c't 11/2018
S. 42
Test
Tablet mit Stift
Aufmacherbild

Stiften gehen

Apple iPad 9.7 (2018) mit Stiftunterstützung

Ein deutlich schnellerer Prozessor und die vom iPad Pro übernommene Stiftunterstützung machen die sechste Generation des Apple iPad aus. Sie geben dem Standard-iPad nach Jahren der Stagnation endlich wieder einen Sinn.

Noch nie war es billiger, ein neues iPad zu kaufen. Bereits ab 350 Euro ist das iPad der sechsten Generation zu haben und damit für 50 Euro weniger als der Vorgänger. Obendrauf gibt es nun auch Unterstützung für den Apple Pencil, der bislang den beiden mindestens doppelt so teuren iPad Pro vorbehalten war.

Apple ist aber nicht plötzlich besonders großzügig geworden, Absicht ist vielmehr, neue Zielgruppen zu erschließen. Schülern und Studenten versucht man das iPad als Computer schmackhaft zu machen. Die Android-Konkurrenz geht diesen Weg schon länger, überzeugte dabei aber bisher mangels Unterstützung von Google und den App-Entwicklern nicht recht. Das Samsung Galaxy Tab S3 und das Huawei MediaPad M5 Pro als die wenigen Konkurrenten auf Augenhöhe haben zudem ein weiteres Problem: Sie sind mit über 500 Euro teurer als das iPad, aber nicht unbedingt besser ausgestattet.

Wer mehr als nur die Basisvariante des iPad (2018) möchte, muss dann aber doch tief in die Tasche greifen. Für 90 Euro mehr gibt es 128 statt den knappen 32 GByte Flash-Speicher, LTE kostet 130 Euro mehr. So sind 580 Euro für den Maximalausbau fällig. Dazu kommen happige 100 Euro für den Stift. Nur Logitech hat bisher einen zum Apple-System kompatiblen Stift entwickeln dürfen, doch der halb so teure Crayon wird vorerst nicht an Privatkunden vertrieben. Alternativen arbeiten in der Regel nur mit wenigen Apps zusammen. Eine eigene Tastatur bietet Apple nicht fürs neue iPad an, von Drittanbietern gibt es aber passende Bluetooth-Tastaturen, teilweise auch als Hülle.

Außen alt, innen Stift

Äußerlich hat sich erneut nichts getan, das iPad (2018) ist ein iPad – in einem gefälligen, aber sattsam bekannten Design und einer hervorragenden Verarbeitung. Mit 470 Gramm Gewicht und 7,5 Millimetern Dicke muss es dem Tab S3 oder auch dem alten iPad Air 2 in Sachen Handlichkeit den Vortritt lassen. Wieder mit dabei ist die mechanische Home-Taste samt integriertem Fingerabdruckscanner.

Tabelle
Tabelle: Apple iPad (2018)

Beim Display hat sich ebenfalls nichts geändert. Mit 265 dpi Pixel ist es scharf genug zum Lesen und die Hintergrundbeleuchtung reicht mit 460 cd/m2 für den Einsatz bei hellem Tageslicht aus. Doch Kontrast und Farbraum (nur sRGB) beeindrucken nicht. Für kräftigere Farben bei Filmen und Fotos, Zusätze wie den ans Umgebungslicht angepassten Weißpunkt (True Tone) und ein weniger stark reflektierendes Display muss man zur Pro-Version greifen.

Die Stifteingabe ist hingegen identisch gut wie beim iPad Pro. Unterschiede in der Präzision konnten wir nicht feststellen. Beim ersten Ansetzen dauerte es hin und wieder einen kurzen Moment, bis die Eingabe erschien, ansonsten folgte die Ausgabe auf dem Display exakt dem Stift. Kreativ austoben kann man sich dank Druckstufen und Neigeerkennung. Die Unterscheidung von Stift und Finger arbeitete tadellos und verhinderte zuverlässig lästige Fehleingaben. Durch den etwas größeren Abstand zwischen Displayglas und LCD fühlt sich die Eingabe nicht so unmittelbar wie bei den iPad Pro an.

Dem Apple Pencil selbst fehlt es weiter ein wenig an Griffigkeit, er fühlt sich ansonsten aber sehr ausgewogen an. Geladen wird der Stift über einen Lightning-Stecker, der sich hinter der Kappe am Ende des Stifts verbirgt. Er wird vorzugsweise direkt ins iPad gesteckt, was nur praktikabel ist, wenn man das iPad derweil nicht benutzt. In der Packung des Pencil steckt noch ein kleiner Adapter, um den Stift auch über Netzteil und Kabel zu laden. Eine Möglichkeit, ihn am Tablet oder an der optionalen Hülle zu befestigen, gibt es nicht – er muss lose in der Tasche mitreisen.

Erweitert hat Apple die Stiftunterstützung in den eigenen Apps, so sind zum Beispiel bei Pages nun handschriftliche Anmerkungen möglich. Auch wenn das Multitasking nicht mit Mac oder PC vergleichbar ist, funktioniert die zweigeteilte App-Ansicht und die Möglichkeit, schnell eine weitere App links oder rechts als Überlagerung einzublenden, sehr gut. Handschriftlich ein paar Stichpunkte oder kleine Scribbles in den Notizen abzulegen, während man die Haupt-App nicht verlassen muss, klappt erstaunlich gut.

Tritt aufs Gas

Android-Konkurrenten wie das Samsung Galaxy Tab S3 haben sich schon an der Performance des 2017er iPad die Zähne ausgebissen, die aktuelle Ausgabe legt die Messlatte noch einmal deutlich höher. Apple nutzt als SoC den hauseigen A10 Fusion, der schon seit 2016 im iPhone 7 zum Einsatz kommt. Er legt im Vergleich zum Vorgänger je nach CPU-Benchmark um 40 Prozent zu und ist nun doppelt so schnell wie die CPU im Galaxy Tab S3, wenn nur ein Kern zum Einsatz kommt. Das iPad kann zwar nur zwei Kerne gleichzeitig nutzen, dennoch rechnet es damit immer noch schneller als Android-Tablets mit bis zu acht Kernen. Kräftig zugelegt hat auch die Grafikleistung, bis zu 50 Prozent mehr sind drin.

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Tabelle: Benchmarks

Der Abstand zu den iPad Pro ist damit zwar geschmolzen, die aber mit einem CPU-Kern mehr und noch mal erheblich schnellerer Grafik den Mehrpreis rechtfertigen. Im normalen Betrieb wird man jedoch keinen Leistungsunterschied feststellen: Auch dank des nun flotteren Flash-Speichers sind Apps rasend schnell geladen und es hakt nichts, egal ob nur eine oder bis zu drei Apps parallel auf dem Bildschirm laufen. Die Mehrleistung wird allenfalls im Grenzbereich benötigt, wenn Videoschnitt und professionelle Bildbearbeitung den SoC mit großen Datenmengen belasten.

Den Akku lässt Apple unverändert, er ist mit 32,9 Wattstunden vergleichsweise groß. Obwohl der A10 auf zwei sparsame Kerne zurückfallen kann, bleiben die Laufzeiten nahezu identisch und pendeln sich bei immer noch sehr guten elf Stunden im Video- und WLAN-Test ein.

Tablet-typisch knipst die rückwärtige Kamera zwar ordentliche Bilder, die aber allenfalls den Schnappschüssen von Mittelklasse-Smartphones Paroli bieten können. Besonders drinnen gerät der 8-Megapixel-Sensor an seine Grenzen. Die Software reduziert das Rauschen zurückhaltend, Details werden jedoch sichtbar matschig.

Ganz gut klingen auch die beiden Lautsprecher an der kurzen Seite, doch sie liegen zu nah beieinander für einen Stereoeffekt, sind im Querformat schnell von der Hand verdeckt, und bei Filmen nervt die Ausgabe auf nur einer Seite. Für die Abendunterhaltung im Bett sind iPad Pro und Galaxy Tab S3 mit vier Lautsprechern angenehmer.

Fazit

Das iPad (2018) ist derzeit das beste Angebot auf dem Tablet-Markt, auch dank der Einpflanzung einiger iPad-Pro-Gene. Zu einem attraktiven Startpreis ist das Tablet schneller als die versammelte Android-Konkurrenz, bietet mit der Stiftunterstützung endlich einen echten Mehrwert gegenüber den Vorgängern und erfüllt die Standards unspektakulär, aber gut genug. Mit Android geht es zwar immer noch billiger, dann aber auch deutlich schlechter. Zumal Apple weiterhin mit regelmäßigen Updates und besserem App-Support wuchern kann.

Das mindestens 730 Euro teurere iPad Pro bietet von allem noch ein bisschen mehr: Das Display ist in vielen Belangen zum Arbeiten attraktiver, die Laufzeiten sind länger und die Leistungsreserven größer. Doch wer nur hin und wieder ein Tablet braucht, dem reicht das Vernunft-iPad.

Als Unterrichtsbegleiter ist das iPad (2018) immer noch teuer, zumal Apple für sinnvolle Extras wie mehr Speicher und den Stift ordentlich Aufpreis verlangt. Ohne die und eine zusätzliche Tastatur verpuffen wiederum viele der interessanten Neuerungen. (asp@ct.de)