c't 12/2018
S. 64
Test
Aufgabenverwaltung
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Wunderbare Listenwelt

Wie weit ist der Wunderlist-Nachfolger To-Do?

Vor rund einem Jahr stellte Microsoft seine Aufgabenverwaltung To-Do als Preview vor – und die Entwicklung von Wunderlist ein. Noch lässt sich der Vorgänger zwar herunterladen, aber ein Blick auf Microsofts neue Listen-App kann nicht schaden – und sei es nur, um festzustellen, ob man sich eine Alternative sucht.

Die kostenlose Aufgabenverwaltung To-Do bietet Microsoft als UWP-App (Universal Windows Platform App) für Windows 10 und als Web-App für den Browser an. Außerdem gibt es Apps für Android, iOS und Windows 10 Mobile. Wir haben die Web-App getestet, die mit der UWP-App vergleichbar ist. Alle Daten, die man dem Programm anvertraut, landen auf Microsoft-Servern. Dabei besteht – anders als bei Office 365 Deutschland – nicht die Möglichkeit, die Dateiablage auf deutsche Server zu beschränken.

Funktionsumfang

Links zeigt das Programm alle Listen an, mittig die jeweiligen Aufgaben, rechts die Aufgabendetails. Wer Wunderlist nutzt, erkennt das Design sofort, aber auch neue Nutzer finden sich schnell zurecht. Die beiden Standard-Listen „Mein Tag“ und „To-Do“ lassen sich weder umbenennen, noch verschieben oder entfernen. Man kann sie um über 100 eigene Listen ergänzen, deren Anordnung sich jederzeit verändern lässt: Ist ein Thema gerade besonders wichtig, zieht man die betreffende Liste nach oben, wo sie stets im Blick bleibt. Seit dem letzten Update lassen sich jedem Eintrag Teilaufgaben hinzufügen. Dass sich die linke Spalte nicht ausblenden lässt, ist ägerlich, denn sie verschwendet unnötig Platz beim Bearbeiten einzelner Einträge samt zugehöriger Details.

Für den Wechsel von Wunderlist zu To-Do bietet Microsoft ein Import-Tool. Das funktionierte im Test reibungslos. Vorsichtig sein sollte man mit einem wiederholten Import sein. Das Import-Tool erkennt nicht, dass es erneut Daten von einem bereits bekannten Wunderlist-Account mit To-Do zusammenführen soll. Es importiert stumpfsinnig ausgewählte Inhalte und fügt sie als neue Listen ein. Sofern es nur wenige Änderungen in bereits importierten Listen gab, sollte man diese von Hand nachtragen, anstatt dem Werkzeug hinterherzuräumen.

Aufgaben lassen sich nach fünf Kriterien sortieren: Fälligkeitsdatum, Alphabetisch, Erstellungsdatum, Erledigt und „Zu ‚Mein Tag‘ hinzugefügt“. So praktisch es wirkt, so unübersichtlich ist das Ergebnis, denn erledigte Einträge rutschen plötzlich nach oben mitten zwischen die anderen Aufgaben. Wer das verhindern will, muss zunächst die Optionen am rechten oberen Fensterrand öffnen und dort „Erledigte Aufgaben ausblenden“ wählen.

Bisher lassen sich in To-Do – anders als in Wunderlist – keine Listen mit anderen Nutzern teilen. Das ist ärgerlich, da andere Microsoft-Programme gemeinsames Bearbeiten von Dokumenten erlauben, zum Beispiel OneNote. In den Mobil-Apps lassen sich Listen zwar verschicken, dann aber nur als reine Aufzählung der Punkte untereinander. Das eignet sich höchstens, um einen Einkaufszettel an den Partner zu schicken, der diesen ausdruckt und in den Supermarkt mitnimmt – für diesen Zweck gibt es jedoch geeignetere Apps.

Einen ersten, sehr zarten Ansatz zur Verzahnung mit anderen Microsoft-Diensten gibt es aktuell in To-Do: Sobald man ein Fälligkeitsdatum einträgt, schiebt das Programm diesen Eintrag in die Aufgabenliste von Outlook. Das funktioniert auch andersherum: Gibt es bereits Einträge in Outlook, zeigt die App sie unter „To-Do“ an.

Fazit

Tabelle: To-Do

To-Do macht schon einiges richtig: Die aufgeräumte Oberfläche lenkt den Blick aufs Wesentliche; unnötige Spielereien gibt es nicht. Bedenkt man jedoch, dass Microsoft Wunderlist samt Entwicklern übernommen hat und Wunderlist nicht einmal mehr mit Bugfixes versorgt, muss sich der Hersteller die Frage gefallen lassen, warum bisher so wenige Funktionen implementiert wurden und einige noch halbgar wirken. Eine Integration ins Office-365-Universum mit Anbindung an SharePoint, Outlook, Teams, und Planner würde der App guttun und sie zu einem ernstzunehmenden Wunderlist-Ersatz machen. Derzeit eignet sich To-Do lediglich für Nutzer, die ihre Listen ausschließlich alleine verwalten wollen und eine schlanke, plattformunabhängige Aufgabenverwaltung suchen. (apoi@ct.de)