Mit Vergnügen draußen
Verführungen zum Rausgehen
Schätze suchen, virtuell um die Weltherrschaft kämpfen, per Audio Städte entdecken oder für zurückgelegte Kilometer Medaillen einheimsen – wen das Naturerleben oder die Lust am Wandern selbst nicht nach draußen treiben, den locken vielleicht spielerische Anreize hinaus.
Ein Schatz ist versteckt in Hannovers Stadtwald Eilenriede: „Eire2014_Hänschenklein“. Die Karte bei Opencaching.de verzeichnet seine Position sehr genau: N 52° 23.267' E 009° 45.781'. Ein wenig suchen muss man aber schon noch. Der Schatz – oder genauer gesagt: der Geocache – ist in einer Tupperdose verpackt. Anfang Mai fanden sich ein paar Eicheln und eine Spielzeugfigur darin. Wir haben noch ein paar c’t- und Android-Pins dazugelegt. Um große Werte geht es beim Geocaching nicht; es zählt vielmehr der Spaß bei der Suche.
Schätze, ...
Der besagte Cache ist nicht der einzige in der Eilenriede. Und weltweit haben Geocacher mehr als drei Millionen solch kleiner Schätze versteckt. Der Kreativität ist dabei kaum eine Grenze gesetzt. So kann ein Cache eine in einem Astloch verborgene Tupperdose sein, ein mit einem Magneten an einem Brückengeländer befestigtes Filmdöschen oder ein ausgehöhlter Ast.
Man muss sich schon umsehen, um einen Cache aufzuspüren, wobei es einem durchaus passiert, dass man mehrfach über den kleinen Schatz steigt, bevor man ihn entdeckt. Um es noch komplizierter zu machen, hat sich die Geocacher-Fangemeinde viele Varianten ausgedacht. Manchmal muss man Rätsel lösen, um einen Cache zu finden, und manchmal umfasst ein Cache sogar mehrere Stationen.
Gehen Sie doch auch mal auf virtuelle Schatzsuche! Sie benötigen nicht mehr als ein Smartphone mit der App der Plattform Geocaching.com, alternativ c:geo für Android oder Cachly für iOS. Caches sind bei Geocaching.com und opencaching.de verzeichnet. Und wer weiß – wenn Sie erst einmal auf den Geschmack gekommen sind, verstecken Sie dann eines Tages auch Ihren ersten eigenen Cache.
Eine spannende Schatzsuche birgt das Potenzial, auch lauffaule Kinder zu einer Wanderung zu bewegen. Suchen Sie dafür anfangs nicht zu schwierige Caches heraus – die Verzeichnisse geben darüber Auskunft, wie kompliziert ein Cache zu finden ist. Nehmen Sie einen kleinen „Schatz“ mit, den Sie für einen Geocache-Inhalt austauschen, und einen Stift. Vielen Caches liegt eine Art Logbuch bei, in dem Sie sich verewigen können.
Geocaching.com lässt sich per Freemium-Preismodell nutzen. Ein kostenloser Account genügt für den Anfang völlig. In der Premium-Version für 6,30 Euro im Monat oder gut 30 Euro pro Jahr erhält man Zugriff auf einige besondere Caches und Offline-Karten.
… Münzen und Flaggen
Ganz offensichtlich vom Geocaching inspiriert sind die Smartphone-Spiele Munzee und Flagstack. Bei Munzee, dessen Name sich vom deutschen Wort Münze ableitet, geht es wie beim Geocaching darum, Schätze anzulegen und aufzuspüren. Diese Munzees können QR-Codes sein, die zum Beispiel auf Straßenlaternen kleben, und mit der App ausgelesen werden müssen. Daneben gibt es virtuelle Munzees, denen man sich annähern muss, um sie „einsammeln“ zu können.
Es gibt nach Angaben des Betreibers mehr als 10 Millionen Munzees und mehr als eine halbe Million Spieler weltweit. Die App ist kostenlos; die Plattform finanziert sich durch den Verkauf virtueller Items, Merchandise sowie Stickern, mit denen Munzees gesetzt werden können. Ein wenig frustrierend: Bei unseren Rundgängen waren etliche QR-Codes offenbar nicht mehr vorhanden.
Bei Flagstack sammelt man per Smartphone-App virtuelle Flaggen ein. Dazu muss man bis auf 50 Meter in die Nähe einer der Flaggen kommen, ein Tipp in die App „sammelt“ die Flagge ein. Sie verschwindet damit nicht von der Karte; andere können sie weiterhin einsammeln, man selber aber nicht mehr.
In unserem Spielgebiet Hannover finden sich sehr viele Flaggen, innerhalb einer Stunde konnten wir mehr als 100 Stück einsammeln. Verwaiste Standorte wie bei Munzee gab es nicht. Mit jedem zehnten Fund erhalten Spieler eine eigene Flagge, die sie setzen können. Die App ist kostenlos. Im Online-Shop lassen sich zusätzliche Flaggen kaufen. Der Betreiber versucht sehr aktiv, einen bei der Stange zu halten. Die App meldet häufig temporäre Flags in der Nähe – für uns war das auf Dauer zu penetrant, wir haben die Meldungen deaktiviert.
Schnitzel- und Agentenjagden
Der Geocaching.com-Anbieter Groundspeak baut derzeit sein Angebot aus: Bei dem sogenannten Adventure Lab können Geocacher Schnitzeljagden generieren. An jeder Station muss man Hinweise einsammeln oder Rätsel lösen. Diese sogenannten Adventures benötigen anders als traditionelle Geocaches keine physischen Behälter und können sich auch in Gebäuden abspielen. Derzeit können nur handverlesene Premium-Mitglieder von Geocaching.com Adventures mit bis zu fünf Stationen anlegen. Nutzen lassen sich derartige Adventures von jedem. Sie benötigen dazu die kostenlose separate App Adventure Lab.
Mit Actionbound kann jeder individuelle Schnitzeljagden und Führungen anlegen, zum Beispiel für Teambuilding-Events in Unternehmen, den Unterricht, Kindergeburtstage oder als interaktive Audioguides. In einem Online-Editor klickt der Spielleiter die Aufgaben seines „Bound“ zusammen, etwa „Gehe zu den GPS-Koordinaten XY“ oder Quizfragen mit mehreren Antwortmöglichkeiten. Er kann auch QR-Codes generieren, auf der Strecke verstecken und die Teilnehmer des Bounds suchen lassen. Im Editor lassen sich Audio-, Bild- und Videodateien hochladen. In c’t 10/2018 ab Seite 134 haben wir einen ausführlicheren Artikel, der die Funktionen von Actionbound im Detail erklärt.
Die App ist gratis. Ebenso kostet es nichts, Actionbound privat zu nutzen – solange der Bound öffentlich nutzbar bleibt. Entsprechend finden sich auf der Homepage von Actionbound viele von jedermann spielbare öffentliche Bounds. Einen Bound für einen eingeschränkten Nutzerkreis anzulegen, zum Beispiel für eine private Feier, kostet 7 Euro. Ansonsten bietet der gleichnamige Betreiber für jeden Zweck gestaffelte Preise. Eine Lehrerlizenz zum Beispiel kostet 49 Euro pro Jahr, fünf Lehrerlizenzen 145 Euro pro Jahr.
Fantasiewesen fangen, Plätze erobern
Massiv immersive Augmented-Reality-Spiele (AR) vermischen die reale Welt und ihre Spielgeschichte auf noch wesentlich komplexere Weise als Geocaching, Actionbound und so weiter. Bei Pokémon Go zum Beispiel fangen Spieler Fantasiewesen (Pokémon) und hegen sie, damit sie stärker und energiegeladener werden. Ihre Pokémon lassen sie dann in virtuellen Arenen gegeneinander kämpfen. Pokémon Go ist mit einer Milliarde Downloads das mit Abstand beliebteste AR-Spiel. Sie (oder Ihre Kinder) haben also bei Pokémon Go die größte Wahrscheinlichkeit, Mitstreiter zu finden.
Derselbe Hersteller, Niantic, hat auch Ingress Prime herausgebracht. Dort geht es darum, virtuelle Portale zu erobern, aufzurüsten, zu hacken und Kontrollfelder zwischen den Portalen zu errichten, um möglichst viele Menschen zu beeinflussen. Zwei Fraktionen spielen in Ingress weltweit gegeneinander und versuchen ohne Unterlass, möglichst große Gebiete für ihre Fraktionen zu erobern.
Beim dritten Spiel von Niantic, Harry Potter Wizards Unite, wird man als Zauberer entsendet, um magische Kreaturen zu finden und durch Magie von ihren dunklen Wächtern zu befreien.
Auch in Ihrer Nachbarschaft befinden sich Arenen, Portale und magische Kreaturen. Und dort müssen Sie persönlich hingehen, wenn Sie in einem der Spiele weiterkommen wollen: Sie müssen sich mit Ihrem Smartphone in der unmittelbaren Nähe einer Arena befinden, wenn Sie Ihr Pokémon antreten lassen wollen. Das Gleiche gilt für die Ingress-Portale und magische Kreaturen.
Alle Niantic-Spiele sind kostenlos. Spieler können für echtes Geld virtuelle Items kaufen, um schneller voranzukommen. Noch in diesem Jahr soll ein weiteres Augmented-Reality-Spiel von Niantic herauskommen: Pikmin.
Per Audio rumkommen
Erkunden Sie fremde Städte oder lernen Sie Ihre eigene Stadt neu kennen – per Audio. Herkömmliche Touren mit Fremdenführern aus Fleisch und Blut gibt es in Zeiten von Corona eher nicht. Mit Audioguides können Sie aber trotzdem auf Entdeckungsreise gehen.
Gegenüber herkömmlichen Rundfahrten oder -gängen haben Audiotouren sogar eine Reihe von Vorteilen. Sie müssen sich nicht zu einer bestimmten Uhrzeit an einem Treffpunkt einfinden und auch nicht im Tempo des Vortragenden alle Stationen abklappern. Stattdessen sehen Sie in der App schon vorab, welche Wegepunkte für Sie interssant sind – und wandern oder radfahren diese in Ihrem Tempo ab, wann immer Sie möchten. Außerdem sind viele Audioguides kostenlos. Die Touren lassen sich vorab herunterladen, sodass Sie unterwegs keine Bandbreite verschwenden.
Um Audiotouren zu einem Reiseziel zu finden, empfiehlt sich eine Suche nach „Audiotour [Stadt]“ oder „Audioguide [Stadt]“ im App-Verzeichnis Ihrer Wahl. Auch ein Blick auf die Homepages der jeweiligen Städte kann Links auf solche Guides zutage fördern. Darüber hinaus gibt es ein paar Plattformen, auf denen sich Guides für viele Städte finden. Uns sind izi.travel und guidemate positiv aufgefallen.
izi.travel listet nach eigenen Angaben 15.000 Führungen „für jedes Reiseziel“. Die App und die Führungen sind kostenlos. Alleine für Hannover verzeichnet die Plattform 26 deutschsprachige Führungen, darunter 21 mit viel Liebe zum Detail vom gemeinnützigen Verein Bürgerbüro Stadtentwicklung produzierte.
guidemate listet mehr als 300 Touren in 133 Städten aus 17 Ländern. Für Hannover verzeichnete die App fünf Touren, darunter vier per Karte aufgepeppte Folgen des Podcasts Schöne Ecken, die den Führungen einen persönlichen Touch geben. Die App und die meisten Touren sind kostenlos. Der Anbieter finanziert sich mit Provisionen für kostenpflichtige Guides.
Sie kennen sich gut aus in Ihrer Hood? Dann stellen Sie sie Interessierten vor. guidemate und izi.travel ermöglichen es Ihnen, kostenlos eigene Audioguides zu veröffentlichen. Bei izi.travel ist die Veröffentlichung grundsätzlich kostenlos, bei guidemate für Privatpersonen.
Belohnungs-Apps
Sie sind keine Spielernatur und auch nicht an Kultur interessiert? Vielleicht hilft ein wenig Schulterklopfen für das zurückgelegte Wegpensum als Anschub. Ein regelmäßiges Feedback für Bewegung können Sie sich mit den Mitteln der Mobilbetriebssysteme geben lassen. Die Health-App für iOS und Google Fit für Android enthalten Schrittzähler, bei denen Sie persönliche Ziele hinterlegen können. Dazu zählen zum Beispiel täglich zurückzulegende Schritte oder „Kardiopunkte“ für Wege, die Sie in höherem Tempo zurückgelegt haben. Viele Sport-Apps für Smartphone oder Smartwatch wie Strava, Pumatrac und Nike Training Club enthalten ebenfalls Gamification-Elemente, die einen für das Geleistete loben oder mit allerlei virtuellen Badges „belohnen“.
Noch einen Schritt weiter gehen Apps wie The Conqueror Challenges. Dort treten Sie zu verschiedenen Wander-Challenges an: Sie können den 42 Kilometer langen Inka-Trail erwandern, den Berg Fuji besteigen (74 Kilometer) sowie den Camino de Santiago (772 Kilometer) oder Ultralangwanderungen wie den Appalachian Trail oder den Pacific Crest Trail mit ihren 3167 und 4000 Kilometern absolvieren.
Die Distanzen müssen Sie nicht auf den Originalstrecken bewältigen, sondern dort, wo Sie gerade unterwegs sind. The Conqueror loggt die Distanzen selber oder sammelt sie von anderen Apps oder Smartwatches ein. Man sieht jederzeit in der App, wie weit man gekommen ist und wie weit andere sind, die sich in derselben Strecke befinden. Und wenn man dann einen Trail bewältigt hat, erhält man eine echte Medaille. An einer Challenge teilzunehmen ist nicht gerade günstig. Es kostet mindestens 28,95 Euro. Aber der Einsatz kann ja als zusätzliche Motivation dienen, dranzubleiben.
Motivieren kann man sich nicht nur positiv, sondern auch mit einer gehörigen Portion Grusel: Bei Zombies, Run! geht es um genau das: Laufen Sie! Die Zombie-Apokalypse ist im Gange. Sie müssen in diesem Spiel verschiedene Missionen erfüllen. Und spätestens, wenn Sie das Grummeln der Zombies in Ihrem Nacken hören, sollten Sie sich beeilen … (jo@ct.de)
| Outdoor-Apps mit Gamification-Elementen | |||
| App | Anbieter | Systemanf. | Preis(modell) |
| Actionbound | Actionbound GmbH | Android / iOS | App kostenlos; private Bounds: 7 € |
| Adventure Lab | Groundspeak Inc. | Android / iOS | kostenlos |
| Agent-X | Qeevee GmbH | Android / iOS | kostenlos; Pro-Version: 2,99 € |
| Cachly | Zed Said Studio LLC | iOS | 5,49 € |
| c:geo | c:geo team | Android | kostenlos |
| Flagstack | Flagfactory Germany UG | Android / iOS | kostenlos; In-App-Käufe |
| Geocaching.com | Groundspeak Inc. | Android / iOS | kostenlos; erweiterte Version: 6,30 €/Monat |
| Google Fit | Google LLC | Android | kostenlos |
| guidemate | guidemate GmbH | Android / iOS | kostenlos; einige Touren kostenpflichtig |
| Harry Potter Wizards Unite | Niantic, Inc. | Android / iOS | kostenlos; In-App-Käufe |
| Health | Apple | iOS | kostenlos |
| Ingress Prime | Niantic, Inc. | Android / iOS | kostenlos; In-App-Käufe |
| izi.travel | Informap Technology Center | Android / iOS | kostenlos |
| Munzee | Freeze Tag, Inc. | Android / iOS | kostenlos; In-App-Käufe |
| Nike Training Club | Nike, Inc. | Android / iOS | kostenlos |
| Pokémon Go | Niantic, Inc. | Android / iOS | kostenlos; In-App-Käufe |
| Pumatrac | PUMA SE | Android / iOS | kostenlos |
| Strava | Strava Inc. | Android / iOS | kostenlos; In-App-Käufe |
| The Conqueror Challenges | My Virtual Mission | Android / iOS | Challenge ab 28,95 € |
Download der Apps: ct.de/y9vg