also das Bild ein wenig, weshalb man sie möglichst sparsam einsetzen sollte. Die DLP-Projektoren unseres Tests erlauben nur eine vertikale Trapezkorrektur, Epson korrigiert auch kleine seitliche Verzerrungen.
Im Kasten auf Seite 99 haben wir ein paar Tipps zusammengefasst, die Sie bei der Aufstellung im Grünen beachten sollten.
Jämmerliche Töne
Die Sound-Qualität der meisten Projektoren ist den Namen nicht wert: Sie klingen jämmerlich und taugen allenfalls für kurze Videoschnipsel. Für einen langen Film oder die mitreißende Wiedergabe der Fußballspiele sollte man unbedingt einen aktiven externen Lautsprecher anschließen. Das geht über den eingebauten Audioausgang und noch besser über die Stereoanlage zwischen Beamer und Receiver. Einzig Epsons EB-U05 und der Full-HD-Projektor PJD7720HD von Viewsonic bringen von sich aus etwas Wumms und eine ordentliche Sprachverständlichkeit zustande; die anderen vier Geräte sind viel zu leise.
Die Menüs zur Steuerung des Beamers sind für Laien oft schwer verständlich, weil sich darin etliche kryptische Bezeichnungen und Abkürzungen finden. Deshalb sind sinnvolle Bildpresets sehr hilfreich. Wir mussten im Test bei fast allen Geräten ausgehend vom hellsten Bildpreset manuelle Optimierungen vornehmen, insbesondere um die Farben zu verbessern. Nur ein Kandidat, Viewsonics Full-HD-Beamer PJD7720HD, überraschte uns im Kino-Betrieb ohne weitere Eingriffe mit einer ausgewogenen Darstellung. Den Optoma HD143x haben wir dagegen erst zu schätzen gelernt, nachdem wir seine Voreinstellungen mühevoll korrigiert hatten – mühevoll auch deshalb, weil seine IR-Diode für die Kommunikation mit der Fernbedienung ungünstig auf dem Gerätedeckel liegt und nur sehr unzuverlässig reagierte. Immerhin hat seine Fernbedienung beleuchtete Tasten, was vor allem im dunklen Heimkino extrem hilfreich ist.
Fast alle Geräte im Test sind 3D-fähig, nur BenQ hat beim MH550 von 3D abgesehen. Allerdings braucht man für die dreidimensionale Darstellung passende Shutterbrillen, die man zusätzlich kaufen muss. Weil es uns in diesem Bericht um die WM ging – die nicht in 3D gezeigt wird –, haben wir die 3D-Funktionen nicht getestet.
Wer den Projektor auch für Präsentationen nutzen will, sollte auf die Eingänge achten: Neben dem digitalen HDMI-Port kann ein analoger VGA-Eingang hilfreich sein. Damit spart man sich einen VGA-Adapter für Anwender mit älteren Notebooks ohne HDMI-Ausgang. Ein Composite-Eingang erlaubt den schnellen Anschluss älterer Videokameras. Projektoren wie der Optoma HD143X bieten diesbezüglich wenig Spielraum. Immerhin bringt er außer zwei HDMI-Eingängen einen USB-Port mit. Darüber kann man einen HDMI-Streaming-Client mit Strom versorgen und so das externe Netzteil erübrigen.
Fazit
Wer Spaß am großen Bild hat und einen günstigen Projektor für die Fußball-WM sucht, ist mit allen Geräten dieses Tests nicht schlecht beraten. Die Beamer von Acer und Epson sowie Viewsonic PA503W bringen das meiste Licht auf die Leinwand. Optoma haderte ein bisschen mit den Farben: Wer weiß, wie die Trikots der Brasilianer aussehen, bemerkt den leichten Stich ins Orange sofort. Interessanterweise bekommt er Hautfarben trotzdem gut hin. Dem HD-Modell von Viewsonic gelingt das nicht ganz so gut: Er versieht Gesichter mit einem leichten Gelbstich. Doch weil seine Projektion insgesamt sehr kontraststark ist, kann man fast darüber hinwegsehen. Noch mehr Punch zaubert der Epson EB-U05 ins Bild: Hier wirkt alles strahlend, die Farben bleiben satt und leuchten – vielleicht ein bisschen viel, aber das ist zumindest bei der Draußen-Projektion besser als zu wenig.
Leider taugt der Epson-Projektor überhaupt nicht fürs Heimkino: Wer eine Nachnutzung im Wohnzimmer plant, lässt besser die Finger vom EB-U05: Er ist entschieden zu laut und sein Schwarzwert viel zu hell. Das machen Acers H6521BD und Optomas HD143X besser: Beide bleiben unter einem Sone, haben einen akzeptablem Schwarzwert und taugen am ehesten als Kompromiss für Heimkino und Fußball. (uk@ct.de)