c't 21/2021
S. 72
Test & Beratung
Notebook

Ryzen mit Assistenz

Lenovos kompaktes Yoga Slim 7 Pro mit Ryzen 9 und viel Komfort

Intel propagiert seit geraumer Zeit bessere Bildschirme und zusätzliche Assistenzsysteme für Notebooks. Lenovo setzt mehrere solche Ideen im Yoga Slim 7 Pro (14ACH5) um – aber mit AMD-Prozessor.

Von Florian Müssig

Obwohl sowohl AMD als auch Intel Mobilprozessoren der Abwärmeklassen U (15 bis 25 Watt) und H (35 bis 45 Watt) anbieten, konzipieren die Notebookhersteller ihre Geräte unterschiedlich. Bei Intel ist in Modellen mit stärkerem H-Prozessor häufig eine Low-End-GPU der GeForce-MX-Klasse an Bord, die den Aufbau verkompliziert und die Kosten erhöht, aber nur in einem sehr eng gesteckten Einsatzrahmen sinnvoll ist – nämlich für Spiele mit anspruchsloser 3D-Grafik.

Eine starke H-CPU ohne Zusatzgrafikchip, was für alles abseits von Gaming ausreicht, findet man nur mit Ryzen-Triebwerk. Das Yoga Slim 7 Pro (14ACH5) ist ein solcher 14-Zöller. Apropos Yoga: Das Gerät besitzt anders als die Yogas von vor ein paar Jahren weder 360-Grad-Scharniere noch einen Touchscreen, sondern ist ein ganz normales Notebook.

Die hier getestete AMD-Version des Yoga Slim 7 Pro ist aber auch deshalb spannend, weil Lenovo ihr viele außergewöhnliche Komfortdetails spendiert. Viele davon debütierten in den letzten 18 Monaten in teuren Intel-Systemen mit dem Marketing-Logo Evo [1] – und schon jetzt gibt es sie also in ersten AMD-Geräten für weniger Geld.

90-Hz-Bildschirm

So hat der Bildschirm nicht nur das bessere Bildschirmformat 16:10 mit mehr Bildhöhe, sondern ist auch eines der ersten kompakten Notebooks mit mehr als 60 Hz – das war bislang eine Spezialität von ausladenden Gaming-Notebooks. Auf Wunsch flutschen Mauszeiger und Fenster mit 90 Hz über das Panel, was sichtbar flüssiger wirkt.

Die in der Tabelle angegebenen Laufzeitmessungen wurden mit den üblichen 60 Hz durchgeführt, doch allzu gravierend fallen die Auswirkungen des flüssigeren Modus nicht aus: Mit 90 Hz sind bestenfalls knapp 13 statt bis zu 14 Stunden drin. Das Display gefällt zudem mit hoher Auflösung (2880 × 1800 Pixel) und ordentlichen Farben (sRGB-Farbraum). Vor dem Panel befindet sich allerdings eine Schutzscheibe. Die Spiegelungen darauf sind dank der maximalen Helligkeit von über 330 cd/m2 zumindest in Innenräumen erträglich.

Im dünnen Bildschirmrahmen findet man nicht nur eine Windows-Hello-taugliche Webcam, sondern auch einen Anwesenheitssensor mit Time-of-Flight-Technik (ToF), über den das Notebook mitbekommt, wenn man aufsteht oder sich wieder davor setzt. In letzterem Fall kann der Sensor ein schlafendes Notebook aufwecken, und man wird schon wieder mittels Windows Hello eingeloggt, bevor man den Stuhl richtig rangeschoben und die Hände auf der Tastatur platziert hat.

Im umgekehrten Fall legt sich das Notebook auf Wunsch schlafen, wenn man den Arbeitsplatz verlässt. Alternativ kann das Notebook in diesem Fall eine Videowiedergabe pausieren und nach der Nutzerrückkehr wieder automatisch fortsetzen. Letzteres klappt allerdings nur mit ausgewählten lokalen Abspielprogrammen (darunter das Windows-eigene Filme & TV und der VLC-Player), aber nicht bei Streaming im Webbrowser.

Ergänzt wird das Paket um klassische Komfortkomponenten: Mithilfe eines Helligkeitssensors kann sich der Bildschirm selbst ans Umgebungslicht anpassen; im Dunkeln freut man sich über die Tastaturbeleuchtung. Das Tippgefühl stellt selbst Vielschreiber zufrieden; am Layout gibt es nur den wie so häufig einzeilig ausgeführten Cursor-Block zu bemängeln.

Im dünnen Bildschirmrahmen stecken eine Windows-Hello-Webcam und ein Anwesenheitssensor.

Dockingfähig

Beide USB-C-Buchsen können das Netzteil entgegennehmen und statt USB- auch DisplayPort-Signale ausgeben. Damit eignen sie sich zum Anschließen von USB-C-Docks oder USB-C-Monitoren mit eingebauten Docks [2, 3]. Eine USB-A-Buchse und ein analoger Audioausgang runden das Schnittstellenangebot ab; ein Kartenleser fehlt.

Im Docking-Szenario nicht unwichtig: Das vorinstallierte Hilfsprogramm Vantage, über das man die oben genannten ToF-Sensor-Funktionen zuschalten kann, erlaubt auch, den Ladestand auf weniger als 100 Prozent zu begrenzen. Das hat zwar direkte Auswirkungen auf die Laufzeit, lässt den Akku aber auch weniger altern, wenn das Notebook überwiegend stationär betrieben wird. In Vantage lässt sich auch Schnellladen einschalten, doch das klappte im Test nur bei ausgeschaltetem Notebook. Die in der Tabelle angegebene Ladezeit wurde wie üblich bei eingeschaltetem Gerät ermittelt.

Die Preise beginnen bei 1000 Euro mit Ryzen 7 5800H und 512-GByte-SSD; das 1200-Euro-Testgerät mit Ryzen 9 5900HX und 1-TByte-SSD stellt den Maximalausbau dar. Als Yoga Slim 7 Pro (14IHU5) bekommt man das Notebook auch in ähnlichen Intel-Ausstattungen (und MX-Grafikchip), doch deren Prozessoren sind ungleich langsamer: Core i5-11300H und Core i7-11370H sind Vierkerner, während beide Ryzen-Prozessoren mit acht Kernen aufwarten.

16 GByte Arbeitsspeicher sind bei allen an Bord und unabhängig vom CPU-Hersteller grundsätzlich aufgelötet. Manche Händler bieten das Notebook bei gleicher Ausstattung in Silber statt Grau an. Lenovo selbst verkauft es in seinem Webshop ausschließlich in Grau und bietet dort ebenfalls nur fixe Konfigurationen statt individueller Optionen an – schade.

Fazit

Lenovo hat mit dem Yoga Slim 7 Pro (14ACH5) ein schickes Notebook auf die Beine gestellt, das eine hohe Rechenleistung und viele neue Komfortfunktionen bietet, ohne dafür ein allzu großes Loch in den Geldbeutel zu reißen. Wer mit einer spiegelnden Bildschirmoberfläche klarkommt, bekommt ein tolles Panel mit hoher Auflösung, guten Farben, arbeitsfreundlichem 16:10-Format und außergewöhnlicher 90-Hz-Unterstützung. (mue@ct.de)

Lenovo Yoga Slim 7 Pro (14ACH5): Daten und Testergebnisse
getestete Konfiguration 82MS001NGE
Lieferumfang Windows 10 Home 64 Bit, Netzteil
Schnittstellen (V = vorne, H = hinten, L = links, R = rechts, U = unten)
VGA / DVI / HDMI / DisplayPort / Kamera (Hello) – / – / – / – / ✓ (✓)
USB 2.0 / USB 3.0 / USB 3.1 / LAN – / 1 × R / 2 × L (2 × Typ C) / –
Kartenleser / Strom / Docking-Anschluss – / – / –
USB-C: Thunderbolt / USB 3.0 / USB 3.1 / DisplayPort / Laden – / ✓ / ✓ / ✓ / ✓
Ausstattung
Display LEN140WQ+: 14 Zoll / 35,6 cm, 2880 × 1800, 16:10, 242 dpi, 90 Hz, 3 ... 332 cd/m2, spiegelnd
Prozessor AMD Ryzen 9 5900HX (8 Kerne mit SMT), 3,3 GHz (Turbo bis 4,6 GHz), 8 × 512 KByte L2-, 16 MByte L3-Cache
Hauptspeicher 16 GByte DDR4-3200
Grafikchip (Speicher) / mit Hybridgrafik int.: AMD Radeon Vega 8 (vom Hauptspeicher) / –
Sound HDA: Realtek ALC287
LAN / WLAN – / PCIe: Intel AX200 (Wi-Fi 6, 2 Streams)
Mobilfunk / Bluetooth (Stack) – / USB: Intel (Microsoft)
Touchpad (Gesten) / TPM / Fingerabdruckleser I2C: HID (max. 4 Finger) / TPM 2.0 / –
Massenspeicher / optisches Laufwerk SSD: WDC SN730 (1024 GByte) / –
Stromversorgung, Maße, Gewicht
Akku (Ladestopp < 100 % einstellbar) 61 Wh Lithium-Ionen (✓)
Netzteil 95 W, 422 g, 12,5 cm × 5,5 cm × 2,9 cm, Kleeblattstecker
Gewicht / Größe / Dicke mit Füßen 1,42 kg / 31,2 cm × 22 cm / 1,6 ... 1,9 cm
Tastaturhöhe / Tastenraster 1,1 cm / 19 mm × 18,5 mm
Leistungsaufnahme
Suspend / ausgeschaltet 0,7 W / 0,3 W
ohne Last: Display aus / 100 cd/m2 / max 3,9 W / 6,6 W / 8,5 W
CPU-Last / Video / 3D-Spiele (max. Helligkeit) 63 W / 16 W / 49 W
max. Leistungsaufnahme / Netzteil-Powerfactor 96 W / 0,95
Laufzeit, Geräusch, Benchmarks
Laufzeit Idle (100 cd/m2) / Video (200 cd/m2) / 3D (max) 14 h / 7,6 h / 1,8 h
Ladestand / Laufzeit nach 1h Laden 55 % / 7,6 h
Geräusch ohne / mit Rechenlast < 0,1 Sone / 2,3 Sone
Massenspeicher lesen / schreiben 3004 / 2930 MByte/s
IOPS (4K) lesen / schreiben 140032 / 104192
WLAN 5 GHz / 2,4 GHz (20m) / MU-MIMO-fähig 22,5 / 17,9 MByte/s / ✓
Qualität Audioausgang / Dynamikumfang plus / 91,9 dBA
Cinebench R23 Rendering (1T / nT) 1475 / 11042
3DMark: Wild Life / Night Raid / Fire Strike / Time Spy / Port Royal 7554 / 15664 / 3533 / 1407 / –
Preis und Garantie
Straßenpreis Testkonfiguration 1200 €
Garantie 2 Jahre
plusplus sehr gut plus gut neutral zufriedenstellend minus schlecht minusminus sehr schlecht ✓ vorhanden – nicht vorhanden k. A. keine Angabe

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