c't 9/2018
S. 54
Test
Mesh-WLAN-System
Aufmacherbild

Funkwürfel

Mesh-WLAN-System Tenda Nova MW6

Tenda knabbert mit sehr günstigen Routern und Access Points am Markt für kleine Netze. Jüngst hat das chinesische Unternehmen ein sehr preiswertes WLAN-Mesh-Kit herausgebracht. Wir haben ausprobiert, ob die Würfel ein großer Wurf sind.

Mit gerade mal 200 Euro für einen Dreiersatz WLAN-Mesh-Nodes ist das Tenda Nova MW6 das zurzeit billigste Mesh-Kit. Anders als der Rest des Mesh-Marktes hat Tenda sich gegen Qualcomm als Chiplieferanten entschieden: In den MW6-Geräten (Nodes) stecken Bausteine von Realtek. Als Prozessor mit integriertem 2,4-GHz-WLAN arbeitet ein RTL8197FS, dessen angestaubter MIPS24K-Kern auf 1 GHz hochgezwiebelt ist. Das 5-GHz-Band bedient ein RTL8812BR. Dazu kommt ein Switch-Chip RTL8363NB für die zwei Gigabit-LAN-Ports.

Die Konfiguration erledigt man nach Verbinden mit dem voreingestellten WLAN wie üblich per Smartphone-App, die es für Android und iOS gibt. Das Setup funktioniert auch ohne Cloud-Konto. Ein solches muss man nur anlegen, wenn man das Mesh-WLAN von außen steuern will, beispielsweise um dem Nachwuchs das Internet abzudrehen.

Wie bei Mesh-WLAN-Kits üblich stellt der erste konfigurierte Würfel als Router-Node die Internetverbindung her. Die anderen beiden Geräte werden zu Mesh-Repeater-Nodes. Im Test vermittelte der Router-Node zwischen Internet und (W)LAN flott genug für alle aktuellen Anschlüsse: Im PPPoE-Modus kamen im Downstream knapp 400 MBit/s an. Bei IP-zu-IP (DHCP) hätten wir aber das Gigabit-Ethernet-Maximum von rund 950 MBit/s statt 866 MBit/s erwartet.

Auch der integrierte Switch des Repeater-Nodes kam nicht auf Touren, wir maßen dort nur 680 statt 950 MBit/s. Anscheinend verwendet Tenda die beiden Ports des Switch-Chips als separate Schnittstellen und leitet Ethernet-Frames zwischen ihnen per Software weiter.

Mit dem Telekom-VDSL über ein vorgeschaltetes Modem arbeitet das Kit mangels VLAN-Tagging am WAN-Port nicht. IPv6 beherrschte das System mit der Firmware 1.0.0.4 (4258) im Router-Mode gar nicht. Auch Multicast-IPTV (Telekom Entertain und andere) leitete es – hinter eine Fritzbox 7590 geschaltet – nicht weiter. Wer diese Features seines Anschlusses mit dem MW6-Kit verwenden will, muss es in den erfreulicherweise vorhandenen Bridge-Mode schalten. So fällt die manchmal störende doppelte Adressumsetzung (Double-NAT) weg. MC-IPTV erschien dann an allen Ports (LAN und WLAN aller Nodes) einwandfrei.

Roaming-Unterstützung

Tenda pflegt eine eigene und leider verwirrende WLAN-Nomenklatur: „Fast Roaming“, das per Default ausgeschaltet ist, bedeutet schlicht IEEE 802.11v (einfaches Roaming, BSS Transition). Den beschleunigten Funkzellenwechsel nach 802.11r (Fast Roaming) beherrscht das Kit ebenso wenig wie 802.11k (Radio Management). Die meisten anderen Mesh-Kits sind da schon weiter  (Test in c't 23/2017, S. 76).

Leider fehlt beim MW6 auch DFS, um das gesamte 5-GHz-Band nutzen zu können. So ist es dort auf den Kanalblock 36 bis 48 festgenagelt und kann Nachbar-WLANs nicht ausweichen, die im gleichen Frequenzbereich funken. Das fördert gegenseitige Störungen.

Auch wenn das Kit kein separates Funkmodul für den Node-verbindenden Backbone hat, erfreute es beim WLAN-Durchsatz gegen ein Acer-Notebook V13 (mit WLAN-Chip QCA6174): Direkt am Router-Node maßen wir je nach Funkband guten bis sehr guten Durchsatz (siehe Tabelle). Auch im Bridge-Betrieb (Client am LAN-Port des ersten Repeater-Nodes) zeigte sich ein klassentypisch hoher Backbone-Durchsatz.

Tabelle
Tabelle: Tenda Nova MW6

Drahtlos am Repeater-Node (26-m-Punkt) maßen wir 70 oder 132 MBit/s je nach Funkband, was genügen dürfte, um die meisten Internetanschlüsse auszuschöpfen. Praktischerweise nehmen die Repeater-Nodes auch über ein LAN-Kabel Verbindung zum Router-Node auf, sodass man sie durchsatzfördernd als Access Points betreiben kann. So kletterte die Datenrate am 26-m-Punkt auf 124 beziehungsweise 220 MBit/s. Bei der Leistungsaufnahme und den daraus resultierenden Stromkosten zeigte sich das MW6-Kit klassentypisch angemessen bescheiden.

Fazit

Die Hardware des MW6-Kit ist zwar Sparware, liefert aber gemessen am niedrigen Preis gute Performance. Wer seinen vorhandenen Router dadurch ersetzen will, sollte sich das dennoch gut überlegen: Für uns hatte die getestete Firmware zu viele Einschränkungen. Sind IPv6 und Multicast-IPTV wichtig, schaltet man das Kit in den Bridge-Mode und verwendet den gewohnten Router weiter. (ea@ct.de)