Eine App macht mobil
Moovel verbindet Navigation und Ticketservice für alle Verkehrsmittel
Alle Verbindungen in einer App navigieren, buchen und bezahlen – so organisiert die Mobilitäts-App Moovel die Fortbewegung in ausgewählten Städten. Der Nutzer kann nicht nur in jede Bahn und jeden Bus steigen, sondern auch Carsharing, ein Taxi oder Leihfahrräder nutzen.
Beim Besuch einer fremden Stadt zeigt das Smartphone schnell den passenden Kartenausschnitt und ermittelt eine günstige Bus- oder Bahnlinie zum Reiseziel. Noch einen Schritt weiter geht die Mobilitäts-App Moovel.
Moovel dient als App für alle Verkehrsmittel in der Stadt, alle Bus- und Bahnlinien, Ruftaxi, Car- und Bikesharing. Sogar Fähren berücksichtigt die Plattform bei ihren Routenvorschlägen für das angefragte Ziel. Zusätzlich kann sich der Anwender den Gang zum Ticketschalter oder an einen Counter sparen. Für die ausgewählte Streckenverbindung bietet die App direkt das passende Ticket an, der Kauf erfolgt mit nur einem Fingertipp – keine Suche nach einem Fahrkartenautomaten, keine Neueingabe der Verbindungsdaten, keine Geldkarte erforderlich und kein Papierticket mehr. Der Fahrschein erscheint auf dem Display.
Voraussetzung für dieses Szenario ist, dass der Nutzer einmal seine Kreditkarteninformationen oder sein Paypal-Konto in der App hinterlegt. Wer zudem das Carsharing nutzen will, muss einmalig seinen Führerschein einscannen und seine Adresse angeben. Moovel überprüft dann beides und schaltet die Angaben frei; beim Test habe ich dabei binnen zehn Minuten den grünen Status erhalten.
Fünf Städte in Deutschland
Es gibt allerdings noch eine weitere wichtige Einschränkung für Anwender in Deutschland: Sie müssen sich entweder in Hamburg oder in Stuttgart aufhalten. Zudem gibt es drei spezielle Städte-Apps, die auf der technischen Plattform von Moovel laufen: KVV.mobil für Karlsruhe, STWAB Ticket für Aschaffenburg sowie seit November 2018 Mobil in Düsseldorf, die App der dortigen Rheinbahn. Weitere Städte sollen folgen, sagt Geschäftsführerin Dr. Daniela Gerd tom Markotten.
In den USA kann der Anwender die Moovel-Plattform heute bereits in 17 verschiedenen Städte-Apps nutzen. Dort hat man auch schon Erfahrungen mit Echtzeitdaten gesammelt. Die technische Plattform des deutschen Dienstleisters rechnet dort Verspätungen direkt bei der Verbindungssuche ein und nutzt diese Informationen auch für nachträgliche Korrekturen. Ebenso berücksichtigt die App Ausfälle, Positionsdaten und die Auslastung von Linien. Das ist möglich, da in den USA die Fahrplan- und Echtzeitdaten bereits standardisiert sind.
Die meisten Stadtplaner in Deutschland suchen händeringend nach Möglichkeiten, mehr Übersicht im Verkehrsmix zu schaffen, um so überzeugende Alternativen aufzuzeigen und private Pkw-Fahrer von den überlasteten Straßen in der Stadt fernzuhalten. Für den App-Dienstleister hingegen sind die Schnittstellen zum örtlichen Verkehrsverbund und ein reibungsloses Ticketing die zentralen Voraussetzungen.
Ticketkauf im U-Bahn-Tunnel
Zum Kasten: Zwei Helfer für Fernreisen
Die Moovel-App konzentriert sich auf Innenstadt-Mobilität, zwischen den Städten findet sie in Deutschland lediglich das Angebot der Deutschen Bahn. In dem Bereich ist der DB-Navigator wesentlich stärker, der auch die gängigsten Fahrkarten von mittlerweile 23 regionalen Verkehrsverbünden direkt in sein Ticketing integriert. Ein paar weitere Anbieter werben hierzulande mit Übersicht und Schnäppchen bei Fernreisen mit Zug, Fernbus, Flieger und Mietwagen, etwa Qixxit oder fromAtoB (siehe Infobox). Das breite öffentliche Mobilitätsangebot einer Stadt steht dem Anwender damit aber nicht offen.
Im c’t-Test in Hamburg funktionierte der Ticketkauf selbst im U-Bahn-Tunnel bei geringer Bandbreite reibungslos. Für Kopfschütteln sorgte allerdings, dass noch um 12:45 Uhr als erstes die teure Ganztageskarte zur Auswahl stand. Erst als wir herunterscrollten, fanden wir die günstigere 9-Uhr-Tageskarte als Option, ein Hamburger Angebot für Reisende, die nicht in der Rushhour zwischen 6 und 9 Uhr morgens unterwegs sind. Eine mitdenkende App sollte bei aktuellen Käufen nach 9 Uhr dieses Angebot nach vorn stellen.
Außer dem örtlichen Verkehrsverbund werden verschiedene Mobilitätsanbieter als potenzielle Partner angesprochen; die offene Plattform und eine breite Integration aller Anbieter in der Stadt wird letztlich für App-Nutzer entscheidend sein. In Hamburg bevölkern derzeit über 55 Leih- und Rückgabestationen von Nextbike die Stadtkarte der App. Der Basistarif beträgt 1 Euro für 30 Minuten Fahrradausleihe. Allerdings ist auch hier zunächst eine Registrierung erforderlich, für die die App den Nutzer auf die Nextbike-Website leitet. Danach kann er, wenn ihm ein Fahrrad an einer Station gefällt, dessen Nummer anklicken und erhält daraufhin den vierstelligen Schlosscode. Neben dem Nextbike-Angebot ignoriert Moovel derzeit allerdings die nahezu 200 Fahrradstationen von Stadtrad in Hamburg.
Wagenmiete minutenweise
Zum Carsharing-Angebot der App in Hamburg gehören heute die Wagen von Car2go, einer Daimler-Tochter. Diese Wagen werden auf dem Kartenausschnitt angezeigt und jedes dieser Icons ist mit Standort, Kennzeichen, Fahrzeugmodell, Minutenpreis und Tankfüllstand hinterlegt. Die Tarife liegen zwischen 26 und 34 Cent je Minute; ab zwei Stunden gibt es Paketpreise. Mit einem Fingertipp wird der Wagen für bis zu 20 Minuten reserviert und nach dem Finden durch Eingabe des an der Windschutzscheibe angebrachten Fahrzeugcodes in die App entriegelt. Parken ist im klar definierten Stadtgebiet kostenfrei, tanken mit Tankkarte auch, für diese Mühe erhält der Nutzer sogar einen kleinen Bonus gutgeschrieben.
In der Karlsruher KVV-mobil-App drängeln sich die Wagen des Carsharing-Anbieters Stadtmobil im Kartenausschnitt. Wer sich dann für ein Fahrzeug entscheidet, der wird zur Stadtmobil-App umgeleitet. Der Grundsatz „alles in einer App“ gilt damit also nur bedingt.
Taxis bindet Moovel über eine Schnittstelle zu Mytaxi in die Reiseplanung ein. Darüber hinaus baut das Unternehmen eine IT-Lösung für gepoolte Sammelfahrten auf. Fahrzeuge und Fahrer sind dann vom jeweiligen ÖPNV-Unternehmen zu stellen – seit Juni 2018 fahren entsprechende Wagen unter der Bezeichnung SSB Flex in Stuttgart durch die Stadt; flexibler als der öffentliche Nahverkehr, preisgünstiger als Taxis (siehe auch „Bustaxis“, S. 121).
Digitaler Zwerg in Echtzeit
In Deutschland kann Moovel lediglich in Stuttgart, Karlsruhe und Düsseldorf auf Echtzeitdaten der Öffis zugreifen, in Hamburg aber nicht. Beim Test in der Hansestadt zeigte sich die Echtzeit-Wissenslücke ziemlich schnell: Während die angezeigte S-Bahn-Linie gemäß Fahrplan erst zwölf Minuten später am Bahnhof abfahren sollte, lohnte sich der schnelle Gang zum Bahnsteig: Die vorherige S-Bahn trudelte gerade mit Verspätung ein – zehn Minuten Zeitgewinn.
Auch bei der Zusammenstellung von Reisekombinationen durch die Stadt hätten wir gern mehr Mitspracherecht gehabt. So schlug der Moovel-Algorithmus etwa vor, die S-Bahn im Getümmel am Hauptbahnhof zu verlassen und mit sechs Minuten Fußmarsch zur Buslinie 6 zu wechseln. Nach der Fahrt wären dann weiter ein paar Minuten zum Hamburg Dungeon zu spazieren. Google Maps hatte zeitgleich einen anderen Vorschlag: In der S-Bahn sitzen bleiben und erst an der Stadthausbrücke aussteigen, um dann ein paar Minuten länger zu gehen. In diesem Beispielfall gewann Google Maps den Wettbewerb, weil die Sonne schien und der Besucher die letzte Meile zum Ausflugsziel gern zu Fuß bewältigen wollte.
Es gibt also noch Verbesserungsbedarf. Nicht nur, dass offensichtlich bislang zu wenige Stadt-Apps in Deutschland das Suchen, Buchen und Bezahlen über beliebige Verkehrsmittel ermöglichen; es gibt auch mehr Mobilitätsanbieter als heute angezeigt werden. Zudem sollte die Technikplattform in Zukunft besser noch zahlreiche Echtzeitdaten wie Verspätungen, Baustellen und Stauinformationen, das Wetter vor Ort und die persönlichen Reisewünsche berücksichtigen. (agr@ct.de)