Bustaxis
Sammeltaxis sind ein wichtiger Baustein im Verkehrsmittelmix
Busse und Bahnen sind günstig, bedienen aber nur bestimmte Strecken zu festen Zeiten. Taxen fahren immer und überall, sind aber teuer. In die Lücke dazwischen drängen neue Anbieter mit sogenannten Ride-Hailing-Angeboten.
Moia ist gekommen, um zu bleiben. „Hannover ist die erste Stadt, in der wir ein fester Bestandteil der öffentlichen Mobilität werden wollen“, so Moia-Chef Ole Harms. Nach einem knapp einjährigen Test hat der Ride-Hailing-Dienst von VW in Hannover seinen Regelbetrieb aufgenommen – das heißt, um einen echten Regelbetrieb handelt es sich immer noch nicht, denn dafür fehlen noch die gesetzlichen Grundlagen. Das deutsche Personenbeförderungsgesetz sieht das Ride Hailing (auch Ride Pooling genannt) nicht vor. Laut Koalitionsvertrag will die Regierung aber den rechtlichen Rahmen für Dienste wie Moia schaffen.
Die Funktionsweise von Ride Hailing ist schnell erklärt. Die Fahrzeuge der Moia-Flotte sind je nach Wochentag unterschiedlich lange auf den Straßen unterwegs. Montags etwa fahren sie von 6 bis 24 Uhr, Samstags von 6 bis um 4 Uhr am Sonntagmorgen, sonn- und feiertags fahren die schick ausgebauten T6-Kleinbusse von 9 bis 24 Uhr.
Wer mit Moia fahren will, benötigt die für Android und iOS verfügbare App des Dienstes, in der er eine Kreditkarte für die Bezahlung hinterlegen muss. Per Desktop-Browser lässt sich ein Sammeltaxi nicht buchen. Nachdem der Kunde in der App sein Ziel angegeben hat, zeigt sie ihm an, wie schnell ein Fahrzeug an einer der virtuellen Haltestellen erscheint und wo diese ist. Der gesamte Einzugsbereich von Moia ist mit einem dichten Netz Hunderter dieser Haltepunkte versehen, niemand muss weit laufen. In der App sieht der Kunde, wo sich das gerufene Sammeltaxi befindet.
Der Kleinbus nimmt den Kunden anschließend auf und fährt ihn in die Nähe seines Zieles. Der entscheidende Unterschied zum Taxi: Unterwegs können noch weitere Fahrgäste zusteigen. Die Moia-Software kombiniert die Fahrtenwünsche mehrerer Nutzer, die ungefähr in dieselbe Richtung fahren möchten.
Die Route, die der Fahrer zu fahren hat, wird im On-Board-System immer aktuell angepasst. Ein Moia-Bus nimmt bis zu fünf Passagiere auf. Der Kunde ist also mitunter länger unterwegs als mit einem Taxi. Die vor Fahrtantritt kalkulierten Kosten rechnet der Dienst am Ende der Fahrt über die hinterlegte Kreditkarte ab.
Moia will seine Sammeltaxis außer in Hannover auch in Hamburg fahren lassen; der Betrieb dort soll Anfang 2019 starten. Die VW-Tochter ist nicht der einzige Anbieter eines Ride-Hailing-Dienstes. So drängen auch die Unternehmen Door2Door, CleverShuttle, ioki und Via in die deutschen Städte.
Die Kleinbusse des Start-ups CleverShuttle fahren bereits in Berlin, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart, noch in diesem Jahr sollen Dresden und Frankfurt hinzukommen. Door2Door betreibt seinen Dienst in der niederbayrischen Stadt Freyung und ihrer ländlichen Umgebung im Probebetrieb. Das englische Via hat mit Mercedes-Benz das Joint Venture ViaVan gebildet. ViaVan testet in Berlin den Service Berlkönig und ist offenbar mit mehreren weiteren deutschen Städten im Gespräch, darunter Bremen. Die deutsche Bahn bereitet mit ihrer Mobility-as-a-Service-Tochter ioki ebenfalls einen Ride-Hailing-Dienst vor.
Balance gefragt
Der Start eines Ride-Hailing-Anbieters ist alles andere als ein Selbstläufer. So hat die VW-Tochter mit massivem Widerstand der hannöverschen Taxifahrer zu kämpfen, die sich durch die Moia-Flotte bedroht sehen. Die Stadt Hannover hat deshalb auch nur für 150 Moia-Sammeltaxis eine Erlaubnis erteilt und nicht für die 250 Fahrzeuge, die der Dienstleister eigentlich an den Start bringen wollte.
Im Rahmen eines Panels zum Thema Ride Hailing auf dem Web Summit sagte Miguel Gaspar, der in der Stadt Lissabon für die Verkehrsplanung zuständig ist, dass man die verschiedenen Verkehrsmittel in der Stadt „in der Balance halten“ müsse. Die großen Verkehrsströme etwa würden sich nur mit Bussen und Bahnen bewältigen lassen.
Die Entwicklung der Fahrpreise von Moia zeigt, wie die Balance entsteht: Kostete in der Testphase eine Fahrt auch quer durch die Stadt nur ein paar Cent, bezahlt man mittlerweile deutlich höhere Preise, die sich nach der Tageszeit richten und für viele Fahrten in der Spanne zwischen 5 und 10 Euro liegen. Derart preislich in die bestehende Verkehrsinfrastruktur eingepasst, dürfte sich Ride Hailing auch woanders als passendes Puzzlestück gut ins städtische Verkehrskonzept integrieren lassen. (jo@ct.de)