c't 21/2021
S. 62
Titel
Ihr Weg in die Cloud: Anbieter
Bild: Sven Hauth

Wolkenangebotsvielfalt

Sechs europäische Cloudprovider im Überblick

Es muss nicht immer Amazon sein: Kleinere Cloudprovider bieten für einen schmalen Euro skalierbare Cloudressourcen ohne lange Vertragslaufzeiten. Wenige Klicks genügen meist, bis die Server am Netz sind. Alles geht, vom kleinen Gameserver bis zur Cluster-Infrastruktur fürs Online-Start-up.

Von Holger Bleich und Jan Mahn

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein: Pay per Use – der Kunde bezahlt für das, was er in Anspruch nimmt. Doch lange Jahre haben sich vor allem bei deutschen Server- und Hosting-Providern Geschäftsmodelle etabliert, die auf langen Vertragslaufzeiten und Angebotspaketen mit vielen wenig genutzten Funktionen beruhen. Gut für den Provider, aber schlecht für seine Kunden.

Das hat sich gründlich geändert. Wer individuell konfigurierbare, skalierbare und vor allem nach tatsächlichem Verbrauch abgerechnete Server benötigt, steht vor einer stattlichen Angebotsvielfalt. Dank Servervirtualisierung und Optimierungen aufseiten der Hoster sind Cloudserver oft in Sekunden eingerichtet und noch schneller wieder entfernt. Und diese Server stehen nicht mehr nur dem Großkunden zur Verfügung, sondern auch dem freiberuflichen Entwickler, dem Start-up und sogar dem Gelegenheitsdaddler, der ab und an einen Game- oder Teamspeak-Server starten möchte.

Provider, die virtuelle Maschinen (VMs) anbieten, gibt es viele. Einige beschränken sich allerdings darauf, „Virtual Private Server“ (VPS) als unflexibles Produkt mit langer Vertragslaufzeit anzubieten. Diese Kategorie kommt hier nicht zur Sprache. Für diese Marktübersicht setzten wir voraus, dass VMs nach Belieben gestartet und gestoppt werden können und der Kunde nur die tatsächliche Betriebszeit bezahlt.

Schwer vergleichbar

Das Angebot lässt sich schwer direkt vergleichen. Während der eine Provider auf vorkonfigurierte Bundles, also etwa eine fixe Kombination aus virtualisierten Prozessorkernen, RAM und Festplattenplatz setzt, gewährt der nächste mehr Flexibilität. Da sich diese Angebote keineswegs nur an Privatkunden richten, sondern genauso an Freiberufler und Unternehmen, spielen hinsichtlich des Datenschutzes der Serverstandort und der Hauptsitz des Providers große Rollen. In dieser Übersicht sind nur Provider berücksichtigt, die garantieren, dass ihre VMs innerhalb des DSGVO-Gebiets betrieben werden – die Daten also in Europa verbleiben.

In die Auswahl haben wir folglich europäische Provider aufgenommen, die mit Stunden- oder Minutenpreisen werben, unabhängig davon, ob sie ihr Produkt selbst als Cloud bezeichnen. Die Auswahlkriterien führen dazu, dass Sie in der Tabelle auf Seite 66 eine große Vielfalt vorfinden.

Stark am klassischen Hosting orientiert sich der deutsche Provider Netcup, der zwar stundengenaue Abrechnung verspricht, jeden gebuchten Server aber zunächst für sechs Monate in Rechnung stellt und nicht genutzte Zeit erstattet, wenn man vorher kündigt, was jederzeit möglich ist. Weil das API, über das man bei anderen Anbietern auch Server mieten kann, bei Netcup nur lesenden Zugriff gestattet, eignet sich dieses Angebot nicht, um automatisiert und spontan Maschinen zu starten (wie auf Seite 67 beschrieben).

Am anderen Ende des Feldes steht der französische Provider OVH mit seiner OVHcloud. Der hat sich ganz klar am Angebot der US-Schwergewichte im Cloudgeschäft orientiert und versucht, eine europäische Alternative für Profis anzubieten. Um hier Server oder eine der zahlreichen weiteren Ressourcen zu buchen, muss man mehr Hintergrundwissen mitbringen. Dennoch ist die Weboberfläche nicht mit den überkomplexen und verwirrenden Backends von Amazon oder Azure zu vergleichen (siehe Kasten unten). Technisch setzt OVH auf dem Open-Source-Cloud-Unterbau OpenStack auf. Dieselbe Technik nutzt in Deutschland die Deutsche Telekom mit ihrer Open Telekom Cloud – die hat es nicht in diese Marktübersicht geschafft, weil sie keine Anmeldung für Privatpersonen gestattet.

Zwischen Netcup und OVH reihen sich Domainfactory, Ionos, Strato und Hetzner ein. Jiffybox, das Cloudserver-Produkt von Domainfactory, war einst Vorreiter in dieser Kategorie. Mittlerweile wirkt es nicht mehr ganz so frisch, weil die starre Vorkonfektionierung viel von eigentlich möglicher Flexibilität nimmt. Ionos, das aus der Hosting-Sparte von 1&1 hervorgegangen ist, gehört zum United-Internet-Konzern. Das Cloudserver-Angebot strotzt vor Funktionen, die sich der Provider aber meist zusätzlich bezahlen lässt. Dies sollten Sie für Ihren eigenen Preisvergleich immer im Hinterkopf behalten.

Strato wurde vor einigen Jahren von United Internet geschluckt, und hier wirken augenscheinlich Synergieeffekte: Das Servercloud-Produkt sieht nur von außen betrachtet anders aus. Die Kunden erwartet ein mit dem des Schwesterunternehmens Ionos nahezu identisches Produkt, dem eine Preisstruktur verpasst wurde, die eher ans althergebrachte Hosting erinnern, also beispielsweise mit Grundgebühr und Vertragslaufzeit.

Auch das deutsche Webhosting-Urgestein Hetzner mischt seit 2018 im Cloudgeschäft mit und vermietet zum Stundenpreis. Außer Servern gibt es wie bei Ionos einen kostenpflichtigen Loadbalancer, der eingehenden Verkehr auf mehrere Server verteilt, und skalierbaren Speicherplatz, den man auf gemieteten Servern einhängen kann. Die Weboberfläche beweist, dass auch ein Produkt für Profis aufgeräumt und leicht verständlich sein darf.

Prioritäten

Welche Funktionen, die über das Mieten eines einzelnen Servers hinausgehen, unbedingt notwendig sind, hängt vom geplanten Projekt und den Aufgaben der Server ab. Bestellen und Löschen von Ressourcen über eine Programmierschnittstelle (API) ist erforderlich, wenn Sie planen, per Skript oder mit Werkzeugen wie Ansible und Terraform zu arbeiten und Ihre Infrastruktur mit einem Befehl auf der Kommandozeile hoch- und herunterzufahren.

Sobald Sie planen, mehrere Server anzumieten und diese zu einem Cluster zu verbinden, wünschen Sie sich von Ihrem Provider eine Möglichkeit, die Server untereinander in privaten Netzwerken zu verbinden und einen Loadbalancer als Dienst anzumieten. Wenn Sie ein solches Szenario planen oder sich die Option zumindest für die Zukunft offenhalten wollen, kommen Hetzner, Ionos, Strato und OVH infrage.

In der Ionos-Cloud kann ein Loadbalancer die Anfragelast über mehrere VMs verteilen.

Im Unterschied zu den großen IaaS-Angeboten (Erklärungen zu Abkürzungen finden Sie im Glossar ab Seite 58) von Amazon & Co. ist der ein- und ausgehende IP-Traffic bei den Angeboten in der Marktübersicht enthalten. Allenfalls eine Drossel kann eingebaut sein (siehe Tabelle unten). Das ist gerade dann ein großer Pluspunkt, wenn ein Projekt auch dann finanziell kalkulierbar bleiben soll, wenn der Traffic plötzlich durch die Decke schießt. Interner Datenverkehr von Servern im Rechenzentrum untereinander wird ohnehin nie berechnet und läuft mindestens im GBit/s-Tempo.

Apropos Kosten: Die Angebote verleiten zum munteren Ausprobieren. Schnell kann man sich eine Infrastruktur zusammenklicken, die mit mehreren Hundert Euro monatlich zu Buche schlägt. Deshalb zu guter Letzt ein Tipp aus leidvoller Redakteurserfahrung: Alle Provider zeigen irgendwo im Menü die aufgelaufenen Kosten und manchmal auch Kostenprognosen. Werfen Sie gerade zu Beginn öfter mal einen Blick drauf, um am Ende des Monats böse Überraschungen zu vermeiden. Bei Hetzner kann man sich eine Mailbenachrichtigung bei Überschreiten eines Limits einrichten, bei Domainfactory gibt es eine harte Preisbremse. Nutzen Sie derlei Optionen, um sich aufs Wesentliche konzentrieren zu können. (hob@ct.de)

Marktübersicht Europäische Cloudanbieter
Anbieter Domainfactory Hetzner Ionos Netcup OVH Strato
Produkt JiffyBox Cloudlevel Cloud Cloud Server VPS OVHcloud Public Cloud ServerCloud (Entry)
Internet https://www.df.eu/de/cloud-hosting/ https://www.hetzner.com/cloud https://www.ionos.de/cloud/cloud-server https://www.netcup.de/vserver/vps.php https://www.ovhcloud.com/de/public-cloud/compute/ https://www.strato.de/server/server-cloud/
Standorte der Rechenzentren Köln, Straßburg Nürnberg, Falkenstein, Finnland Baden-Baden Nürnberg Beauharnois (Kanada), Straßburg, Frankfurt, Gravelines, London, Warschau Baden-Baden
Ausstattung​​​​​​
max. vCores pro VM 12 32 24 16 32 16
max. RAM pro VM 32 GByte 128 GByte 48 GByte 64 GByte 240 GByte 32 GByte
max. Plattenpeicher pro VM 500 GByte SSD 600 GByte SSD 480 GByte SSD 2000 GByte SSD 400 GByte SSD 500 GByte SSD
max. Anzahl VMs 20 10 (mehr auf Anfrage im Control Panel) unlimitiert unlimitiert unlimitiert 10
IP-Traffic (extern) unlimitiert (100 MBit/s) 20 TByte unlimitiert (400 MBit/s) 80 GByte/Monat unlimitiert, danach 100 Bit/s-Drossel ​k. A. unlimitiert (400 MBit/s)
Betriebssysteme CentOS 7, Debian Buster, Debian Stretch, Dedora 24, open Suse 43.3, Ubuntu 18.04 LTS CentOS 8, Fedora 34, Debian 11, Rocky Linux 8, Ubuntu 20.04 CentOS 8, Debian 10, OpenSuse Leap 15, Ubuntu 20.4, Windows Server 2019 (kostenpflichtig) ​CentOS, Debian, Ubuntu CentOS 8, Debian 10, Fedora 34, Ubuntu 21.04 Debian 10, CentOS 8, Ubuntu 20.04, Windows Server 2019
IPv4-Adressen 1 (3 weitere gegen Setup-Gebühr möglich) 1 1 1 1 1 (bis zu 3 pro VM kostenpflichtig)
IPv6-Adressen ✓ (beta)
API ✓ (nur lesend)
Verwaltung per Ansible ✓ (API)
Ansible-Collection hetzner.hcloud github.com/ionos-cloud/module-ansible openstack.cloud
Verwaltung per Terraform ✓ (API)
Load-Balancer ✓ (kostenpflichtig) ✓ (kostenpflichtig) – (erst ab „pro“)
Backup-Platz ✓ (kostenpflichtig) ✓ (kostenpflichtig)
Verfügbarkeit (SLA) 99,9 % p.A. 99,9 % p.A. 99,99 % p.A. 99,6 % p.A. 99,999 % p.A. 99 % p.A.
Ressourcen-Änderung ohne Reboot
VM Einfrieren
VM Klonen
Kostenbremse
Vertrag
Zahlungsart SEPA / PayPal / Rechnung ​SEPA / Überweisung / PayPal / Kreditkarte SEPA /PayPal / Kreditkarte ​SEPA / Überweisung / PayPal ​SEPA / Überweisung / PayPal / Kreditkarte SEPA
Startguthaben erster Monat 100 € ​– – (teilweise Gutschein-Aktionen)
Zahlungsintervall monatlich monatlich monatlich 6 Monate monatlich monatlich
Abrechnungstakt für Ressourcen angefangene Sekunde angefangene Stunde angefangene Minute angefangene Stunde angefangene Stunde angefangene Minute
Kündigungsfrist 1 Monat
Mindestvertragslaufzeit – (Zahlung für 6 Monate im Voraus, Erstattung bei Kündigung) 1 Monat
Kosten​​​​​​
Setup-Kosten (einmalig) – (aber 1 € mtl. Grundkosten)
Preisbeispiele (naheliegendste, nächst höhere Konfiguration), pro Monat​​​​​​
1 vCore + 1 GByte RAM + 20 GByte HDD 15 € 4,15 € 8 € 2,69 € 26,18 € (7 GByte, 2 vCores) max. 7,92 €
4 vCore + 4 GByte RAM + 100 GByte HDD 40 € 14,76 € 50 € 14,30 € 49,98 € (15 GByte, 4 vCores) max. 33 €
✓ ja – nein k. A. = keine Angaben

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