Unreife Ware
Amazon eero 6: Mesh-WLAN mit Wi-Fi 6
Ein eero-6-Kit bringt schnelles WLAN bis in die letzte Wohnungsecke und bindet auch Smart-Home-Gadgets per Zigbee ein. Es eignet sich aber noch nicht für alle Internet-Anschlusstypen und Anwendungen.
Auf den ersten Blick wirkt Amazons auf Wi-Fi 6 aktualisiertes eero-System rund: Die Nodes sind unaufdringlich und kompakt gestaltet, die App führt – mit zwangsweiser Amazon-Cloud-Anbindung – geschmeidig durch die Einrichtung. Das WLAN ist auf aktuellem Stand, stellt aber mit zwei Zwei-Stream-Funkschnittstellen für ein Mesh-System nur die Basisausstattung dar. Das integrierte Zigbee-Funkmodul bringt allen einen Mehrwert, die ihre Zigbee-vernetzten Smart-Home-Gadgets per Alexa oder nach Aktivieren in der App über das Konkurrenzprotokoll Thread steuern möchten (siehe S. 126). Wer IPv6 nutzen will, muss das Protokoll selbst einschalten: Der Einrichtungsassistent übergeht es ebenso wie das optionale Gastnetz.
Als kostenpflichtige Abo-Option bietet Amazon für 4 Euro monatlich den Dienst eero Secure an: Er soll eine Kindersicherung mit sicherer Suche und Inhaltsfilter sowie einen Webfilter mit Malware- und Phishing-Schutz, Werbe- und Tracking-Blocker implementieren. Vieles davon lässt sich eventuell auch im vorgeschalteten Router oder per kostenlosen Browser-Plug-ins aufsetzen.
Die getestete Firmware 6.3.0 macht einen unfertigen Eindruck: PPPoE für den Betrieb über ein xDSL-Modem fehlt ebenso wie die Mesh-Roaming-Helfer IEEE 802.11k (Radio Resource Measurement) und 11v (BSS Transition); die für effizientere Spektrumsnutzung wichtige Wi-Fi-6-Option BSS Coloring ist deaktiviert.
Dynamic Frequency Selection (DFS) zum Verwenden des ganzen 5-GHz-Bandes fehlt auch, sodass das System im Test stets im Kanalbereich 36 bis 48 arbeitete. So drohen vermehrte gegenseitige Störungen mit Nachbar-WLANs, die ebenfalls dort funken, und damit niedrigerer WLAN-Durchsatz. Multicast-IPTV (etwa für Telekom MagentaTV) leitet das eero-System nur im optionalen Bridge-Mode weiter. Mangels Multicast-to-Unicast-Umsetzung (ct.de/-2234411) in den Funkzellen zerhackt es aber die Streams, sodass das Bild unbrauchbar wird.
WPA3 und Bandsteering fürs WLAN sollen laut Beta-Ankündigung in der App demnächst kommen. Ob und wann die anderen bemängelten Punkte behoben werden, wollte Amazon nicht sagen.
Performance
Beim Umsetzen zwischen Internet und (W)LAN im IP-zu-IP-Betrieb (DHCP bzw. IPoE) schöpfte der eero-6-Router die Kapazität seiner Gigabit-Ethernet-Ports aus (siehe Tabelle). Auch im WLAN lieferte er gegen unseren Wi-Fi-6-Client Intel AX200 guten Durchsatz.
Internetzugänge der 200-MBit/s-Klasse sollte man in vielen Fällen nahezu verlustfrei weiterleiten können, auch über einen Mesh-Repeater hinweg. Beim Energiebedarf zeigte sich das Dreier-Kit bescheiden, doch kommt stets die Leistung eines externen Modems oder Routers noch hinzu – wie bei fast allen Mesh-Kits.
Fazit
Die zum Testzeitpunkt Anfang Mai 2021 aktuelle eero-6-Firmware hinterlässt ein sehr lückenhaftes Bild. Trotz guten Durchsatzes wirkt das System wie überhastet auf den Markt geworfen. Ist Ihr eigener Router schon Mesh-fähig, fahren Sie mit dazu passenden Repeatern besser. Wenn Sie aber weder PPPoE für xDSL-Internetzugänge noch Multicast-IPTV brauchen, sondern „einfach nur Internet“ überall, dann können Sie zugreifen und von hoffentlich über die Zeit nachgereichten Updates profitieren, die die von uns vermissten Mesh- und Wi-Fi-6-Kernfunktionen nachrüsten. (ea@ct.de)
| Amazon eero 6 | |
| Mesh-WLAN-System | |
| Hersteller | Amazon, www.amazon.de/eero6 |
| WLAN (MIMO-Streams) | 2 × Wi-Fi 6 (2) = IEEE 802.11ax-600 / 1200, simultan dualband, kein DFS, WPA3 in Vorbereitung |
| Bedienelemente | Reset, 1 Statusleuchte |
| Anschlüsse | 2 × RJ45 (Gigabit-Ethernet, nur am Root-Node) |
| getestete Firmware | 6.3.0 |
| NAT-Perf. PPPoE (DS / US) | nicht unterstützt |
| IP-zu-IP (DS / US) | 943 / 942 MBit/s |
| WLAN 2,4 GHz nah / 20 m1 | 344 / 151–214 MBit/s |
| 5 GHz nah / 20 m1 | 768 / 159–197 MBit/s |
| Client-Durchsatz 26 m 2,4 / 5 GHz2 | 157 / 177 MBit/s |
| Leistungsaufnahme3 | 12 Watt / 24 VA |
| jährliche Stromkosten3 | 32 € |
| Preis (Dreier-Set) | 300 € |
| 1 Root-Node gegen Intel AX200 2 im Mesh-Betrieb gegen AX200 3 Dreier-Set, idle, bei Dauerbetrieb, 30 Cent/kWh, gerundet | |