c't 25/2018
S. 92
Test
Android-Smartphone
Aufmacherbild

Elegantes Spitzen-Handy

Android-Smartphone OnePlus 6T mit Fingerabdruckscanner im Display

Endlich bleibt das Handy zum Entsperren wieder liegen, man legt einfach den Finger aufs Display. Zudem läuft das OnePlus 6T angenehm lange. Schade, dass sich am größten Schwachpunkt nur wenig verbessert.

Um mehr Platz fürs Display zu schaffen, haben viele Hersteller den Home-Knopf abgeschafft und den darin integrierten Fingerabdruckscanner schlecht erreichbar auf die Rückseite verfrachtet. Diesen Kompromiss beendet das OnePlus 6T, hier ist der Scanner ins Display integriert.

Zum Entsperren legt man den Finger auf einen bestimmten Bereich, den das Always-on-Display markiert. Daraufhin britzelt auf dem Bildschirm eine Animation los. Der Scanner braucht ein Sekündchen länger zum Erkennen des Fingers, als man es von den separaten Scannern inzwischen gewohnt ist. Das geht aber immer noch viel schneller, als das Handy aufzuheben und einen rückseitigen Scanner zu ertasten. Leuchtet man bei ausgeschaltetem Display ins Gerät, sieht man die Scannerkamera hinter dem OLED. Bei eingeschaltetem Gerät ist sie nicht zu erkennen.

Wie üblich lassen sich mehrere Finger hinterlegen, etwa der linke Daumen zur einhändigen Bedienung und der rechte Zeigefinger zur zweihändigen.

Das Display – weiterhin ein farbkräftiges OLED-Panel – ist von einem rechts und links drei Millimeter schmalen Rahmen umfasst und oben für die Frontkamera eingebuchtet. Dieser Notch stört durch die starke Rundung und geringe Breite weniger als etwa der viermal breitere des Pixel 3 XL. Die Pixeldichte von 404 dpi reicht, einzelne Pixel oder der OLED-Effekt der fransenden Kanten sind nicht erkennbar.

Kamera

Auf der Rückseite sitzt eine Doppelkamera, bisher der Schwachpunkt der OnePlus-Modelle. Bei gutem Licht nimmt die Kamera ansehnliche Fotos auf, denen allerdings weiterhin Details in den Schatten fehlen. Die Qualität bei schlechtem Licht hat OnePlus gegenüber dem hier unterdurchschnittlichen Vorgänger deutlich verbessert, nun entstehen ganz ordentliche Low-Light-Fotos.

Der Zweitsensor war nur beim OnePlus 5 als Zweifach-Tele ausgelegt, doch seit dem 5T dient er nur der Qualitätsverbesserung und dem künstlichen Unschärfeeffekt. In der Kamera-App gibt es einen Knopf zur zweifachen Vergrößerung, doch der aktiviert nur einen digitalen Zoom, der qualitativ hinter den echten Telesensoren zurückbleibt. Das künstliche Bokeh stellt Objekte weitgehend korrekt frei.

Insgesamt hat das 6T damit eine durchaus gute Kamera, die sich von der Mittelklasse abhebt. Gegenüber dem Vorgänger hat One Plus vor allem die Low-Light-Fähigkeiten verbessert. Doch gegenüber Konkurrenten wie dem Huawei Mate 20 Pro oder Samsung Galaxy S9+/Note 9 fehlen sowohl Qualität als auch der echte Zoom. Auch Einzellinsen-Konkurrenten wie das Google Pixel 3, iPhone XR und auch das inzwischen für rund 400 Euro erhältliche Vorjahresmodell Samsung Galaxy S8 liefern bessere Fotos.

Hardware

Der Snapdragon 845 sorgt nicht nur für hervorragende Benchmark-Ergebnisse, sondern drosselt bei andauernder Belastung weniger als in anderen Handys. Offenbar kühlt OnePlus ihn besser als die Konkurrenz. Die je nach Modell 6 oder 8 GByte RAM beschleunigen nicht die Benchmarks, machen sich aber positiv beim Umschalten zwischen vielen und großen Apps bemerkbar. 128 GByte Flash sind eingebaut, gegen Aufpreis gibt es 256 GByte. Ein MicroSD-Slot fehlt.

Tabelle
Tabelle: Laufzeiten
Tabelle: Benchmarks

Der Akku ist gegenüber dem OnePlus 6 von 3300 auf 3700 mAh gewachsen. Das beschert dem 6T mit die längsten Laufzeiten unter den High-End-Geräten. Die 15 Stunden beim Streaming sind bisher unerreicht; die 9,7 Stunden beim Gaming toppen nur einige iPhones. Zudem lädt das mitgelieferte Netzteil das 6T in einer halben Stunde zur Hälfte auf, in weniger als anderthalb war es voll – Spitzenwerte. Leider lädt das 6T weiterhin nicht drahtlos.

Das 6T steckt wie die Vorgänger in einem schicken, einwandfrei verarbeiteten Gehäuse mit Rückseite aus Glas. Es wirkt flach, liegt mit 8 Millimetern aber im Mittelfeld. Der dreistufige Stummschalter ist weiterhin an Bord. Wasser- oder staubdicht ist das Gehäuse nicht.

Die USB-Buchse entspricht zwar USB-Type-C-Standard, spricht aber weiterhin nur USB 2.0. Einen Monitor kann man daher nicht anschließen. Eine Kopfhörerbuchse fehlt, ein Adapter liegt bei. Der Lautsprecher bringt einen recht klaren Klang mit leichten Bässen, spielt aber weiterhin nur Mono. Hält man das Handy etwa zum Videogucken quer, verdeckt man ihn leicht.

Die Android-Variante OxygenOS erweitert Android 9 um ein paar nützliche Zusatzfunktionen. Beispielsweise kann man die Navigationsleiste ausblenden und durch Gesten ersetzen, die eher vom iPhone als den Pixel-Handys inspiriert sind: Wischen von unten führt zurück zum Home-Screen, Wischen von links entspricht der Zurück-Taste. Sicherheitsupdates liefert OnePlus bislang zuverlässig und schnell, und die Geräte bekommen für lange Zeit Updates. So laufen die mit Android 6 ausgelieferten OnePlus 3 und 3T inzwischen unter Android 8 und sollen das Update auf Android 9 noch bekommen.

Ehemals bekam man die OnePlus-Handys nur per Direktversand aus China, wobei Rechnungen mit ausgewiesener Mehrwertsteuer und Reparaturen teils problematisch waren. Seit einiger Zeit finden Reparaturen in Europa statt und ausgeliefert wird aus EU-Lagern, sodass OnePlus eine EU-Einfuhrumsatzsteuer bezahlt haben sollte. Mittlerweile vertreibt OnePlus auch über Amazon.

Fazit

Tabelle
Tabelle: Android-Smartphone

Das OnePlus 6T bietet sehr viel Spitzengruppen-Feeling, und das für einen recht günstigen Preis – auch wenn der Vorteil mit jedem Modell geringer ausfällt. Die kleineren Schwachpunkte lassen sich dabei kompensieren: die fehlende IP-Zertifizierung durch Vorsicht und Schutzhüllen, der fehlende SD-Slot durch den großen internen Speicher, das fehlende Drahtlosladen durch, naja, ein Kabel halt. Am deutlichsten bleibt die Kamera hinter den High-End-Konkurrenten zurück, auch noch hinter einigen Vorjahresmodellen.

Arrangiert man sich mit der Kamera, punktet das 6T mit langen Laufzeiten, dem wertigen Metallgehäuse, den sympathischen Android-Anpassungen und der hohen Geschwindigkeit – und dem futuristisch animierten Fingerabdruckscanner. (jow@ct.de)