Atomarer Silberling
17-Zoll-Notebook Acer Aspire 3 (A317-33) mit Pentium Silver N6000
Acer vereint im günstigen Aspire 3 (A317-33) einen großen 17-Zoll-Bildschirm mit Intels neuem 10-Nanometer-Prozessor Pentium Silver N6000. Die energieeffiziente CPU kann ihr Potenzial jedoch nicht voll entfalten.
Der Prozessorhersteller Intel fährt bei CPU-Kernen seit Jahren zweigleisig: Zusätzlich zu den großen Cores, die man in Core-i- und Xeon-CPUs vorfindet, pflegt Intel auch eine Architekturschiene für kleine Cores. Letztere sind Nachfolger der ehemaligen Netbook-Prozessoren Atom, doch dieser Markenname findet nur noch bei Embedded-Modellen Verwendung.
Im hier getesteten Acer Aspire 3 (A317-33) arbeitet der unter dem Codenamen Jasper Lake entwickelte Pentium Silver N6000. Er ist der erste neue Low-End-Chip seit langer Zeit; der 14-Nanometer-Vorgänger Pentium Silver N5000 (Gemini Lake) wurde bereits Ende 2017 enthüllt. Die neuen 10-Nanometer-Kerne namens Tremont feierten ihr Debüt bereits im Spezialprozessor Lakefield, den es aber weiterhin nur in zwei Geräten überhaupt gibt [1, 2].
Schwuppdizität
Dass Intel den Namen Atom nicht mehr bei Consumer-Produkten verwendet, dürfte damit zusammenhängen, dass er negativ belastet ist: Die ersten Atom-Netbooks waren sehr günstig, aber eben auch sehr lahm. Letzteres ist überholt: Die Mikroarchitektur wurde schon längst von In-Order auf Out-of-Order umgestellt, was die Code-Abarbeitung beschleunigt; Singlethread-Last wird dank hoher Turbo-Taktraten flott abgearbeitet und statt bremsender Festplatten sind rasante SSDs inzwischen auch bei günstigen Notebooks Standard. Beim Booten von Windows, beim Starten von Anwendungen oder dem Rendern einer Webseite spürt man deshalb keine Bremse.
Größere Rechenaufgaben, etwa das Kompilieren von Code oder die Batch-Bearbeitung von Fotos, dauern auf dem Acer deutlich länger als auf einem aktuellen Notebook mit Core-i- oder Ryzen-Prozessor. Allerdings hat sich die absolute Performance erhöht, was neue Referenzpunkte setzt: Der Pentium Silver N6000 im Aspire 3 (A317-33) ist flott wie ein fünf Jahre altes Notebook mit einen damals üblichen Doppelkernprozessor der sechsten Core-i-Generation (Skylake) – und solche Mobilgeräte sind vielerorts noch im Einsatz! Mehr noch: Während die Skylake-Prozessoren 15 Watt verheizen dürfen, begnügt sich der Pentium Silver N6000 mit bis zu 6 Watt.
Diese geringe Prozessor-TDP (Thermal Design Power) würde eine passive Kühlung erlauben, doch beim Aspire 3 (A317-33) hat Acer diese Karte nicht gezogen: Es ist ein Lüfter vorhanden, der die Abwärme bei Rechenlast sehr leise, aber eben doch hörbar aus dem Kunststoffgehäuse befördert.
Stationärgerät
Auch die niedrige Energieaufnahme bei geringer Systemlast kommt nicht vollends zum Tragen: Der matte Full-HD-Bildschirm zeigt zwar ein gutes und großes Bild, doch wegen der ausladenden Abmessungen ist er energiehungriger als kleinere Panels. Und weil das Notebook ob seiner Größe in der Regel nur innerhalb der eigenen vier Wände an unterschiedlichen Orten zum Einsatz kommen dürfte, gibt Acer ihm auch nur 36 Wh Akkukapazität mit auf den Weg – die Hälfte von dem, was so mancher auf hohe Mobilität getrimmte teure 13-Zöller an Bord hat. Dennoch: Die von uns gemessenen neuneinhalb Stunden Laufzeit im Optimalfall sind angesichts der Rahmenbedingungen durchaus respektabel.
Die Schnittstellenauswahl des Aspire 3 (A317-33) orientiert sich am Fokus auf den stationären Einsatz: Es gibt keine USB-C-Buchse zum Docking, sondern ein Rundstecker-Netzteil, USB im eckigen Typ-A-Format (wobei eine der drei Buchsen nur langsames USB 2.0 spricht), einen HDMI-Ausgang und eine RJ45-Buchse für Gigabit-LAN – letztere ist bei kompakteren Notebooks bereits ausgestorben. Das Wi-Fi-5-Modul funkt mit nur einem Datenstrom, was für DSL-Internet aber ausreicht. Ein Kartenleser fehlt.
Das Tippgefühl geht in Ordnung, doch das Layout hat Licht- und Schattenseiten. Die zweizeilige Entertaste gefällt, der einzeilige Cursor-Block hingegen gar nicht: Hoch und Runter sind in eine Zeile gequetscht; Links und Rechts haben weniger Tastenbreite. Alternativ kann man zum Excel-Zellen-Hüpfen auf den zusätzlichen Ziffernblock ausweichen, doch auch dessen Tasten fallen schmaler aus als das Hauptfeld mit den Buchstaben. Auf eine komfortable Tastenbeleuchtung muss man ebenso verzichten wie auf biometrisches Windows-Hello-Einloggen.
Acer verkauft das Aspire 3 (A317-33) in einem knappen Dutzend Ausstattungsvarianten zwischen 380 und 660 Euro. Die Unterschiede erstrecken sich auf mehr als Arbeitsspeicher (4 bis 16 GByte) und SSD-Kapazität (256 oder 512 GByte): Manche Modelle haben statt des matten Full-HD-Panels ein spiegelndes mit geringerer Auflösung (1600 × 900 Pixel); einigen fehlt das vorinstallierte Windows. Das stattdessen aufgespielte eShell-Linux bietet kaum mehr als einen blinkenden Cursor; um ein vollwertiges Betriebssystem mit grafischer Bedienoberfläche muss man sich selbst kümmern. Manche Ausstattungsvarianten verwenden einen Celeron N5100 statt Pentium Silver N6000 – ebenfalls einen Jasper-Lake-Vierkern, aber mit 2,8 statt 3,3 GHz Maximaltakt.
Die Bodenplatte ist mit 14 Schrauben fixiert; Arbeitsspeicher, M.2-SSD und WLAN-Modul sind nicht aufgelötet. Im Inneren ist viel Leerraum, und Acer hat während der Entwicklung die Bestückung mit einer 2,5-Zoll-Platte vorgesehen. Einbaurahmen und Adapterkabel dafür liegen jedoch nicht bei.
Fazit
Das Acer Aspire 3 (A317-33) macht eine ordentliche Figur, wenn man mit knappem Budget auskommen muss und sich die Mobilitätsanforderungen auf die Nutzung in den eigenen vier Wänden beschränkt. Der Pentium Silver N6000 ist keine Rakete, liefert aber genug Performance für Office- und Multimedia-Aufgaben.
Letzteres ist angesichts von Intels Roadmap auch erforderlich: Die im Herbst anstehende nächste Core-i-Generation wird die bekannten großen Kerne mit den kleinen des N6000 kombinieren, um die Effizienz bei geringer Rechenlast zu steigern. Dieses Prinzip ist in der Welt der ARM-Prozessoren längst Standard. (mue@ct.de)
| Acer Aspire 3 (A317-33): Daten und Testergebnisse | |
| getestete Konfiguration | A317-33-P179 |
| Lieferumfang | Windows 10 Home 64 Bit, Netzteil |
| Schnittstellen (V = vorne, H = hinten, L = links, R = rechts, U = unten) | |
| VGA / DVI / HDMI / DisplayPort / Kamera (Hello) | – / – / L / – / ✓ (–) |
| USB 2.0 / USB 3.0 / USB 3.1 / LAN | 1 × R / 2 × L / – / L |
| Kartenleser / Strom / Docking-Anschluss | – / L / – |
| USB-C: Thunderbolt / USB 3.0 / USB 3.1 / DisplayPort / Laden | – |
| Ausstattung | |
| Display | LG LP173WF5-SPZ1: 17,3 Zoll / 44 cm, 1920 × 1080, 16:9, 127 dpi, 19 ... 233 cd/m2, matt |
| Prozessor | Intel Pentium Silver N6000 (4 Kerne), 1,1 GHz (Turbo bis 3,3 GHz), 1,5 MByte L2-, 4 MByte L3-Cache |
| Hauptspeicher / Chipsatz | 8 GByte DDR4-3200 / Intel Jasper-Lake-SoC |
| Grafikchip (Speicher) / mit Hybridgrafik | int.: Intel UHD (vom Hauptspeicher) / – |
| Sound | HDA: Realtek ALC255 |
| LAN / WLAN | PCIe: Realtek 8168 (GBit) / PCIe: Qualcomm QCA9377 (Wi-Fi 5, 1 Stream) |
| Mobilfunk / Bluetooth (Stack) | – / USB: Qualcomm (Microsoft) |
| Touchpad (Gesten) / TPM / Fingerabdruckleser | I2C: HID (max. 4 Finger) / fTPM 2.0 / – |
| Massenspeicher / optisches Laufwerk | SSD: Samsung PM991 (256 GByte) / – |
| Stromversorgung, Maße, Gewicht | |
| Akku (Ladestopp < 100 % einstellbar) | 36 Wh Lithium-Ionen (–) |
| Netzteil | 45 W, 251 g, 9,3 cm × 3,8 cm × 2,7 cm, Kleeblattstecker |
| Gewicht / Größe / Dicke mit Füßen | 2,16 kg / 40,4 cm × 27 cm / 2,3 ... 2,4 cm |
| Tastaturhöhe / Tastenraster | 1,4 cm / 19 mm × 18 mm |
| Leistungsaufnahme | |
| Suspend / ausgeschaltet | 0,3 W / 0,2 W |
| ohne Last: Display aus / 100 cd/m2 / max. | 1,4 W / 4,8 W / 6,9 W |
| CPU-Last / Video / 3D-Spiele (max. Helligkeit) | 16 W / 10,6 W / 17 W |
| max. Leistungsaufnahme / Netzteil-Powerfactor | 43 W / 0,56 |
| Laufzeit, Geräusch, Benchmarks | |
| Laufzeit Idle (100 cd/m2) / Video (200 cd/m2) / 3D (max) | 9,6 h / 4,8 h / 2,8 h |
| Ladestand / Laufzeit nach 1h Laden | 62 % / 5,9 h |
| Geräusch ohne / mit Rechenlast | < 0,1 Sone / < 0,1 Sone |
| Massenspeicher lesen / schreiben | 1983 / 976 MByte/s |
| IOPS (4K) lesen / schreiben | 71424 / 53760 |
| WLAN 5 GHz / 2,4 GHz (20m) / MU-MIMO-fähig | 13,5 / 14,9 MByte/s / ✓ |
| Qualität Audioausgang / Dynamikumfang | / 100,4 dBA |
| Cinebench R23 Rendering (1 / n CPU) | 711 / 1859 |
| 3DMark: Wild Life / Night Raid / Fire Strike / Time Spy / Port Royal | 3057 / 4031 / 1137 / 391 / – |
| Preis und Garantie | |
| Straßenpreis Testkonfiguration | 540 € |
| Garantie | 2 Jahre |
| sehr gut gut zufriedenstellend schlecht sehr schlecht ✓ vorhanden – nicht vorhanden k. A. keine Angabe | |