Viel druckt viel
Multifunktionsdrucker mit Tinte für 6000 Seiten
Nach den Heimdruckern mit großen Tanks zum Wiederbefüllen kommen nun Multifunktionsgeräte mit professioneller Büroausstattung und lichtstabilen Pigmenttinten in ihren Tintentanks oder Großraumpatronen. Unterschiede gibt es im Sparpotenzial.
Bei Druckern gilt die Faustregel: Je mehr Seiten die Tintenfüllung einer Patrone schafft, desto günstiger ist der Tintenpreis pro Druckseite. Ohne Patronensystem sinken diese Kosten noch weiter, doch erhöht der Einbau von Tintentanks zum Nachfüllen den Gerätepreis. Bisher haben die Hersteller hauptsächlich nachfüllbare Heimgeräte mit Flüssigfarbstofftinten (Dye-Tinten) auf den Markt gebracht und eher mager ausgestattet, um die Druckerpreise nicht allzu sehr in die Höhe schießen zu lassen. Die liegen im Schnitt beim Drei- bis Vierfachen eines Patronendruckers.
Für bürotaugliche Geräte gehören aber schneller Duplexdruck, Fax, beidseitig scannende Vorlageneinzüge sowie Pigmenttinten zum Pflichtenheft. Epson hat mit dem in dieser Hinsicht vorbildlichen, aber teuren EcoTank ET-5800 den Anfang gemacht [1]. Nun zieht Canon mit dem Büro-Mufu Maxify GX7050 nach, der vergleichbar gut ausgestattet, jedoch deutlich günstiger ist. Dazu haben wir den Brother MFC-J5945DW mit in den Test genommen, dessen XL-Patronen eine vergleichbare Reichweite von 5000 bis 6000 Seiten haben. Er bedruckt sogar Medien bis DIN A3; automatisch beidseitig drucken, scannen und kopieren kann er aber nur bis A4.
Der Epson ET-5800 kostet knapp 1000 Euro, doch hat der Hersteller mit den Modellen ET-5150 und ET-5170 mittlerweile auch günstigere Tintentankdrucker mit der guten Pigmenttinte im Programm. Leider waren sie zum Zeitpunkt dieses Tests nicht lieferbar. Auch Brother und Canon leiden unter Lieferproblemen, Anfang Mai lag der Straßenpreis des GX7050 über dem Herstellerpreis.
Vollausstattung
Beide Testgeräte bieten eine bürotaugliche Ausstattung. Für den Papiervorrat gibt es je zwei Fächer für 250 Blatt Normalpapier und einen Multifunktionseinzug für Sondermedien oder weitere 100 Blatt Normalpapier. Die Vorlageneinzüge haben zum schnellen Digitalisieren beider Vorlagenseiten in einem Durchzug eine zweite Scanzeile. Für die Netzwerkverbindung steht ein Ethernetanschluss oder WLAN zur Wahl.
An die frontalen USB-Host-Ports angesteckte Speichersticks lassen sich als Scanziel auswählen. Das Brother-Modell druckt auf den USB-Sticks gespeicherte JPG-Bilder und PDF-Dokumente direkt aus, beim Canon GX7050 funktionierte das im Test nur mit JPG- und TIFF-Dateien. PDFs kann er zwar auch, nimmt aber nur selbst gescannte an und weist andere mit einer Fehlermeldung ab. Ein Faxmodem gehört ebenfalls zur Ausstattung beider Mufus inklusive Faxspeicher und Kontaktliste. Beide drucken Sendeberichte mit Kopie der ersten Faxseite.
Tinte im Tank
Der Brother MFC-J5945DW ist zwar günstiger als der Canon Maxify, aber nur auf den ersten Blick: Canon liefert eine komplette Tankfüllung für 6000 Seiten mit, Brother legt nur sparsam befüllte Normalpatronen bei, die sich besonders beim Druck großflächiger Farbgrafik schnell leeren. Zum Kaufpreis des Brother-Druckers sollte man einen Satz XL-Patronen hinzurechnen, was auch bei Straßenpreisen mindestens 200 Euro ausmacht und den Preisunterschied zwischen unseren Testgeräten fast ausgleicht.
Spätestens nach der ersten Neubefüllung der Canon-Tintentanks und Nachkauf der Brother-XL-Patronen druckt der Canon Maxify billiger. Mit dem Brother-Gerät und XL-Bestückung kostet eine ISO-Farbseite (nach ISO/IEC 24711) 5,83 Cent an Tinte, der Anteil der Schwarztinte liegt bei 1,33 Cent. Für einen Patronendrucker ist das sehr günstig, nicht aber für ein Tintentank-Modell: Die Tintenkosten pro ISO-Farbseite betragen beim Maxify GX7050 nur 1,14 Cent (Schwarzanteil 0,6 Cent). Damit druckt das Canon-Gerät zu einem Fünftel des Preises des Patronengeräts von Brother. Verglichen mit dem Epson EcoTank [1] kostet die ISO-Seite bei Canon unwesentlich mehr.
Bemerkbar machen sich die Unterschiede zwischen den Tintenkosten verschiedener Tintentankdrucker aber erst bei extrem hohem Druckaufkommen von mehrerenTausend Seiten im Monat.
An die Arbeit
Im Büro zählen aber auch Funktion, Geschwindigkeit und nicht zuletzt Qualität. Die ersten Tintentanks druckten zwar sensationell günstig, aber auch langsam und die Farben blichen in der Sonne schnell aus. Die Pigmenttinten unserer Testkandidaten zeigten nach 100 Stunden im Tageslichtsimulator – was einem Jahr im Sonnenlicht entspricht – kein Nachlassen, was übrigens auch für die Epson-Tinte gilt. Erst nach 200 Stunden blichen die Gelbtöne der Canon-Tinte gerade so eben sichtbar aus. Das fiel uns auf der Fotopapier-Probe auf, da im Belichter auch das Normalpapier alterte und vergilbte, was das Nachlassen von Gelb etwas ausglich.
Text druckten die Geräte von Brother und Canon in guter Qualität. Erst die Lupe zeigte, das beide den Textdruck eines guten Laserdruckers nicht ganz erreichten. Bei Tintendruckern beeinflusst die Papierart die Schriftqualität stärker. Auf für Tintendruck optimiertem Normalpapier lieferten beide Drucker im Test schon in der Standardeinstellung fast optimale Ergebnisse und druckten rund 20 Seiten pro Minute. Die sehr langsamen, besten Qualitätseinstellungen brachten kaum Verbesserungen.
Für die üblichen Büroaufgaben sind beide Testdrucker gut gerüstet. Mit den jeweils drei Papierzuführungen erleichtern sie den Umgang mit verschiedenen Medien. Umschläge beschrifteten sie sauber. Für Laserdrucker typische Probleme wie durch die Fixiereinheit verursachtes Verknicken von Umschlägen und Wellen des Papiers kommen bei Tintengeräten nicht vor. Laserdrucker legen Blätter mit der Druckseite nach unten ab, bei Tintendruckern weist die bedruckte Seite nach oben. Damit man einen korrekt sortierten Stapel entnehmen kann, drucken sie die letzte Seite zuerst.
Auch als Kopierer machten beide Testgeräte eine gute Figur. Sie fertigten zügig doppelseitige Kopien an und kamen auch mit geknickten Seiten zurecht. Spuren von Knickstellen waren auf den Kopien nicht zu sehen. 30 Sekunden nach dem Druck ließ sich Text mit dem Marker bearbeiten, ohne dass die Tinte verschmierte. Nur bei mehrfachem Überstreichen entstanden Schlieren, der Text blieb lesbar.
Als Kopierer arbeiteten beide Mufus zügig und lieferten gute Qualität. Unterschiede gab es nur im Detail: So kopierte der Maxify vom Flachbett-Scanner schneller, bei Duplex-Kopien vom Vorlageneinzug hatte das Brother-Gerät die Nase vorn. Scans speichern beide auch auf einem angestecken USB-Stick als JPG oder PDF, auf Netzwerkfreigaben oder versenden sie als E-Mail-Anhang. Mit Clouddiensten sprechen beide über die Services der Hersteller, die etwa Dropbox-Speicher als Scanziel direkt über die Touchscreens der Geräte zugänglich machen. Das klappt bei Brother einfacher als bei Canon, denn beim Maxify muss man auch das Einloggen beim Zieldienst über den Touchscreen erledigen.
Am bequemsten und flexibelsten gelingt der Zugang zu Clouddiensten über ein iPhone oder Android-Smartphone und die jeweilige Hersteller-App. Diese drucken, empfangen Scans vom Mufu und speichern sie lokal oder leiten sie an einen Cloudspeicher weiter.
Fazit
Wer viele Tausend Seiten pro Jahr druckt, spart mit dem Canon Maxify GX7050 enorm an Tintenkosten und bekommt schon mit dem Gerät Tinte für 6000 Seiten geliefert. Auch der Brother MFC-J5945DW wendet sich an Vieldrucker, und wer „nur“ 1000 bis 1500 Seiten im Jahr druckt, ist mit ihm je nach Anforderung besser bedient. So spart man einen DIN-A3-Drucker für gelegentliche Großformat-Prints und den Kauf einer zusätzlichen OCR-Software, denn die im Brother funktioniert bereits ziemlich gut.
Was die Eignung für alltägliche Büroaufgaben angeht, unterscheiden sich beide Drucker nur in Details. Wer vor dem Selbst-Nachfüllen eines Tintentanks noch Respekt hat, kann zur Großraumpatrone greifen. Allerdings ist das Be- und Nachfüllen von modernen Tintentankdruckern wie dem Maxify kaum komplizierter als das Einsetzen einer Patrone und keinesfalls mit dem Geschmiere früherer Nachfüllkits vergleichbar. (rop@ct.de)
| Tinten-Multifunktionsdrucker fürs Büro | ||
| Gerät | MFC-J5945DW | Maxify GX7050 |
| Hersteller | Brother, www.brother.de | Canon, www.canon.de |
| Druckverfahren, Tinten | Piezo, 4 Pigmenttinten | Bubblejet, 4 Pigmenttinten |
| Auflösung (Fotodruck)1 | 4800 dpi × 1200 dpi | 1200 dpi × 600 dpi |
| Papiergewichte1 | 64 g/m2 … 260 g/m2 | 64 g/m2 … 275 g/m2 |
| Papierzufuhr / erweiterbar | 2 × Kassette bis A3 je 250 Blatt, MF-Einzug (100 Blatt) | 2 × Kassette 250 Blatt, MF-Einzug (100 Blatt) |
| Papierablage1 | 100 Blatt | 75 Blatt |
| Druck: Duplex / randlos | ✓ / ✓ | ✓ / – |
| Drucken von USB-Stick | ✓ (JPEG, PDF) | ✓ (JPEG, TIFF) PDF nur vom Gerät selbst erstellte |
| monatl. Druckvolumen (empf. / max.) | 2000 S. / k. A. | k. A. / 45.000 S. |
| Scannen | ||
| Scannertyp / Farbtiefe Farbe, Graust.1 | Dual-CIS / 24 Bit, 8 Bit | Dual-CIS / 24 Bit, 8 Bit |
| Auflösung physikalisch1 | 2400 dpi × 1200 dpi, 600 dpi × 600 dpi (ADF) | 1200 dpi × 1200 dpi |
| Vorlageneinzug / Duplex | 50 Blatt / ✓ | 50 Blatt / ✓ |
| zweite Scanzeile | ✓ (DADF) | ✓ (DADF) |
| Twain / WIA / OCR-Software | ✓ / ✓ / ✓ | ✓ / ✓ / ✓ |
| Netzwerk- / Cloud-Funktionen | ||
| Scan to E-Mail / FTP / SMB-Freigabe | ✓ / ✓ / ✓ | ✓ / – / ✓ |
| Scan to USB-Stick / Cloudspeicher | ✓ / ✓ | ✓ / ✓ |
| Druck-App | Brother iPrint&Scan (Android, iOS) | Canon Print (Android, iOS) |
| NFC / Wi-Fi Direct | ✓ (aktiv) / ✓ | – / ✓ |
| AirPrint / Android Print / Mopria | ✓ / ✓ / ✓ | ✓ / ✓ / ✓ |
| Cloud-Dienst des Herstellers | Brother Web Connect | IJ Cloud Printing Center |
| Kopieren und Faxen | ||
| Skalierung | 25 % … 400 % | 25 % … 400 % |
| autom. Duplex-Kopie | ✓ | ✓ |
| PC-Fax (senden / empfangen) | ✓ / ✓ | ✓ / – |
| Kurzwahladressen | 100 (je 2 Nummern) | 100 |
| Fax-Speicher1 | 180 Seiten | 250 Seiten |
| qual. Sendebericht mit Faxkopie | ✓ | ✓ |
| Sonstiges | ||
| Schnittstellen | USB 2.0, Ethernet, WLAN (IEEE802.11n 2,4 GHz), Wi-Fi Direct, RJ11 (Fax, Telefon) | USB 2.0, Ethernet, WLAN (IEEE802.11n/a, 2,4 und 5 GHz), Wi-Fi Direct, RJ11 (Fax, Telefon) |
| Betriebsabmessungen (B × T × H) | 54 cm × 81 cm × 46,5 cm | 43 cm × 64 cm × 38,5 cm |
| Gewicht | 21 kg | 13 kg |
| Display | 9,3-cm-Touchscreen (resistiv) | 6,9-cm-Touchscreen (resistiv) |
| Treiber für Windows | ab Windows 7, ab Server 2008 | ab Windows 7 SP1, ab Server 2008 R2 SP1 |
| Treiber für Mac / Sonstige | macOS ab 10.11.6 / Linux (SANE) | macOS ab 10.12.6 / Linux 64 Bit |
| Software | Brother Utilities, iPrint&Scan, PaperPort 14 SE | Scan Utility, IJ Printer Assistant, Easy-PhotoPrint |
| Sicherheit | Secure Print, HTTPs, IPPs, Kerberos, IPSec | HTTPs, IPPs |
| Druckersprachen | PCL 6, PS3-Emulation, PDF 1.7, XPS 1.0 | GDI (host based) |
| Tinten | ||
| mitgeliefert | LC-3237 | ein Satz GI-56-Tinten (eine Tankfüllung) |
| Schwarz (Reichweite1) | LC-3237BK (3000 S.); XL: LC-3239XLBK (6000 S.) | GI-56 BK (6000 S.) |
| Farbe (Reichweite1) | LC-3237C,M,Y (je 1500 S.); XL: LC-3239XLC,M,Y (je 5000 S.) | GI-56 C,M,Y (je 14.000 S.) |
| Tintenkosten / ISO-Seite (XL-Patronen) | 5,83 ct, Schwarzanteil 1,33 ct | 1,14 ct, Schwarzanteil 0,6 ct |
| sonstiges Verbrauchsmaterial | – | Tintenauffangbehälter MC-G01 (20 €) |
| Messergebnisse und Bewertung | ||
| Druckzeiten [min:s] | Grafik: 0:37 (A4), 1:10 (A3), 100 S. gem.: 9:26, Foto (Beste) 3:54 (A4), 6:59 (A3) | Grafik A4: 0:33, 100 S. gem.: 15:16, Foto (A4 Hoch) 2:09 |
| Scanzeiten | Vorschau: 5 s, 300 dpi: 6 s, 600 dpi: 18 s | Vorschau: 7 s, 300 dpi: 13 s, 600 dpi: 38 s |
| Leistungsaufnahme | Aus: < 0,1 W, Sleep: 2 W, Bereit: 5,7 W, Kopieren: 30,3 W (65 VA) | Aus: 0,2 W, Sleep: 1 W, Bereit: 4,4 W, Kopieren: 29 W (75 VA) |
| Geräuschentwicklung | Druck: 5,9 sone, Leise-Druck: 4,1 sone, ADF-Scan: 7,6 sone, Leise-Scan: 7,1 sone | Druck: 4,6 sone, Leise-Druck: 3,6 sone, ADF-Scan: 7,5 sone, Leise-Scan: 5,0 sone |
| Bedienung / Netzwerk | / | / |
| Qualität: Druck Text / Grafik / Foto | / / | / / |
| Kopien Text / Grafik / Foto | / / | / / |
| Scans Grafik / Foto / Text (OCR) | / / | / / |
| Lichtbeständigkeit Normal- / Fotopapier | / | / |
| Herstellergarantie | 3 Jahre Vor-Ort | 2 Jahre |
| Gerätepreis (UVP / Straße) | 470 € / 420 € | 650 € / 700 € |
| 1 Herstellerangabe sehr gut gut zufriedenstellend schlecht sehr schlecht ✓ vorhanden – nicht vorhanden k. A. keine Angabe | ||