c't 14/2021
S. 67
Titel
UMTS-Abschaltung: Billig-Handys
Bild: Thorsten Hübner

Zum Reden reichts

Kaufberatung: Smartphones und Handys bis 90 Euro

Wer bis jetzt mit einem von der UMTS-Abschaltung betroffenen Handy zufrieden war, muss keine Unsummen für einen Nachfolger ausgeben. Die ­Geräte unter 90 Euro eignen sich als Mini-Begleiter beim Sport und Ausgehen, für eine Zweit-SIM, als Notfall-Handy im Handschuhfach – oder generell, wenn die Erreichbarkeit wenig kosten soll.

Von Jörg Wirtgen

Alte UMTS-Telefone funken nach der UMTS-Abschaltung weiter im GSM-Netz. Ersatz muss erst her, wenn das Schätzchen kaputtgeht, eine neue SIM nicht passt oder 2G selbst für die gelegentliche Internetnutzung zu lahm ist. Einfache Telefone findet man ab etwa 25 Euro. In einer Übersicht auf dem Schwestermagazin Techstage (siehe ct.de/y5v2) stachen beispielsweise das dünne Soyes S7+, das als Headset tragbare L8Star BM70 und das wasserdichte Cyrus CM1 hervor.

Sollen auch WhatsApp, Facebook, Twitter oder andere Dienste funktionieren, kommen die sogenannten Feature-­Phones ins Spiel, Telefone mit einem App-fähigen Betriebssystem. Vor allem das aus Mozillas Firefox OS entwachsene KaiOS ist einen Blick wert. In den deutschen Preissuchmaschinen finden sich Modelle von Nokia, Caterpillar und Doro ab 50 Euro, darunter für rund 90 Euro die nach IP68 und MIL-STD-810G als robust und wasserdicht zertifizierten Caterpillar CAT B35 und Nokia 800 Tough.

Alle KaiOS-Telefone beherrschen LTE und WLAN, haben GPS, ein rund 2,5 Zoll kleines Farbdisplay, eine Kamera, einen MicroSD-Slot sowie ein UKW-­Radio. Der Store führt inzwischen über 800 Apps, davon mehr als 500 Spiele, aber auch einen PDF-Reader, einen Twitter-Client und eine Covid-Informations-­App. Es ist allerdings davon auszugehen, dass App-Hersteller ihre KaiOS-Variante nicht so lange und gut pflegen wie die für Android oder iOS.

In einem Kurztest erwies sich das Nokia 2720 Flip als einigermaßen brauchbar [1]; weil alle an­deren Modelle ähnlich ausgestattet sind, dürften sie entsprechend abschneiden. Die Oberfläche erinnert ans vorige Jahrtausend, man bedient sie ohne Touch und tippt Texte wie früher die SMS auf der Zehnertastatur. Das Nokia legte öfter ­Gedenksekunden ein, dafür reichte der austauschbare Akku rund fünf Tage.

Wenn Telefonie und SMS reichen, muss es kein Androide sein, dann genügen Billigtelefone. Etwas mehr bieten Feature-Phones mit KaiOS, etwa von Nokia.

Android-Einstieg

Die billigsten Android-Handys in den Suchmaschinen sind Restposten uralter Geräte. Wir raten zu mindestens Android 10, einem Display mit 1280 × 720 Pixeln, 2 GByte RAM, 32 GByte Flash und LTE.

Ein solches Smartphone, das Xiaomi Redmi 9A, musste sich auf unserem neuen YouTube-Kanal c’t 3003 eine Woche lang beweisen (siehe ct.de/y5v2): Es schlug sich in puncto Laufzeit, Display und Geschwindigkeit von einmal gestarteten Apps gut; hingegen überzeugten Multitasking und Kamera nicht. Flüssigeres Multitasking mit mehreren Apps darf man ab 3 oder 4 GByte Hauptspeicher erwarten. Bessere Kameras gibt es in dieser Preisklasse nicht.

Echte Schnäppchen gibt es kaum. Beispielsweise haben wir schon die Smartphones aus unserem 150-Euro-Test Anfang 2020 [2] nicht zu supergünstigen Preisen gefunden, lediglich drei liegen um 100 Euro: Huawei Y6s, Nokia 4.2 und Wiko View 4 Lite.

Android gebraucht

Umweltschonender ist der Kauf eines gebrauchten Smartphones; allerdings empfiehlt sich, die technischen Daten zu verifizieren. Geräte mit LTE und 2 GByte Speicher finden sich unter 90 Euro.

Achtgeben sollten Sie auf genügend Flash-Speicher: Selbst 16 GByte werden heutzutage schon bei Installation weniger Apps schnell eng. Ein etwaiger MicroSD-­Slot löst diese Knappheit nicht auf, weil sich lange nicht bei allen Geräten Apps auf die Speicherkarte verschieben lassen. Bei welchen das klappt, lässt sich schwer ­vorher recherchieren.

Ein weiteres Manko dürfte die An­droid-­­ Version sein, vor allem weil immer weniger Apps unter alten Versionen laufen. Auch ausbleibende Patches für Sicherheitslücken stellen ein gewisses, zum Glück bisher eher theoretisches Risiko dar. Per Custom ROM mag sich das im Einzelfall lösen lassen. Ein weiterer Knackpunkt sind gealterte Akkus.

Insgesamt lohnen sich Gebrauchtgeräte also nur, wenn Sie Zeit in die Vorrecherche investieren: Wie ist die Ausstattung, welche Updates kommen vom Hersteller, wie ist die Lage bei Ersatzakkus, gibt es vielleicht ein Custom ROM? (jow@ct.de)

c’t 3003 auf YouTube: ct.de/y5v2

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