Mainstream-Punktlandung
16-Zoll-Notebook Huawei MateBook D16 mit Sechskernprozessor Ryzen 5 4600H
Das MateBook D16 lockt mit einem großen, matten 16-Zoll-Bildschirm und einem rechenstarken Ryzen-Prozessor. Huawei verkauft das Mittelklasse-Notebook nur in einer einzigen, aber stimmigen Ausstattungsvariante für 900 Euro.
Matter Bildschirm, flotter Ryzen-Prozessor, schickes Metallgehäuse: Schon ein erster Blick ins Datenblatt des neuen MateBook D16 verspricht mehrere wünschenswerte Ausstattungsmerkmale. Weil das Notebook zudem auf die Mittelklasse zielt, muss man auch nicht schlucken, wenn man den Preis sieht. Huawei verkauft es ausschließlich in einer 900-Euro-Version, die mit 512-GByte-SSD und 16 GByte Arbeitsspeicher ebenso sinnvoll wie ausreichend ausfällt: Mehr braucht man zum Arbeiten und für Multimedia-Aufgaben nicht, weniger könnte in ein paar Jahren zu unnötigen Einschränkungen führen – Punktlandung.
Die Rechenleistung des Ryzen-Sechskerners stellt Core-i-Vierkerner – mehr hat Intels bekanntermaßen leidgeplagte 10-Nanometer-Fertigung noch nicht hervorgebracht – in den Schatten. Für 3D-Spiele ist das MateBook aber nicht gemacht: Detail- und effektreiche Spielwelten erfordern Zusatz-GPUs, während sich das Huawei-Notebook auf die im Prozessor integrierte Grafikeinheit Radeon Vega 6 verlässt – was für alles außer Gaming auch völlig ausreicht.
Wem das Aussehen des Notebooks, sein Konzept oder der 900-Euro-Preispunkt irgendwie bekannt erscheinen: Huaweis Schwestermarke Honor verkauft seit Ende 2020 mit dem MagicBook Pro ein sehr ähnliches Notebook mit seltenem 16-Zoll-Bildschirm und gleichem Ryzen 5 4600H [1]. Dennoch handelt es sich beim MateBook D16 nicht um exakt dasselbe Gerät unter anderem Namen: Bei Honor gibt es nur eine seitliche USB-C-Buchse, während Huawei derer zwei vorsieht – und damit auch ein abgewandeltes technisches Innenleben.
Beide USB-C-Buchsen geben wahlweise DisplayPort-Signale aus oder nehmen Strom vom mitgelieferten USB-C-Netzteil entgegen. Alternativ lassen sich externe Monitore auch über einen HDMI-Ausgang ansteuern und USB-Geräte über zwei klassische Typ-A-Buchsen anstecken. Ein Kartenleser fehlt, der Einschalter agiert zusätzlich als Fingerabdruckleser zum biometrischen Einloggen mittels Windows Hello.
Spinnenfinger-Webcam
Die beleuchtete Tastatur gefällt mit gutem Tippgefühl, normalgroßem Tastenraster (19 Millimeter) und zweizeiliger Enter-Taste. Einen Ziffernblock gibt es trotz des großen Gehäuses nicht: Der Platz neben der Tastatur wird von den Lautsprechern eingenommen. Der in eine Zeile gequetschte Cursor-Block erfordert hingegen Training; Gleiches gilt für die teilweise verschobene F-Tastenreihe. Huawei-typisch findet man neben F6 nämlich nicht F7, sondern die in die Tastatur versenkte Webcam; sie klappt nach einem Druck auf die „Tastenkappe“ hervor. Dies geht mit einer unpraktisch tiefen Kameraperspektive einher: Wer bei Videokonferenzen mittippt, beschert anderen Teilnehmern mit Arachnophobie Schweißausbrüche, weil riesig erscheinende Spinnenbeine-Finger durchs Bild zappeln.
Huawei begründet das Festhalten an diesem schon öfter kritisierten Punkt mit der Tatsache, dass die Nutzer den Sicherheitsaspekt einer abgedeckten Webcam schätzen würden. Andere Hersteller schaffen dasselbe allerdings mit einem mechanischen Schieber über der Webcam-Linse im Bildschirmrahmen – also auch ohne schlechten Kamerablickwinkel.
Abgesehen vom Hilfsprogramm PC Manager, welches sich um Treiber- und Firmware-Updates abseits von Windows Update kümmert, ist die Vorinstallation von Windows 10 Home frei von Software-Beigaben. Wer sich ob des Microsoft-Betriebssystems wundert: Anders als Smartphones und Netzwerkausstattung sind Huaweis Notebooks nicht von US-amerikanischen Handelsembargos betroffen, sodass AMD als Prozessor- und Microsoft als Betriebssystemlieferant weiterhin Geschäfte mit dem chinesischen Hersteller machen dürfen.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass man das MateBook D16 durchgängig im Handel vorfinden wird: Die weltweite Chipknappheit und die ausgelastete Logistik treffen Huawei wie jeden anderen Notebook-Hersteller, sodass es jederzeit zu Engpässen kommen kann [2]. Das verleitet manchen Händler, begehrte, weil sinnvoll ausgestattete Notebooks mit Aufschlag zur unverbindlichen Preisempfehlung zu verkaufen. Gerade die Mittelklasse ist betroffen: Das oben erwähnte Schwestermodell MagicBook Pro wurde zeitweise von mehreren Händlern zu Preisen um 1200 Euro angeboten – häufig just dann, wenn Honors eigener Webshop es nicht zur 900-Euro-UVP liefern konnte. Apropos Hersteller-Webshop: Wer das MateBook D16 bei Huawei selbst kauft, bekommt bis Mitte Mai einen 24-Zoll-Monitor kostenlos dazu.
Obwohl das Notebook ein 16-Zoll-Panel hat, ist es dank schlanker Bildschirmränder nicht größer als ältere 15,6-Zoll-Notebooks. Wie solche kann man es nicht nur auf dem Schreibtisch benutzen, sondern durchaus mobil verwenden – wenngleich es mit 1,7 Kilogramm Gewicht und maximal 12 Stunden Laufzeit keine Mobilitätsrekorde aufstellt. Der Lüfter übersteht kurze Lastspitzen ohne Aufheulen; bei anhaltender Rechenlast rauscht er mit erträglichen 1,9 Sone.
Fazit
Der größte Knackpunkt des MateBook D16 ist die in der Tastatur platzierte Webcam – angesichts der aktuell unabdingbaren Videokonferenzen sollte Huawei die Positionierung bei künftigen Notebooks endlich überdenken. Davon abgesehen ist das Gerät ein ordentliches Mittelklasse-Notebook mit mattem Bildschirm, viel Rechenleistung und sinnvoller Ausstattung in genau einem 900-Euro-Paket. (mue@ct.de)
| Huawei MateBook D16 (AMD, 2021): Daten und Testergebnisse | |
| getestete Konfiguration | HVY-WAP9D |
| Lieferumfang | Windows 10 Home 64 Bit, Netzteil |
| Schnittstellen (V = vorne, H = hinten, L = links, R = rechts, U = unten) | |
| VGA / DVI / HDMI / DisplayPort / Kamera (Hello) | – / – / L / – / ✓ (–) |
| USB 2.0 / USB 3.0 / USB 3.1 / LAN | – / 2 × L (2 × Typ C), 2 × R / – / – |
| Kartenleser / Strom / Docking-Anschluss | – / – / – |
| USB-C: Thunderbolt / USB 3.0 / USB 3.1 / DisplayPort / Laden | – / ✓ / – / ✓ / ✓ |
| Ausstattung | |
| Display | ChiMei N161HCA-EA3: 16,1 Zoll / 40,8 cm, 1920 × 1080, 16:9, 137 dpi, 4 ... 295 cd/m², matt |
| Prozessor | AMD Ryzen 5 4600H (6 Kerne mit SMT), 3 GHz (Turbo bis 4 GHz), 6 × 512 KByte L2-, 2 × 4096 KByte L3-Cache |
| Hauptspeicher / Chipsatz | 16 GByte DDR4-3200 / AMD Renoir-SoC |
| Grafikchip (Speicher) / mit Hybridgrafik | int.: AMD Radeon Vega 6 (vom Hauptspeicher) / – |
| Sound | HDA: Realtek ALC256 |
| LAN / WLAN | – / PCIe: Intel AX200 (Wi-Fi 6, 2 Streams) |
| Mobilfunk / Bluetooth (Stack) | – / USB: Intel (Microsoft) |
| Touchpad (Gesten) / TPM / Fingerabdruckleser | I2C: HID (max. 4 Finger) / TPM 2.0 / SPI: Goodix |
| Massenspeicher / optisches Laufwerk | SSD: Samsung PM981a (512 GByte) / – |
| Stromversorgung, Maße, Gewicht | |
| Akku (Ladestopp < 100 % einstellbar) | 55 Wh Lithium-Ionen (–) |
| Netzteil | 65 W, 200 g, 6 cm × 6 cm × 2,8 cm, Steckernetzteil |
| Gewicht / Größe / Dicke mit Füßen | 1,72 kg / 36,9 cm × 23,4 cm / 2 ... 2,2 cm |
| Tastaturhöhe / Tastenraster | 1,5 cm / 19 mm × 19 mm |
| Leistungsaufnahme | |
| Suspend / ausgeschaltet | 0,7 W / 0,1 W |
| ohne Last: Display aus / 100 cd/m² / max | 3,6 W / 6,4 W / 8,7 W |
| CPU-Last / Video / 3D-Spiele (max. Helligkeit) | 67 W / 15 W / 34 W |
| max. Leistungsaufnahme / Netzteil-Powerfactor | 67 W / 0,58 |
| Laufzeit, Geräusch, Benchmarks | |
| Laufzeit Idle (100 cd/m²) / Video (200 cd/m²) / 3D (max) | 12,3 h / 7,1 h / 2,4 h |
| Ladestand / Laufzeit nach 1h Laden | 85 % / 10,5 h |
| Geräusch ohne / mit Rechenlast | < 0,1 Sone / 1,9 Sone |
| Massenspeicher lesen / schreiben | 3372 / 2840 MByte/s |
| IOPS (4K) lesen / schreiben | 122624 / 100608 |
| WLAN 5 GHz / 2,4 GHz (20m) / MU-MIMO-fähig | 33 / 14,6 MByte/s / ✓ |
| Qualität Audioausgang / Dynamikumfang | / 99,8 dBA |
| Cinebench R23 Rendering (1 / n CPU) | 1171 / 8482 |
| 3DMark: Wild Life / Night Raid / Fire Strike / Time Spy / Port Royal | 5628 / 12032 / 2730 / 1012 / – |
| Preis und Garantie | |
| Straßenpreis Testkonfiguration | 900 € |
| Garantie | 2 Jahre |
| sehr gut schlecht ✓ vorhanden – nicht vorhanden | |