c't 12/2021
S. 78
Test & Beratung
Gaming-Phones

Ready Player Two

Gaming-Phones Asus Rog Phone 5 und Lenovo Legion Phone Duel 2

Spielefans haben andere ­Ansprüche an Smartphones: maßgeschneiderte Peripherie oder mehr Einstellmöglichkeiten etwa. Das und eine eigenwillige Optik bieten das Asus Rog Phone 5 und das Lenovo Legion Phone Duel 2. Im Test glänzen sie nicht nur in klassischen ­Gamer-Kategorien.

Von Robin Brand und Steffen Herget

Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz, dass speziell für Gamer entwickelte Hardware auffallen muss. Aus dem Duell der aktuellen Gaming-Smartphones von Asus und Lenovo geht in dieser Disziplin Lenovos Legion Phone Duel 2 als klarer Sieger hervor. Die Selfiekamera ploppt seitlich aus dem Gehäuse heraus, ein Lüfter verrichtet klar vernehmbar seinen Dienst und der dicke Kamerabuckel sitzt mittig auf der Gehäuserückseite. Das Asus Rog Phone 5 wirkt im Vergleich fast schüchtern designt – krawallig sieht es allenfalls im Vergleich mit „normalen“ Smartphones aus.

Dass sich Rog Phone 5 und Legion Phone besser als andere Smartphones zum Spielen eignen, liegt nicht in ihren besonders schnellen Prozessoren begründet. Zwar greifen Asus und Lenovo – natürlich – auf Qualcomms schnellsten Chipsatz zurück, aber der werkelt auch in anderen Smartphones. Vielmehr sind es die maßgeschneiderte Peripherie, zusätzliche Gehäusetasten und die umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten.

App-Zentrale

Zentrale Anlaufstelle des Rog Phone ist die App „Armoury Crate“. Darin hinterlegt Asus alle installierten Spiele, für die sich jeweils individuelle Einstellungen festlegen lassen. Das reicht von der Touch-Empfindlichkeit über die Aktualisierungsrate des Displays bis hin zu Systemleistung und Netzwerknutzung. Neben individuellen Profilen für die Spiele stehen auch globale Profile bereit, etwa solche für beste Leistung oder längste Laufzeit.

Einen solchen Bereich gibt es beim Lenovo-Smartphone ebenfalls, er heißt Realm. In der Liste der Spiele lässt sich mit Filtern die Auswahl eingrenzen, beispielsweise auf Titel, die 144 Hz Bildwiederholrate oder die erweiterte Bedienung mit den Schultertasten unterstützen. Während des Spielens lässt sich zudem die Prozessorleistung mit dem Rampage-Modus kurzzeitig erhöhen, der Lüfter einschalten oder das eigene Game direkt streamen. Für letzteres müssen Gamer einen Account bei YouTube oder Twitch besitzen.

Zusätzliche Tasten im Gehäuse

Beide Smartphones sind mit berührungssensitiven Flächen im Gehäuserahmen ausgestattet, die beim Spielen als Schultertasten dienen. Die Flächen des Asus-­Smartphones sind jeweils zweigeteilt, sodass insgesamt vier dieser Schultertasten bereitstehen. In der Praxis haben wir die verschiedenen Bereiche der kleinen Flächen nach kurzer Eingewöhnung zielsicher getroffen. Hilfreich ist das optionale haptische Feedback. Die Flächen reagieren auf Tipp- und Streichgesten, und es lassen sich verschiedene Aktionen hinterlegen – individuell anpassbar pro Spiel. Auch die Empfindlichkeit der Tasten und des Gyroskops für die Bewegungssteuerung kann man den eigenen Vorlieben ­anpassen.

Lenovo baut ebenfalls vier Schultertasten mit Touch-Bedienung in den Gehäuserahmen ein. Durch den besonderen Schliff des Rahmens sind die einzelnen Tasten besser zu erfühlen als die des Asus. Rechts und links der beim Legion Phone mittig platzierten Hauptkamera sind spezielle Vibrationsmotoren untergebracht, die das Smartphone ordentlich durchschütteln können.

Maßgeschneidertes Zubehör

Die Bedienelemente des Asus erweitert ein anklippbarer Lüfter um zwei weitere mechanische Tasten. Tatsächlich stellten diese eine deutliche Verbesserung des Lüfters gegenüber den Vorgängergenerationen dar. Ärgerlich, dass er nur den teureren Pro- und Ultra-Modellen beiliegt. Separat kostet er 50 Euro. Weiterhin ist der Lüfter mit einem ausklappbaren Ständer ausgestattet – so kann man das Smartphone zum Beispiel zum Filmeschauen vor sich abstellen. Wie schon bei der vorigen Generation hatte der Lüfter auf die Leistung des Smartphones selbst keinen messbaren Effekt, es drosselte bei Raumtemperaturen um 21 °C unter 30-minütiger Dauerlast kaum – egal ob der Lüfter angeklemmt war oder nicht. Als Kühlung für schwitzige Hände tat er aber durchaus seine Dienste.

Lenovo baut den Lüfter gleich direkt ein und beleuchtet ihn mit eigenen LEDs blau oder rot. Der kleine Bläser ist jedoch nicht nur optisch auffällig, er pustet auch hörbar vor sich hin, wenn das Smartphone gefordert wird. Warm wird das Legion Phone freilich trotzdem, und ähnlich wie beim Rog Phone ist kein messbarer Vorteil durch die aktive Kühlung festzustellen. Über die Software lässt sich der Lüfter ein- und ausschalten und in zwei Stufen regeln. Speziell bei aufwendigen Spielen saugt der Lüfter ordentlich am Akku: In der Automatik hielt das Lenovo 11,1 Stunden durch, schalteten wir den Lüfter aus, waren es 13,6.

Kurios: Das Lenovo entfaltet seine volle Ladegeschwindigkeit nur, wenn zwei Ladekabel gleichzeitig ­eingesteckt sind.

Das zusätzlich erhältliche Kunai-Game­pad verwandelt das Rog Phone in eine Handheld-Spielekonsole. Ähnlich dem Konzept der Nintendo Switch ist der Controller zweigeteilt und lässt sich seitlich – mit passender Hülle – ans Smart­phone-­Display klemmen oder als Controller ­verwenden, wenn man das Smartphone vor sich abstellt.

Leistung satt

Klotzen, nicht kleckern heißt es mit Blick auf die Ausstattungsliste. Müßig zu erwähnen, dass beide Smartphones mit Qualcomms Top-SoC Snapdragon 888 ausgestattet sind. Damit gehören sie zu den schnellsten Android-Smartphones auf dem Markt. Fast schon wahnwitzig mutet die maximale Speicherausstattung mit 18 GByte Haupt- und 512 GByte Flashspeicher des Asus an. Wir hatten die Version mit 16 GByte und 256 GByte im Test – und konnten sie erwartungsgemäß mit keinem aktuellen Spiel an Grenzen bringen. Auch anspruchsvolle 3D-Spiele lassen sich mit höchster Auflösung und Bildwiederhol­rate zocken. Gleiches gilt für das Legion Phone, das in nur einer Speichervariante mit 16 GByte RAM und 512 GByte Arbeitsspeicher zu haben ist. Das System beansprucht davon etwa 50 GByte für sich, bei Asus sind es nur 26 GByte.

Was ein ordentliches Gaming-Smartphone sein will, muss ein großes, helles und schnelles Display haben. Asus und Lenovo setzen auf 144 Hz-OLEDs, 6,8 und 6,9 Zoll Diagonale und im Falle des Rog Phone auf besonders hohe Helligkeits­werte. Unter unserem Messgerät strahlt der Bildschirm des ROG Phone 5 deutlich ­heller als der im Legion Phone, das nur durchschnittliche Ergebnisse lieferte. Knallige Farben und scharfe Kontraste haben beide.

Kräftiger Sound

Beim Sound spart sich Lenovo die Kopfhörerbuchse; die beiden vorn eingebauten Dolby-Atmos-Lautsprecher machen mächtigen Radau. Letzteres lässt sich auch von den Asus-Lautsprechern behaupten, die überaus kräftig tönen und zu den besten Smartphone-Lautsprechern überhaupt zählen. Darüber hinaus spendiert Asus dem Rog Phone eine Klinkenbuchse mit Kopfhörerverstärker. Das sind keine leeren Worte, wir haben eine Ausgangsspannung von zwei Volt gemessen, das ist doppelt so viel wie üblich bei einem Smartphone. So lassen sich auch hochohmige Kopfhörer mit kräftigen Lautstärken betreiben.

Der ansteckbare Lüfter des Asus Rog Phone 5 erweitert es um zwei zusätz­liche Tasten und einen ausklappbaren Ständer.

Bei modernen Smartphones finden verstärkt zweigeteilte Akkus Verwendung, so auch in den beiden Spielehandys. Ungewöhnlich ist, dass die beiden Smartphones mit zwei USB-C-Anschlüssen bestückt sind, einem seitlichen und einem an der Unterseite des Geräts. So findet sich auch während des Spiels immer ein passender Port. Wahlweise pumpen beide Geräte den Strom während des Spielens am Akku vorbei, um diesen zu schonen. Beide Smartphones befüllen mit 65 (Asus) respektive 90 Watt (Lenovo) ihre Akkus mit Gesamtkapazitäten von 6000 und 5500 mAh in Windeseile. Das Lenovo entfaltet seine volle Ladegeschwindigkeit aber nur, wenn man an beiden USB-­Anschlüsse gleichzeitig lädt. Drahtloses Aufladen bieten beide nicht.

Die Kamerapositionen beim Legion Phone sind ungewohnt. Die Hauptkamera hat mittig ihren Platz neben Lüfter und beleuchtetem Logo, während die Selfie-­Kamera bei Benutzung aus dem Gehäuse herausfährt – und zwar mitsamt dem Powerbutton mittig an der rechten Seite. Damit sollen Gamer bequem im Quer­format streamen können, und das geht auch in 4K.

Die 64-Megapixel-Hauptkameras der beiden Geräte machen ordentliche Fotos bei gutem Licht, das ROG Phone verbucht leichte Vorteile für sich. Der Nachtmodus des Legion Phone, den Lenovo liebevoll „Abend“ nennt, macht überraschend gute Bilder, solange die Kamera ruhig steht. Beide Geräte filmen mit maximal 8K-Auflösung. Die Ultraweitwinkelkameras sind deutlich unschärfer und blasser und fallen qualitativ stark ab. Teles haben beide ­Spiele-Handys nicht.

Ungewöhnlich in dieser Preisklasse ist, dass beide Geräte keinen Schutz gegen Wasser und Staub bieten. Während der Grund beim Lenovo klar sicht- und hörbar auf der Rückseite seinen Dienst verrichtet, findet sich auf der Asus-Rückseite kein solcher Lüfter als Erklärung dafür. Hinsichtlich erwartbarer Updates bleiben beide Hersteller vage, Lenovo verspricht ein Upgrade auf Android 12, Asus machte auf Anfrage gar keine Angaben - schwach angesichts von Preisen um 1000 Euro.

Fazit

Mission erfüllt: Beide Smartphones eignen sich außerordentlich gut zum Spielen. Die Bedienkonzepte mit etlichen zusätzlichen Touchflächen in Gehäuserahmen und -rückseite erweitern die Möglichkeiten enorm. Lange Laufzeiten und gute Displays runden die Konzepte ab. Wer nicht nur spielen, sondern auch streamen will, sollte zum Lenovo mit quer eingebauter Kamera greifen. Für alle anderen dürfte das alltagstauglichere Rog Phone die bessere Wahl sein. (rbr@ct.de)

Gaming-Smartphones
Modell Lenovo Legion Phone Duel 2 Asus ROG Phone 5
Betriebssystem / Security Level Android 11 / Februar 2021 Android 11 / Februar 2021
Ausstattung
Prozessor / Kerne × Takt / GPU Qualcomm Snapdragon 888 / 1 × 2,8 GHz, 3 × 2,4 GHz, 4 × 1,8 GHz / Adreno 660 Qualcomm Snapdragon 888 / 1 × 2,8 GHz, 3 × 2,4 GHz, 4 × 1,8 GHz / Adreno 660
RAM / Flash-Speicher / Kartenslot 16 GByte / 512 GByte (492 GByte) / – 16 GByte / 256 GByte (240 GByte) / –
LTE / SIM / Dual-SIM LTE Cat. 20/13 (2000 MBit/s / 150 MBit/s)/ nanoSIM / ✓ LTE Cat. 20/13 (2000 MBit/s / 150 MBit/s)/ nanoSIM / ✓
5G Band: 1 / 28 / 77 / 78 / 260 / 261 ✓ / ✓ /✓ / ✓ / – / – ✓ / ✓ /✓ / ✓ / – / –
WLAN (Antennen) / Bluetooth / NFC / Kompass / Standortbestimmung Wi-Fi 6 (2) / 5.2 / ✓ / ✓ / GPS, Glonass, Beidou, Galileo Wi-Fi 6 (2) / 5.2 / ✓ / ✓ / GPS, Glonass, Beidou, Galileo
USB-Anschluss / Kopfhöreranschluss 2 × USB-C (3.1), OTG, kein DP / – USB-C (3.1) + USB-C (2.0), OTG, DP / ✓
Akku / Ladezeit / Drahtlosladen 5500 mAh / 13 min: 50 %, 33 min: 100 % / – 6000 mAh / 17 min: 50 %, 53 min: 100 % / –
Abmessungen / Gewicht / Schutzklasse 17,4 cm × 7,8 cm × 1,29 cm / 265 g / – 17,3 cm × 7,7 cm × 1,15 cm / 240 g / –
Display
Größe / Technik 6,9 Zoll / OLED 6,8 Zoll / OLED
Auflösung / Punktdichte 2460 × 1080 Pixel / 388 dpi 2448 × 1080 Pixel / 394 dpi
Helligkeitsregelbereich / Ausleuchtung 3,54 ... 589 cd/m2 / 96,5 % 4,5 ... 890 cd/m2 / 92,4 %
Kamera
Hauptkamera Auflösung / Blende / OIS 64,2 MP (9248 × 6944) / ƒ/1,9 / – 15,7 MP (4576 × 3432) / ƒ/1,8 / –
Weitwinkelkamera Auflösung / Blende / OIS 15,9 MP (4608 × 3456) / ƒ/2,2 / – 13 MP (4160 × 3120) / ƒ/2,2 / –
Frontkamera 44 MP (7968 × 5480) / ƒ/2 / – 23,8 MP (5632 × 4224) / ƒ/2,5 / –
Messungen, Laufzeiten, Benchmarks
Laufzeiten bei 200 cd/m2 Helligkeit 17 h HD-Video 60 fps / 11,7 h 4K-Video 120 fps / 11,1 h 3D-Spiel / 16 h Videostream1 22 HD-Video 60 fps / 13,5 h 4K-Video 120 fps / 15,3 h 3D-Spiel / 23,7 h Videostream
Coremark Single / Multi 22738 / 101294 22679 / 102881
Geekbench V4 Single, Multi / V5 Single, Multi 5065, 14428 / 1132, 3659 5044, 14526 / 1126, 3694
GFXBench Car Chase / Manhattan 3.0 / Manhattan 3.1 (je On-, Offscreen) 57 fps, 73 fps / 132 fps, 164 fps / 96 fps, 117 fps 55 fps, 67 fps / 107 fps, 123 fps / 79 fps, 97 fps
3DMark Wild Life / Wild Life Stresstest 5828 / 87,4 % 5716 / 91,2 %
Bewertungen
Performance / Ausstattung plusplus / plus plusplus / plus
Kamera / Display neutral / plus neutral / plusplus
Preis 999 € (16 GByte RAM/512 Flashspeicher) 799 € (8 GByte RAM/128 Flashspeicher), 899 € (12/256), 999 € (16/256), 1199 € (16/512), 1299 € (18/512) €
1 alle Messungen mit automatischer Lüfterregelung ✓vorhanden – nicht vorhanden plusplus sehr gut plus gut neutral zufriedenstellend minus schlecht minusminus sehr schlecht

Kommentieren