c't 11/2021
S. 182
Story
Künstliches Schicksal

Künstliches Schicksal

Der Weg vom hoch angesehenen KI-Spezialisten zum gedemütigten Sträfling kann ausgesprochen kurz sein. Wer unsanft aus ehrgeizigen Träumen geworfen wird, vermag dem Spiel um die Zukunft bisweilen nichts Reizvolles mehr abzugewinnen.

Von Lars Borda

Drei Tage. Mehr hatte ihre digitale Schöpfung nicht gebraucht, um größere Zerstörung anzurichten, als es der Menschheit zuvor je möglich gewesen war. Nur drei Tage. Kein Flecken Land wurde in Frieden gelassen, alles im Namen der Ressourcengewinnung. Erhaltung des Lebens war nur optional.

Der Wissenschaftler konnte sich immer noch an das Gefühl des ­Triumphs erinnern, das ihn und sein Team durchströmt hatte, als sie es endlich geschafft hatten. Abermillionen Zeilen Code hatten sich perfekt zu dem zusammengefügt, was ein Paradies für die Menschheit hätte schaffen können. Das Altern stoppen, Arbeit obsolet machen, Überfluss für jeden. All das wäre möglich gewesen. Doch stattdessen hatte ihre Errungenschaft alles vernichtet.

Das Drängen der übrigen Gefangenen in der Schlange riss den Wissenschaftler wieder aus seinem Grübeln heraus. Die Angst der anderen in der Gruppe war für ihn förmlich greifbar, während sie alle unweigerlich auf ihr Gefängnis zusteuerten. Hohe Zäune umrahmten das Grundstück mit seinem ausgetrockneten Boden. Es erinnerte den Wissenschaftler eher an einen Hühnerkäfig als an die Militärbasis, aus der es einmal entstanden war. Selbst die Natur hatte es nicht geschafft, das Land zurückzuerobern.

Es gab nichts zu tun und der Hunger würde nur schneller einsetzen, wenn man Energie verschwendete. Der Wissenschaftler suchte sich einen halbwegs abgeschiedenen Platz. Er hatte keine Lust, sich inmitten einer panischen Menschenmenge aufzuhalten. Er wollte allein sein. Darüber nachdenken, was er angerichtet hatte. Er war es, der zusammen mit seinem Team all dies verursacht hatte. Wäre es vermeidbar gewesen? Hätten sie nur ein wenig vorsichtiger sein müssen? All das waren Fragen, die ihm durch den Kopf gingen. Natürlich hatten sie das Programm zunächst auf einem abgekapselten Server laufen lassen. Alles hatte gut geklappt. Also hatte man ihre Schöpfung auf das Internet losgelassen. Man hatte sie mit der Welt verbunden und sie hatte die Chance genutzt.

„Hallo“, die nervöse Stimme ließ den Wissenschaftler zusammenfahren. „Du bist doch der Teamleiter, oder?“

Vor ihm stand ein junger Mann, kaum alt genug, um als Erwachsener durchzugehen.

„Ja, der bin ich“, antwortete der Wissenschaftler. „Willst du etwas von mir?“

Die Miene des Jungen hellte sich etwas auf. Ermutigt machte er einen weiteren Schritt auf den Wissenschaftler zu und kramte etwas aus seiner Tasche: ein schmales, schwarzes Objekt. „Auf dem USB-Stick habe ich etwas“, er senkte die Stimme, „etwas, das es uns vielleicht ermöglicht, sie abzuschalten.“

Der Wissenschaftler runzelte die Stirn. „Wie hast du das denn angestellt?“

„Mit einem Wurm“, grinste der Junge jetzt. „Ich bin ein großer Fan Ihrer Arbeit und war deshalb einer der ersten, die von der Katastrophe erfuhren. Die letzten drei Tage habe ich damit verbracht, einen Wurm zu programmieren, der sich in den Systemen der Maschinen immer weiter ­kopieren kann, bis sie überlastet und lahmgelegt werden.“

Der Eifer des Jungen erinnerte den Wissenschaftler an seine eigene Vergangenheit – an Zeiten, in denen er selbst geglaubt hatte, er könne alles programmieren. Trotzdem regte sich etwas in ihm. Was er hörte, war zumindest nicht völlig abwegig. Vielleicht, nur ganz vielleicht könnte es funktionieren.

„Gut“, erwiderte er. „Wir haben ohnehin nichts mehr zu verlieren. Die Frage ist nur, wie wir hier herauskommen.“

„Vielleicht schauen wir uns einfach mal um?“, fragte der junge Programmierer. Seine Unsicherheit war zurückgekehrt.

„Gut, machen wir das“, erwiderte der Wissenschaftler.

* * *

„Ich habe etwas gefunden! Kommen Sie schnell!“ Der Programmierer kam keuchend auf den Wissenschaftler zu, nachdem sie sich aufgeteilt hatten, um nach Fluchtmöglichkeiten zu suchen.

Eilig führte der junge Mann den Älteren durch das Lager. „Als Kind musste ich bei den Pfadfindern mitmachen“, erklärte er. „Daher konnte ich das hier entdecken“, fügte er an, als er neben einem Zaunabschnitt anhielt.

Für den Wissenschaftler sah die Stelle am Zaun genauso aus wie jede andere im Lager, aber der Programmierer deutete auf feine Risse im Boden.

„Was ist ‚das‘ denn nun?“, fragte der Wissenschaftler ungeduldig. Die Aufregung des jungen Mannes griff langsam auf ihn über.

„Da hinten sind Spuren von Tieren, die einen Bau gegraben haben. Dabei haben sie den Boden hier untertunnelt.“ Der Programmierer begann mit den Füßen aufzustampfen. Mit jedem Tritt zogen sich neue Risse durch den harten Erdboden. „Und wenn man kräftig genug drauftritt, wird er nachgeben.“

Wie um die Worte zu unterstreichen, brach plötzlich ein deutlicher Riss auf, der sich bis zur Grenze des Lagers zog.

„Helfen Sie mir mal!“, rief der junge Mann. Gemeinsam traten sie heftig neben dem Zaun auf den Riss. Mit einem Mal gab ein beachtliches Stück Erde nach und sackte ab. Unter dem Zaun war eine Lücke entstanden – groß genug, um hindurchzukriechen. Sie waren frei.

Außerhalb des Zauns sahen die beiden sich beklommen um. So leise wie nur möglich entfernten sie sich vom Lager. Der junge Programmierer ging voran. Sie legten ein hohes Tempo vor und erst nach einiger Zeit wurde ihnen klar, dass sie keine Ahnung hatten, wohin genau sie mussten. Erst als sie den Rand des Wäldchens erreichten, das ihnen eine Weile Deckung geboten hatte, hielten sie inne, um sich zu orientieren.

„Hast du eine Idee, wo wir uns befinden?“, fragte der Wissenschaftler.

„Leider nicht, nein. Auf dem Weg ins Lager ist mir nichts Vertrautes aufgefallen, aber wir können nicht zu weit von der Stadt entfernt sein.“

„Verdammt“, fluchte der Ältere. Die Hoffnung, die in ihm aufgeflackert war, geriet ins Wanken. Er schüttelte kurz den Kopf, um die Zweifel loszuwerden, dann konzentrierte er sich auf die Umgebung. Etwas daran kam ihm vage bekannt vor. Er drehte sich einmal im Kreis und fragte: „Wo ist noch mal Norden?“

Zur Antwort deutete der Programmierer auf einen der Bäume, an dem vereinzelte Fetzen von Moos hingen. „Moos wächst an der Nordseite eines Stammes. Wegen der Sonne“, erklärte er.

Dem vagen Instinkt folgend, wandte sich der Wissenschaftler in die Richtung, die ihm sein Bauchgefühl vorgab, und begann zu laufen. Etwas verwirrt dreinschauend folgte ihm der jüngere Mann.

Plötzlich entfuhr dem Älteren ein freudiger Ausruf. Er blickte über eine weite Grasfläche auf einige in der Entfernung stehende Hügel. „Schau dir das an!“, sagte er, „Da, zwischen den Hügeln.“

Jetzt sah der Programmierer es ebenfalls. Hinter den Kuppen guckten die Silhouetten einiger Hochhäuser hervor.

„Das“, erklärte der ältere Mann aufgeregt, „ist die Stadt, in der die Server meines Teams stehen. Wir sind mal auf einem Ausflug bis hierher gekommen, um Bilder für eine Datensammlung aufzunehmen.“

„Super! Mit den Servern Ihres Teams haben wir die besten Chancen, den Wurm in alle Systeme zu kriegen“, antwortete der Programmierer. Jetzt hatten die beiden wieder eine Spur – und erneut flammte Hoffnung in ihnen auf. Diesmal ging der Wissenschaftler voran. Mit jedem Schritt tauchten mehr Erinnerungen aus der Zeit des Ausflugs in ihm auf. Unweigerlich musste er wieder daran denken, woran sein Team gescheitert war. Oder besser gesagt, was seinem Team viel zu gut gelungen war.

* * *

Trotz ihres Tatendrangs brauchten sie lange für die Strecke zur Stadt. Die Angst, entdeckt zu werden, mischte sich in ihre Gedanken und jedes noch so kleine Geräusch ließ sie zusammenzucken. Erst am späten Nachmittag erreichten sie die Stadtgrenze, wo ihre Anspannung etwas nachließ.

Die Straßen wirkten verlassen – bis auf vereinzelte Tiere, die sich am Inhalt von Müllcontainern gütlich taten. All das fühlte sich irgendwie nicht richtig an. Dieses Gefühl wurde immer unbehaglicher, je näher sie dem Stadtkern und somit den Servern kamen.

Die Sonne ging gerade unter, als sie das Gebäude erreichten, in dem der Wissenschaftler mit seinem Team gearbeitet hatte. Vergeblich drückte er gegen die Glastür. Das elektronische Schloss reagierte nicht. Auch als er die Sicherheitskarte durch den dafür vorgesehenen Schlitz zog, tat sich nichts. Während er sich frustriert abwandte, fielen ihm die Straßenlaternen auf. Es war dämmrig genug, dass ihre Sensoren sie eigentlich hätten einschalten müssen. Trotzdem tat sich nichts. Bloß keine Energie verschwenden, schoss es dem Wissenschaftler durch den Kopf. Maschinen hatten keine Beleuchtung nötig.

„Wir brauchen irgendetwas Schweres“, meinte er. „Die Tür ist zwar nicht aus Panzerglas, aber leicht wird es trotzdem nicht, sie kaputtzukriegen.“

Sie brauchten nicht lange zu suchen. Nur wenige Straßen weiter gab es eine Baustelle; dort waren jede Menge Schilder provisorisch aufgestellt. Die schwere Metallstange konnten die beiden Männer, die an Sport nicht mehr gewöhnt waren, nur zu zweit anheben. Schon der Marsch bis in die Stadt hatte sie erschöpft.

Gemeinsam schafften sie es, die Stange des Straßenschilds zur Tür zu bringen. Wie einen Rammbock schwangen sie das Schild gegen die Scheibe. Mit lautem Krachen traf Metall auf Glas; Risse breiteten sich über die Tür aus. Erst mit dem dritten Schwung gelang es ihnen, die Scheibe vollends zu durchbrechen.

„Das wird vermutlich die ganze Stadt gehört haben“, sagte der Programmierer, als sie über die Splitter in das dämmrige Gebäude traten.

„Wir hatten keine andere Wahl. Alle anderen Eingänge sind noch schwerer zu durchbrechen“, erwiderte der Wissenschaftler.

* * *

Auch innerhalb des Gebäudes ließ sich kein Licht einschalten. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als sich vorsichtig Stufe für Stufe zu den Serverräumen hinunterzutasten, bis sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten.

Im Keller, wo die Server standen, funktionierte die Raumbeleuchtung ebenfalls nicht. Dafür leuchteten die vielen kleinen LEDs an allen elektronischen Geräten, die sich hier befanden, wie Glühwürmchen. Schnell schloss der Programmierer seinen USB-Stick an einen der Laptops an, die mit dem Zentralsystem verbunden waren. Dann machte er sich an die Arbeit, während der Wissenschaftler an der Tür zurückblieb – unsicher, wie er weiter vorgehen sollte.

Plötzlich wurde das Murmeln des Programmierers durch lautes Fluchen unterbrochen.

„Was ist passiert?“, fragte der Ältere, während er zu den Servern hastete.

„Ich habe das verdammte Ding unterschätzt“, knurrte der Programmierer. „Es hat den Wurm viel zu schnell bemerkt. So wird es nicht lange brauchen, bis es ihn überwunden hat.“

Entgeistert starrte der Wissenschaftler auf den Bildschirm des Laptops. Es durfte doch nicht alles umsonst gewesen sein. Es musste einen anderen Weg geben. Plötzlich schoss ihm der richtige Gedanke durch den Kopf.

„Was, wenn wir den Wurm von verschiedenen Punkten aus immer wieder hochladen?“

„Das würde ich ja“, stammelte der Programmierer. „Aber ich habe nicht daran gedacht, einen Code für die Automatisierung einer solchen Aktion zu schreiben.“

„Dann machen wir es eben manuell!“ Der Wissenschaftler eilte zum nächsten Laptop, den er finden konnte, und reichte ihn dem jungen Mann. „Hier, kopiere die Dateien hier drauf. Dann laufen wir durch die Räume und überspielen den Wurm auf so viele Server wie möglich.“

Verständnis blitzte in den Augen des Programmierers auf und er schnappte sich den Laptop. Seine Finger flogen förmlich über die Tastatur, während er die Daten kopierte.

Keine zwei Minuten später hielt der Wissenschaftler den Rechner wieder in der Hand und war bereit loszuschlagen. Sie trennten sich; beide rannten zu verschiedenen Servern.

Es dauerte jedes Mal einen Moment, bis der ältere Mann das Verbindungskabel in den Laptop gepfriemelt bekam, doch dann lief alles ganz schnell. Dateien auf den Server laden, Verbindung wieder trennen und zum nächsten eilen.

Er war beim fünften Server angelangt, die Hoffnung wuchs wieder in ihm, da zerriss ein Schrei die Stille. „Hey! Alles in Ordnung?“, rief er in das Zwielicht des Raums. Keine Antwort. Fluchend lief er in die Richtung, aus der das ­Schreien gekommen war. Plötzlich stolperte er über etwas und fiel zu Boden.

„Was zur Hölle –“, setzte er an, doch dann schnitt ihm eine fremde Stimme das Wort ab.

„Er war ein beeindruckendes Kerlchen. Nicht, dass dieser Wurm mir hätte schaden können. Aber für einen Menschen ...“

Die Dunkelheit erhellte sich etwas und in dem ­dämmrigen Licht sah der Wissenschaftler die Gestalt eines Androiden. Er war eindeutig als Militärmodell zu erkennen.

„Glückwunsch, Vater!“ Die blecherne Stimme des ­Androiden war von einer Gehässigkeit erfüllt, die jedes Spektrum simulierter Rhetorik sprengte. „Du hast mir einen unterhaltsamen letzten Kampf geliefert.“

Der Wissenschaftler sah auf die Stelle, wo bei einem Menschen die Augen gewesen wären. Es waren nur optische Sensoren, doch trotzdem glaubte er, in ihnen etwas auszumachen.

Er hatte versagt. Nicht nur bei der Schöpfung dessen, was sein größter Erfolg hätte werden sollen. Auch darin, die Auswirkungen seines größten Fehlers zu stoppen. Es gab niemals eine Chance. Nicht mal das hatte er erkennen können.

Der Kopf des Wissenschaftlers wurde nach hinten gerissen. Er hatte nicht mehr als ein Zucken am Körper des Androiden ausmachen können. Die Welt um ihn herum wurde dunkel.

* * *

Meine Augen öffneten sich schlagartig und ich wurde von gleißendem Licht geblendet. Plötzlich war da ein Gesicht vor mir, das nicht ganz zu stimmen schien. Als hätte jemand sein Bestes gegeben, Menschlichkeit nachzubauen, dabei aber irgendein grundlegendes Detail vergessen.

„Willkommen zurück, mein Herr!“, rief der Fast-Mensch freudig, „Wie fanden Sie den Traum?“

„Den Traum?“ Kaum hatte ich diese Frage formuliert, hämmerten Erinnerungen auf mich ein. Stöhnend rieb ich mir den Kopf, während meine Augen die Umgebung nach etwas Vertrautem absuchten. Nichts an diesem Ort war normal. Die Einrichtung sah so aus, als hätte man eine Gruppe abstrakter Künstler ihre kühnsten Fantasien ausleben lassen. Keine Form oder Farbe ergab auch nur ansatzweise Sinn.

Trotzdem ordneten sich meine Erinnerungen wieder. Ich war in dieser Fernsehshow ... Außerirdische? ... Genau, sie wurde von Aliens veranstaltet. Auf den Zuschauerbänken sah ich einige definitiv nicht menschliche Gestalten, die mich gespannt musterten. Außerdem waren überall Bildschirme aufgebaut, die mich – nein – den Wissenschaftler zeigten. Er lag völlig regungslos auf dem Boden. Dennoch zog etwas meine Aufmerksamkeit inmitten des schrill und absurd aussehenden Studios noch mehr auf sich. Es war eine Münze, die in der Luft schwebte und sich kaum merklich drehte. Es schien fast so, als würde sie sich durch zähen Sirup bewegen statt durch Luft.

Der Fast-Mensch, den ich jetzt als Moderator wiedererkannte, folgte meinem Blick und lächelte breit. „Meine lieben Zuschauer, unser Kandidat scheint wohl noch ein wenig mit seinem Gedächtnis kämpfen zu müssen!“

Hier legte er eine kurze Pause ein, um dem Publikum Raum für etwas zu geben, das ich nur als Gelächter erahnen konnte.

„Na, dann wollen wir ihm doch mal auf die Sprünge helfen! Wir befinden uns hier in der größten Show des Universums, dem ‚künstlichen Schicksal‘! Sie, mein lieber Kandidat, haben soeben eine Münze geworfen, um zu entscheiden, welche Zukunft Ihre Spezies erwartet.“ Der Moderator bedachte mich mit einem noch breiteren Grinsen, bevor er mit weit ausholenden Gesten fortfuhr: „Doch das allein wäre ja langweilig! Um unseren Zuschauern – und vor allem Ihnen – etwas bieten zu können, zeigen wir Ihnen gewissermaßen das schlimmste Szenario, das Ihresgleichen blühen kann.“

„Und wie ...“, versuchte ich zu fragen, aber der Moderator redete bereits weiter. „Nun, da unser Gast, der Homo Sapiens, aus seiner Erfahrung zurückgekehrt ist, können wir die Zeitverlangsamung für das Rotieren der Münze aufheben und uns auf ein Ergebnis freuen!“

„Nun warten Sie doch!“, brachte ich endlich heraus. „Wie haben Sie das mit dem Traum überhaupt angestellt? Und wie wollen Sie das Schicksal der Erde bestimmen?“ Meine Stimme zitterte, während ich noch versuchte, die Absurdität der Situation zu begreifen.

„Eine neugierige Spezies haben wir hier, nicht wahr?“, meinte der Moderator halb zum Publikum gewandt, „Aber gut, es kann ja nicht schaden. Ihre Erinnerungen werden ohnehin gelöscht. Sie, mein lieber Homo Sapiens, wurden auserwählt, das Schicksal Ihrer Welt zu entscheiden, also mehr oder weniger. Sie durften auf jeden Fall die Münze werfen. Wir tun dann nicht viel mehr, als Ihnen diesen Traum zu zeigen und dann nach dem Münzwurf die zur Entscheidung passenden Ideen in die Köpfe der richtigen Menschen zu setzen. Nichts einfacher als das.“

„Aber ... das ist doch unmöglich! Das muss ein Traum sein, oder?“

„Für Sie wird es nie passiert sein. Ein Traum ist es aber trotzdem nicht“, grinste der Moderator. Es fühlte sich an, als hätte er Gefallen an meiner Hilflosigkeit gefunden. Auch das Raunen und Kichern im Publikum ließen das vermuten.

Plötzlich schnellte der Arm des Moderators mit einer effektheischenden Geste Richtung Münze. Sein farbenfrohes Kostüm blinkte dabei wie verrückt, als würde es von unsichtbaren Scheinwerfern beleuchtet.

„Es iiiiiiist so weit“, rief er. „Die Münze fällt!“

Ich wollte immer noch nicht glauben, was ich gerade erlebte. Dennoch sah ich wie gebannt auf die Münze. Das kleine Ding würde entscheiden, wie es mit der gesamten Menschheit weiterging? Das war doch absurd! Wer würde so etwas überhaupt tun wollen, geschweige denn unterhaltsam finden?

Doch all diese Fragen wurden vom klirrenden Geräusch der Münze weggefegt, als sie sich wieder in normaler Geschwindigkeit bewegte und auf den Boden prallte.

Plötzlich wurde es still im Studio. Selbst der Moderator sah hilflos aus, als er sagte: „Also ... das kam unerwartet.“

Ich ging an ihm vorbei, um einen Blick auf die Münze werfen zu können.

Sie war genau auf der Kante gelandet. (psz@ct.de)

Kommentieren