c't 9/2018
S. 112
Marktübersicht
Mobilfunktarife
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Powersaugen unterwegs

Mobilfunktarife für den großen Bedarf

Die Preise für den mobilen Internetzugang in Deutschland bröckeln. Wer mehr als 5 Gigabyte im Monat benötigt, muss aber weiterhin tief in die Tasche greifen. Wir sagen Ihnen, wo Sie für Ihr Geld die beste Leistung bekommen.

Beim Mobilfunk ist Deutschland ein Hochpreisland. Laut einer Erhebung der finnischen Unternehmensberatung Rewheel gibt es hierzulande für 30 Euro im Monat gerade einmal 15 Gigabyte Transfervolumen. In Frankreich und Schweden bekommt man fürs gleiche Geld 100 Gigabyte, in zwölf europäischen Ländern, darunter die Niederlande, die Schweiz, Irland, Finnland und Dänemark gar eine echte Flatrate.

Der deutsche Kunde hat von diesen günstigen Angeboten trotz EU-Roaming-Verordnung allerdings nichts, denn wer hierzulande lebt und arbeitet, muss seinen Mobilfunkvertrag auch bei einem deutschen Anbieter abschließen. Wer einen Mobilfunkvertrag in einem anderen EU-Land abschließt und vorwiegend in Deutschland nutzt, wird wegen Missbrauch des EU-Roamings zur Kasse gebeten.

Für diese Marktübersicht haben wir ausschließlich Tarife mit mehr als 5 Gigabyte Transfervolumen berücksichtigt, also die Tarife für den großen Bedarf. Wer monatlich so viel benötigt, kommt kaum umhin, einen Laufzeitvertrag abzuschließen, denn mit Prepaid-Angeboten wird der Spaß recht teuer. Bei CallYa von Vodafone beispielsweise kann man zwar zum Grundvolumen von 1,5 Gigabyte 4 Gigabyte hinzubuchen. Dafür bezahlt man aber 13 Mal im Jahr 40 Euro – das ist mehr als doppelt so teuer wie das günstigste Vertragsangebot.

Viele der hier vorgestellten Angebote haben eine kurze Laufzeit. Grundsätzlich ist das ein Vorteil für den Kunden, denn die Preise am Mobilfunkmarkt fallen seit dessen Bestehen. Wer sich für zwei Jahre bindet, zahlt mit fortschreitender Zeit garantiert zu viel. Natürlich bekommen Sie auf Anfrage fast immer ein günstigeres Angebot, aber dann müssen Sie einen neuen 24-Monats-Vertrag abschließen und mit jeder Preissenkungsrunde geht der Tanz von vorne los.

Auch wenn Rabatte locken, sollten Sie deshalb lieber einen Vertrag mit einem Monat Laufzeit abschließen. Nur dann profitieren Sie schnell von sinkenden Preisen oder einem größeren Transfervolumen zum gleichen Preis.

In der Tabelle finden sich abgesetzt und gekennzeichnet einige reine Datentarife. Diese sind interessant, wenn man die SIM-Karte nicht in einem Smartphone, sondern in einem Tablet oder Notebook einsetzen will. Oft sind diese Tarife deutlich günstiger als vergleichbare mit Telefoniefunktion und -Flatrates.

Für die Nutzung mit zusätzlichen Geräten gibt es eine interessante Alternative: Sie können bei vielen Vertragstarifen eine oder mehrere SIM-Karten hinzubuchen. Diese Multi-SIM-Angebote kosten meistens einige Euro pro Monat extra. Bei der Buchung sollten Sie aber bedenken, dass Notebooks sehr datenhungrig sind, selbst wenn Sie dem Betriebssystem mitteilen, dass Sie eine teure mobile („getaktete“) Verbindung verwenden. Damit lässt sich zwar beispielsweise der Download von Updates über das Mobilfunknetz unterbinden, das Laden von Webseiten in der Desktop-Version beispielsweise kostet aber erheblich mehr Datenvolumen als die für Smartphones optimierte Mobilseite, zum Beispiel mit kleingerechneten Bildern.

Bedarf ermitteln

Wenn Sie einen neuen Vertrag schließen, sollten Sie zunächst einmal feststellen, wie hoch Ihr individueller Bedarf ist. Dabei sollten Sie großzügig sein: Es ist günstiger, einen Tarif mit größerem Datenvolumen zu buchen, das Sie meist nur zum Teil ausschöpfen, als einen Tarif mit zu geringem Volumen zu wählen und regelmäßig Datenpakete nachkaufen zu müssen. Die Anbieter nutzen die Notlage ihrer Kunden gerne aus und verlangen für solche Nachschläge happige Preise. Noch teurer wird es mit einer Datenautomatik, die ohne Ihr Zutun Volumen nachbucht (siehe Kasten unten).

Zum Kasten: Der Trick mit der Datenautomatik

Ist das Volumen erschöpft, drosseln die meisten Anbieter die Datenrate auf 16 bis 64 kBit/s und damit zur vollständigen Unbrauchbarkeit. Bei derart niedrigen Datenraten scheitern die meisten Abrufe von Apps an einem Timeout. Für eine App alleine würde die Datenrate womöglich noch ausreichen, aber es konkurrieren dann mehrere Apps um die zu knapp bemessene Bandbreite und bremsen sich gegenseitig bis zum kompletten Stillstand aus. Zwar kommen einzelne Textnachrichten auf Instant Messenger mit ein wenig Glück und nach längerer Wartezeit noch durch, der Abruf von E-Mails oder der Aufruf von Webseiten im Browser führt aber regelmäßig zu Fehlermeldungen.

Tabelle: LTE-Tarife (Daten und Telefonie) mit großem Datenvolumen

Anders läuft es bei den Free-Tarifen von O2: Hier drosselt der Anbieter die Datenrate nach Verbrauch des Freivolumens auf 1 MBit/s ohne weitere Einschränkungen. Eine solch hohe Datenrate reicht für eine halbwegs komfortable Nutzung aller gängigen Dienste aus. Selbst das Streamen von Videos in reduzierter Qualität ist damit noch möglich, zumindest solange nicht gerade gleichzeitig ein größerer Download läuft.

Die einzige echte Flatrate im Mobilfunknetz gibt es bei der Telekom. Mit rund 80 Euro im Monat ist der Tarif MagentaMobil XL zwar kein Schnäppchen, bietet dafür aber Planungssicherheit. Vodafone will in Kürze nachziehen. Derzeit nur auf Anfrage und nur für Geschäftskunden buchbar ist bei Vodafone der Tarif „Red Business XL+“ für 95,14 Euro im Monat.

Das richtige Netz

Alle hier vorgestellten Tarife erlauben die Nutzung des LTE-Netzes. Nicht mit aufgenommen haben wir die Easy-Tarife von Vodafone, die im Vergleich zu den Red-Tarifen recht günstig ausfallen. Mit den Easy-Tarifen hat man lediglich Zugriff auf das UMTS-Netz, das erheblich schlechter ausgebaut ist und durch höhere Latenzen eine deutlich geringere Performance bietet als LTE. Nutzt man einen solchen Tarif, hat man in weiten, mit LTE eigentlich gut versorgten Landstrichen nur GSM- beziehungsweise EDGE-Empfang. Damit lassen sich maximal 200 kBit/s erzielen, obendrein wird diese verfügbare Kapazität unter allen Nutzern aufgeteilt. Der Effekt ist der gleiche, wie wenn die Drosselung am Ende des Monatsvolumens greift: Der Mobilfunkzugang wird praktisch unbenutzbar.

Bei der Telekom kann man zusätzliche SIM-Karten und zusätzliches Datenvolumen bei Bedarf einfach hinzubuchen.

In Deutschland sind derzeit drei Mobilfunknetze verfügbar: O2, Telekom und Vodafone. Mit Abstand am schlechtesten ausgebaut ist das Netz von O2, was verschiedene Netztests immer wieder belegen. In Ballungsräumen und Großstädten ist der Unterschied gering, dort gibt es bei allen Netzbetreibern nur wenige Lücken. Spürbar wird der schlechtere Ausbau des O2-Netzes, sobald man in Mittel- und Kleinstädte kommt oder gar auf dem flachen Land unterwegs ist.

Die Netze von Telekom und Vodafone sind in der Fläche ordentlich ausgebaut. In dünn besiedelten Gegenden klaffen aber bei allen Netzbetreibern noch große Löcher. Wo man Empfang hat, ist die Chance gut, dass auch LTE bereits funktioniert. Das alte GSM-Netz, das eigentlich nur noch zum Telefonieren taugt, ist aber immer noch mit Abstand am besten ausgebaut.

In schlecht versorgten Gegenden, vor allem in den Mittelgebirgen, kennen die Einheimischen die Stärken und Schwächen der Netze recht gut und wissen, welches Angebot für sie in Frage kommt und welches nicht. Falls Sie in einer solchen Gegend neu zuziehen, sollten Sie vor Ihrer Entscheidung für ein neues Mobilfunkangebot ihre neuen Nachbarn fragen, welches Netz sie nutzen und welche Erfahrungen sie damit gemacht haben.

Hohe Datenraten

Die Anbieter überbieten sich gegenseitig mit ihren Datenraten. Maximal 225 MBit/s sind es im O2-Netz, 300 bei der Telekom und satte 500 bei Vodafone. Diese Datenraten gibt es allerdings nur auf dem Papier. Um die 500 MBit/s bei Vodafone nutzen zu können, muss man sich in einer der Funkzellen befinden, die diese Datenrate bereits beherrschen und ein Gerät haben, das dazu in der Lage ist, also den Übertragungsstandard Cat. 16 beherrscht.

Bei vielen Anbietern wie McSIM gibt es für das Handy zum Vertrag einen Festpreis, was den Preisvergleich erheblich vereinfacht.

In der Praxis ist die erzielbare Datenrate deutlich geringer. Alleine in einer Funkzelle unterwegs zu sein und obendrein noch gerade optimalen Empfang auf allen eingesetzten Frequenzbereichen zu haben ist so wahrscheinlich wie ein Lottogewinn. Hinzu kommt, dass die meisten Anwendungen mit dermaßen hohen Datenraten gar nichts anfangen können. Und selbst wenn das der Fall ist, geben die meisten Server im Netz weniger als 250 bis 500 MBit/s her.

Hat man LTE-Empfang mit einer Datenrate von 20 oder 30 MBit/s, fühlt sich das bereits extrem flott an. Einen weiteren Geschwindigkeitszuwachs kann man mit Hilfe von Speedtests messtechnisch erfassen, spürbar schneller wird das Smartphone bei großen Down- und Uploads. Die Anzeige „4G+“ am Smartphone deutet darauf hin, dass mehrere Träger gebündelt werden. Ihre Datenrate addiert sich dann.

Der richtige Bestellweg

Beim Abschluss eines Neuvertrages hat man die Wahl zwischen drei Bestellwegen: Ladengeschäft, Telefon oder online. Das Ladengeschäft hat den Vorteil, dass man seine Wünsche und Probleme mit einem Verkäufer besprechen kann. Im Ladengeschäft wird alles auf einmal erledigt: Vertragsschluss, Aushändigung und Aktivierung der SIM-Karte und die obligatorische Identitätsfeststellung. Allerdings genießt man bei einem Kauf im Laden kein Widerrufsrecht; das gibt es nur, wenn man seine Bestellung per Telefon oder online aufgibt.

Die Bestellung per Telefon ist besonders mühsam, denn hier kann man keine Unterlagen einsehen, sondern ist darauf angewiesen, was einem der Gesprächspartner an Informationen gibt. Die vielen Seiten Kleingedrucktes erhält man dann erst mit der Auftragsbestätigung. Immerhin kann man den Vertrag dann widerrufen, wenn man doch noch einen Pferdefuß entdeckt.

Am besten ist es, online zu bestellen. Hier kann man alle vertragsrelevanten Unterlagen in Ruhe und ohne Zeitdruck durchlesen und hat ein Widerrufsrecht. Die Bestellung wird am Ende übersichtlich zusammengefasst und listet alle einmaligen und wiederkehrenden Posten auf. In vielen Fällen gibt es für die Online-Bestellung sogar noch einen Bonus obendrauf, etwa mehr Datenvolumen oder ein etwas geringeres monatliches Entgelt. Damit belohnen die Anbieter ihre Kunden dafür, dass sie keine teure Arbeitszeit von Service-Mitarbeitern in Anspruch nehmen. Auf Beratung muss man dennoch nicht verzichten. Verweilt man einige Minuten auf Online-Bestellseiten, poppt oft ein Chatfenster auf, in dem man Mitarbeitern Fragen stellen kann und in aller Regel zeitnah eine Antwort erhält.

Anders als bei Prepaid-Kunden ist bei Laufzeitverträgen keine Erfassung der Ausweisdaten vorgeschrieben. In vielen Fällen reicht es den Anbietern zum Vertragsschluss, wenn die Anschrift des Kunden Kreditsicherungsunternehmen wie der Schufa bekannt ist und gegen ihn dort nichts vorliegt. SIM-Karten werden oft „eigenhändig“ versandt, die Sendung wird also nur dem Adressaten ausgehändigt, der sich dazu ausweisen muss. Damit sichern sich die Anbieter gegen Missbrauch ab.

Wenn Sie einen solchen Vertrag schließen, bekommen Sie häufig auch ein Handy angeboten. Die deutschen Mobilfunkprovider haben ihre Kunden viele Jahre lang darauf gedrillt, Handy und Vertrag miteinander zu kombinieren. Inzwischen ist das Handy nur noch eine aufpreispflichtige Option. Beim Kauf sollten Sie mit spitzem Stift rechnen, ob das Angebot tatsächlich so günstig ist, wie es auf den ersten Blick aussieht.

Wer ein Handy beim unabhängigen Händler kauft, bekommt dort in vielen Fällen ein günstigeres Angebot, bei Bedarf auch mit Ratenzahlung. Sollten Sie Handy und Vertrag kombinieren wollen, sollten Sie sicherstellen, dass der Handy-Aufschlag nach Ablauf der Mindestvertragslaufzeit auch automatisch wegfällt, sonst bezahlen Sie womöglich ein bereits bezahltes Handy ein weiteres Jahr lang ab.

Rabatte gibt es, wenn Sie bereits Kunde sind, beispielsweise weil Verträge weiterer Familienmitglieder auf Sie laufen oder weil Ihr Festnetzanschluss bei einem Mobilfunkanbieter geschaltet ist. Üblicherweise erhalten Sie für den neuen Vertrag dann einen Nachlass von 5 Euro im Monat.

Fazit

Handy-Verträge mit großem Datenvolumen sind in den vergangenen Jahren deutlich günstiger geworden. Dieser Trend wird wohl auch weiter anhalten. Sie sollten sich vertraglich nicht lange binden, um von sinkenden Preisen profitieren zu können.

Bei ihrer Entscheidung sollten Sie sich nicht von hohen Datenraten blenden lassen, sondern prüfen, welcher Netzbetreiber für Ihre Anforderungen eine passende Netzabdeckung hat. Ein LTE-Tarif ist dabei ein Muss, lassen Sie sich nicht einen reinen UMTS-Tarif andrehen, selbst wenn er erheblich günstiger als die hier vorgestellten Angebote ist.

Wählen Sie im Zweifel lieber etwas zu viel monatliches Volumen als etwas zu wenig. Nachbuchungen sind übermäßig teuer und Änderungen des Vertrags aufwendig. Bei Verträgen mit langer Laufzeit beginnt diese mit jeder Änderung in der Regel von vorne. Mit ein bisschen Reserve surft es sich mobil nicht nur entspannter, sondern unterm Strich sogar günstiger. (uma@ct.de)