c't 21/2021
S. 74
Test & Beratung
8K-TV mit Mini-LED

Pixelmeister

Samsung 65QN900A: 8K-TV mit Mini-LEDs im Backlight

Die Mini-LEDs in der Hintergrundbeleuchtung des 65QN900A ermöglichen extrem hohe In-Bild-Kontraste. Davon profitiert der 8K-Fernseher enorm und er weiß auch sonst zu gefallen.

Von Ulrike Kuhlmann

Samsungs 65QN900A gehört zu den ersten LCD-TVs mit einem Backlight aus winzigen LEDs, die in viele dimmbare Zonen gruppiert wurden. Gegenüber dem Vorgänger 65Q950T hat Samsung die Anzahl der Zonen vervierfacht. Die im Schachbrett angeordneten 48 x 28 LED-Felder sind dadurch deutlich kleiner geworden – was besser ist, weil sich so gezielter einzelne Bildbereiche aufhellen oder abdunkeln lassen. Zusätzlich verwendet Samsung neue, besonders flache Mini-LEDs. So besticht der 65QN900A mit seinem durchgehend schlanken Display: Er ist zwar nicht so superdünn wie viele OLEDs, doch letztere sind nur oben dünn, unten legen sie dagegen deutlich zu. Die schlanke Linie hat das Samsung-TV auch der separaten One Connect Box zu verdanken, in die sämtliche Signalelektronik ausgelagert wurde. Sie versorgt das Display über ein semitransparentes Kabel mit Videosignalen und Strom und passt hinten auf die Schräge des Displayfußes. Auch die extrem schmale Einfassung – Samsung nennt sie nicht ganz zu Unrecht Infinity Screen – trägt zu dem bestechenden Äußeren bei.

Ein durchgehend schlankes Display wie beim 65QN900A bietet derzeit nur Samsung, hinten auf dem Fuß liegt die One Connect Box mit allen Anschlüssen.

Aufgrund der feinen Helligkeitssteuerung stellt der Schirm gerade kontraststarke Inhalte wie brennende Fackeln oder Sonnenstrahlen im Blätterwald beeindruckend klar und leuchtend dar; aber auch herkömmliche TV-Inhalte sehen klasse aus. Durch die lokale Helligkeitsanpassung im Backlight reicht der Bildkontrast global gesehen an OLEDs heran. Nur für Sternenhimmel und sehr kontraststarke feine Übergänge wie an Laufschriften im Filmabspann reicht die Granularität nicht aus. In Standbildern konnten wir insbesondere von der Seite Übergänge und Einstrahlen in benachbarte Zonen erkennen.

Die Spitzenleuchtdichte eines hellen Messflecks auf schwarzem Grund (10 Prozent Weißanteil) erreichte im Standardmodus helle 1600 cd/m2, im angenehmeren Film-Preset beziehungsweise im Filmmaker-Modus waren es immer noch sehr gute 1520 cd/m2. Zusammen mit dem tiefen Schwarz und den satten Farben erzielt das Smart-TV so brillante HDR-Bilder. Zudem ist der große Schirm sehr gleichmäßig ausgeleuchtet. Schade, dass Samsung nicht das weit verbreitete Dolby Vision unterstützt, sondern weiterhin auf das eigene HDR-Format HDR 10+ setzt. In diesem bietet allein Amazon einige Filme an. Der 65QN900A könnte mit Dolby Vision sicher noch mehr glänzen.

Die neue One Connect Box beinhaltet die Videoelektronik und sämtliche Signaleingänge. Sie passt genau auf den Displayfuß und verschwindet damit aus dem Sichtfeld.

Entruckeln

Im Filmmaker-Modus, in dem das Display Inhalte so wiedergeben soll, wie von den Filmemachern geplant, sind sämtliche Optimierungen im TV deaktiviert. Dadurch ruckelt das Bild bei Kamerafahrten. Abhilfe schafft die De-Judder-Funktion, die sich im Bildmenü unter „Experteneinstellung/Bildschärfe/Benutzerdefiniert“ findet. Mit einer Judder-Reduzierung auf +5 waren Bewegtbilder ruckelfrei und wirkten noch natürlich.

Den Farbraum haben wir auf „nativ“ gestellt, andernfalls kamen die an sich satten Farben bei HDR-Zuspielung etwas matt rüber. Sie blieben auch von der Seite satt, wozu auch die gut entspiegelte Schirmoberfläche beiträgt. Feine Farbverläufe löste das Display sehr gleichmäßig auf, nur ganz helle Stellen wurden nicht differenziert. Bei HDR-Zuspielung geht der Neo Quantum Prozessor forsch ans Werk, wodurch in einigen Testbildern feine Linien verschwanden. Davon abgesehen gelingt ihm die Hochskalierung von Full-HD- und 4K-Inhalten auf die 8K-Displayausflösung sehr gut.

Die „invisible Cable“ genannte Verbindung zwischen Display und One Connect Box führt sowohl Videosignale als auch Strom.

Energiehungrig

Ein Nachteil der ultrahohen 8K-Auflösung ist der damit verbundene höhere Energiebedarf: Weil die 33 Millionen Pixel einzeln angesteuert werden müssen, verlaufen zwischen den Pixelreihen viele Leitungen. Diese lichtschluckende Black Matrix belegt etwa ein Drittel der verfügbaren Panelfläche, und entsprechend hell muss das Backlight durch die transparenten Pixelflächen strahlen. Der 65-zöllige Fernseher benötigt im Auslieferungszustand mit genormten SDR-Videosequenzen stolze 236 Watt, bei HDR-Zuspielung waren es etwa 330 Watt. 65-zöllige 4K-TVs begnügen sich mit deutlich weniger als 200 Watt.

Zum Glück bietet Samsung im Menü einige Sparmöglichkeiten an, darunter einen Umgebungslichtsensor, über den die Schirmleuchtdichte automatisch an die Raumhelligkeit angepasst wird. Das ist entschieden sinnvoller als die „bewegungsgesteuerte Beleuchtung,“ die das Display nach wenigen Minuten stumpf abdunkelt, wenn es Bewegtbilder anzeigt.

Im Rücken der minimalistischen Fernbedienung sitzt ein Solarpanel, das die Akkus im hellen Wohnzimmer lädt.

Seine schlanke Fernbedienung hat Samsung mit Solarzellen und Akku ausgestattet, der im Lampenlicht oder alternativ per USB-C geladen wird. Im Informationsblatt der EU-Kommission verspricht der Hersteller, den 65QN900A acht Jahre mit Software- und Firmware-Updates zu versorgen, bis zu sieben Jahre nach Abkündigung des Geräts Ersatzteile bereitzustellen sowie sieben Jahre lang Produkt-Support zu leisten. Das ist vorbildlich.

Ergebnis

Samsungs 65QN900A bringt mit Quantenpunkten und Mini-LEDs im Backlight farb- und kontraststarke Bilder aufs Display. Auch die starke Blickwinkelabhängigkeit vieler Vorgänger ist weitgehend ausgemerzt. Die Bedienung des Smart-TVs mit der schlanken Fernbedienung ist intuitiv und die Ausstattung mit Apps vorbildlich – mit einem stabilen Internetzugang werden viele Nutzer wohl auf externe Zuspieler verzichten können. Auch der Klang des 65-Zöllers gefällt bereits ohne zusätzliche Soundbar.

Der Zugewinn durch die 8K-Auflösung gegenüber 4K-TVs hält sich in Grenzen, die Leistungsaufnahme und auch der Preis ist mit fast 6000 Euro allerdings deutlich höher. Wer darüber hinwegsehen kann und ein smartes Fernsehdisplay sucht, das in jeder Hinsicht präsentabel ist, sollte den 65QN900A in Erwägung ziehen. (uk@ct.de)

Samsung Neo QLED 65QN900A​
Smart-TV mit 8K-Auflösung und Mini-LEDs​
Hersteller, URL Samsung, samsung.de
Größe 65 Zoll LCD-TV / 1,65 m Diagonale
Panel PVA / 100 Hz, 10 Bit
Backlight Direct-LED mit local dimming (28 x 48 Zonen)
Auflösung 7680 x 4320 Pixel (8K), 136 dpi
Signaleingänge 4 x HDMI 2.1 (4K/120 Hz mit HDR)
TV-Tuner Dual Tuner 2 x DVB-T2/C/S2, 1 x CI+ Slot und TVkey
Weitere Anschlüsse 2 x USB 2.0, 1 x USB 3.0, Ethernet, SPDIF (optisch), WLAN 802.11ac, Bluetooth 5.0 LE
Lautsprecher 80 W (6.2.2)
Abmessungen 143 cm x 89 cm x 89 cm x 30 cm / 30,1 kg
Betriebssystem Tizen 6.0
HDR HDR 10, HDR 10+, HLG
Audio Dolby Digital Plus, Dolby 5.1, Object Tracking Sound
Ausstattung HbbTV, USB-Recording, Sprachsteuerung Bixby, Amazon Alexa, Google Assistant, Apple Airplay 2/Home Kit, AutoCal mit Calman, Bild-in-Bild (PIP), One-Conect-Box, 2,5 m Invisible Cable (5 m optional), Slim Fit Wandhalterung (optional)
Streaming-Dienste Netflix, Prime Video, Disney+, Apple TV, Sky Ticket, YouTube
Bildeindruck TV / Video plusplus / plus
Klangeindruck plus
Ausstattung / Medienfunktionen plusplus / plusplus
Bedienung plusplus
Garantie 2 Jahre
Preis ab 5800 Euro
plusplus sehr gut plus gut neutral zufriedenstellend minus schlecht minusminus sehr schlecht​

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