Smart-TVs
Sechs günstige 4K-TVs mit HDR ab 50 Zoll Diagonale
Sechs Fernseher für TV, Video, Streaming und Spiele, mit Smartphone-Anbindung und Sprachsteuerung: Welche Bildqualität bieten die Geräte und wie viel Smart-TV bekommt man für 580 bis 700 Euro?
You get what you pay for – wer wenig bezahlt, bekommt auch wenig. Nur was bedeutet eigentlich „wenig“ und wann reicht es für ein anständiges Gerät? Dieser Frage sind wir in einem Test aktueller Flachbildfernseher nachgegangen. Wir wählten sechs TVs mit 4K-Auflösung für 580 bis 700 Euro aus.
Da es sich um Smart-TVs handelt, halten sie Apps für YouTube, Netflix, Amazon Prime Video & Co. bereit und unterstützen HbbTV, geben also Zugriff auf die Mediatheken der Fernsehsender – alles ohne zusätzliche Hardware direkt am großen Fernsehschirm und per Fernbedienung bequem erreichbar.
Wer befürchtet, das Smart-TV plaudere zu viel mit den Diensteanbietern und TV-Sendern, wünscht sich vielleicht ein dummes Display. Dafür muss kein spezielles Gerät her – man kappt einfach den Internetzugang der Smart-TVs. Anschließend kann man mit einem kleinen Stick oder Puck wie Amazon FireTV, Apple TV, Google Chromecast oder auch einer Spielkonsole am HDMI-Port des Fernsehers das gucken, was man möchte. Welche Dienste auf welchem Zuspieler laufen und was man beim Anschluss beachten sollte, beschreiben wir im Artikel ab Seite 90.
Alternativ unterbindet man den globalen Datenaustausch des smarten Fernsehers und gibt für ihn im heimischen Netz nur ausgewählte Kommunikationspartner frei. Wir haben uns dafür den Datenverkehr auf den Leitungen näher angeschaut und stellen ab Seite 78 Lösungen vor, wie man die TV-Plaudertaschen an der Fritzbox oder mit dem Raspberry Pi im Zaum hält.
Smarte Fernseher
Fünf Fernseher in diesem Test haben eine Bilddiagonale von 1,40 Meter (55 Zoll), einer misst 1,27 Meter (50 Zoll). Im Einzelnen handelt es sich um Hisense H55U7A, LG 55SK8000, Panasonic TX-55FXW654, Samsung UE55NU7409, Sony KD-55XF7596 und den 50-zölligen 50PUS7303/12 von Philips. Alle Geräte beherrschen HDR 10, geben also kontraststarke HDR-Inhalte von UHD-Blu-ray-Disc oder Streaming-Diensten wieder. Einige kann man per Sprache steuern, an fünf Geräten TV-Sendungen auf einen angeschlossenen USB-Speicher aufnehmen. Sony hat seinem TV zwar eine PVR-Aufnahmefunktion spendiert, aber keinen Timeshift, mit dem man Sendungen pausieren kann, wenn gerade das Bier alle ist.
Während der Aufnahmen unterbinden einige Geräte jegliche Interaktion mit dem TV. So kann man am Hisense nicht einmal mehr das Menü aufrufen, bei Panasonic ist es immerhin möglich, vorhandene Aufnahmen auf der USB-Platte anzuschauen. Philips und Sony geben sich da deutlich flexibler – an ihnen kann man während der Aufnahme andere Apps aufrufen oder Videos bei Netflix & Co. schauen. Nur währenddessen umschalten darf man bei keinem der Geräte, dann bricht die Aufnahme mangels zweitem Tuner ab.
Mediatheken und HbbTV
Alternativ zu kompletten TV-Aufnahmen und zum Timeshift bieten sich die Mediatheken an: Hier findet man zumindest bei ARD und ZDF viele Sendungen der letzten Woche (bei Serien teilweise der letzten zwölf Monate) und kann dort auch gerade laufende Sendungen zeitversetzt starten und pausieren.
Die Smart-TVs halten die Mediatheken als Apps bereit, außerdem kann man sie über den roten Knopf auf der Fernbedienung per HbbTV (Hybrid Broadcasting Broadband TV) aufrufen. Drückt man die rote Taste, unterhält sich der Fernseher mit dem Server des jeweiligen Senders. Wie und welche Nutzerdaten dabei übermittelt werden, haben wir im Artikel auf Seite 74 untersucht. Außerdem blenden einige Sender eigene Werbung ein, sofern HbbTV im TV aktiviert ist – auch ohne dass man den roten Knopf drückt. Die sogenannten L-Banner – sie lehnen als großes L in der linken unteren Ecke des Displays und verdecken ungefähr ein Drittel des Bildes – sind ein echtes Ärgernis. Gesehen haben wir sie beispielsweise bei Anixe. Wer sie blockieren will, muss HbbTV deaktivieren, was bislang meist nur global für alle Sender möglich war. Drei der getesteten Fernseher erlauben es nun, HbbTV gezielt für jeden Sendeplatz einzeln abzuschalten: Bei Panasonic funktioniert das schon etwas länger, jetzt aber auch bei den Android-TVs von Sony und Philips.
Am Philips-TV muss man dazu beim Empfang des betreffenden Senders die Optionen-Taste drücken und im folgenden Menü „HbbTV auf diesem Sender“ auf Aus stellen. Im allgemeinen HbbTV-Menü kann man zusätzlich globale Privacy-Einstellungen zu Cookies und zur Nachverfolgung vornehmen. Sony ermöglicht die gezielte HbbTV-Abschaltung einzelner Sender im Android-Menü; dort findet man weitere globale Privacy-Einstellungen. Was solche Einstellungen zur Privatsphäre tatsächlich bringen, sei dahingestellt (siehe S. 74). Panasonic hat die HbbTV-Einstellung unter Setup/Datenservice Anwendung/Service untergebracht. Man kann hier für jeden Sender einzeln festlegen, ob HbbTV automatisch aktiv ist, erst nach Aufforderung startet oder komplett aus bleibt – vorbildlich.
Sender installieren
Nach dem Sendersuchlauf liefert das Fernsehgerät im besseren Fall eine halbwegs brauchbare Vorsortierung der gefundenen Sender. Hierzulande liegt dann beispielsweise das Erste auf dem ersten Platz, ZDF auf dem zweiten und die Dritten irgendwo in der Nähe. Außerdem sollte das Gerät bei Bedarf alle Bezahlsender ausblenden beziehungsweise erst gar nicht suchen. Das Philips-TV bot vor der Suche zwar an, die Bezahlsender abzuwählen, suchte sie dann aber doch mit. Immerhin kann man sie anschließend aus der Senderliste herausfiltern. Die seit über einem Jahr versprochene PC-Software zum Bearbeiten von Favoritenlisten hat Philips immer noch nicht veröffentlicht – nur Händler oder autorisiertes Fachpersonal können die exportierbaren Listen am PC bearbeiten. Die nicht besonders sinnvoll sortierte Senderliste von Panasonic kann man nur am Gerät selbst bearbeiten, Sony bietet eine eigene Software namens Sony-Edit an, mit der man die Favoritenlisten am PC bearbeiten kann.
Bevor man die smarten Funktionen des Fernsehers aktivieren kann, erscheinen am Schirm lange Texte zu Datenschutz und -sicherheit. Die Texte ähneln den Beipackzetteln von Arzneimitteln – man wird schon fast krank vor Sorge, was alles passieren kann. Die Hersteller räumen sich darin umfangreiche Rechte ein und wer dem nicht zustimmt, bekommt am TV nicht alle Komfortausstattungen angeboten. Immerhin kann man einige der Freigaben nach der Installation im Menü wieder begrenzen.
Wer sich um die Datenlage nicht schert und die weitere Installation vereinfachen möchte, erledigt sie bei den Android-TVs über das Smartphone: Verbinden sich TV und Mobilgerät per Bluetooth, übernimmt der Fernseher die Einstellungen fürs WLAN, den Standort und das Google-Konto.
Updates
Als wir nach der Installation erstmalig die am TV angebotenen Apps aufriefen, verlangten etliche Anwendungen ein Update. So wollten fast alle Geräte im Test zunächst die Netflix-App auf den neuesten Stand bringen, Hisense und Philips starteten zudem mit einem Firmware-Update. Jedes einzelne Update dauert zwar nicht allzu lange, doch spätestens bei der dritten App nervt es. Der Aktualisierungsbedarf lag übrigens nicht am Alter der TVs: Es handelt es sich durchweg um Geräte von Mitte 2018.
Wie lange die Fernseher neue Anwendungsversionen bekommen und vor allem, wie lange ihr Betriebssystem inklusive Sicherheitsupdates aktuell gehalten wird, variiert von Hersteller zu Hersteller. Mehr als drei Jahre sind es aber gerade bei preiswerten Geräten nicht: Ihre Prozessoren und Speicherkapazitäten reichen für neuere Betriebssysteme oft nicht mehr aus.
Google verlangt von den TV-Herstellern, dass diese drei volle Releases von Android-TV einspielen und Sicherheitsupdates noch länger vorhalten. Android für TVs hängt bisher mindestens eine Generation hinter der Version für Smartphones hinterher – aktueller Stand ist Android 7.0. Das soll sich laut Google im kommenden Jahr ändern.
Da alle Updates inzwischen über das Internet eingespielt werden, sollte man das Smart-TV ab und an ins Netz hängen, damit es nach neuen Versionen des Betriebssystems und der installierten Apps suchen kann – jedenfalls, wenn man die smarten Funktionen am Fernseher benutzen will.
Bildeinstellungen
Sieht das TV-Bild nach der Installation überzeichnet aus, muss man zunächst den Bildmodus wechseln: Gute Voreinstellungen liefern Presets wie Kino, Cinema oder Film. Nur in hellen Räumen, in denen womöglich direktes Licht auf den Schirm fällt, empfehlen sich Bildpresets wie Standard oder Dynamik. In unserem Test lieferten fast alle Geräte bereits im Kino-Modus eine recht ausgewogene Darstellung. Bei Hisense mussten wir den Kontrastpegel reduzieren (von 50 auf 40) und den Schwarzwert leicht anheben (von 50 auf 52) sowie die Gammakurve anpassen (den „Gain“ auf –10). Anschließend sahen Gesichter deutlich gesünder aus. Die angebotene Bewegungskompensation taugt leider gar nichts und man kann sie auch nicht feinjustieren – wir haben sie deaktiviert. Bei Philips lag der Schwarzpegel zu hoch, weshalb wir ihn von 50 auf 40 reduziert haben. Bei Sony haben wir nur ein wenig Farbsättigung rausgenommen; den leichten Blaustich im Schwarz konnten wir dem Gerät nicht austreiben. Die anderen drei Displays boten ohne weitere Eingriffe ein farblich ausgewogenes TV-Bild.
Alle sechs beherrschen die Wiedergabe von farbstarken 4K-Signalen mit 60 Hertz – allerdings nicht an allen HDMI-Eingängen. So unterstützen nur die TVs von LG und Samsung HDMI 2.0 an allen Ports, die anderen dagegen nur an jeweils zwei Eingängen; diese sind meist seitlich angebracht. Während wir bei früheren Geräten die höhere Farbauflösung für 4K mit 60 Hertz im Menü zunächst einschalten mussten, wird sie inzwischen weitgehend automatisch beim Anlegen eines HDR-Signals aktiviert.
Kontrast und Blickwinkel
Für eine richtig gute HDR-Wiedergabe muss ein LC-Display einen großen Farbraum und ein lokal dimmbares Backlight mit möglichst vielen Dimming-Zonen besitzen – beides ist bei den preiswerten Geräten normalerweise nicht der Fall. Dennoch bieten die meisten TVs dieses Tests eine sehr ordentliche HDR-Darstellung: Besonders LG und Philips überzeugten mit leuchtenden Farben und ausdrucksstarken Bildern – zumindest, wenn man von vorn auf den Schirm schaut.
Das VA-Display im Philips-TV ist ähnlich blickwinkelabhängig wie die TVs von Samsung und Hisense: Ihre Farben bleichen von der Seite sehr stark aus, Gesichter werden leichenblass. Am Hisense-TV gerät ein schwarzer Schirm zudem extrem fleckig. Der Fernsehschirm von Philips ist sehr ungleichmäßig ausgeleuchtet: In der Mitte strahlt das weiße Bild mit 200 cd/m2, in den Ecken sind es kaum 120 cd/m2, die Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung liegt bei miserablen 45,5 Prozent. Nicht viel besser war es um die Homogenität des Sony-TV bestellt (56,5 Prozent). Deutlich mehr Mühe hat sich Panasonic beim Abgleich seines Fernsehers in der Produktion gegeben: Zwischen dem hellsten und dem dunkelsten Punkt liegen hier gerade mal 30 cd/m2 (Ausleuchtung von 85 Prozent).
Auch das Bild des LG-Fernsehers variierte mit dem Einblickwinkel, trotz IPS-Panel – man sollte nicht zu nahe an ihn heranrücken. Die Farben behalten zwar ihre gute Sättigung, doch der Schwarzwert verändert sich aus der Diagonalen stark: Ein schwarzes Bild wird grau und bekommt in den Ecken einen gelben oder roten Schimmer, je nach Richtung. Sony und Panasonic setzen ebenfalls auf IPS-Technik, ihre Displays sind aber blickwinkelunabhängiger und liefern ein besseres Schwarz. Die Darstellung des Panasonic-TV wirkt dennoch etwas flau und Weiß eher grau, vor allem im HDR-Betrieb. Schade, denn davon abgesehen produziert der 55FXW654 ein ausgewogenes Bild.
Die automatische Steuerung des LED-Backlight wirft bei etlichen Geräten Probleme auf. So reduziert sie am Panasonic-TV die Gesamthelligkeit stark, weshalb man sie allenfalls auf niedrig stellen sollte; in mittlerer oder hoher Einstellung pumpt das Bild. Samsung dimmt das Bild je nach Bildinhalt insgesamt deutlich ab. Das sorgt zwar für ein satteres Schwarz, mindert aber zugleich die Leuchtdichte des Bildes – im Ergebnis bleibt der Kontrast unverändert. Leider lässt sich die Regelung nicht deaktivieren. LG steuert die am unteren Displayrand sitzenden LEDs in sechs Abschnitten an, erzeugt also sechs dimmbare Streifen. Sobald sich ein helles Objekt in einer der sechs Zonen befindet, wird der gesamte Streifen aufgehellt – auch dunkle Bereiche um das helle Objekt. Bei Kinofilmen geraten die oben und unten das Bild einfassenden schwarzen Balken dadurch hellgrau gestreift. Insgesamt wirkt Schwarz am LG-TV eher grau.
Im Sony-TV manipuliert eine übereifrige Regelung sehr helle Bildteile. So verschwand der helle Schriftzug im weißen Logo von Warner Brothers kurzzeitig wie von Geisterhand. In dunklen Weltraumszenen des Films Gravity funkelten weniger Sterne als auf den anderen Displays. Bei den TVs von Samsung und Hisense leuchteten dagegen übermäßig dicht gepackte Sternenwolken den gesamten Weltraum aus.
Mobil verbunden
Dank Miracast (Hisense nennt es AllCast) lässt sich der Displayinhalt eines Android-Smartphones über die Google Home App auf das TV spiegeln. Alternativ streamt man Videos von Android- und iOS-Mobilgeräten über ChromeCast. Sofern sich der Fernseher im selben Netz wie das Mobilgerät befindet, erscheint in der YouTube-App das rechteckige Cast-Symbol: Aktiviert man die Verbindung, wird das auf dem kleinen Smartphone-Display laufende YouTube-Video auf dem großen TV-Schirm angezeigt. Die Videos werden dabei nicht vom Smartphone gestreamt, sondern vom TV selbst aus dem Internet geholt – das Handy kann sich schlafen legen. Außerdem kann man das Mobilgerät und den Fernseher per DLNA verbinden, unter Android beispielsweise mit der App BubblePnP, am iPhone mit TV Assist.
Analoge Audioausgänge findet man an den schlanken Fernsehern heute nicht mehr. Wer externe Audiogeräte anschließen möchte, nutzt deshalb entweder den HDMI-Rückkanal ARC (Audio Return Channel), ein optisches Kabel mit SPDIF-Stecker oder einen Adapter für die Klinkenbuchse. Immerhin besitzen fast alle TVs im Test eine Kopfhörer-Buchse, nur Samsung und Hisense haben diese eingespart. Alternativ kann man Bluetooth-Kopfhörer mit dem TV verbinden – nur Panasonic unterstützt diese Funkvariante nicht.
Fazit
Die günstigen Smart-TVs haben sich in diesem Test ordentlich geschlagen – echte Ausfälle gab es nur bei der Anlieferung: So blieb das erste Panasonic-TV komplett dunkel, das Gerät von Sony erreichte uns mit einem großen Kratzer im Display. Beide hatten wir bei Amazon bestellt und konnten sie dort problemlos reklamieren. Die Ersatzgeräte waren in Ordnung.
Die Bildqualität der Testgeräte im TV-Betrieb war insgesamt erfreulich. Man hat hier zwar nicht die umfangreichen Einstellmöglichkeiten wie bei Topgeräten, doch die angebotenen Voreinstellungen führen meist zu sehr ordentlichen Bildern. Auf eine Kalibrierung kann man deshalb verzichten. Die Wiedergabe von HDR-Inhalten gelang allen Geräten problemlos, getrübt wurde die Darstellung bei vier TVs nur durch eine unzureichende Backlight-Steuerung. Richtig schlecht war es dagegen um die Soundqualität bestellt, im Grunde kommt man zum Videogucken nur bei Philips und mit Abstrichen bei Sony ohne externe Boxen aus.
Verbesserungswürdig ist auch die Bedienung der smarten Fernseher: Das Sony-TV reagiert zu lahm, bei Hisense muss man ebenfalls Geduld mitbringen. Wesentlich fixer waren die Geräte von Samsung und Panasonic. Eine Sprachsteuerung erlauben alle außer dem Hisense-TV. Die Erkennung des gesprochenen Wortes funktioniert erstaunlich gut, dennoch sind die Möglichkeiten bescheiden: Man kann mitnichten überall suchen und die Geräte liefern längst nicht auf alle Anfragen eine Antwort. Da geht noch was. (uk@ct.de)