c't 21/2021
S. 70
Test & Beratung
Notebook

Großraumbüro

Dell XPS 17 (9710) mit Core i5-11400H und großem 16:10-Bildschirm

Bei manchen Ausstattungsvarianten von Dells XPS 17 (9710) arbeitet nur die im Prozessor integrierte Grafikeinheit statt einer zusätzlichen Nvidia-GPU. Das rückt das große Notebook mit arbeitsfreundlichem 16:10-Bildschirm auch bei der langen Akkulaufzeit in die Nähe viel kompakterer Geräte.

Von Florian Müssig

Dell hat mit seinen Edel-Notebooks der XPS-Serie viele Trends gesetzt – etwa besonders dünne Bildschirmränder und zuletzt den Wechsel von schmalen 16:9-Displays hin zu solchen mit mehr Bildhöhe. Das Ergebnis ist verlockend, erst recht beim 17-Zöller XPS 17 (9710): Die Deckelinnenseite besteht fast ausschließlich aus einer riesigen Bildfläche, die frei über dem Rumpf zu schweben scheint. Der umlaufende Rand fällt optisch kaum noch auf – nicht einmal oben, wo er etwas breiter sein muss, damit die Windows-Hello-taugliche Webcam untergebracht werden konnte.

Hinzu kommt, dass Dell ein tolles Display-Panel einbaut. Es bietet außer viel Bildfläche (deutlich mehr als eine DIN-A4-Seite) dank 16:10-Format auch ein komfortables Plus an Bildhöhe. In Dokumenten oder auf Webseiten bekommt man mehr Information gleichzeitig zu Gesicht, sodass man weniger scrollen muss. Mit über 450 cd/m2 ist das Display zudem sehr hell; mithilfe eines Sensors passt das Notebook die Helligkeit automatisch an. Und nicht zuletzt ist die Paneloberfläche matt, sodass keine Spiegelungen stören.

GPU mau, …

In höheren Ausstattungsvarianten – dazu gleich mehr – verkauft Dell das XPS 17 klassentypisch mit GeForce-GPUs von Nvidia. In der getesteten niedrigen, wenngleich mit 2000 Euro trotzdem schon teuren Ausstattungsvariante gibt es keinen Nvidia-Chip, sondern nur die UHD-Grafikeinheit aus dem Intel-Prozessor. Für sämtliche 2D-Anwendungen und die energieeffiziente Wiedergabe von Videos aller denkbaren Größen und Formate reicht das locker aus.

Einzig an flotte 3D-Spiele ist damit nicht zu denken – und zwar nicht einmal an solche Titel, die auf integrierten Grafikeinheiten kompakterer 13- bis 14-Zoll-Notebooks halbwegs ordentlich laufen. Dort hat die integrierte Intel-GPU nämlich bis zu 96 Execution Units (EU), während sie im XPS 17 auf 32 beschnitten wurde.

… CPU wow!

Die liegt daran, dass Dell einen Prozessor der nagelneuen Baureihe „Tiger Lake-H45“ verwendet: Anders als bei bisherigen, seit rund einem Jahr verfügbaren Tiger-Lake-Prozessoren gibt es darin mehr als vier Kerne, aber eben auch nur abgespeckte Grafikeinheiten. Maximal sind wie bei AMDs Ryzen-Konkurrenz acht Kerne möglich; im hier verwendeten Core i5-11400H sind sechs aktiv. In Kombination mit Intels erhöhter TDP-Zulassung (H45 steht für 45 Watt) und Dells ordentlichem Kühlsystem liefert der Core i5 im XPS 17 mehr CPU-Performance als alle i7-Vierkerner in kompakteren Office-Notebooks. Die Kombination aus kleinem Gehäuse und hoher Rechenleistung bleibt allerdings weiterhin AMD-Notebooks vorbehalten (siehe auch S. 72).

Außer einem normal großen SD-Kartenleser mittelmäßiger Geschwindigkeit und einem analogen Audioausgang gibt es nur noch USB-C-Schnittstellen. Derer sieht Dell gleich vier vor, und alle beherrschen Thunderbolt 4, geben DisplayPort-Signale aus und nehmen Energie vom beiliegenden USB-C-Netzteil auf.

Das Touchpad des XPS 17 gehört zu den größten, die man bei Windows-Notebooks vorfindet.

Normverletzung

Letzteres überschreitet mit 130 Watt Ausgangsleistung (6,5 Ampere bei 20 Volt) die bisherige USB-PD-Norm von maximal 100 Watt (5 Ampere bei 20 Volt) deutlich. Für Geräte anderer Hersteller taugt es kaum, weil diese Dells proprietäre Signalisierungsmethode für den 130-Watt-Modus nicht beherrschen und deshalb nur magere 5 Watt (1 Ampere bei 5 Volt) geliefert bekommen. Da bleibt nur zu hoffen, dass Dell sich zügig von seiner Insellösung verabschiedet und stattdessen die neue Power-Delivery-Spezifikation implementiert, die künftig bis zu 240 Watt (5 Ampere bei 48 Volt) vorsieht [1].

Die hohe Netzteilleistung kommt immerhin auch an: Trotz der hohen Kapazität von 97 Wh ist ein leerer Akku innerhalb einer Stunde wieder bei über 85 Prozent Füllstand angelangt, wenn man das – ab Werk deaktivierte – Schnellladen im BIOS-Setup oder mittels vorinstalliertem Hilfsprogramm einschaltet. Alternativ kann man dort auch den maximalen Füllstand begrenzen, um den Akku zu schonen, wenn man das Notebook hauptsächlich am Netzteil betreibt. Notwendig ist das nicht: Im Optimalfall haben wir fast 20 Stunden Laufzeit bei niedriger Helligkeit gemessen – und man würde einen ganzen Arbeitstag auch dann ohne Netzteil überstehen, wenn man Videos gucken würde.

Die beleuchtete Tastatur bietet ein gutes Tippgefühl; das Layout geht bis auf den in eine Zeile gequetschten Cursorblock in Ordnung. Einen separaten Ziffernblock gibt es trotz des ausladenden Gehäuses nicht. Stattdessen nutzt Dell den Platz links und rechts der Tastatur für ordentliche Lautsprecher. Das riesige Touchpad ist das größte seiner Art bei Windows-Geräten; einzig die Sensorfläche im MacBook Pro 16″ ist noch etwas größer [2].

Im freien Handel war bei Redaktionsschluss kein XPS 17 (9710) ohne Nvidia-GPU verfügbar. Dell bietet das XPS 17 in seinem Webshop hingegen recht frei konfigurierbar an. Modelle ohne Nvidia-GPU sind einzig hinsichtlich der CPU auf den Sechskerner Core i5-11400H beschränkt, während es spieletaugliche Modelle mit i7- oder i9-Achtkernern gibt. Beim Rest gibt es aber keine Limits: Man kann eine Nvidia-lose Office-Maschine auch mit bis zu 64 GByte Arbeitsspeicher und einer 4-TByte-SSD bestücken – für mehr als 3400 Euro Listenpreis. Statt des matten Bildschirms mit etwas mehr als Full-HD-Auflösung (1920 × 1200 Punkte) steht auch ein farbkräftiger, hochauflösender Touchscreen (3840 × 2400 Punkte) für 300 Euro Aufpreis zur Wahl. Der spiegelt allerdings und dürfte zudem die Akkulaufzeiten merklich verkürzen.

Fazit

Dell hat mit dem XPS 17 (9710) ein begehrenswertes Groß-Notebook auf die Beine gestellt, dass es bei der Akkulaufzeit locker mit kompakteren Premiumnotebooks aufnehmen kann – und auch diese reißen oft tiefe Löcher in Geldbeutel. Die Kombination aus edler Anmutung und viel Speicher, ohne dass man dabei einen je nach Einsatzzweck unnötigen Nvidia-Grafikchip mitkaufen müsste, ist ein Alleinstellungsmerkmal. (mue@ct.de)

Dell XPS 17 (9710): Daten und Testergebnisse
getestete Konfiguration C1F1X93
Lieferumfang Windows 10 Home 64 Bit, Netzteil, USB-C-Adapter (USB-A, HDMI)
Schnittstellen (V = vorne, H = hinten, L = links, R = rechts, U = unten)
VGA / DVI / HDMI / DisplayPort / Kamera (Hello) – / – / – / – / ✓ (✓)
USB 2.0 / USB 3.0 / USB 3.1 / LAN – / – / 2 × L (2 × Typ C), 2 × R (2 × Typ C) / –
Kartenleser / Strom / Docking-Anschluss R (SD) / – / –
USB-C: Thunderbolt / USB 3.0 / USB 3.1 / DisplayPort / Laden ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓
Ausstattung
Display Sharp LQ170N1: 17 Zoll / 43,3 cm, 1920 × 1200, 16:10, 133 dpi, 60 Hz, 26 ... 482 cd/m2, matt
Prozessor Intel Core i5-11400H (6 Kerne mit SMT), 2,7 GHz (Turbo bis 4,5 GHz), 6 × 1280 KByte L2-, 12 MByte L3-Cache
Hauptspeicher 16 GByte DDR4-3200
Grafikchip (Speicher) / mit Hybridgrafik int.: Intel UHD (vom Hauptspeicher) / –
Sound int.: Intel / Realtek
LAN / WLAN – / CNVi: Intel AX201 (Wi-Fi 6, 2 Streams)
Mobilfunk / Bluetooth (Stack) – / USB: Intel (Microsoft)
Touchpad (Gesten) / TPM / Fingerabdruckleser I2C: HID (max. 4 Finger) / TPM 2.0 / USB: Goodix
Massenspeicher / optisches Laufwerk SSD: SKHynix PC711 (512 GByte) / –
Stromversorgung, Maße, Gewicht
Akku (Ladestopp < 100% einstellbar) 97 Wh Lithium-Ionen (✓)
Netzteil 130 W, 483 g, 14,3 cm × 6,5 cm × 2,2 cm, Kleeblattstecker
Gewicht / Größe / Dicke mit Füßen 2,28 kg / 37,5 cm × 24,8 cm / 1,9 ... 2,2 cm
Tastaturhöhe / Tastenraster 1,4 cm / 19 mm × 18 mm
Leistungsaufnahme
Suspend / ausgeschaltet 0,8 W / 0,5 W
ohne Last: Display aus / 100 cd/m2 / max 4 W / 5,5 W / 8,6 W
CPU-Last / Video / 3D-Spiele (max. Helligkeit) 98 W / 21 W / 26 W
max. Leistungsaufnahme / Netzteil-Powerfactor 132 W / 0,94
Laufzeit, Geräusch, Benchmarks
Laufzeit Idle (100 cd/m2) / Video (200 cd/m2) / 3D (max) 19,7 h / 9 h / 5,1 h
Ladestand / Laufzeit nach 1h Laden 85 % / 16,7 h
Geräusch ohne / mit Rechenlast < 0,1 Sone / 3,2 Sone
Massenspeicher lesen / schreiben 3373 / 2947 MByte/s
IOPS (4K) lesen / schreiben 107264 / 120320
Leserate SD-Karte 81 MByte/s
WLAN 5 GHz / 2,4 GHz (20m) / MU-MIMO-fähig 22,5 / 18,3 MByte/s / ✓
Qualität Audioausgang / Dynamikumfang plusplus / 99,4 dBA
Cinebench R23 Rendering (1T / nT) 1467 / 9017
3DMark: Wild Life / Night Raid / Fire Strike / Time Spy / Port Royal 3182 / 6433 / 1253 / 422 / –
Preis und Garantie
Straßenpreis Testkonfiguration 2000 €
Garantie 1 Jahr
plusplus sehr gut plus gut neutral zufriedenstellend minus schlecht minusminus sehr schlecht ✓ vorhanden – nicht vorhanden k. A. keine Angabe

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