c't 21/2021
S. 76
Test & Beratung
Gaming-Grafikkarte

Schwerer Zocker

Asrocks Radeon RX 6900 XT OC Formula bringt Spiele auch in 4K ruckelfrei auf den Schirm und nimmt es mit der GeForce RTX 3090 auf – solange keine Raytracing-Effekte ins Spiel kommen.

Die 33 Zentimeter lange und 1,8 Kilogramm schwere Wuchtbrumme belegt mit ihrem dicken Triple-Fan-Kühler drei PCIe-Slots; ein weiter Slot geht drauf, wenn man das beiliegende Stützblech montiert. Wegen Designelementen wie den abgerundeten Ecken wirkt die Karte dennoch eher kompakt-massiv. Die per Polychrome-Schnittstelle steuerbare und per Schieber abschaltbare LED-Beleuchtung lässt ein in die Karte eingelassenes Band farbig leuchten oder pulsieren. Weitere Einstellungen an Lichtspiel, Takt oder Powerlimit nimmt man im Asrock-Utility „Tweak“ vor.

Die Karte bringt 16 GByte GDDR6-Grafikspeicher mit, der mit 256 Datenleitungen angebunden ist, und kann über ihre drei DisplayPorts der Generation 1.4 und die HDMI-2.1-Buchse vier 4K-Displays parallel mit bis zu 144 Hz ansteuern. Alternativ findet auch ein 8K-Monitor (7680 x 4320 Pixel) Anschluss, dank der Farbkompression DSC sogar mit 60 Hz. Anders als AMDs Referenzkarte hat Asrocks Radeon 6900 XT keinen USB-C-Anschluss.

Im Leerlauf bleibt die Karte mit stehenden Lüftern unhörbar und begnügt sich mit 11 Watt. Unter Last gibt Asrock der Navi-21-XTX-GPU die Taktsporen: Statt 2015 und 2250 MHz reichen Gaming- und Boost-Takt bereits im recht leisen Quiet-Mode (Volllast: 1,1 sone) bis 2165 und 2365 MHz. Mit lauterer (bis zu 1,3 sone), stromdurstigerer Performance-Firmware kommen über 100 MHz drauf. Zum Wechsel dient ein kleiner Schieber an der Kartenseite; anschließend muss der Treiber neu installiert werden, damit die veränderten Taktraten zuverlässig übernommen werden.

In beiden Modi schiebt sich die Asrock-Karte knapp vor eine PowerColor Radeon RX 6900 XT Red Devil Limited Edition (siehe c’t 4/2021, S. 100). Ihre drei achtpoligen PCIe-Stromanschlüsse trägt sie nicht von ungefähr: Unter Volllast lag die Leistungsaufnahme zwischen 330 und knapp 380 Watt, kurzzeitige Lastspitzen reichten bis 450 Watt. Die Netzteilempfehlung von 1000 Watt ist also durchaus ernst gemeint, denn eine derart potente Grafikkarte will auch von einem schnellen, ebenfalls stromdurstigen Prozessor mit Daten gefüttert werden.

Mit Nvidias GeForce RTX 3090 Founders Edition liefert sich die Asrock-Karte ein enges Rennen. In Shadow of the Tomb Raider liegt die RX 6900 XT stets einige Frames vorn, in 4K mit Ultra-Details steht es 100 zu 92 fps. In Metro Exodus führt die Nvidia-Karte ebenso knapp mit 73 zu 70 fps. Mit aktivierten Raytracing-Effekten halbiert sich die Bildrate der Asrock-Karte bei 4K-Auflösung ungefähr, in Tomb Raider auf durchschnittlich 53, in Metro auf nur 40 fps. Allein in Control packte sie selbst in WQHD (2560 x 1440 Pixel) im Schnitt nur 42 fps. Die Nvidia-Konkurrentin schüttelte trotz RT noch 65 fps aus dem Ärmel, in Verbindung mit dem intelligenten Upscaler DLSS sogar 107 fps.

Wer Spiele ohne Raytracing-Effekte in 4K zockt, findet in der Asrock Radeon RX 6900 XT OC Formula eine schnelle und noch leise, aber mit 1700 Euro auch teure Karte. Die vernünftigere Wahl ist eine nur wenig langsamere, genügsamere Radeon RX 6800 XT oder, wenn Raytracing auf dem Wunschzettel steht, eine GeForce RTX 3080, die jeweils etwa 350 Euro weniger kosten. (bkr@ct.de)

Asrock Radeon RX 6900 XT OC Formula
Spielergrafikkarte für 4K oder Raytracing
Hersteller, URL Asrock, asrock.com
GPU / Grafikspeicher Navi 21 XTX / 16 GByte GDDR6
Shader / TMUs / ROPs 5120 / 320 / 128
Abmessungen (L × H × B) / Gewicht 33,2 cm × 13,7 cm × 6,1 cm / 1,8 kg
Anschlüsse 3 x DP 1.4a, HDMI 2.1, 3 × PCIe 8-Pol
Preis (Straße) / Garantie 1900 € (1700 €) / 24 Monate

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