Alles, was muss
Drei Mittelklasse-Smartphones von Blackberry, Huawei und Motorola
Den kleinen Luxus wie hochauflösende Displays, MicroSD-Slots oder Schnellladegeräte bieten schon einige günstige Smartphones. Wenn man keine Spitzenfotos erwartet und ab und zu ein paar Millisekündchen auf den Prozessor warten kann, bekommt man für wenig Geld ein gutes Smartphone.
Ein Smartphone aus der Mittelklasse sollte natürlich alltagstauglich sein. Wir verstehen darunter eine Mindestausstattung von 3 GByte Hauptspeicher, 32 GByte Flash-Speicher und bei Display-Diagonalen ab 5 Zoll 1920 × 1080 Punkte. Aus dem riesigen Angebot haben wir uns drei aktuelle Smartphones herausgesucht. Trotz ähnlicher Ausstattung liegen sie preislich weit auseinander.
Das Motorola Moto G6 gibt es für 250 Euro, das Huawei P20 lite für 330 Euro und das Blackberry Motion für 420 Euro. Den robustesten Eindruck hinterlässt das Blackberry mit Metallgehäuse, mechanischer Home-Taste und griffiger, gummierter Rückseite. Mit seinen breiten Displayrändern ist es aber auch das klobigste der drei. Dank schmalerer Rahmen vor allem oben und unten kommt das Huawei eleganter und kompakter daher. Trotz Plastikgehäuse wirkt es nicht billig. Unspektakulär dazwischen Motorola: weder robust noch elegant, bestenfalls zweckmäßig.
Display, Laufzeit, Kamera
Die drei Displays bieten ähnliche Kontraste und Farben. Alle drei leuchten für direktes Sonnenlicht hell genug, erreichen die maximale Helligkeit aber nur im Automatikmodus. Das breiteste Display und die größte Nutzfläche hat das Blackberry, weil es keine Steuerknöpfe einblendet. Die lassen sich bei Huawei und Motorola zwar ausblenden, aber nur das Moto G6 bleibt dann mit Wischgesten auf dem Fingerabdrucksensor komfortabel zu bedienen; es hat dann die gleiche Nutzfläche wie das Motion.
Das Blackberry Motion erreichte in unserem Test dank starkem Akku sehr lange Laufzeiten, mit denen es sich auch vor teureren Langläufern nicht verstecken muss. Das Moto G6 lag im Mittelfeld, das P20 lite hinkte den überragenden Laufzeiten seines Namensvetters P20 weit hinterher und bringt Vielnutzer möglicherweise nicht über den Tag. Die allen dreien beiliegenden Schnellladegeräte füllen sie in rund zwei Stunden wieder auf.
Die Kamera des Moto G6 nimmt für ein 250-Euro-Handy brauchbare Fotos mit guten Farben und Details sowie vertretbarem Rauschen auf. Das P20 lite scheint die potenziell bessere Kamera zu haben, neigt aber im Hellen zum Überbelichten mit absaufenden Höhen und im Dunkeln zu starkem Rauschen. Wer viel Geduld in die Einstellungen der überladenen Kamera-App oder in die Nachbearbeitung der optionalen Raw-Fotos steckt, mag zu besseren Ergebnissen als beim G6 kommen. Beide brauchen im Dunkeln manchmal ein paar Sekunden zum Auslösen. Sie haben eine zweite Kamera, mit der sie ansehnliche Porträt-Aufnahmen mit künstlichem Bokeh hinbekommen.
Das Blackberry fällt dagegen zurück: Auch bei gutem Licht saufen die Schatten ab und es treten Farbverfälschungen an Kanten auf; bei schlechtem Licht gehen Details aufgrund übermäßiger Rauschunterdrückung flöten.
Alle drei können die Kamera starten, wenn das Gerät im Standby ist, Blackberry per Doppeltipp auf den Einschalter, Huawei per Doppeltipp auf Leise, Motorola per Drehbewegung im Handgelenk.
Innereien
Die LTE-Modems aller Testkandidaten funken in den hierzulande hauptsächlich genutzten Bändern 3, 7, 20 und dem auf dem Land verstärkt eingesetzten Band 8 (LTE900). Das Blackberry ist dank Unterstützung für die Bänder 28 (700 MHz, ehemals DVB-T) und 32 (1500 MHz, punktuell Vodafone) auch für die Zukunft gerüstet. Die in Ballungszentren zunehmend nutzbare Trägerbündelung fehlt dem Moto G6, es ist daher auf 150 MBit/s beschränkt – für die meisten Zwecke mehr als genug. Huawei und Motorola nehmen zwei SIM-Karten auf, was bei zwei Rufnummern oder Verträgen sowie im (außereuropäischen) Ausland nutzt.
Die vier Gigabyte Hauptspeicher des P20 lite und Motion sind zeitgemäß, auch die drei Gigabyte des Moto G6 verzögern demgegenüber das Umschalten zwischen mehreren Apps nur in wenigen Fällen. Die 32 GByte Flash-Speicher von Blackberry und Motorola werden bei Viel-Installierern oder -Filmern nach einiger Zeit zu knapp. Alle drei Handys nehmen Speicherkarten auf und erlauben, sie als internen Speicher zu formatieren.
Das Moto G6 und das Motion fühlen sich im Alltag nie lahm an; minimale Wartezeiten treten manchmal auf, stören aber nicht. Nur wer High-End-Geräte intensiv nutzt, merkt, dass hier Mittelklasse-Prozessoren arbeiten. Das P20 lite kämpft hingegen manchmal mit leichten Verzögerungen, obwohl es in den Benchmarks gleichauf liegt. Bei allen dreien lohnen sich regelmäßige Blicke, welche CPU- und Akku-hungrigen Hintergrunddienste man abschalten könnte. In 3D-Spielen liegen die drei sehr nah beieinander im Mittelfeld.
Fazit
Alle drei Smartphones sind mit guter Ausstattung und ausreichender Geschwindigkeit dem Alltag gewachsen. Am meisten schränkt man sich beim Huawei P20 lite ein, das nur mittelmäßige Laufzeiten bietet und sich trotz guter Benchmark-Ergebnisse in manchen Situationen lahm anfühlt. Immerhin ist es das leichteste und kompakteste Handy im Test und kommt mit 64 GByte Speicher.
Das Blackberry Motion kostet am meisten und bietet dafür eine erstklassige Laufzeit, IP67-Robustheit, zukunftssichere LTE-Bänder und eine mechanische Home-Taste. Es knipst allerdings die unansehnlichsten Fotos im Test, hat keinen zweiten SIM-Slot – und Blackberry wird dem eigenen Anspruch nicht gerecht, bei Sicherheits-Patches und Android-Updates ganz vorne dabei zu sein.
Dass das Motorola Moto G6 das billigste im Testfeld ist, merkt man nur am kleineren Hauptspeicher und der fehlenden LTE-Trägerbündelung – es hat sogar die seltene Möglichkeit, gleichzeitig eine MicroSD-Karte und zwei SIM-Karten aufzunehmen. (jow@ct.de)