Blutsbande
Resident Evil Village: Grotesker Albtraum
Der übliche Mix aus Action, Trash und absurden Splatterszenen ohne Tiefgang: Im mittlerweile zehnten Teil der legendären Horrorreihe bleibt alles beim Alten.
Rund drei Jahre ist es her, dass Ethan Winters in den Sümpfen Louisianas einen wahren Albtraum erlebte. Inzwischen haben er und seine Frau Mia sich mit Baby Rose in einem einsamen europäischen Bergdorf niedergelassen. Statt des erhofften Happy Ends klopft Agent Chris Redfield an die Tür, tötet Mia und entführt Vater und Tochter. Aber so einfach, wie die Sache scheint, ist sie nicht. Ethan wird schon bald klar, dass böse Mächte die Strippen ziehen und ihm erneut harte Zeiten bevorstehen, wenn er seine Familie retten will.
Zwischen einem aufopferungsvollen Vater, blutgierigen Werwölfen und Supermutanten erzählt das neue Resident Evil aus der Egoperspektive den bekannten Mix aus mysteriöser Folklore und den Gefahren der Hightech-Forschung. Subtile Nuancen sucht man dabei vergebens: Hauptfigur Ethan hat seit dem ersten Abenteuer dazu gelernt und ballert sich gekonnt durch verseuchte Dörfer oder riesige stillgelegte Fabriken, ohne sich um psychologische Feinheiten zu kümmern. Die geballte Ladung spritzendes Blut und fliegende Körperteile ist nur mit einer ordentlichen Portion Ironie zu ertragen.
Nicht nur inhaltlich bleibt alles beim Alten. Ethan läuft durch alte Gemäuer, löst ein paar simple Rätsel und ballert auf engstem Raum auf hartnäckige Gegner. Dazu findet er rasch von der Schrotflinte bis zum Scharfschützengewehr das entsprechende Arsenal oder greift auf die Bestände eines geheimnisvollen Händlers zurück, der stets aus dem Nichts auftaucht. Mit entsprechenden Rohstoffen kann Ethan bei Bedarf sogar selbst per Knopfdruck Munition oder Medizin herstellen. Neben der Hauptgeschichte erkundet Ethan auch ein wenig die einzelnen Gebiete, um Schätze und Waffen zu finden, die seine Suche nach der Wahrheit ein wenig erleichtern. Wie üblich muss er aber mit Munition und Medizin geschickt haushalten, um alle Feinde zu besiegen.
Altbekanntes neu verpackt
Spielerisch anspruchsvoll oder originell wird das nie – Fans der Reihe werden sich aber schnell zu Hause fühlen. Meist stürzen sich die Gegner in plumpen Angriffsmanövern auf Ethan und werden erst in der Masse zur Gefahr. Knifflig wird es, wenn sich der treue Papa in den Bosskämpfen riesigen, undefinierbaren Fleischklopsen oder Kristallhammer schwingenden Werwölfen stellen muss. Einzig origineller Lichtblick ist das Abenteuer in einem Puppenhaus, das mit seinen Licht- und Schattenspielen an klassische Geisterhaus-Geschichten erinnert. Beim Rest der Handlung ist Action angesagt, die am Ende sogar eher einem Militär-Shooter wie Call of Duty ähnelt.
Mit Horror oder Grusel hat das nur oberflächlich zu tun. Während der Vorgänger im Redneck-Szenario trotz Gewaltexzessen noch eine konstant bedrohliche Atmosphäre schuf, inszeniert Village ein oberflächliches Actionspektakel. Die Entwickler reihen wahllos Schauplätze aneinander, deren unterschiedliche audiovisuelle Stile keine einheitliche Linie erkennen lassen. So bleibt kaum Zeit, sich auf die einzelnen Szenarien einzulassen. In der knapp zehnstündigen Spieldauer gehen neben der emotionalen Komponente auch inhaltliche Themen wie Gen-Forschung, Transhumanismus oder eine traurige Familiengeschichte unter. Ist die Story einmal durchgespielt, kann man im „Söldner“-Modus auf Highscore-Jagd gehen und Punkte online verewigen.
Fazit
Resident Evil Village ist ein grotesk brutales Horrorabenteuer, das weder spielerisch noch von der Geschichte her mit dem packenden Vorgänger mithalten kann. Nach einem ruhigen Beginn konfrontiert das Spiel pausenlos mit immer absurder werdenden Schockeffekten. Subtile Gruselmomente, Logik oder eine einheitliche Linie bleiben auf der Strecke. Stattdessen werden stilistisch zusammenhanglose Actionsets aneinandergereiht, um eine breite Zielgruppe abzudecken. Das ist temporeich und mit einer geringen Erwartungshaltung unterhaltsam, wandelt aber auf einen schmalen Grat zwischen Guilty Pleasure und ärgerlichem Horror Trash. (lmd@ct.de)
| Resident Evil Village | |
| Actionspiel | |
| Vertrieb | Capcom, residentevil.com/village/de/ |
| Systeme | Windows, PS4/5, Xbox One/Series, Google Stadia |
| USK | ab 18 Jahren |
| Preis | 60 € |