BBC untersucht Verbreitung von Fake News
Die BBC hat in Indien, Kenia und Nigeria analysiert, wie Fake News über WhatsApp und Facebook weitergegeben werden. Vor allem Gruppierungen am politisch rechten Rand nutzen die bestehenden Möglichkeiten demnach systematisch aus.
Für die Studie „Beyond Fake News“ durften Mitarbeiter der BBC eine Woche lang die privaten Facebook- und WhatsApp-Accounts von 80 Personen in den drei Ländern beobachten. Außerdem führten sie intensive Befragungen durch. Ergebnis: Obwohl sich die Probanden sicher waren, fingierte Meldungen im alltäglichen Nachrichtenfluss als solche identifizieren zu können, verbreiteten sie genau diese meist ungeprüft weiter. Zugleich gaben sie an, etablierten Medien nicht zu vertrauen und lieber „alternative“ Quellen zur Information zu nutzen.
Der Fokus der Studie lag auf Nachrichten, die Menschen gezielt verunsichern oder misstrauisch machen und Unruhe stiften sollen. Das BBC-Team fand heraus, dass die Leser die Glaubwürdigkeit vor allem anhand emotionaler Kriterien einstuften: Kamen die Meldungen von Familienmitgliedern und Freunden, hielten sie die Inhalte in aller Regel für wahr. Eine höhere Anzahl an Kommentaren und geschickt gewählte Bilder hatten einen ähnlichen Effekt. Eine Überprüfung des Wahrheitsgehaltes anhand unabhängiger Quellen unternahmen die Probanden hingegen so gut wie nie.
Den BBC-Mitarbeitern fiel auf, dass vor allem in Indien politisch rechte Gruppierungen systematisch solche Fake News verbreiteten. Viele Postings seien nationalistisch motiviert und ihre Herkunft teilweise dem Umfeld von Premierminister Narendra Modi zuzurechnen gewesen. In Afrika sei allgemeine Panikmache das größere Problem: In Nigeria waren in diesem Zusammenhang Terrorismus und die Armee häufiges Thema, in Kenia Finanzen und Technologie. (mon@ct.de)