MIDI-Luftbrücke
WIDI Jack von CME überträgt MIDI-Signale via Bluetooth und macht Strippen überflüssig. Schwankende Latenzen können aber zum Problem werden.
Der Hersteller CME aus Singapur hat das WIDI Jack genannte Bluetooth-Interface clever konzipiert. Die kleinen blauen Kästchen verbinden sich über zwei Kabeladapter mit jedweder Art von MIDI-Anschlüssen und fangen blau an zu blinken. Sobald ein zweiter WIDI Jack bei einem anderen MIDI-Gerät in der Nähe angeschlossen wird, koppeln sich beide automatisch per Bluetooth und übertragen MIDI-Daten. Das funktioniert auf direktem Weg selbst mit alten Synthesizern, Keyboards und Gitarreneffekten, als hätte man zwei unsichtbare Kabel gezogen.
Ein WIDI Jack allein koppelt sich ebenso mit Smartphones und Tablets, Windows-PCs und Macs. Im Test klappte die automatische Direktverbindung auch zu Bluetooth-Peripheriegeräten und -Keyboards wie dem CME XKey Air oder dem OP-Z von Teenage Engineering.
Eine kostenlose App (Android/iOS) spielt Firmware-Updates ein und fasst WIDI Jacks zu Gruppen zusammen, sodass ein Sender/Empfänger mit bis zu vier anderen WIDI Jacks seine MIDI-Daten teilt. Während eine Direktverbindung zwischen zwei WIDI Jacks stabil lief, kamen sie in einer Gruppe ab und zu aus dem Tritt. Ein kurzes Aus- und Einstöpseln behob das Problem.
CME bietet WIDI Jack mit fünf Anschluss-Adaptern an, die man separat kaufen muss (siehe Tabelle). Den nötigen Strom von 3,3 bis 5 Volt zieht WIDI Jack aus der MIDI-Ausgangsbuchse (DIN oder Klinke) des Geräts. Im Test klappte das mit einer ganzen Reihe von Synthesizern: Moog Sub 37, Novation Bass Station 2, DSI Pro 2, sowie verschiedenen Elektron-Kisten.
Keinen Strom gaben hingegen der Moog Grandmother und Matriarch ab. In solchen Fällen versorgt man den WIDI Jack über seine USB-C-Buchse mit 5 Volt. MIDI-Daten überträgt die USB-Buchse allerdings nicht.
Laut CME reicht die Verbindung bei freier Sicht bis zu 20 Meter, was im Test funktionierte. Dazwischenliegende Wände verkürzten die Reichweite erheblich. Die von CME angegebene Latenz von 3 Millisekunden erreichten wir mit der Firmware 0.1.0.4 jedoch nicht. Bei uns schwankten die Werte zwischen 5 und 12 Millisekunden. Zum Spielen eines Synthesizers per Keyboard war das erträglich. Wenn ein Sequencer jedoch ein Drum-Modul ansteuerte, holperte der Beat aufgrund des hohen Jitters unweigerlich. Bei einer Bluetooth-Verbindung zu einem Mac mini mit M1-Prozessor schwankten die Latenzen sogar von 15 bis 48 Millisekunden, was in der Praxis unbrauchbar ist.
Wenn das Timing jedoch unkritisch ist, sind die WIDI Jacks praktische kleine Helfer, um selbst alte MIDI-Hardware mit Bluetooth nachzurüsten und kabellos anzusteuern. (hag@ct.de)
| CME WIDI Jack | |
| Bluetooth-MIDI-Adapter | |
| Hersteller | CME, www.cme-pro.com |
| Anschlüsse | Bluetooth 5.0, USB-C (nur Strom), separate Adapter für 5-pol./6-pol. DIN, 2,5/3,5/6,3 mm TRS-Klinke (A und B) |
| Systemanforderungen | MIDI-Gerät mit DIN- oder Klinken-Buchse, Bluetooth ab 4.0, Windows ab 10 v1909, macOS ab 10.10, Android/iOS ab 8.0 |
| Preis (Straße) | 39 € / Adapter je 9 € |